Was sind Halbbrakteaten, Duennpfennige ?

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cepasaccus
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Was sind Halbbrakteaten, Duennpfennige ?

Beitrag von cepasaccus » Mo 04.05.09 00:24

Ich dachte ich mach gleich noch weiter. Da ich immer noch keine Ahnung habe welche Muenzen mit "Halbbrakteat" und "Duennpfennig" bezeichnet werden hier ein paar Nuernberger Beispiele. Was ist hier fuer euch was?

1) http://www.coinarchives.com/w/lotviewer ... 0&Lot=6354
2) http://www.coinarchives.com/w/lotviewer ... 6&Lot=4814
3) http://www.coinarchives.com/w/lotviewer ... 5&Lot=2460
4) http://www.coinarchives.com/w/lotviewer ... 6&Lot=2345

Zu 1: Etwas groesser und duenn. Ausgangsblech fuer die Rohlingsherstellung ist um die 0.25 mm dick. Die Praegung ist flach und beide Seiten stoeren sich im Muenzbild.
Zu 2: Diese Praegung muesste wie alle folgenden etwas dicker sein und als Ausgangsblech 0.35 mm verwendet haben. Das Muenzbild des Unterstempels weisst nur eine geringe Profilhoehe auf, das des Oberstempels ist staerker - wie ebenfalls bei den folgenden. Wir haben hier einen grossen tiefen Kreis und daran Kreisboegen. Gerade diese stoeren das Muenzbild des Unterstempels.
Zu 3: Wie 2, aber nur ein Kreis.
Zu 4: Wie 2, aber wahrscheinlich nur ein 15mm-Oberstempel. Ich hab jedenfalls noch nie gesehen, dass das aussen herum noch irgendwo mit dem Oberstempel zusammengetroffen waere.

Fuer mich ist 1 ein Duennpfennig, weil duenn und Pfennig. 2 bis 4 sind fuer mich einfach Pfennige. Auch wenn sie relativ zu Griechen duenn sind hat man doch das gefuehl eine stabile Muenze in der Hand zu haben.

valete
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Beitrag von Salier » Mo 04.05.09 09:21

Halbbrakteat und Dünnpfennig ist das selbe. Früher, im 17.-18. Jahrhundert wurde der Begriff Halbbrakteat für dünne meist nur auf einer Seite erkennbare zweiseitige Prägungen eingeführt. Heute nennt man diese Stücke meist Dünnpfennige.

schöne Grüße
Salier
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cepasaccus
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Beitrag von cepasaccus » Mo 04.05.09 10:45

D.h. 2 - 4 sind Halbbrakteaten/Duennpfennige?

vale
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Beitrag von bernima » Mo 04.05.09 11:14

Hallo,

Für mich ist Nummer 1 ein Halbbrakteat / Dünnpfennig und 2,3 und 4 sind Pfennige / Dickpfennige.

mfg. bernima

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Beitrag von bernima » Mo 04.05.09 11:48

Hallo,

Hier einmal der Grössenvergleich von einem durchschnittlichen Mittelalterlichen Denar , Dünnpfennig, Dickpfennig und Hälbling.
Wobei die Grösse eines Dünnpfennigs stark variieren kann ( ca 20 - 27 mm in meiner Sammlung )
Auch die zeitliche folge der Münzen ist so zu sehen.
Der Denar bis ca 1100, der Dünnpfennig bis ca 1200, dann der Dickpfennig bis ca 1450. So sehe ich den groben zeitlichen Ablauf, zumindest für den Bereich Regensburg / Nürnberg. Ich lasse mich jedoch gern korrigieren.

mfg. bernima

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Beitrag von bernima » Mo 04.05.09 11:49

Hab den Scan vergessen.
Dateianhänge
092.JPG

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Beitrag von cepasaccus » Mo 04.05.09 14:53

bernima, dein Verstaendnis waere dann identisch mit meinem und wenn ich dann noch Halbbrakteat mit Duennpfennig gleichsetze waere dieser Begriff auch untergebracht.

Saliers Defintion von "einseitig erkennbar" passt aber nicht gut dazu, da bei den bernimas und meinen Duennpfennigen beide Muenzbildseiten gleichberechtigt sind, was bei unseren Dickpfennigen eindeutig nicht der Fall ist.

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Beitrag von Dietemann » Mo 04.05.09 15:12

bernima hat geschrieben:zumindest für den Bereich Regensburg / Nürnberg.
Die Einschränkung ist richtig, für Eschwege/Nordhessen gilt: Brakteaten (als regionale Währung) und Dickpfennige (Fernhandelspfennige anderer nordhessischer Münzstätten) bis 1250 (parallele Prägungen), Hohlpfennige bis 1470, danach kleinere aber dickere Pfennige.

Ich hatte Halbbrakteaten/Dünnpfennige so verstanden, dass es zweiseitig geprägte Pfennige auf dünnem Schrötling sind, eine Münzsorte, die in Nordhessen meines Wissens nie geprägt wurde.

Freundlichst Dietemann
Matth.18,21-35

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Beitrag von Salier » Mo 04.05.09 17:53

cepasaccus hat geschrieben: Saliers Defintion von "einseitig erkennbar" passt aber nicht gut dazu, da bei den bernimas und meinen Duennpfennigen beide Muenzbildseiten gleichberechtigt sind.
Bei vielen Dünnpfennigen,vgl z.b. die Halberstädter, ist ja durch die dünne des Materials und durch den kräftigen Schlag des Oberstempels die Unterseite kaum zu erkennen. Man sieht teilweise eine Art Negativbild des Oberstempels.
Zuletzt geändert von Salier am Mo 04.05.09 17:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Salier » Mo 04.05.09 17:58

Dietemann hat geschrieben: Ich hatte Halbbrakteaten/Dünnpfennige so verstanden, dass es zweiseitig geprägte Pfennige auf dünnem Schrötling sind, eine Münzsorte, die in Nordhessen meines Wissens nie geprägt wurde.
Das siehst Du richtig.

Gruß
Salier
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Beitrag von cepasaccus » Mo 04.05.09 18:30

Also ich hab mir die Halberstaedter mal angeschaut. Bei denen passt Duennpfennig und sogar Halbbrakteat. Das Muenzbild des Oberstempels ist viel tiefer und breiter als bei den Nuernberger Duennpfennigen, eigentlich viel mehr vergleichbar mit den Nuernberger Dickpfennigen.

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Beitrag von bernima » Di 05.05.09 10:23

Dünnpfennig und Halbbrakteat bezeichnen meines wissens die gleiche Münze.
Wobei ich die Bezeichnung Halbbrakteat meiner Meinung nach irreführend ist da ein Brakteat nur einseitig geprägt ist.
Aber sind diese " Namen " für die Münzen nicht sowieso modern ?
Zu der Zeit als die Münzen umliefen war sicherlich jede dieser Münzen ein Pfennig ?
Meine definition zum (süddeutschen) Dünnpfennig / Halbbrakteaten: Ein grosser ( über 20 mm ), sehr dünner Schrötling. Beidseitig geprägt, wobei die Rückseite oftmals schlecht erkennbar ist.

mfg. bernima

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