Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Griechische Münzen des Altertums

Moderator: Numis-Student

antisto
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Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Do 04.03.21 13:26

Liebe Forumsmitglieder!
Eigentlich sollte ich meine Anfrage im Römerforum stellen, da sitzen die Experten, aber da es sich bei den vorgestellten Münzen im weitesten Sinne um Griechen handelt, versuche ich es hier.
Es macht bestimmt Sinn, die ersten Reinigungsübungen bei preiswerten Münzen zu beginnen, aber in diesem Fall störten mich die Auflagen, und ich dachte, mit den wenig agressiven Hausmethoden (Bad in Zitronensaft, abgrieben mit haushaltsüblichem Natron, und das mehrmals im Wechsel / "Silverstar", die etwas komfortablere Variante zu Aluminiumfolie mit Silberputzplatte, heißem Wasser und Salz) mache ich nichts falsch.
Ergebnis 1: Der Siglos, an dem man bislang wegen der Schwärze nur Konturen sehen konnte, erstrahlte in unnatürlichem Glanz. Leider bestätigte mir das auch, dass Reinigung keine Münze verbessert, sondern nur die Mängel sichtbarer macht... :? Seht selbst.
Nun hoffe, ich, dass das Stück ein wenig nachdunkelt. Vielleicht hat jemand von euch eine Empfehlung, was außer frischer Luft diesen Vorgang einer natürlichen Nachpatinierung beschleunigen kann.
P.S. Verzeiht die eher bescheidene Fotoqualität.
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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Do 04.03.21 13:38

Mein zweiter Versuch betraf eine höherwertige Münze, einen recht seltenen Stater aus Kroton, Hist. Num. 2084, traditionell datiert mit 530-500 v.C.
Eigentlich ein hübsch erhaltenes Stück, trotz Prägeschwäche bei der Legende auf der Dreifuß-Seite links.
Störend für mich war die fleckige Oberfläche, die manche Details nur mithilfe einer Lupe sichtbar machte.
Hier das Ergebnis meiner Reinigungsbemühungen: Die meisten Ablagerungen sind weg, stattdessen erneut ein unnatürlicher Silberglanz.
Auch hier hoffe ich auf einen natürlichen Prozess der Nachpatinierung...
Störend finde ich allerdings nun die schwarzen Auflagen, die sich nicht entfernen ließen und jedenfalls auf den Bildern des Auktionshauses, wo ich diese Münze ersteigert habe, so nicht sichtbar sind (entweder sind die erst jetzt erst entstanden oder sie wurden fototechnisch kaschiert(???)), besonders auf der Dreifuß-Seite unten, oben und rechts am linken Fuß.
Hier die Fragen an euch. Was sagt ihr zu dem Ergebnis? Sollte ich versuchen, auch diese schwarzen Stellen zu entfernen, damit die Münze gleichmäßig nachdunkelt? Und wenn ja, wie, ohne chemische Keulen in die Hand zu nehmen?
Freue mich auf eure Antworten, in welcher Richtung auch immer.
AS
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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von Amentia » Do 04.03.21 15:33

Ich würde nicht mit Natron abreiben, da das Abreiben damit, wie eine leichte Politur wirken könnte :(
Das Schaerze ist wohl Hornsilber und lässt sich z.B. mit Ammoniak entfernen, aber genau so benutzen wie in Beschreibung mit heißem Wasser verdünnt und kannst zuerst mit niedriger Konzentrationtesten und auf keinen Fall zu lange in der Lösung lassen sonst kann sie sich gelblich verfärben oder die Oxidschicht ablösen! Generell kann sich wenn es blöd läuft die Oxidschicht, welche der Münze einen glanz verleiht ablösen :(
Und falls die Münze zuvor schon gereinigt wurde und noch Reste vom letzten Reinigungsmittel drauf sind können unerwünschte chemische Reaktionen stattfinden.

Ich benutze, verdünnen und nicht zu lange einwirken lassen!
Proargentol 351-A Hornsilber-Entferner

https://www.chema-shop.de/prestashop/pr ... roduct=127

Kannst auch Hornsilber mit Natriumthiosulfat Na2S2O3 entfernen

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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Do 04.03.21 16:31

Danke für die Empfehlung.
Ich versuche es mal mit Proargentol 351-A und werde angesichts der stolzen Versandkosten noch ein paar andere Produkte aus dem Shop ausprobieren.
:-)
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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von Altamura2 » Do 04.03.21 21:06

Bis auf wenige Ausnahmen hab' ich bislang nur mit Salzwasser und Alufolie oder (seltener) Salzsäure und Alufolie gearbeitet, das hat meist gereicht. Und wenn nicht, dann hab' ich die Münze gelassen, dann darf man ihr auch ansehen, dass sie nicht prägefrisch ist :D .
Mit Natron hab' ich noch nie hantiert.

Vor allem bei Salzwasser und Natron hab' ich den Eindruck, dass die Münze danach keinen solchen Glanz bekommt, sondern eher etwas matter erscheint.

Gruß

Altamura

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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Fr 05.03.21 20:11

Je nach dem, die ohnehin schon stumpfen Münzen wirken durch Natron noch stumpfer, diejenigen mit natürlichem Glanz glänzen noch mehr und unnatürlich, so mein Eindruck.
Ich habe jetzt in der Chemiefabrik bestellt, werde aber meine vorsichtigen Versuche der Schadensbegrenzung definitiv auf die Münzen begrenzen, die ich eh schon verunstaltet habe.
Die Ergebnisse lasse ich euch wissen bzw. zeigen.
AS
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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Mo 05.04.21 13:35

Ich wollte euch noch zeigen, was aus meinem "verhunzten" Stater geworden ist.
Wenige schwarze Auflagen ließen sich nicht entfernen, Experimente mit der Patina waren nicht von zufriedenstellendem Erfolg gekrönt, die ersten Versuche mechnischer Reinigung (Avers unten) zur Entfernung der hartnäckigen Hornsilberreste gingen leider zu Lasten der Erhaltung (Kratzstellen).
Insgesamt kann ich mit dem Ergebnis aber leben und fürchte, alles, was ich jetzt hier an Schadensbegrenzung mehr machen würde, vergrößert nur den Schaden.
Wie seht ihr das?
AS
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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Mo 05.04.21 13:47

Und ergänzend noch ein Bild vom ursprünglichen Zustand der Münze (allerdings etwas aufgehellt).
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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von Heraklion » Mo 05.04.21 14:57

Sehr hübsches Stück,
sorry aber mir gefällt die Ungereinigte Münze besser.
(ist in meinen Augen Charmanter).

LG

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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von Altamura2 » Mo 05.04.21 16:04

antisto hat geschrieben:
Mo 05.04.21 13:47
... Und ergänzend noch ein Bild vom ursprünglichen Zustand der Münze (allerdings etwas aufgehellt). ...
Ehrlich gesagt, ich hab' jetzt den Überblick verloren, welches denn nun die Bilder vom Originalzustand sind :? . Das hier sieht doch schon anders aus als das zweite ganz oben.

Anhand des Bildes hier hätte ich die Münze aber auch gelassen, von den schwarzen Auflagen ist da ja fast nichts zu sehen.

Gruß

Altamura

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Re: Erste Reinigungsversuche - verhunzt?

Beitrag von antisto » Mo 05.04.21 16:25

Das Bild von heute 13.47 Uhr zeigte den Originalzustand - Bild des Auktionshauses.
Ja, ich hätte die Münze so lassen sollen, aber mich störten die Verkrustungen, die ursprünglich gar nicht schwarz waren.
Die Reinigung erbrachte den unerwünschten Effekt, wie auf den Bildern vom 4.3. zu sehen.
Nun habe ich mich nochmal über die Münze hergemacht, mit Chemie (besonders Proargentol), aber auch mechanisch.
Das Ergebnis ist die Münze, wie ich sie heute um 13.35 Uhr vorgestellt habe.
Ganz im Sinne von Heraklions Urteil: Der ursprügliche Zustand war charmanter, obwohl man jetzt Details, die von Ablagerungen befreit wurden, besser sehen kann.
Mit den Resten an Silbersulfid(?) kann ich leben, sie sind jedenfalls nicht mehr störend, und insgesamt gefällt mir die Münze nun wieder deutlich besser als nach den ersten Reinigungsversuchen am 4.3.
Ich hoffe, ihr seht das ähnlich... Auch darin, dass ich die Münze nun besser in Ruhe lassen sollte. ;-)
antisto

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