Wie wird man "seriöser" Münzsammler

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Nabucco02251nebu
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Wie wird man "seriöser" Münzsammler

Beitrag von Nabucco02251nebu » Do 26.07.07 00:57

Da ich kein Thema fand, welches mir diese Frage genau beantwortet und ich als ersten Beitrag keine Identifizierung und Wertangabe einer Münze haben will, die ich angeblich gefunden haben soll, in Wirklichkeit jedoch günstig erstand, stelle ich doch gerne diese allgemeinere Frage.

Teilweise wird es im Thema "Warum sammelt ihr eigentlich Münzen ..." beschrieben, nur wie lernt man ein seriöser Münzsammler zu werden und nicht jemand der der jeden Ramsch sich andrehen läßt.

Egay, habe ich schon festgestellt, ist eine Plattform die zweifelhaften Ruf genießt.
Die Geschichte mit dem keltischen Goldstader, der in Wirklichkeit ein ind. Goldfanam war, ist noch relativ frisch und seid dieser Zeit kenne und lese ich diesen schöne Forum.

Aber ohne Umschweife zum eigentlichen.
Was macht jemanden zum seriösen Münzsammler (von nicht mehr umläufigen Münzen)?
Sammelt dieser kategorsich oder intuitiv/impulsiv, welche Preise bezahlt er und bei wem.

Mit freundlichen Gruß
Nabucco

PS: Könnte man meinen Benutzernamen auf nur Nabucco kürzen, habe bei der Anmeldung mein erstes PW dort eingefügt um es zu kopieren. Nun ist das nicht mehr mein PW(nebenbei).
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€uroPete33
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Beitrag von €uroPete33 » Do 26.07.07 01:20

???
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€uroPete33

usen
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Re: Wie wird man "seriöser" Münzsammler

Beitrag von usen » Do 26.07.07 07:00

Nabucco02251nebu hat geschrieben:nur wie lernt man ein seriöser Münzsammler zu werden und nicht jemand der der jeden Ramsch sich andrehen läßt.
Hallo Nabucco,
zu dem Thema lässt sich leider nur sagen:
Entweder Du Spezialisierst Dich und kaufst nur das was Du kennst, oder aber Du sammelst einfach drauf los, zahlst 'Lehrgeld' und bekommst Deine eigenen Erfahrungen bzw. Dein eigenes Wissen zu dem Thema.

Wenn Du nur wertvolle Münzen kaufen möchtest, brauchst Du schon eine Menge an Wissen, denn die selten Stücke werden auch oft gefälscht. Literatur über Fälschungen, und natürlich über die Daten (Durchmesser, Material, Gewicht und evtl Randschrift) der Originale wären dort schon hilfreich.

Ich denke alle haben schonmal den einen oder anderen Lehrgroschen ausgegeben, besonders am anfang.
Wenn Du beim Münzhändler kaufst, hast Du natürlich eine Umtauschgarantie, das wäre vielleicht noch eine weitere Sicherheit.

MfG
Frederik

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KarlAntonMartini
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Re: Wie wird man "seriöser" Münzsammler

Beitrag von KarlAntonMartini » Do 26.07.07 11:02

Nabucco02251nebu hat geschrieben:Sammelt dieser kategorsich oder intuitiv/impulsiv, welche Preise bezahlt er und bei wem.
Ich sammle ja seit über 40 Jahren, davon gut dreißig Jahre mein Hauptgebiet England. Natürlich wollte und will ich zunächst eine Typensammlung möglichst vollständig bekommen. Das stößt irgendwann an finanzielle Grenzen und manchmal sind auch Münzen, die nach Katalog eigentlich nicht so teuer wären, nirgendwo aufzutreiben. So könnte ich auf den meisten Münzbörsen und von den meisten Händlerbesuchen eigentlich nur frustriert nach Hause kommen. Aber so ist es nicht, langsam hat sich das Sammelgebiet "intuitiv und impulsiv" erweitert, da ein interessanter Jeton, dort eine thematisch passende Medaille, dazu kamen die Token als spannendes Spezialgebiet, das auch heute noch tw. Entdeckungen unpublizierter Stücke erlaubt. Dazu kommt, daß sich manche Händler an meine Spezialínteressen erinnern und mal da und dort ein Stück auf Verdacht zurücklegen, auch auf ebay oder hier über Kontakte im Forum habe ich schon interessante Sachen bekommen. Das teuerste ist inzwischen die Anschaffung von Literatur und da sollte man nicht sparen. Denn was hilft es, wenn man eine Sammlung wertvoller Münzen hat, aber davon eigentlich nichts versteht? Die Gefahr, einer Fälschung aufzusitzen wird mit dem Umfang der eigenen Kenntnisse geringer. Grüße, KarlAntonMartini
Tokens forever!

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mumde
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Beitrag von mumde » Do 26.07.07 23:14

Hallo Nabucco,

Ich will unser Hobby Münzensammeln mal mit einem anderen Hobby vergleichen, dem Geigespielen.

„Wie lernt man ein seriöser Münzsammler zu werden und nicht jemand der jeden Ramsch sich andrehen läßt.“

Wie lernt man Geige spielen? - Üben, üben üben.

„Was macht jemanden zum seriösen Münzsammler (von nicht mehr umläufigen Münzen)?
Sammelt dieser kategorsich oder intuitiv/impulsiv, welche Preise bezahlt er und bei wem.“

Was macht jemanden zu einem seriösen Geigenspieler? - Üben, üben, üben.
Was er dann spielt, ist abhängig von seinen Interessen. Ob er klassische Konzerte oder Zigeunermusik oder Irish Fiddle lieber mag, merkt er, wenn er sich ein paar Grundkenntnisse angeeignet hat.

Es gibt keinen Trick, mit dem man in 10 Minuten Geigespielen lernt. Es gibt auch keinen Trick, mit dem man in kurzer Zeit zum Numismatiker wird.

Wie KAM schon schrieb: Man fängt mit einem Gebiet an, weil es einen interessiert. Das kann eine Portraitgalerie der römischen Kaiser sein, oder Münzen der Kreuzzüge, oder Biermarken der süddeutschen Brauereien, oder einfach die Münzen, mit denen man die Geschichte seiner Heimat illustrieren kann. Und wenn man sich damit beschäftigt, begegnet man anderen Münzen, die auch interessant aussehen, und weitet sein Gebiet aus oder wechselt es sogar, oder sammelt mehrere Gebiete nebeneinander, oder sammelt einen sinnvollen Querschnitt durch die Münzgeschichte der letzten 2600 Jahre. Und, wie KAM schrieb: Literatur ist unumgänglich.

Es gibt einen Ausspruch eines Baseler Münzenhändlers, den ich schon mehrmals erzählt bekam: „Bevor Sie sich bei mir einen Taler für 2000.- Franken kaufen, geben Sie erst einmal 5000.- Franken für Bücher aus!“

Dir ging es aber wohl mehr darum, nicht über’s Ohr gehauen zu werden. Ich sammle seit 50 Jahren Münzen und werde bei ebay immer noch ab und zu durch gut fotografierte Zinnabgüsse hereingelegt. Na ja. Das ist halt so.

Überlege Dir, welches Gebiet Dich interessieren könnte, besorge Dir die dafür notwendige Literatur, und fang dann langsam an.

Um zum Geigespielen zurückzukommen: Wir hatten schon Leute hier im Forum, die sich erst einmal drei Dutzend kaputte Geigen kauften und sie ein halbes Jahr in Olivenöl legten, und 50 Notenständer, die zwar nicht mehr aufrecht stehen konnten, aber für 2.- Euro pro Stück doch ein richtiges Schnäppchen waren.
Das Reinigen der Geigen kann man machen, wenn man Geige spielen kann.

Ich tendiere mehr dazu, sich zuerst einmal brauchbare, also erkennbare und deutlich lesbare Stücke zu besorgen. Was Du Dir besorgst, ist Deine Sache und hängt von Deinen Interessen ab. Auch die Quellen hängen von Deinen Interessen ab. Es gibt vertrauenswürdige Spezialisten für verschiedene Gebiete.

Mein Rat ist: Sieh Dich erst mal um, was in den letzten 2600 Jahren alles geprägt wurde. Sieh Dir hier im Forum an, was für Münzen in den verschiedenen Kategorien vorgestellt wurden. Sieh Dir auf http://www.coinarchives.com/ an, was es zu den verschiedenen Gebieten sonst noch gibt. Und dann stell Fragen hier im Forum.
Wenn Du Dich dann entscheidest, Münzen des deutschen Kaiserreiches zu sammeln, kannst Du nach Schema sammeln. Wenn Du Dich mehr für antike Griechen, Römer, Byzanz, Mittelalter oder frühe Neuzeit interessierst, ist nach einiger Zeit auch Intuition notwendig. Bei einer Münze, die einen fasziniert, die eine Ausstrahlungskraft besitzt, bei der alles stimmt und die genau in die Sammlung passt, ist der Preis manchmal eher nebensächlich.
Solche Münzen gibt es.
Gruß mumde

Nabucco02251nebu
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Re: Wie wird man "seriöser" Münzsammler

Beitrag von Nabucco02251nebu » Fr 27.07.07 00:58

Ich danke vielmals Usen und KarlAntonMartini für die umfangreicheren Antworten, und natürlich auch Mumde, wo ich es grade sehe, für seine anschauliche und umfangreiche Antwort.
Zu Anfang habe ich mich was vage ausgedrückt, natürlich schwebt mir "zu Anfang" nur ein "Spezialgebiet" vor, nur ich wollte es allgemeiner halten damit auch andere einen Leitfaden zum Münzsammeln erhalten und nicht nur ich.

Mit Münzsammeln besitze ich noch nicht so lange Erfahrungen wie manche von euch.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Münzsammeln/Numismatik beschränkten sich bisher auf 5 DMark-Stücke und nun den unterschiedlichen Euromünzen. Sprich ich habe nie die Münzen wie andere Waren im Kauf erworben.
Kürzliche Auslöser für das Neu-erflammen der Liebe zu Geldmitteln entstand dann durch das zufällige erhalten einer 2-€ Sondermünze und einer "vermeintlichen" Mittelalterlichen Münze des "deutschen Ordens oder teutschen Ordens".
So hat es dann sprichwörtlich gefunkt und Liebe auf den ersten Blick entstand.
Wertvolle Münzen sind im diesem Sinne dann Münzen für mich zu denen ich ein subjektives Verhältnis besitze und für mich daher wertvoll sind, unabhänging vom "Katalog"-Wert.

Mit Fachliteratur habe ich mir schon fast gedacht das es da nicht ohne geht, ich werde mir dann auch in naher Zukunft welche anschaffen.
Nur welche Fachliteratur ist besser, ältere Referenzliteratur oder neuere mit ISBN-Nummern. Ich werde aber sicherlich an anderer Stelle fragen welche Fachliteratur ich zuerst besorgen sollte, von denen die ich bisher gefunden habe.

Mit "seriösen Münzsammler" meinte ich nicht zwangsläufig nicht mehr "über´s Ohr gehauen" zuwerden sondern alle Aspekte die darauf zutreffn könnten.
Ich weiß von Ü-Ei-Sammlern, das diese nicht bis nie die Preise zahlen die in den Katalogen stehen, wie sieht dieses Verhältnis bei der Numismatik aus? z.B.
Bei Antiquitäten ist es ein Frevel diese zu reinigen und kann Weretverluste bis über 75% bedeuten, bei Münzen scheint dies nicht so zu sein(?).
Dies sind Fragen die mir offen stehen und mich in Distanz (im Verstehen) noch zum ganzen halten.

Ich danke nochmal vielmals euch dreien für euer entgegenkommen und die umfangreichen Antworten.

Mit freundlichen Gruß
Nabucco

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soggi
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Beitrag von soggi » Fr 27.07.07 03:18

Hallo,

Bei der Literatur kommt es ganz auf das Gebiet an...möchtest Du Literatur zu gängigen Münzen der Neuzeit, so sollte man u.a. auch der Preisangeben wegen ein relativ aktuelles Exemplar eines Kataloges besitzen.
Spezialgebiete oder auch einfach ältere Gebiete haben oftmals Standardwerke, die seit 30 oder mehr Jahren keine neue Auflage erfahren haben. Die Gründe dafür sidn sehr vielfältig...das können sein die schwierige Thematik, geringe Verfügbarkeit von Belegstücken aber auch die geringe Anzahl von Smallern/Numismatikern, die sich für das entsprechende Gebiet interessieren bzw spezielles Wissen darüber haben. Auch lassen sich die älteren Gebiete nicht so einfach katalogisieren wie z.b. Euromünzen.

Grob gesagt ist es bei Münzen auch ein Frevel diese zu Reinigen...denn jeder der sich nicht gut damit auskennt, würde hier eher die falschen Schritte wählen, besonders wenn es um aggressive Reinigungsmethoden geht.
Antiquitäten werden ja auch gereinigt oder sagen wir lieber mal resaturiert...im Prinzip ist das bei beiden Disziplinen bis auf Feinheiten analog -> man will den Gegenstand erhalten und falls es möglich ist Schmutz, Krusten und Korrosionsherde entfernen...eine Patina/ein Anlaufen ist dabei nicht als Schmutz zu betrachten!

Gruß
soggi
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Und sie wollen, daß ihr bleibt wie ihr seid alle Zeit![/b]

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Pflock
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Beitrag von Pflock » Fr 27.07.07 14:20

Hallo Nabucco,
ich habe vor ca. 10 Jahren mit Münzen angefangen und bin über die Wertanlage zu (Gold-) Münzen gekommen. Am Anfang habe ich alles an bezahlbaren Goldmünzen (Preise nahe dem Goldwert, das ist bis heute so geblieben) gesammelt, bis ich festgestellt habe, daß dies nicht sehr befriedigend ist. Eines Tages habe ich mir dann eine Strategie überlegt und mich auf ein paar wenige Gebiete spezialisiert. Strategie heißt bei mir, daß ich wenigsten die Chance habe (finanziell und mengenmäßig) einer Vollständigkeit nahe zu kommen. Bei Euro-Münzen sammel ich z.B. nur jeweils den 1. Jahrgang pro Land und Motiv.

Ebay sollte man nicht so verteufeln. Es hat hier nur immer so den Anschein, daß wir Ebay "hassen", weil wir uns natürlich immer die schönsten Blüten raussuchen. Ich z.B. habe noch NIE schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn man sich die Bewertungen der Verkäufer vernünftig anschaut, kann man schon einige Schlüsse ziehen. Meine einzigste Fälschung, von der ich weiß :?, (20-Goldmark-Hamburg) habe ich bei einer Briefmarken-Auktion im echten Leben gekauft.

Bei der Literatur kommt es natürlich auf Dein Sammelgebiet an. Einen guten allgemeinen Überblick über moderne Münzen bietet der Weltmünzkatalog von den Gebrüdern(?) Schön, den gibts für das 20ste und 19te Jahrhundert. Hat aber auch seine Lücken, vor allem bei den neuesten Prägungen, ist wohl der Menge zu schulden.
Für Goldmünzen Europas finde ich den Schlumberger "Goldmünzen Europas - Von 1800 bis heute" ganz gut. Der Katalog ist glaube ich von 1997, sehr übersichtlich und mit einigen Details. Bei eBay wird er oft angeboten, im Handel wohl nicht mehr.

Wenn Du bestimmte Literatur suchst, ist eine entsprechende Frage hier im Forum immer angebracht. Es wird sich auch immer mal jemand finden, der bei einer speziellen Frage in seinem Katalog für Dich nachschaut.

Gruß
Pflock
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
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Beitrag von Lutz12 » Fr 27.07.07 16:16

Zum Thema Literatur:
natürlich sind Kataloge zur Bestimmung, zur Festlegung eines Kauflimits etc. wichtig und (fast) jeder stürzt sich zunächst darauf. Aber - um sich in die Materie einzulesen sind allgemeine numismatische Bücher ("Querbeet") aus meiner Sicht für den Anfang am Besten (nebenbei sind diese am Zweitmarkt auch richtig billig!).
Hier mal (ohne Wertung und Reihenfolge) ein paar aus meinem Regal, in denen ich immer mal wieder blättere und lese (nach über 30 Jahren Numismatik).
Clain-Stefanelli: Das grosse Buch der Münzen und Medaillen
Lexikon der Numismatik
Jochen Klauss: Goethe als Medaillensammler
Dehnke: Münzen - ein Brevier für Sammler
Walter Grasser: Medaillen und Plaketten
Dieter Fassbender: Münzen sammeln
Darüber hinaus sind die Hefte zu allen möglichen Münzausstellungen (im Kauf im 1 €-Breich) immer wieder interessant.
Bei diesem Querschnitt wirst Du schnell selbst feststellen, welche Themen Dich interessieren (faszinieren), bei denen Du Dich festliest - das werden dann sicher Deine Sammelgebiete werden (im Laufe der Zeit kann sich das Interesse verlagern).
Bei mir war vor ca. 10 Jahren z.B. das Buch "Goethe als Medaillensammler" der Stein des Anstosses mich ganz auf Medaillen zu verlegen.
Gruß Lutz12
"Wenn Sie glauben, mich verstanden zu haben, dann habe ich mich falsch ausgedrückt" ( Alan Greenspan)

Gast

Beitrag von Gast » Sa 28.07.07 08:52

Hallo Nabucco,

ich sammele seit über 40 Jahre Münzen.

Angefangen hat es mit dem "Erbe" der Eltern, dann kam ausländisches Wechselgeld dazu. In dieser Phase habe ich zwei Dinge erkannt: zum einen ist es unmöglich, komplett zu sein, zum anderen wird trotz allem die Systematik zum eigentlichen Motor der ganzen Chose (Jahrgänge - Prägestätten - Münzmeisterzeichen etc.)

Sobald ich das begriffen hatte, habe ich mich auf Sammelgebiete gestürzt, die ideal zur Spezialisierung geschaffen sind: Frankreich, Spanien, BRD, USA.

Irgendwann kam dann die "Sättigungsphase" - das ist normal: es stagniert - und ich habe mich anderweitig orientiert, und zwar rückwärts.
Frankreich wurde bis zurück in das Mittelalter ausgedehnt, was ebenfalls Systematik erforderte. Spanien wurde aufgegeben, BRD ebenfalls.

Irgendwann fing ich an, Grossbritannien zusammenzutragen (ich habe bewusst diesen Begriff gewählt, weil es eigentlich kein Sammeln war). Der Grund war einfach der, dass mich die Gestaltung der GB-Münzen faszinierte - weniger die Systematik.

Wohlgemerkt: Keine meiner Sammlungen wurde ohne die entsprechende Grundliteratur begonnen !!!!!!!!
Insbesondere faszinierten mich stets münzhistorische Bücher mehr als reine Katalogwerke.

Viel später in meiner Sammlerkarriere bin ich auf die Römer gestossen. Die machten mich aber relativ wenig an - das ganze war mir zu monolithisch - und ich begann, mich für das historisch (aus meiner Sicht) wesentlich interessantere Byzanz zu engagieren. Einer der Gründe dafür war, dass Spezialisierung mit geringen Mitteln möglich war, es reichlich Platz für Forschung, gelegentlich auch Spekulation gab, und kaum aktuelle Literatur existierte.

Alle Faktoren: der Mangel an Literatur, die Faszination des Sammelns, der Wunsch und der Wille zu dokumentieren, der Drang bisher unbeobachtetes zu beschreiben (wie Darwin) und mitzuteilen hat mich dann letztendlich zum "petzlaff" gemacht: Einen Menschen, der das Ergebnis seiner Sammlererfahrung bzgl. eines ganz kleinen Spezialsammelgebiets in Handbuchform publiziert.

Angefangen als Kleingeldhorter hat die Sammelleidenschaft mich mit meinem Buch in die wichtigsten numismatischen Bibliotheken der Welt gebracht. Das ist der Lohn für die Mühe - und dieser Lohn befriedigt ungemein.

Aber, lieber Nabucco - die Mühe kostet weniger das Geld. Vielmehr bezahlt man mit Stress, Enttäuschung, dem Ende in Sackgassen, dem über den Tisch gezogen zu werden und ........., sich gelegentlich von geliebtem Sammelgut zu trennen, um sich für eine neue Leidenschaft voranzutreiben.

Ich denke, ich wäre als Numismatiker heute nicht dort wo ich bin, wäre mir seinerzeit Literatur über mein derzeitiges Spezialgebiet zur Verfügung gewesen. Das klingt paradox - und es ist paradox, aber die Wahrheit. Numismatiker zu sein heisst immer neue Wege zu gehen.

Sammeln bedeutet für mich immer noch Forschen und Kommunikation über das Erforschte.
Zusammentragen ist für meine Begriffe kein Sammeln sondern eine Art von Autismus.

Viel Spass mit der Numismatik
petzlaff

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