Beschreibung im RIC zweifelhaft

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chinamul
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Beschreibung im RIC zweifelhaft

Beitrag von chinamul » Fr 13.11.09 12:47

Der hier zur Diskussion stehende Sesterz der Faustina Mater entspricht wohl am ehesten der RIC-Nummer 1127 (Ant. Pius). Die dortige Beschreibung der Rückseite lautet „Pietas standing l., sacrificing with patera (meine Unterstreichung) over altar and holding box of incense“. Auf meiner Münze opfert die Pietas jedoch eindeutig aus der bloßen Hand, was mir auch viel logischer entscheint. Wie will man denn aus einem Kästchen das Räucherwerk mit einer Patera entnehmen?
Der Typ, bei dem Pietas in der Linken ein Kästchen hält, scheint ausnahmslos in Kombination mit einer Opferhandlung aus der bloßen Rechten vorzukommen.
Ich habe drei weitere Münzbeispiele der Faustina angefügt. Sie zeigen eindeutig, daß Pietas in keinem Falle eine Patera hält.
Nach meinem Eindruck liegt im RIC demnach eine Fehlbeschreibung vor.
Was mich an meinem neuen Sesterz allerdings wundert, ist, daß – im Gegensatz zu den drei unten abgebildeten Stücken – die Pietas hier aus einer sehr viel höher erhobenen Hand opfert. Auch das Kästchen mit dem Räucherwerk – falls überhaupt vorhanden – ist nicht zweifelsfrei zu erkennen. Möglicherweise handelt es sich hier um eine der eigentlichen Opferhandlung vorausgehende bzw. folgende rituelle Gebärde, wie wir sie von einigen späteren Großbronzen kennen.
Ich bin sehr gespannt auf Eure Kommentare.

Gruß

chinamul
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Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

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quisquam
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Beitrag von quisquam » Fr 13.11.09 13:48

Hallo chinamul,
ich denke dies ist tatsächlich ein Fehler in der Beschreibung. RIC 1127 zitiert Cohen 125, und dort ist, neben der "Parfümschachtel", die ich auch nicht wirklich sehe, nur von einer erhobenen Hand die Rede.
http://www.inumis.com/rome/books/cohen/vol_ii/p422.html

Bei deinen Vergleichssesterzen dürfte es sich um ein Thymiaterion handeln, in das Räucherwerk nachgelegt wird. Bei der fraglichen Münze bin ich mir nicht so sicher, dass selbiges dargestellt ist. Dort sieht es eher nach einem gewöhnlichen Altar aus.

Grüße, Stefan
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