Homonoia

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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tilos
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Homonoia

Beitrag von tilos » Mi 17.03.10 17:14

Marcus Aurelius
AE 33mm / 16,92g
Rv.: l. stehende Demeter mit Stabfackel i.d.L. u. Kornähren i.d.R., gegenüber sitzende Kybele m. Mauerkrone u. Patera

Gehe ich recht i.d. Annahme, dass dieses Stück eine Homonoia zwischen Nicomedia/Bithynien und Smyrna/Ionien dokumentiert?

Gruß
Tilos
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tilos
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Re: Homonoia

Beitrag von tilos » Do 18.03.10 23:13

Trotz intensiver Suche konnte ich bislang kein vergleichbares Stück "auftreiben".

Aber anhand der erkennbaren Rv.-Leg.-Fragmente bin ich mir bei der Zuordnung doch relativ sicher:

... - ...NOY.OMO.CMYP.
i.A.: NЄIKOM

Gruß
Tilos

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Dapsul
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Re: Homonoia

Beitrag von Dapsul » Fr 19.03.10 12:25

Scheint mir SNG Aulock 2245, BMC 14, S. 302 Nr. 489 zu sein. Es ist tatsächlich eine Homonoiaprägung von Smyrna und Nikomedia. Und ein schönes Stück!

Gruß - Frank

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Peter43
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Re: Homonoia

Beitrag von Peter43 » Fr 19.03.10 16:37

Ich bin wieder aus Köln zurück und kann jetzt im Franke/Nolle nachschauen: Es handelt sich - wie Du bereits vermutet und Dapsul bestätigt hat - um eine Homonoiaprägung von Smyrna (ausgebende Stadt) mit Nikomedeia. Es handelt sich dabei um ihre Typus I: 'Demete von Nikomedeia l. vor thronender Kybele von Smyrna'. Von Ruprecht Ziegler habe ich gerade erfahren, das üblicherweise die ausgebende Stadt li steht.
Vs.: .A.V.K.M.AVR. - ANTWNEINOC, drapierte Büste mit Lorbeerkranz n.r.
Rs.: .CTRA.M C - E - LLIOV.OMO.CMVR.
im Abschnitt NEIKOM
Demeter von Nikomedeia l. stehend, n.r. gewandt, mit der Linken sich auf Fackelstab stützend, in der gesenkten Rechten zwei Ähren haltend, ihr
gegenüber Kybele mit Mauerkrone n.l. thronend, in der vorgestreckten Rechten Patera, mit der Linken sich auf Tympanon stützend.
Es sind 3 Münzen gelistet:
#1941 Paris 2576 (Klose 330, 15)
#1942 SNG von Aulock (Pera 87 Nr.1; Klose 330,15), und
#1943 London, BM (BMC Ionia 303 Nr.489 mit Abb. Taf. 39, 7 Rs.: Pera 87 Nr.1, Klose 330, 15 mit Abb. Taf. 58)
Die Münze #1943 ist bei Franke/Nolle im Bildteil abgebildet.
Dies sind also 3 verschiedene Ex. desselben Typs.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Homonoia

Beitrag von areich » Fr 19.03.10 17:11

Peter43 hat geschrieben:Von Ruprecht Ziegler habe ich gerade erfahren, das üblicherweise die ausgebende Stadt li steht....
Hast Du das Buch von Ursula Kampmann über die Homonoiaprägungen der Stadt Pergamon?
Dort wird alles wunderbar erklärt, wer auf welcher Seite steht und viele andere spannende Sachen, das war ein unheimlich kompliziertes System.
Das ist quasi gedacht als Textteil zum Franke / Nollé, denn das ist ja nur ein Katalog.

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Re: Homonoia

Beitrag von Peter43 » Fr 19.03.10 19:54

Nein, das Buch kenne ich nicht. Deshalb vielen Dank für den Tip!

Jochen
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Re: Homonoia

Beitrag von areich » Fr 19.03.10 20:04

Die Homonoia-Verbindungen der Stadt Pergamon, Saarbrücker Studien zur Archäologie und Alten Geschichte.
Ein tolles Buch und auch noch spottbillig, z.B. hier:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... 0408535185

Es sollte wohl noch ein Kommentarband zum Franke / Nollé erscheinen aber das ist scheinbar noch nicht passiert und nach 13 Jahren wird er
wohl nicht mehr erscheinen. Das Buch von Frau Kampmann erklärt die Hintergründe sehr schön und gibt viele ganz konkrete Erklärungen, wie eine bestimmte Münze zu interpretieren ist, d.h. wer sie herausgegeben hat, wer geehrt wird.

Es wäre sehr nützlich und interessant gewesen, solche Kommentare zu den Münzen im F/N zu haben.

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Re: Homonoia

Beitrag von tilos » So 21.03.10 15:05

Wieder zurück im Heimatdorf finde ich Eure weiterführenden Beiträge - recht herzlichen Dank!
Ein klein wenig bin ich doch noch verunsichert - die Münze liegt auch noch in der "Nikomedia-Kiste" - die ausgebende Stadt ist also Smyrna?!
Areichs Bücherlink ist ja super, ich mach mich gleichmal ran ans Bestellen!

Einen schönen Sonntag wünscht
Tilos

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Re: Homonoia

Beitrag von areich » So 21.03.10 17:39

Das ist gar nicht unbedingt so einfach. Wie ich mich erinnere haben in der Regel (wenn es eine 'echte' Homonoia war) beide Städte Münzen geprägt, meistens wurde dort die andere Stadt geehrt bzw. beide waren im Gleichgewicht. Dies Münzen wurden dann (oder nicht immer?) in die andere Stadt gebracht und liefen dort um. Der linke Platz war der Ehrenplatz, hier also Nikomedia aber das konnte auch dadurch ausgeglichen bzw. abgeschwächt werden, daß man verschiedene Vertreter der Städte benutzte, die verschieden wichtig waren. Manchmal musste dann eine Stadt ihre B-Prominenz auffahren, damit die andere, die vielleicht nicht viel zu bieten hatte, die geehrte Stadt sein konnte. Geehrt wird hier Nikomedia aber wie sehr (Kybele zählt wohl mehr als die beiden Nemesei) ist mir nicht so klar. Wie gesagt, es ist alles relativ kompliziert aber sehr interessant.

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