Silberplakette - Einigkeit Macht Stark - 1870

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Moderator: Lutz12

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mimach
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Silberplakette - Einigkeit Macht Stark - 1870

Beitrag von mimach » Do 26.05.22 21:45

Liebe Sammlerfreunde,

ich möchte euch heute eine einseitige, runde Silberplakette vorstellen zu der mir leider keine weiteren Daten vorliegen außer die offensichtlichen.
Medaille - Plakette einseitig - Einigkeit Macht Stark 1870 - Silber -AV.jpg
Medaille - Plakette einseitig - Einigkeit Macht Stark 1870 - Silber -RV.jpg
Material: Silberblech
Gewicht: 23,73 g
Durchmesser: 79,34 mm

Beschreibung:
Siegerkranz mit Ortsnamen der Schlachten des Deutsch-Französischen Kriegs: Sedan, Vionville, Marsla Tour, Gravelotte, Wörth, Weissenburg, Saarbrücken, Straßburg, Metz, Paris
Unten die Jahreszahl: 1870
Oben, zwischen den Kranzenden ein Stern.

Im Zentrum steht eine Soldatengruppe mit verschiedenen Uniformen, die sich an den Armen und Schultern fasst. Darüber ein stilisierter Banner mit einer Inschrift in 3 Zeilen:
EINIGKEIT | MACHT | STARK

Unter der Soldatengruppe der Ausruf: HURRAH ' GERMANIA '

Signatur: nicht vorhanden


Spekulationen:
Scheinbar stammt sie aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges wie die Jahreszahl 1870 und die Auflistung der Schlachten und Belagerungen im Siegeskranz zeigt.
Herstellungszeitpunkt muß Ende 1870 gewesen sein, denn es wird auf der Plakette nicht vom Deutschen Kaiserreich oder einem gewonnenen Krieg gesprochen. Vor allem der Begriff Germania scheint als Idee in dem Ausruf darauf hinzudeuten. Zudem erscheint der Bannerspruch wie ein Aufruf an die deutschen Staaten zusammen zuarbeiten. Im November 1870 traten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen dem Norddeutschen Bund bei. Das Deutsche Kaiserreich wurde anschließend fast heimlich am 1. Januar 1871 gegründet. Der Krieg wurde jedoch erst offiziell am 10. Mai 1871 beendet.

Aufruf: Falls euch weitere Daten zu der Plakette vorliegen, so macht diese bitte hier bekannt.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

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mimach
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Re: Silberplakette - Einigkeit Macht Stark - 1870

Beitrag von mimach » Do 26.05.22 22:43

Zu dem Ausruf "Hurrah Germania" bin ich gerade fündig geworden.
Es gibt ein Gedicht von Ferdinand Freligrath mit dem Namen.
Es stammt passender Weise aus dem Jahr 1870 und thematisiert das Bündnis der deutschen Staaten im Krieg gegen Frankreich.

"Ferdinand Freiligrath (1810-1876) verfasste politische Gedichte, die von den Zensoren in den 1840er Jahren aufgrund ihrer liberalen und demokratischen Sichtweise verboten wurden. Nachdem er 1846 nach London emigriert war, kehrte er 1846 nach Deutschland zurück, wo er Karl Marx (1818-1883) traf und Herausgeber von Marx’ Neuer Rheinischer Zeitung wurde. Nach einer Zeit im Gefängnis musste er 1851 nach London ins Exil und blieb dort bis 1868. Freiligraths revolutionäre Vorgeschichte hielt ihn nicht davon ab, sich eine Art der Dichtung zu eigen zu machen, die gefühlsbetont, protestantisch und offensichtlich politisch war. Das folgende Gedicht entstand nur wenige Tage nach Frankreichs Kriegserklärung an Preußen im Juli 1870. Der Rhein ist ein wichtiges Symbol in dem Gedicht, ebenso wie er es für viele Nationalisten war, die behaupteten, dass Frankreich niemals das linksrheinische Ufer beherrschen dürfe: der Fluss sollte immer ein „deutscher Rhein“ sein. Das Gedicht spiegelt den Erfolg von Bismarcks Strategie wider, Deutschland als eine friedliebende Nation darzustellen: Germania, personifiziert als Frau und Mutter, wird zu Unrecht von einem kampflustigen Feind angegriffen, beschließt jedoch in berechtigtem Zorn, ihre Kinder zu verteidigen, die sich wiederum zu ihrem Beistand zusammenschließen." (Quelle: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 4. Reichsgründung: Bismarcks Deutschland 1866-1890 Ferdinand Freiligrath, „Hurra, Germania!“ (25. Juli 1870) )



https://gedichte.xbib.de/Freiligrath_ge ... mania!.htm

Hurra, Germania!

Hurra, du stolzes, schönes Weib,
Hurra, Germania!
Wie kühn mit vorgebeugtem Leib
Am Rheine stehst du da!
Im vollen Brand der Juliglut,
Wie ziehst du risch dein Schwert!
Wie trittst du zornig frohgemut
Zum Schutz vor deinen Herd!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Du dachtest nicht an Kampf und Streit:
In Fried und Freud und Ruh
Auf deinen Feldern, weit und breit,
Die Ernte schnittest du,
Bei Sichelklang im Ährenkranz
Die Garben fuhrst du ein:
Da plötzlich, horch, ein andrer Tanz!
Das Kriegshorn überm Rhein!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Da warfst die Sichel du ins Korn
Den Ährenkranz dazu;
Da fuhrst du auf in hellem Zorn,
Tief atmend auf im Nu;
Schlugst jauchzend in die Hände dann:
Willst du’s, so mag es ein!
Auf, meine Kinder, alle Mann!
Zum Rhein! Zum Rhein! Zum Rhein!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Da rauscht das Haff, da rauscht der Belt,
Da rauscht das deutsche Meer;
Da rückt die Oder dreist ins Feld,
Die Elbe greift zur Wehr.
Neckar und Weser stürmen an,
Sogar die Flut des Mains!
Vergessen ist der alte Span:
Das deutsche Volk ist eins!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Schwaben und Preußen Hand in Hand;
Der Nord, der Süd ein Heer!
Was ist des Deutschen Vaterland -
Wir fragen’s heut nicht mehr!
Ein Geist, ein Arm, ein einzger Leib,
Ein Wille sind wir heut!
Hurra, Germania, stolzes Weib!
Hurra, du große Zeit!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Mag kommen nun, was kommen mag:
Fest steht Germania!
Dies ist All-Deutschlands Ehrentag:
Nun weh dir, Gallia!
Weh, dass ein Räuber dir das Schwert
Frech in die Hand gedrückt!
Fluch ihm! Und nun für Heim und Herd
Das deutsche Schwert gezückt!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Für Heim und Herd, für Weib und Kind,
Für jedes teure Gut,
Dem wir bestellt zu Hütern sind
Vor fremdem Frevelmut!
Für deutsches Recht, fürdeutsches Wort,
Für deutsche Sitt und Art -
Für jeden heilgen deutschen Hort,
Hurra, zur Kriegesfahrt!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!

Auf, Deutschland, auf, und Gott mit dir!
Ins Feld! Der Würfel klirrt!
Wohl schnürt’s die Brust uns, denken wir
Des Bluts, das fließen wird!
Dennoch das auge kühn empor!
Denn siegen wirst du ja:
Groß, herrlich, frei, wie nie zuvor!
Hurra Germania!
Hurra, Viktoria!
Hurra, Germania

Ferdinand Freiligrath, 1870
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

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