Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Griechische Münzen des Altertums

Moderator: Numis-Student

Nikolaus
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Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Nikolaus » Mi 04.01.12 23:39

Liebe Numismatiker,
ich brauche Hilfe bei der Lösung einer Frage unseres Schulquizes, Hilfe ist erlaubt. Es handelt sich um wirklich knifflige Fragen, die man manchmal gar nicht alleine lösen kann! Wir vermuten, dass diese Hauptstadt, in deren Umgebung sich der Münzprägeort befindet, Skopje ist. Aber wo könnte also im 1./2. Jahrhundert auf dem Balkan sich dieser Münzprägeort finden? Hoffe auf Eure Hilfe!
Liebe Grüße
eine Stiftschülerin


3. hügelig

ΣΩΤΗΡ (Retter, Heiland) steht auf der Münze aus der Zeit des 1./2. Jahrhunderts nach Christi Geburt. Der Ort, in dem sie geprägt wurde, erhielt in der Gegenwart höchste Anerkennung. Keine 40 Kilometer von ihm entfernt befindet sich die Hauptstadt eines modernen Staates, bei deren Gestaltung ein Grieche und ein Japaner eine nicht unwichtige Rolle spielten. In seiner Vergangenheit erlebte der Ort etwa tausend, zum Teil sehr glanzvolle, Jahre. Hier berührten und verbanden sich unterschiedliche Kulturen. In manchen Epochen war er ein herausragendes Bildungszentrum.

-> Von welchem Ort sprechen wir?

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Peter43
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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Peter43 » Do 05.01.12 16:57

Die beschriebene Hauptstadt scheint wirklich Skopje zu sein:
Am 26. Juli 1963 zerstörte abermals ein schweres Erdbeben weite Teile der Stadt, sodass internationale Hilfe erforderlich wurde. Nahezu die gesamte Altstadt wurde zerstört, es gab 1070 Todesopfer.[15] Der Wiederaufbau erfolgte nach einem Masterplan des japanischen Architekten Kenzo Tange.

Südlich davon liegt das antike Stobi, die größte Ausgrabungsstätte in Mazedonien. Stobi war ein bedeutender Münzprägungsort. Heute heißt es Gradsko.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

Altamura

Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Altamura » Do 05.01.12 17:03

Hallo Nikolaus,

ich hab' jetzt eine Weile gesucht, aber auch nichts herausbekommen :( , da haben sie Euch wirklich schwierigen Stoff vorgelegt (wenn's leicht wäre, würde es aber auch keinen Spaß machen :wink: ).

Ein paar Fragen und Ideen hab' ich aber, vielleicht kann das jemand aufgreifen und es ergibt sich so eine Lösung.

Wie kommt Ihr denn auf Skopje?
In Wikipedia finde ich zwar, dass der Wiederaufbau von Skopje nach einem Erdbeben 1963 von einem japanischen Architekten geplant wurde, wer aber soll der Grieche sein, der hier die "nicht unwichtige Rolle" gespielt hat? Da hab' ich nichts Vernünftiges gefunden.

Dann macht mich die Münzlegende mit ΣΩΤΗΡ stutzig. Im 1./2. Jahrhunder nach Christus war der Balkan römisch, und in dieser Zeit waren Legenden auf Münzen in der Regel lateinisch. Da bin ich aber nicht so der Experte, vielleicht könnte jemand von den Römerfreunden dazu Genaueres sagen. Mir scheint das nicht so ganz zu passen.

Zur "höchsten Anerkennung", die dieser Prägeort in jüngster Zeit erhalten haben könnte, ist mir nur sowas wie Weltkulturerbe oder europäische Kulturhauptstadt eingefallen. 40 Kilometer um Skopje hab' ich da aber auch nichts gefunden. Oder kann das noch was ganz anderes gewesen sein?

Mal schauen, vielleicht hilft's weiter, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt :wink: .

Gruß

Altamura

PS: Jetzt hab' ich gesehen, dass Jochen etwas schneller war :? .
Stobi hatte ich auch gefunden, aber keine Münze dazu, auf der ΣΩΤΗΡ stehen würde. Und was war da diese "höchste Anerkennung"? Aus meiner Sicht ist da die Beweislage noch zu dünn :| .

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Peter43
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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Peter43 » Do 05.01.12 22:58

Daß die Legenden auf dem Balkan in römischen Zeiten lateinisch waren, stimmt so nicht. Man darf die Provinzialprägungen nicht vergessen. Aber Stobi war ein römisches Municipium und hatte deshalb immer nur lateinische Inschriften. Alles sehr rätselhaft!
Zuletzt geändert von Peter43 am Fr 06.01.12 00:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Dapsul » Do 05.01.12 23:34

Sind auch keine 40 km von Skopje nach Stobi, sondern mehr. Und was sollen die 1000 glanzvollen Jahre von Stobi sein? Und die höchste Anerkennung in der Gegenwart? Und die griechische Legende?

Nikolaus
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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Nikolaus » Do 05.01.12 23:59

Hatte auch gedacht, jetzt mit Stobi es geschafft zu haben, aber es ist wirklich deutlich mehr als 40 km von Skopje entfernt. Nun denn, der Hinweis, dass Stobi " 2012 World Monuments Watch Site " geworden ist, hatte bei mir vorschnell die Lösung vorgegaukelt! Mein Klassenlehrer (juhu, dieses Jahr 30 Jahre Abi, oder gräm) ist übrigens ein echter Könner, da ist nichts falsch, höchstens die Fährte! Der hat übrigens als einer der ersten in einer der Kapseln bei "Wim Thoelke" mit Wim und Wendelin oder wie auch immer die Sendung hieß, gesessen, mit seinem Spezialgebiet "Griechische Inseln".
Bin übrigens das erste Mal in einem Forum, falls ich was falsch mache, mich nicht schnell genug melde oder so, sorry

Bin beeindruckt, von Scharfsinn hier.....

Gute Nacht, muss mich jetzt losreissen....

Nikolaus
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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Nikolaus » Fr 06.01.12 00:03

Nachfrage vor ins Bettsinken: Wie kommt man zu Hilfestellungen von Römerfreunden. Dort auch posten, oder wie? Wie gesagt, bin etwas unerfahren.....
Aber neugierig, ob das mit solch Hilfe gelingt.....
Gute Nacht!

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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von tilos » Fr 06.01.12 02:20

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... hracia.jpg

Vielleicht hilft ja ein Blick auf die Karte weiter.

I.Ü. sind Serdica und Pautalia näher dran als Stobi. Das Problem sind aber die "geforderten" 40 km!

Gruß
Tilos

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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von areich » Fr 06.01.12 09:49

Wenn Du's bei den Römern postest, dann am Besten nur einen Link zu diesem Thread, um doppelte Arbeit der Forumsmitglieder zu vermeiden, die den hier nicht kennen. Es gibt leider viele ausschließliche Römersammler, die nicht mal über den Tellerrand gucken.

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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Achaia » Fr 06.01.12 13:57

An Skopje hätte ich nie gedacht, mir lag spontan Edessa (http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%9Eanl%C4%B1urfa) auf der Zunge. (ist aber offenbar leider falsch, denn da fehlt eine Haupstadt in der Nähe)

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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Iulia » Fr 06.01.12 15:04

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der gesuchte Ort TAXILA heißt. Er ist rund 40 km von Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, entfernt. Islamabad ist eine moderne Planhauptstadt und wurde von dem griechischen Architekten Constantinos A. Doxiadis erbaut. (Den Japaner müsstet ihr noch finden). Der Herrscher, der dort im 1. bis 2. Jh. n. Chr. Münzen prägen ließ, war der Kushan-Herrscher SOTER Megas.
Grüße von
Iulia

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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Peter43 » Fr 06.01.12 15:26

Nicht schlecht. Eine wirklich überraschende Lösung!
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Dapsul » Fr 06.01.12 15:30

Gut!

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tilos
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Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von tilos » Fr 06.01.12 16:47

Aufgrund der "Soterprägungen" in griechischer Schrift im angegebenen Zeitraum war ich bis Gandhara bzw. Peshawar gekommen incl. einer antiken Handelsbeziehung nach Japan (aber ohne konkreten Japaner). Dann hatte ich aufgegeben, weil es irgendwie nicht passte. Die grobe Richtung scheint nun doch nicht so falsch zu sein - auch insofern freue ich mich sehr über das Ergebnis von Iulia!

Gruß
Tilos

Altamura

Re: Münzprägeort, nahe Skopje 1./2. Jahrhunder

Beitrag von Altamura » Fr 06.01.12 18:53

Iulia, muss man neidlos anerkennen :D !

Ich hatte die Soter Megas-Münzen beim Suchen ja schon vor der Nase (und besitze selbst auch welche), aber da war ich wohl schon zu verbohrt auf den Balkan eingenordet, als dass ich das gemerkt hätte :? .

Wie man bei Wikipedia lesen kann, wurde Taxila auch 1980 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, womit dann nur noch der für Islamabad nicht unwichtige Japaner fehlen würde.

Vielleicht für unseren Nikolaus noch ein Link zu den Münzen von Soter Megas (alias Vima Takto, oder vielleicht auch nicht), die ja der Aufhänger dieses Rätsels waren: http://www.acsearch.info/search.html?se ... c=&a=&l=#9

Was war denn das insgesamt für ein Rätsel? Das "3. hügelig" lässt ja auf weitere Fragen schließen. Gibt es jetzt einen ordentlichen Preis (oder wenigstens einen rühmenden Aushang am schwarzen Brett :wink: )?

Gruß

Altamura

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