Amykas, ein neuer makedonischer König?
Moderator: Numis-Student
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Amykas, ein neuer makedonischer König?
Seit einiger Zeit bereitet mir diese Münze eines offenbar bisher unbekannten Herrschers Kopfzerbrechen:
AE 16
Av.: Kopf des jugendlichen Herakles mit Löwenhaube; verprägt (Doppelschlag?)
Rv.: Löwengreif/Chimäre nach rechts, eine Lanze zerbeißend, auf Standlinie, Legende ΑΜΥΚΑ
Einige Überlegungen, die ich angestellt habe:
Die Rückseitendarstellung der Münze ähnelt typologisch dem Löwen, der einen Speer zerbeißt, auf den Bronzen Perdikkas’ III. (http://www.acsearch.info/record.html?id=39583). So könnte Amykas wohl einer der Söhne des Amyntas III. und damit Bruder von Philipp II. sein; in der Zeit nach dem Tod des Perdikkas und dem Regierungsantritt des Philipp II., also 360/59, könnte er kurzzeitig als Regent für seinen noch unmündigen Neffen Amyntas IV. fungiert haben. Wenn man allerdings annimmt, Perdikkas habe das Speermotiv von Amykas’ Chimärendarstellung übernommen, wäre vor dem Regierungsantritt des Perdikkas, also in den Wirren zwischen 370 und 365, mehr Platz für einen bisher unbekannten makedonischen Thronanwärter. So könnte Amykas also auch ein Bruder des Amyntas gewesen sein oder ein Sohn Archelaos’ I., und sich in der Zeit der Machtkonkurrenz zwischen Ptolemaios von Aloros und Pausanias, der ja auch eigene Münzen prägte, als Teilherrscher hervorgetan haben. Die Frage ist vorerst nicht zu entscheiden, jedoch tendiere ich dazu, ihn zwischen Amyntas III. und Perdikkas III. anzusetzen.
Der neue Name paßt sehr gut in die Namenspraxis des makedonischen Herrscherhauses. Er ist die nordwestgriechische Dialektform des Namens Amykos, dessen Träger neben drei Troianern vor allem der Sohn des Poseidon und der bithynischen Nymphe Melie ist. Homerische Referenzen sind im Umfeld des makedonischen Hofes allgegenwärtig; die homerischen Namen Alexandros und Menelaos wurden gern an Königssöhne vergeben. Der mythologische Amykos war König der bithynischen Bebryker, die in der Gegend von Lampsakos lokalisiert werden. Amykos war eine Gefahr für die Fremden, die den Hellespont überqueren wollten, denn er opferte jeden Vorbeikommenden dem Poseidon oder er zwang ihn zu einem Boxkampf auf Leben und Tod – Amykos war auch der Erfinder des Boxhandschuhs! Der Zeussohn Polydeukes besiegte ihn schließlich.
Der makedonische Herrscher, der seinen Sohn Amykas nannte, könnte, durchaus im Vorgriff auf die Pläne Philipps II., auf Amykos, den Bewacher des Hellesponts und damit des Überganges von Europa nach Asien angespielt haben – die Zeiten, zu denen Makedonien ein Vasall des Perserreiches gewesen ist, waren sicher noch in Erinnerung. Auch Poseidon, der auf zahlreichen späteren makedonischen Münzen auftaucht und der der Schutzgott des Makedonenkönigs Demetrios Poliorketes war, ist neben Zeus und dessen Sohn Herakles, dem sicher die Vorderseite der Münze gewidmet war, einer der wichtigsten Götter Makedoniens. Die Chimärendarstellung gehört vermutlich in diesen Kontext, denn es war der Poseidonsohn Bellerophon, also der Halbbruder des mythologischen Amykos, der in Lykien das Untier besiegen konnte. Zudem ist die Chimäre ebenfalls eine homerische Referenz, wird sie doch in der Ilias (6,155–220) ausführlich beschrieben.
Falls jemand eine Idee zu diesem Stück hat, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
Frank
AE 16
Av.: Kopf des jugendlichen Herakles mit Löwenhaube; verprägt (Doppelschlag?)
Rv.: Löwengreif/Chimäre nach rechts, eine Lanze zerbeißend, auf Standlinie, Legende ΑΜΥΚΑ
Einige Überlegungen, die ich angestellt habe:
Die Rückseitendarstellung der Münze ähnelt typologisch dem Löwen, der einen Speer zerbeißt, auf den Bronzen Perdikkas’ III. (http://www.acsearch.info/record.html?id=39583). So könnte Amykas wohl einer der Söhne des Amyntas III. und damit Bruder von Philipp II. sein; in der Zeit nach dem Tod des Perdikkas und dem Regierungsantritt des Philipp II., also 360/59, könnte er kurzzeitig als Regent für seinen noch unmündigen Neffen Amyntas IV. fungiert haben. Wenn man allerdings annimmt, Perdikkas habe das Speermotiv von Amykas’ Chimärendarstellung übernommen, wäre vor dem Regierungsantritt des Perdikkas, also in den Wirren zwischen 370 und 365, mehr Platz für einen bisher unbekannten makedonischen Thronanwärter. So könnte Amykas also auch ein Bruder des Amyntas gewesen sein oder ein Sohn Archelaos’ I., und sich in der Zeit der Machtkonkurrenz zwischen Ptolemaios von Aloros und Pausanias, der ja auch eigene Münzen prägte, als Teilherrscher hervorgetan haben. Die Frage ist vorerst nicht zu entscheiden, jedoch tendiere ich dazu, ihn zwischen Amyntas III. und Perdikkas III. anzusetzen.
Der neue Name paßt sehr gut in die Namenspraxis des makedonischen Herrscherhauses. Er ist die nordwestgriechische Dialektform des Namens Amykos, dessen Träger neben drei Troianern vor allem der Sohn des Poseidon und der bithynischen Nymphe Melie ist. Homerische Referenzen sind im Umfeld des makedonischen Hofes allgegenwärtig; die homerischen Namen Alexandros und Menelaos wurden gern an Königssöhne vergeben. Der mythologische Amykos war König der bithynischen Bebryker, die in der Gegend von Lampsakos lokalisiert werden. Amykos war eine Gefahr für die Fremden, die den Hellespont überqueren wollten, denn er opferte jeden Vorbeikommenden dem Poseidon oder er zwang ihn zu einem Boxkampf auf Leben und Tod – Amykos war auch der Erfinder des Boxhandschuhs! Der Zeussohn Polydeukes besiegte ihn schließlich.
Der makedonische Herrscher, der seinen Sohn Amykas nannte, könnte, durchaus im Vorgriff auf die Pläne Philipps II., auf Amykos, den Bewacher des Hellesponts und damit des Überganges von Europa nach Asien angespielt haben – die Zeiten, zu denen Makedonien ein Vasall des Perserreiches gewesen ist, waren sicher noch in Erinnerung. Auch Poseidon, der auf zahlreichen späteren makedonischen Münzen auftaucht und der der Schutzgott des Makedonenkönigs Demetrios Poliorketes war, ist neben Zeus und dessen Sohn Herakles, dem sicher die Vorderseite der Münze gewidmet war, einer der wichtigsten Götter Makedoniens. Die Chimärendarstellung gehört vermutlich in diesen Kontext, denn es war der Poseidonsohn Bellerophon, also der Halbbruder des mythologischen Amykos, der in Lykien das Untier besiegen konnte. Zudem ist die Chimäre ebenfalls eine homerische Referenz, wird sie doch in der Ilias (6,155–220) ausführlich beschrieben.
Falls jemand eine Idee zu diesem Stück hat, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
Frank
- divus
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Re: Amykas, ein neuer makedonischer König?
Hallo dapsul!
Ich denke, es handelt sich um eine Überprägung eines Perdikkas auf einer Bronze des Amyntas III. diesen Typs:
http://cngcoins.com/Coin.aspx?CoinID=107950
Eine sehr interessante und lustige Überprägung, die tatsächlich eine Chimäre im Revers gebildet hat (im doppelten Wortsinn)...
Viele Grüße!
Ich denke, es handelt sich um eine Überprägung eines Perdikkas auf einer Bronze des Amyntas III. diesen Typs:
http://cngcoins.com/Coin.aspx?CoinID=107950
Eine sehr interessante und lustige Überprägung, die tatsächlich eine Chimäre im Revers gebildet hat (im doppelten Wortsinn)...

Viele Grüße!
Re: Amykas, ein neuer makedonischer König?
Jetzt ist mir erst aufgefallen, an welchem Datum Frank seinen Beitrag abgesetzt hat
.
Na ja, manche brauchen eben ein bisschen länger
.
Gruß
Altamura

Na ja, manche brauchen eben ein bisschen länger

Gruß
Altamura
- Dapsul
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Re: Amykas, ein neuer makedonischer König?
Aber es ist doch eine wirklich außerordentlich gelungene Überprägung, oder? Hat Spaß gemacht, mir eine Geschichte dazu auszudenken.
Schöne Ostern - Frank
Schöne Ostern - Frank
Re: Amykas, ein neuer makedonischer König?
Das glaub' ich, die kam auch extrem seriös rüberDapsul hat geschrieben:... Hat Spaß gemacht, mir eine Geschichte dazu auszudenken. ...

Gleichfalls frohe Ostern
Altamura
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