häuffigkeit von kaiserreichmünzen

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westerhoven1896
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häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von westerhoven1896 » Do 20.09.12 20:34

hallo leute ,
ich bin neu hier im forum.habe erst vor kurzer zeit mit dem münzensammeln angefangen und interessiere mich im speziellen für die münzen des kaiserreichs.in diversen magazinen steht die höhe der auflagen der einzelnen prägungen.wie hoch ist denn das heutige vorkommen?gibt es denn darüber besondere erkenntnisse oder eine allgemeine einschätzung?

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Mynter
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Mynter » Do 20.09.12 22:26

Hallo und willkommen im Forum, sowie bei einem sehr schönen Sammelgebiet.

Kurrt Jaeger, dessen Katalog für das Kaiserreich eigentlich obligatorisch ist, schätzt, dass von den Reichsgoldmünzen etwa 40 - 50 % vorhanden sind, vom Grossilber ca 70 % ( 2 Mark - Kusmünzen 10 % ), von den Kleinmünzen die überwiegende Menge.

Diese Werte sind natürlich sehr ungefähr. Wenn Du Dich intensiver mit der Materie auseinandersetzt, wirst Du feststellen, dass einige Jahrgänge heute häufiger am Markt vorkommen können, als andere. Beispiel : 10 Mark Preussen 1872 A >> Massenware, in der Regel Stempelglanz, 10 Mark Preussen 1872 B >> in allen Erhaltungen selten, selten besser als ss. Erklärung : 1872 A war fast vollständig im Juliusturm eingelagert und darum nie im Umlauf , 1873 B vermutlich nicht und wurde im Umlauf verbraucht. Die Auflagen waren jedoch in etwa identisch.

Doch auch die Höhe der Auflage hat nur bedingt etwas mit dem Vorkommen zu tun : 5 Mark Preussen 1874 - 76 ; geprägt in mehrerern Millionen, in besser als s sehr selten , 5 mark Preussen Friedrich III , Auflage nur 100.000 Stk, in besser als vz sehr häufig. Erklärung : Friedrich wurde als Gedenkprägung aufgefasst und gesammelt, Wilhelm wenig beachtet und im Umlauf verbraucht.
Grüsse, Mynter

westerhoven1896
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von westerhoven1896 » Fr 21.09.12 20:12

hallo Mynter,
vielen Dank für die Info.Hätte nicht gedacht daß das Vorkommen noch so hoch ist.Neulich z,B. suchte ich ein 5 Markstück Preussen 1892 und hatte echt Mühe ein Exemplar zu bekommen.Ein Münzhändler sagte mir,er hätte eigentlich immer ein Stück da nur ebend nicht gerade jetzt.Die geballte Macht der Bucht warf mir an diesem Tage nur ein Stück auf den Schirm welches ziemlich gruselig aussah.Bei MA-Shop gab es dann gleich Zwei in ss leider viel zu teuer,so ging das 14Tage.Ich hab dann doch eine ersteigern können.Die von 96 war einfacher zu bekommen,wurde öfter angeboten.Obwohl im Gegensatz zur 92`iger nur ein viertel der Ausgabe.Vielleicht war das auch nur Zufall.Bei den beiden 88ígern ist es das selbe.Kann ich davon ausgehen das die 92´iger seltener ist als die anderen gennanten? Obwohl die Ausgabe höher lag.Und wie aktuell sind eigentlich die Bewertungen in den Magazinen? Müsste dann nicht die 92íger höher bewertet werden als die anderen?Und ich habe immer gedacht,mein Gott ,das ist "nur" J.104 das Thema hab ich schnell durch .Echt spannend und interressant.Man hätte schon viel früher damit anfangen sollen.
mfG westerhoven1896

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KarlAntonMartini
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 21.09.12 23:25

Die Schätzungen von Jaeger sind freilich schon über 50 Jahre alt. Damals spielte beim Sammeln die Erhaltung noch nicht die Rolle wie heute. Inzwischen dürften viele Münzen in schwacher Erhaltung eingeschmolzen worden sein. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Mynter » Sa 22.09.12 00:10

Ja, die Einschmelzerei ist keine angenehme Sache, da werden Werte vernichtet, nur um des schnöden Metallwertes wegen.
Die Schätzungen im Jaeger sind natürlich nur Anhaltspunkte.
Silber vor 1900 ist, bis auf die Friedrichsmünzen ,die mit der Jahreszahl 1888 geprägten Silbermünzen von Wilhelm II und die beiden Silbermünzen von Ludwig II nur sehr schwer in besser als ss zu bekommen. Ob es möglich ist, die Häufigkeit der verschiedenen jahrgänge von J 104 zu gewichten, weiss ich nicht, durch sehr lange Marktbeobachtung vielleicht ? Die Preisangaben in den Zeitschriften und Katalogen können nur als ungefähre Anhaltspunkte genommen werden. Bei diesen Stücken gelten bei Toperhaltungen im Endeffekt Liebhaberpreise.
Grüsse, Mynter

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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Mynter » So 23.09.12 11:52

Noch ein Beispiel zur Willkürlichkeit beim heutigen Vorkommen von Kaiserreichmünzen:
J 210, 20 Mark Hamburg 1875 - 89: Die Jahrgänge 1876, 77 und 78 sind sehr auflagenstark ( 76 = 1,7 Mill 77 ca 1,3 Million Ex , 78 ca 2 Mill Ex ). 1876 und 78 kommen regelmässig vor, sogar in Spitzenqualitäten. Aber 1877 ? Diesen Jahrgang habe ich kaum einmal gesehen.
Grüsse, Mynter

Lordhelmlein
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Lordhelmlein » Di 02.10.12 14:05

nur noch was zum Einschmelzen. Ab und an gehe ich zu einem Edelmetallankäufer um Münzen zu retten...Ihr glaubt gar nicht, was da alles zum Vorschein kommt...

Ich habe da schon seltene Münzen, gute Erhaltungen und wahre Raritäten retten können. Allerdings gehen gerade auch sehr viele 5er und 10er BRD, sowie jede Menge 2 und 5 Reichsmark Hindenburg und Kirche in die Schmelze. Das tut auf der eine Seite weh, andererseits steigert sich der Wert der Münzen, da es immer weniger Stücke am Markt verfügbar sind.

Grüße Lordhelmlein

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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von fareast_de » Di 02.10.12 18:04

Lordhelmlein hat geschrieben:nur noch was zum Einschmelzen. Ab und an gehe ich zu einem Edelmetallankäufer um Münzen zu retten...Ihr glaubt gar nicht, was da alles zum Vorschein kommt...

Ich habe da schon seltene Münzen, gute Erhaltungen und wahre Raritäten retten können. Allerdings gehen gerade auch sehr viele 5er und 10er BRD, sowie jede Menge 2 und 5 Reichsmark Hindenburg und Kirche in die Schmelze. Das tut auf der eine Seite weh, andererseits steigert sich der Wert der Münzen, da es immer weniger Stücke am Markt verfügbar sind.

Grüße Lordhelmlein
In einer norddt. Großstadt haben sämtliche mir bekannten Edelmetallankäufer durchaus gute numismatische Grundkenntnisse oder gute Beziehungen zu Berufsnumismatikern, die ihnen interessante Stücke abnehmen. Einige haben auch einen Handbestand an Katalogen (Krause-Mishler, AKS etc.). Meine Versuche, dort Raritäten zu retten, habe ich mittlerweile aufgegeben, denn sie sind meist bestens bekannt. Von privat nachgeworfen werden mir immer noch Silberfünfer ab 1967 und Silberzehner bis ca. Mitte der 90er Jahre. Danach wird´s weniger aufgrund des dann einsetzenden langsamen Verlustes an Massenkaufkraft. Angebote an Eurozehnern kommen seltener und wenn, dann in kleinen Stückzahlen. Nachgelassen haben auch die Angebote an Hindenburg/ Kirche 2,-/ 5,- RM und Kaiserreich Massenware in Silber. Hier gelangt wohl immer mehr Material in feste Hände.

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Mynter
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Mynter » Mi 03.10.12 20:34

fareast_de hat geschrieben:
Lordhelmlein hat geschrieben:nur noch was zum Einschmelzen. Ab und an gehe ich zu einem Edelmetallankäufer um Münzen zu retten...Ihr glaubt gar nicht, was da alles zum Vorschein kommt...

Ich habe da schon seltene Münzen, gute Erhaltungen und wahre Raritäten retten können. Allerdings gehen gerade auch sehr viele 5er und 10er BRD, sowie jede Menge 2 und 5 Reichsmark Hindenburg und Kirche in die Schmelze. Das tut auf der eine Seite weh, andererseits steigert sich der Wert der Münzen, da es immer weniger Stücke am Markt verfügbar sind.

Grüße Lordhelmlein
In einer norddt. Großstadt haben sämtliche mir bekannten Edelmetallankäufer durchaus gute numismatische Grundkenntnisse oder gute Beziehungen zu Berufsnumismatikern, die ihnen interessante Stücke abnehmen. Einige haben auch einen Handbestand an Katalogen (Krause-Mishler, AKS etc.). Meine Versuche, dort Raritäten zu retten, habe ich mittlerweile aufgegeben, denn sie sind meist bestens bekannt. Von privat nachgeworfen werden mir immer noch Silberfünfer ab 1967 und Silberzehner bis ca. Mitte der 90er Jahre. Danach wird´s weniger aufgrund des dann einsetzenden langsamen Verlustes an Massenkaufkraft. Angebote an Eurozehnern kommen seltener und wenn, dann in kleinen Stückzahlen. Nachgelassen haben auch die Angebote an Hindenburg/ Kirche 2,-/ 5,- RM und Kaiserreich Massenware in Silber. Hier gelangt wohl immer mehr Material in feste Hände.
Das ist ein Trost. Vewrringert zwar die Zahl der Schnäppchen, aber bewahrt uns davor, dass schöne Stücke verschwinden.
Grüsse, Mynter

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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von RazorLight87 » Do 25.10.12 14:24

Ich finde es auch schade, dass einige dieser Münzen eingeschmolzen worden sind.
Gerade die 3 Reichsmark Lippe J.79 1913 vz. Münze ist ein Schmuckstück meiner Sammlung.

Bin einfach unfassbar fasziniert von dieser Münze..
Zuletzt geändert von RazorLight87 am Do 01.11.12 09:06, insgesamt 2-mal geändert.

Otto2010
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Otto2010 » Fr 26.10.12 10:43

Hallo,

zur Korrelation zwischen Auflage und Wert von Kaiserreichmünzen sind mir auch einige Punkte aufgefallen, die ich für mich nicht zufriedenstellend lösen kann.

Warum werden z.B. Münzen aus Hamburg bei gleicher oder deutlich höherer Auflage sehr oft teuer als Münzen des gleichen Typs anderer Prägestätten gehandelt?

Wenn die Münzen im jeweiligen regionalen Umfeld der Prägestätte ausgegeben wurden (war da so?) und der damals viel weniger verbreiteten Reisetätigkeit, sollte doch der übergroße Teil der Münzen auch heute noch nicht allzuweit von ihrer Ausgabestätte wegdiffundiert sein. Wenn man dann annimmt, dass Berlin haupsächlich in Preussen ausgegeben wurde, sollte durch Krieg, Vertreibung und Verlust der deutschen Ostgebiete der größte Teil der A-Auflagen verloren sein, jedoch wird A auch bei kleinen und zum Teil geringeren Auflagen als bei anderen Prägestätten fast ausschließlich zum Materialwert gehandelt. Erklärbar?

Die gleiche Überlegung habe ich bei Muldenhütte angestellt - wenn davon zur Rohstoffgewinnung zu DDR-Zeiten viele eingeschmolzen wurden, was die heute höheren Preis im Verhältnis zu anderen Prägestätten erklären würde, so müssten doch mindestens im gleichen Verhältnis A-Prägungen mit eingeschmolzen worden sein...

Jedoch glaube ich nicht, dass in der BRD überproportional (gegenüber Stuttgart oder Karlsruhe) viele Münzen aus Hamburg eingeschmolzen wurden. Wie also ist der Preis für Hamburg erklärbar. Oder spielen da noch andere Sachen als die Auflage rein?

Gruß

chillout
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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von chillout » Fr 26.10.12 11:42

Eventuell spielt da die Psychologie eine Rolle? Preußen = größter deutscher Teilstaat = überdurchschnittlich viele Münzen = geringer Preis. Oder die Verteilung der Sammler in Deutschland: Sammelt der Sachse häufiger als der Preuße? Oder ist das Hamburger Motiv einfach schöner?
Ich habe bisher aber nicht bemerkt, dass ähnlich häufige hohe (!) Prägezahlen bei der üblichen s/ss-Erhaltung preislich deutlich differieren.

C.

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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Otto2010 » Fr 26.10.12 12:14

Hallo chillout,

ich orientiere mich z.B. bei Beutler Münzen

Beispiel 1 Mark 1902

1902 A 5.222.533 9,50 35,00 75,00 150,00
1902 D 1.546.287 9,50 35,00 85,00 170,00
1902 E 818.798 9,90 45,00 130,00 260,00
1902 F 952.536 9,90 40,00 90,00 180,00
1902 G 269.878 18,00 85,00 400,00 800,00
1902 J 898.439 16,00 75,00 350,00 700,00

Obwohl J dreimal so häufig ist wie G ist, ist der Preis in allen Erhaltungen ungefähr gleich. Dagegen sind die ungefähr genauso häufigen Prägungen E und F nur halb so teuer.

oder 1 Mark 1903

1903 A 3.965.262 9,50 35,00 70,00 140,00
1903 D 914.123 9,50 32,00 65,00 130,00
1903 E 485.099 14,00 45,00 180,00 360,00
1903 F 652.240 9,90 35,00 165,00 330,00
1903 G 613.985 9,90 35,00 120,00 240,00
1903 J 531.368 55,00 130,00 290,00 580,00

Obwohl E,F,G und J ungefähr gleich häufig, ist J deutlich (5x) teuerer als als E, F oder G.

Am Motiv kann es nicht liegen, da kann ich beim Markstück keine Unterschiede feststellen. Klar hat Berlin meistens eine sehr viel höhere Auflage, aber, siehe oben, sind davon nicht auch überdurchschnittlich viel mehr verloren gegangen? Warum ist der Preis von Hamburgern durch die Bank weg so viel höher? Gibt es wirklich so viele Sammler, die nur bestimmte Prägestätten sammeln? Und sammelt der Hamburger dann nur Hamburg?

Gruß Otto

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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Otto2010 » Fr 26.10.12 12:16

Leider wurde meine Formatierung der Tabellen nicht übernommen, ich hoffe, dass es trotzdem halbwegs lesbar ist.

Gruß Otto

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Re: häuffigkeit von kaiserreichmünzen

Beitrag von Mynter » Fr 26.10.12 14:09

Ich weiss nicht, nach welchen Kriterien Beutler seine Preislsten erstellt, aber ich kann nicht finden, dass es einen Run auf Hamburger Markstücke eines bestimmten Jahrgangs gibt. Ich halte solche Händlerpreistabellen für reine Theorie.
Grüsse, Mynter

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