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Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

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mimach
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KKM und GKM – Kleine und Große Königsmedaillen Preußens

Beitrag von mimach » Fr 20.01.23 23:21

Die hier vorgestellten preußischen Königsmedaillen werden oft als Krönungsmedaillen des Königreichs Preußen bezeichnet. Tatsächlich stellen sie eine hohe zivile Auszeichnung Preußens zwischen 1862 bis 1914 dar.

Das königliche Ehrengeschenk hat seinen Ursprung in den allgemeinen Huldigungsmedaillen und Auswurfmünzen die seit dem 17. Jahrhundert bei Krönungen und Huldigungen in den brandenburgischen-preußischen Provinzen ausgegeben wurden. Neben gezielten Zuwendungen kam es auch zu spontanen Auswürfen unter das beim Festakt anwesende Volk. Dieser Akt der Huldigung wurde unter Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) besonders kultiviert. Der Thronfolger Friedrich des Großen schuf 1796 das erste preußische Zivilehrenzeichen, die „Allgemeine Huldigungsmedaille“ als universelles Ehrenzeichen für Lebensrettung, Leistungen in den Gewerben, den Künsten und Wissenschaften. Dieses beliebte königliche Ehrengeschenk bestand in verschiedenen Formen bis 1860 fort.

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Erste „Allgemeine Huldigungsmedaille“ des Königreichs Preußen als Ehrengeschenk des Königs für Verdienste an Bürger aller Stände, verliehen in Gold und Silber zwischen 1796 und 1798. Irrtümlich oft als „Huldigung von Südpreußen“ ausgewiesen (Sommer A 53)
(Bildquelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18230466 https://ikmk.smb.museum/object?id=18230466)


Wilhelm I. schwor als erster preußischer König einen Eid auf die preußische Verfassung von 1850. Dies geschah bereits bei seinem Antritt als Prinzregent am 26.10.1858 und schließlich bei Übernahme der preußischen Königskrone am 02.01.1861. Seine Nachfolger, Friedrich III. und Wilhelm II., leisteten ebenfalls den Schwur auf die Verfassung. Dieser Übergang zu einer konstitutionellen Monarchie machte die Huldigung und somit die „Allgemeine Huldigungsmedaille“ überflüssig. Um weiterhin königliche Ehrengeschenke bei Regierungsantritt vergeben zu können, wurden eine entsprechende Krönungsmedaille in Gold und Silber für die offizielle Krönungsfeier am 18. Oktober 1861 geschaffen. Die Krönungsmedaille in der großen und kleinen Ausführung gab es als kleine tragbare und große nichttragbare Modelle. Sie zeigte die gekrönten Brustbilder des Königspaares auf dem Avers und das bekrönte preußische Adlerwappen umgeben von einem Wappenband auf dem Revers.
Zur selben Zeit wurde ebenfalls ein Ersatz für die „Allgemeine Huldigungsmedaille“ projektiert. Diese sollte das Bildnis des Königs auf der Vorderseite und die Wappenrückseite der Krönungsmedaille tragen. Wilhelm I. stimmte dem Projekt zu und erlies den zukünftigen Namen dieser Medaille am 01. Februar 1862 als „Königsmedaille“.
Die Königsmedaillen Wilhelm I. wurden in Gold und Silber und in zwei verschiedenen Größen als Kleine (KKM) und Große (GKM) Königsmedaille bis 1887 geprägt und ausgeliefert. Für den 99-Tage-Kaiser Friedrich III. gab es keine durchgeführten Ausprägungen. Zwar wurde am 6. Mai 1888 die Ausprägung der Königsmedaillen mit dem Bildnis Friedrichs III. angewiesen, doch nach dessen Tod am 15. Juni folgte bereits am 30. Juni die Anweisung alle Arbeiten an der Medaille „mit dem Bildnis des hochseligen Kaisers und Königs Friedrich“ einzustellen. Stattdessen sollten die Arbeiten mit dem Porträt Wilhelm II. weitergeführt werden. Mit Beginn des I. Weltkrieges im August 1914 wurde die Ausprägung der Königsmedaillen beendet.
(Quelle: Elke Bannicke und Lothar Tewes - Huldigungs-, Krönungs- und Königsmedaillen - königlich-preußische Ehrengeschenke im Wandel der Zeiten von 1840 bis 1914 - NH 10, 2002 – Seite 100 bis 119)


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Medaille - Chr. Pfeuffer - Auf die Krönung Wilhelm I. 1861 - Sommer P 94 in Silber - AV.jpg
Medaille - Chr. Pfeuffer - Auf die Krönung Wilhelm I. 1861 - Sommer P 94 in Silber - RV.jpg
Große Krönungsmedaille (GKM) des Königspaares Wilhelm I. und Augusta zur Krönung in Königsberg am 18. Oktober 1861, in Silber

Große Krönungsmedaille (GKM)

Medailleur:
Christoph Pfeuffer (Avers und ursprüngliche Gestaltung des Revers von 1840),
Friedrich Wilhelm Kullrich (Überarbeitung der Wappenschilde des Revers)
Jahr: 1861
Material: Gold, Silber, Kupfer
Durchmesser: Normgröße 42,22 mm mit leichten Abweichungen, dieses Stück 42,27 mm
Gewicht:
Gold zu 12 Dukaten / 41,88 g;
Silber 29,75 g mit leichten Abweichungen, dieses Stück 29,44 g;
Kupfer -/- nur als Dokumentationsabschläge bekannt
Referenz: Sommer P 94, Elke Bannicke & Tewes – NH 10 / 2002 – Nr. 9

Avers:
Die gekrönten Brustbilder des Königspaares nach rechts blickend, gekleidet im Krönungsornat.
Umschrift bogig: WILHELM KOENIG AUGUSTA KOENIGIN V. PREUSSEN
Umschrift unten in kleinerer Schrift: ZUR KROENUNG AM 10 OCT. 1861
Signatur unten am Rand: C. PFEUFFER FEC.

Revers:
Im Zentrum das bekrönte königlich-preußische Adlerwappen mit gekreuztem Schwert und Zepter, darunter der Reichsapfel, aufgelegt auf einem Eisernen Kreuz, umlegt mit einem Band, welches die Devise des Schwarzen Adlerordens trägt: SUUM CUIQUE
Das Ganze ist umgeben von einem äußeren Krönchenreif und der Kollane des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler, auf der sich 8 Wappenschilde der preußischen Provinzen aneinanderreihen.
Am Rand die Künstlersignatur: C. PFEUFFER FECIT
(Die Signatur Kullrichs fehlt trotz Überarbeitung.)

Anmerkung:
In der „Illustrirte Zeitung“ vom 26. October 1861 wird ausführlich von der Krönungszeremonie und von der anschließenden Verteilung der Krönungsmedaillen berichtet:
„An sämmtliche Festgenossen wurden Exemplare einer silbernen Krönungsmedaille vertheilt. Dieselbe zeigt einerseits die Brusbilder des Königs und der Königin im Krönungsornate, anderseits die Wappen der acht preußischen Provinzen durch die Kette des Schwarzen Adlerordens verbunden. In ihrer Mitte das preußische kleine Landeswappen nebst Scepter, Schwert und Reichsapfel. Auf dem Avers befindet sich die Umschrift: „Wilhelm, König, Augusta, Königin von Preußen. Zur Krönung am 18. Oct. 1862.“ Die Reversseite trägt als Divise den preußischen Wahlspruch: „Suum cuique!“ “
(Quelle: Hermann Scherenberg (Künstler), "Wilhelm I., König von Preußen im Krönungsornat.", 1861, Wien Museum Inv.-Nr. W 7050, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/546506/)

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Medaille - Staatspreis KGR Preußen - Königsmedaille_klein_KKM_in Gold mit Henkel - 1862-1887 - von Chr. Pfeuffer -AV 02.jpg
Medaille - Staatspreis KGR Preußen - Königsmedaille_klein_KKM_in Gold mit Henkel - 1862-1887 - von Chr. Pfeuffer -RV 02.jpg
Kleine Königsmedaille (KKM) des Königs Wilhelm I., in Gold – der Henkel zum Tragen im Knopfloch wurde durch eine Privatperson hinzugefügt

Kleine Königsmedaille (KKM), 1. Modell

Medailleur: Friedrich Wilhelm Kullrich
Jahr: 1862-1887
Material: Gold, Silber, Kupfer
Durchmesser:
Normgröße 30,51 mm mit leichten Abweichungen, dieses Stück 30,55 mm
Gewicht:
- ausgeprägt in Gold von 1862-1875: zu 6 Dukaten / 20,94 g, dieses Stück 20,76 g (mit Henkel 23,26 g)
- Gold von 1876-1887: zu 0,042 Pfund / 21,00 g
- ausgeprägt in Silber am 9. April 1862 für das Berliner Münzkabinett: 1 Exemplar zu 0,0295 Pfund / 14,75 g
- Kupfer -/- nur ca. 10 Exemplare als Dokumentationsabschläge

Referenz: Sommer K 38, Elke Bannicke & Tewes – NH 10 / 2002 – Nr. 10

Avers: Büste Wilhelm I. nach rechts gerichtet,
Umschrift bogig: WILHELM KOENIG VON PREUSSEN
Signatur unterhalb der Büste: W. KULLRICH F.

Revers: Siehe „Große Krönungsmedaille (GKM)“

Anmerkung: Nach dem Tod des Ersten Medailleurs an der königlichen Berliner Münze, Christoph Pfeuffer, ging der Auftrag für die Erstellung eines neuen Avers für die KKM an Friedrich Wilhelm Kullrich. Anders als die große Ausführung (GKM, 1. Modell), wurde die Kleine Königsmedaille (KKM, 1. Modell) nur in Gold verliehen. Vom 28. Februar 1862 bis 15. April 1875 wurden 112 Exemplare zu 6 Dukaten und vom 15. April 1876 bis 4. Juli 1887 nur noch 39 Exemplare zu 0,042 Pfund ausgeprägt. Ursprünglich war auch eine Verleihung in Silber vorgesehen. Jedoch wurde nur ein Silberabschlag für das Münzkabinett in Berlin vorgenommen.
Für die „Große Königsmedaille (GKM)“ wurde auf königlichen Wunsch der Aversstempel der Adler-Medaille von Christoph Pfeuffer verwendet. Die ersten Ausprägungen für den König konnten somit bereits im Dezember 1861 von der Berliner Münze geliefert werden. Die GKM wurde mit einem Durchmesser von 42,22 mm (Normgröße) in folgenden Stückzahlen ausgegeben:
- Gold von 1861-1874: 22 Stück zu 12 Dukaten (41,88 g)
- Gold von 1881-1884: 16 Stück zu 0,084 Pfund (42,00 g)
- Silber von 1861-1884: 140 Stück zu 0,059 Pfund (29,50 g)
- Silber 1887: 10 Stück zu 0,088 Pfund (44,00 g)

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Medaille - Staatspreis KGR Preußen - Königsmedaille_groß_GKM_in Silber - 1889-1914 - von Chr. Pfeuffer_E. Weigand -AV.jpg
Medaille - Staatspreis KGR Preußen - Königsmedaille_groß_GKM_in Silber - 1889-1914 - von Chr. Pfeuffer_E. Weigand -RV.jpg
Große Königsmedaille (GKM) des Königs und Kaisers Wilhelm II. – in Silber

Große Königsmedaille (GKM), 2. Modell

Medailleur: Emil Weigand
Jahr: 1889-1914
Material: Gold, Silber
Durchmesser:
Normgröße 42,00 mm mit leichten Abweichungen, dieses Stück 42,22 mm
Gewicht:
- Gold zu 0,084 Pfund / 42,00 g Normgewicht mit leichten Abweichungen
- Silber zu 0,088 Pfund / 44,00 g Normgewicht mit leichten Abweichungen, dieses Stück 44,01 g

Referenz: Sommer W 60 (fälschlich als Medaille auf den Regierungsantritt Kaiser Wilhelm I.), Elke Bannicke & Tewes – NH 10 / 2002 – Nr. 10

Avers:
Büste Wilhelm II. nach rechts gerichtet
Umschrift bogig: WILHELM D. K. KÖNIG VON PREUSSEN
Signatur unter dem Halsabschnitt: E. WEIGAND SC.

Revers: wie vorher

Anmerkung:
Da es sich um eine Auszeichnung des Königreichs Preußen handelte, wurde in der Umschrift der Titel Wilhelm II. als Deutscher Kaiser mit „D.K.“ abgekürzt.
Ausgeprägt in Gold wurden 104 Exemplare und in Silber 501 Exemplare. Die GKM Wilhelms II. in Silber wurde somit am häufigsten von allen Königsmedaillen verliehen. Heute erscheint sie kaum noch im Handel und ist somit als sehr selten bezeichnet werden.

Wie auch beim 1. Modell, wurde die kleine Königsmedaille Wilhelm II. von 1888-1914 nur in Gold verliehen (Gewicht zu 0,042 Pfund / 21,00 g, mit 30,00 mm Durchmesser). Emil Weigand lieferte den Stempel zur KKM bereits Anfang Dezember 1888, womit die ersten Ausprägungen bereits am 12. Dezember erfolgten.
Zuletzt geändert von mimach am Sa 21.01.23 12:04, insgesamt 6-mal geändert.
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KKM und GKM – Kleine und Große Königsmedaillen Preußens

Beitrag von mimach » Fr 20.01.23 23:24

Werbung mit Königsmedaille von H. Wrede Gärtnerei und Samenhandlung 1898.jpg
Werbung der Gärtnerei und Samenhandlung H.Wrede aus Lüneburg aus dem Jahr 1898 mit erworbenen Preismedaillen, in der Mitte oben eine goldene Königsmedaille 1. Modell

Werbung mit Königsmedaille von H. Wrede Gärtnerei und Samenhandlung 1913.jpg
Im Jahr 1913 von der Firma H. Wrede als "Goldene Kaiser-Medaille" (links oben) bezeichnet und im Werbetext explizit darauf hingewiesen "Inhaber der goldenen Medaille Sr. Majestät des hocheseligen Kaisers und Königs Wilhelm I." zu sein.
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