Eine Ladung Käsh

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Wynrich
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Eine Ladung Käsh

Beitrag von Wynrich » Sa 21.09.19 17:53

Hallo,
ich habe noch ein paar Käsh Münzen die ich nicht bestimmen kann. So langsam komme ich rein in die Materie, aber bei diesen komme ich nicht weiter.
Die große wiegt 7,12g und hat einen dm von 34mm.
Die kleinen (ich mache mir wenig Hoffnung mit der Bestimmung) wiegen je ca. 0,75g bei einem dm von 15mm.

Schonmal herzlichen Dank :roll:
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shanxi
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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von shanxi » Sa 21.09.19 18:30

Die 1: Nördliche Song, Hui Zong, Chong Ning Tong Bao, Hartill 16.399
wobei das für eine NSong Münze schon sehr unsauber hergestellt aussieht.

Für die Qing Münzen brauchen wir die Rückseite, z.B. die nr. 7 Guang Xu Tong Bao

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von xiaolong » So 22.09.19 19:06

Hallo, Wynrich,

bei den Münzen handelt es sich sehr wahrscheinlich um sogenannte "Privatausgaben" oder "private issues".
Die Songmünze ist viel zu leicht für eine offiziell herausgegebene Münze, deren Gewicht bei 10 bis guten 11
Gramm liegen sollte. Sie sieht aus, als ob eine reichlich umgelaufene Münze als Muttermünze für die
Gußform herhalten musste ( bei offiziellen Ausgaben wurden besondern sorgfältig hergestellte Muttermünzen verwendet).
Die anderen Münzen sind ebenfalls viel zu leicht und zu klein für offizielle Ausgaben.
Die gute Frage ist jetzt nur, wo diese Münzen hergestellt wurden, und von wem. Privat issues von Privatleuten (da würde man dann sicher von zeitgenössischen Fälschungen sprechen) sind aus China durchaus in großen Mengen bekannt. Es gab aber auch halboffizielle Münzestätten in der Nähe von Garnisonen etc.
Deine kleineren Münzen sehen für mich aber eher nach Privatausgaben aus Vietnam oder Indonesien aus.
Viele solcher Münzen kursierten im Handel zwischen China, Vietnam, Japan, Indonesien.
Es dürfte schwierig werden, zu bestimmen, wo sie herstammen, da man auf den Fotos nicht viel
erkennen kann, und vermutlich die eine oder andere Münze falsch herum liegt.
Es sind jedenfalls interessante Stücke, an denen man sich die Zähne ausbeißen, aber auch reichlich Wissen ernten kann, wenn man sich mit ihnen und ihrer Geschichte näher beschäftigt.
Darüber hinaus rücken private issues langsam bei vielen Sammlern in den Blickpunkt.
Grüße
xiaolong

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von pingu » Mo 23.09.19 11:19

Hallo,

2.: Qian Long Tong Bao
3.: Dao Guang Tong Bao
4.: vermutlich Xian Feng Tong Bao
5.: Dao Guang Tong Bao
6.: das ist die Rückseite - umdrehen!
7.: Guang Xu Tong Bao
8.: scheint wieder die Rückseite zu sein - daher umdrehen!
9.: Jia Qing Tong Bao

Die Stücke sind alle aus China.

Für Handelsgeld in Japan, Indonesien und Vietnam sind sie zu klein. Hierfür wurden fast ausschließlich Stücke mit Nennwert 1 Käsch verwendet. Nachprägungen in Indonesien, Japan und Vietnam waren fast immer im "normalen" Duchmesser, mit z.T. stark reduzierten Gewicht. Winzlinge ausschließen kann man aber in den Ländern nicht zu 100%.
Man kann aber, auf Grund der hohen Streuung (Ausgabezeit) der Stücke oben, ausschließen das sie aus den vorgenannten Ländern stammen.

In den letzten Jahren tauchen immer mehr solcher "Minnie-Kash" in China auf. Warum die selbst in der chinesischen numismatischen Literatur kaum erwähnt werden ist mir nicht bekannt. Ich vermute das es in die Richtung Begräbnisgeld/Opfergaben geht.
Es gab aber mit Sicherheit auch offizielle Ausgaben solcher im Durchmesser kleinen Stücke. Erwähnenswert sind hier besonders die als Chicken's eyes (chinesisch jimu) bezeichneten Stücke....

Grüße pingu
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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von xiaolong » Mo 23.09.19 17:33

Die Münzen sind zu klein, zu leicht und von zu schlechtem Guß. Diese Kombination passt nicht zu offiziellen Münzausgaben, wohl aber zu private issues.
Ob die Stücke aus China stammen - möglich, wenn, dann sicher aus aus den damaligen Fälscherwerkstätten in Südchina.
Ob sie aus Vietnam oder Indonesien stammen - möglich. Auch dort gab es Fälscherwerkstätten und kleine geheime Münzstätten in abgelegenen Gebieten. Leider läßt sich für mich auf den Fotos nicht erkennen, ob es Unregelmäßigkeiten oder veränderte Kalligraphieanteile gibt, die eine Herstellung außerhalb Chinas wahrscheinlich macht.

Diese Münzen sind kein Handelsgeld im engeren Sinn, sondern Münzen, die im Handel verwendet wurden,
weil die, die sie annahmen, es nicht besser wußten oder schlicht betrogen wurden oder weil es aus verschiedenen Gründen keine anderen Geldstücke auf dem Markt gab, die der Handel zum Überleben brauchte und die Käufer und Verkäufer nahmen, was es gab.
Dies war oft insbesondere im Handelsverkehr zwischen China und Vietnam und China und Indonesien der Fall, aber auch Richtung Japan von Vietnam aus.

Es gibt offizielle Ausgaben von Münzen mit geringem Durchmesser und Gewicht, z.B. unter Wang Mang, wie z.B. die Xiaoquan Zhi Yi mit einer Größe von ca. 15 mm und 1,1 Gewicht, um nur eine Münze zu nennen. Aber diese Arten von Münzen waren in der Regel hervorragend gegossen und mit lesbarer Schrift.

„Mini-Cash“ haben nichts mit Begräbnisgeld oder Opfergaben zu tun. Es gibt einfach auch kleine offizielle Münzen. Die meisten davon werden in der numismatischen Literatur beschrieben. Einige jedoch, wie z.B. winzig kleine Ban Liang wurden erst Anfang der 2000er Jahre erstmals gefunden. Das gleiche gilt auch für die gui (Geist) Chong Zhen Tong Bao aus der Ming Dynastie, von denen bis heute immer neue Varianten entdeckt werden. Soweit mir bekannt ist, wird noch darüber gestritten, ob das nun semioffizelle Münzen oder zirkulierende Fälschungen oder vielleicht doch mehr oder weniger offizielle Ausgaben sind.
Sehr häufig findet man allerdings Mini-Cash-Münzen in Lots chinesischer Münzen, die nicht aus China, sondern aus Vietnam stammen. Dort gibt es so unendlich viele kleine, inoffizielle Münzen mit chinesischen und Pseudo-chinesischem Inschriften, das sie bis heute nicht vollständig katalogisiert worden sind.

Grüße
xiaolong

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von pingu » Di 24.09.19 13:37

Hallo,
„Mini-Cash“ haben nichts mit Begräbnisgeld oder Opfergaben zu tun. Es gibt einfach auch kleine offizielle Münzen. Die meisten davon werden in der numismatischen Literatur beschrieben.
Ich bitte um ein Literaturzitat für die obigen Stücke. 15mm sind selbst für Private issues sehr klein.
Eine Katalogempfehlung wäre auch wünschenswert. Beziehungen nach China habe ich genügend um die Bücher zu besorgen und für neues Wissen auf dem Gebiet bin ich immer zu haben. Für den in Frage kommenden Zeitraum habe ich keine Bücher in denen sich Minnie Cash finden (bis auf einige wenige Ausnahmen die dann aber in allen Büchern stehen).
Dies war oft insbesondere im Handelsverkehr zwischen China und Vietnam und China und Indonesien der Fall, aber auch Richtung Japan von Vietnam aus.
Schiebe bitte nichts nach Japan was da nicht hin gehört. Aus dem Raum Vietnam, China und Indonesien gab es zu keiner Zeit einen Handel mit untergewichtigen oder zu kleinen Münzen in Richtung Japan. Es wurde ausschließlich mit einwertigen Geldstücken mit vollwertigem Gewicht gehandelt. Mehrfach Cash wurden von den Japanern ebenso rigeros abgelehnt.
Untergewichtige und zu kleine Stücke haben die Japaner selbst hergestellt (vor 1500) und die liefen sehr begrenzt um. Sie wurden einfach von der Bevölkerung abgelehnt da nicht vollwertig. Dementsprechend kurz war die Umlaufzeit und dementsprechend selten sind die Stücke heute zu finden.
Selbst die Holländer konnten in Japan mit ihrem im gesamten asiatischen Raum umlaufenden Handelsgeld nichts beschicken und betrieben Warenhandel. (Kupfer und Silber wurde nach Gewicht gehandelt.)
Europäisches Kupfergeld und Geld der VOC wurde nicht akzeptiert.

Woher kommen die Angaben das es anders gewesen sein soll?
Ich bitte um Literaturhinweise.

Im übrigen habe ich mehrere hundert Stücke dieser "Minnie Käsch" (ich bleibe bei dem Ausdruck bis mir was offizielles unter kommt) direkt aus Ausgrabungen aus dem nördlichen Raum um Beijing vor nicht einmal 10 Jahren bezogen. Also eindeutig nicht aus Südchina.

Das von mir geschriebene (über Japan) kann auf der Seite des Money Museum der Bank of Japan (BOJ) und in den Veröffentlichungen auf der Seite gern nachgelesen werden. Auch finden sich dort viele Abhandlungen über diverse Handelsbeziehungen zum Ausland vor der Öffnung Japans....

Grüße pingu
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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von xiaolong » Di 24.09.19 19:00

Hallo,

„Ich bitte um ein Literaturzitat für die obigen Stücke. 15mm sind selbst für Private issues sehr klein.“

Die 15mm bezogen sich auf ein Beispiel für eine offiziell herausgegebene Münze, genauer gesagt eine Münze des Wang Mang /Xin Dynastie. Chinesische Dynastien haben offiziell immer wieder sehr kleine Münzen (15, 16, 17 mm) hervorgebracht, u.a. die Nord-Süddynastien, die Königreiche von Wei und Shu, aber auch die Qing-Dynastie. Als Literatur reicht dafür schon Hartill Cast Chinese Coins.
Private issues - also inoffizielle Münzen - können sogar noch kleiner sein, wie z.B. die Elm Seed Ban Liang der Westlichen Han, 12 oder 14 mm sind da keine Seltenheit. s. zeno.ru

„Aus dem Raum Vietnam, China und Indonesien gab es zu keiner Zeit einen Handel mit untergewichtigen oder zu kleinen Münzen in Richtung Japan. Es wurde ausschließlich mit einwertigen Geldstücken mit vollwertigem Gewicht gehandelt.“
Die Frage ist nur, warum sollte es dann z.B. die kleinen Kopien der Kanei Tsuho (meist 19-20 mm) aus Vietnam gegeben haben?
Da es bislang keine umfassende Literatur zu den inoffiziellen Münzen dieser und ähnlicher Arten gibt, ist zeno.ru eine ideale Anlaufstelle für weitere Informationen. Nicht nur unter China, sondern unter Südostasien - Vietnam Cash -Inoffizielle Münzen. Darüber hinaus gibt es Informationen in Foren über vietnamesische Münzen, meist allerdings auf vietnamesisch.

„Im übrigen habe ich mehrere hundert Stücke dieser "Minnie Käsch" (ich bleibe bei dem Ausdruck bis mir was offizielles unter kommt) direkt aus Ausgrabungen aus dem nördlichen Raum um Beijing vor nicht einmal 10 Jahren bezogen. Also eindeutig nicht aus Südchina.“
Ich kann mir leider nicht vorstellen, um was für Münzen es sich dabei handelt. Um diese Zeit kamen
die lokal hergestellten kleinen Gui Chongzhen, -Wan li und -Tianqi tongbao auf den Markt. Diese wurden allerdings in Hunan und Hubei ausgegraben. Über sie gibt es eine Veröffentlichung von 2012.
Grüße
xiaolong

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von Wynrich » Mi 25.09.19 15:15

Herzlichen Dank für die interessanten Beiträge!!!
Wenn man nicht so viele "Baustellen" hätte (Kushan, spanische Lokalausgaben, Brakteaten,....) könnte ich mich viel mehr den fernöstlichen Münzen widmen. Aber hier im Forum kann man hervorragend dazulernen.

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von pingu » Mi 25.09.19 15:55

Hallo,
@Wynrich
stimmt - es ist ein äußerst interessantes Gebiet auf dem es immer etwas zu entdecken gibt.

@ Xiaolong

Die oben gezeigten Münzen sind meines Wissens nicht im Hartill verzeichnet. Auch geht es in diesem Beitrag nur um diese Münzen.
Diese mit Münzen der Xin, Wei oder Shu Dynastie zu vergleichen ist nicht sinnvoll. Man bedenke wieviel Zeit da dazwischen liegt. Die oben gezeigten sind frühestens im 17. Jahrhundert gegossen worden. Münzen des Wang Mang sind fast 2000 Jahre alt. Der Elm Seed Ban Liang ist sogar noch älter.
Mal übertrieben :Da kann man auch alte Römer der Republik neben italienische Euros legen. Rund sind die Stück schon mal. :?

Das japanische Münzen in Vietnam kopiert wurden stelle ich nicht außer Frage, allerdings gab es zu keiner Zeit den durch Sie beschriebenen Transfer von zu kleinen und untergewichtigen Münzen nach Japan - diese, ihre Aussage habe ich angezweifelt. Falls es darüber Literatur geben sollte bin ich daran interessiert, da ich noch nie dafür einen Hinweis gefunden habe und solche Stücke in mehreren jahrzehnten intensiver Beschäftigung mit japanischen Münzen aus Japan nicht kenne.
Ich kann mir leider nicht vorstellen, um was für Münzen es sich dabei handelt.
Es handelt sich um genau solche Stücke wie die im Eingangsthred gezeigten.
Qian Long Tong Bao
Dao Guang Tong Bao
Jia Qing Tong Bao
Kang Xi Tong Bao
Shun Zhi Tong Bao
die jüngsten sind Tong Zhi, Shun Zhi sind die ältesten dieser extrem auffälligen Stücke.
Alle im Durchmesser zwischen 15 und 17mm und auf der Rückseite offizielle Münzstätten (BOR und BOW). Alle Stücke sind aus niedrig legiertem Kupfer - sprich mit einem hohen Kupferanteil in der Legierung. Wesentlich besser im Material als die normalen Kash zu der Zeit.
Und alle haben eins gemeinsam - in allen mir vorliegenden Katalogen sind sie nicht aufgeführt.

An der Herkunft der Stücke gibt es übrigens keinen Zweifel. Nicht alles was in China ausgegraben wird, wird in Europa publiziert. Das schaffen selbst die Chinesen nicht, auch wenn die Stücke bei den Ausgrabungen von Museumsmitarbeitern/Archäologen begutachtet werden....

Falls irgend jemand hier mit Literatur zu den Winzlingen aushelfen kann - bitte melden.

vielen Dank

pingu
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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von shanxi » Mi 25.09.19 18:14

pingu hat geschrieben:
Mi 25.09.19 15:55
Falls irgend jemand hier mit Literatur zu den Winzlingen aushelfen kann - bitte melden.
1 1/2 Meter Literatur zu chinesischen Münzen und so gut wie nichts drin.

Hartill QC zeigt eine einzige Qian Long BOW mit 15mm (Plate 172) und bezeichnete diese als zeitgenössische Fälschung.

Zhongguo Guqian Daji zeigt zwei 16mm Guang Xus (p. 1818, 4 und 5) und eine 13mm PuYi (p. 1841, 3), aber letztere ist sowieso eine andere Sache.

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von pingu » Mi 25.09.19 20:54

Hallo

und danke. Das bestätigt meine bisherigen Kenntnisse auf dem Gebiet. Erfreut bin ich zwar nicht darüber - eine Erhellung zu den Stücken wäre wünschenswerter gewesen.

Grüße
pingu
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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von xiaolong » Do 26.09.19 16:53

Hallo, pingu,

„Die oben gezeigten Münzen sind meines Wissens nicht im Hartill verzeichnet.“
Nein, natürlich nicht. Private issues - numismatische Fälschungen - sind nur in wenigen Büchern, und wenn meist in denen neueren Datums zu finden. Leider bestand lange eine gewisse Arroganz der numismatischen Autoren, solchen „wertlosen“ Randerscheinungen des Geldwesens Beachtung zu schenken.

„Diese mit Münzen der Xin, Wei oder Shu Dynastie zu vergleichen ist nicht sinnvoll.“
Das habe ich auch gar nicht getan, sondern ich habe auf Ihre Aussage geantwortet, das es keine so kleinen Ausgaben in China gegeben hätte, und das selbst 15mm für private issues gering wären, was eben nicht stimmt.

„…allerdings gab es zu keiner Zeit den durch Sie beschriebenen Transfer von zu kleinen und untergewichtigen Münzen nach Japan“
Ich bezweifele keineswegs Ihr Fachwissen. Warum aber sollten dann solche und ähnliche Münzen existieren, und das noch dazu in nicht geringen Mengen? Es gibt keine numismatische Literatur zu diesem Thema, aber jede Menge Münzen, die eine andere Geschichte erzählen, als es die offizielle Geschichtsschreibung der Japaner bezüglich dieser Münzen akzeptiert. Aber offensichtlich war das Ganze nicht so eindeutig, wie es scheint. Forschungen laufen. Dr. Allan Barker (The Historical Cash Coins of Vietnam) soll an einem Buch über die inoffiziellen Münzen arbeiten. Vielleicht wird dann einiges geklärt.

„Alle Stücke sind aus niedrig legiertem Kupfer - sprich mit einem hohen Kupferanteil in der Legierung. Wesentlich besser im Material als die normalen Kash zu der Zeit.“
Was heißt „normale Kasch“ und warum sollen Ihre Stücke besser sein?
Die offiziellen Dokumente der Qing unterscheiden qingqian („grüne Cash“) und huangqian („gelbe Cash“)
Vor 1684 lag in den Münzstätten von Beijing das Verhältnis Zink zu Kupfer bei 3:7, 1684 bei 4:6 und 1727 sogar bei 5:5. Von 1740 an wurde der Kupfergehalt auf 50 Prozent herabgesetzt, und entsprechend Blei und Zinn zugemischt. Bis in die 1850er wurden immer neue Münzstandards herausgegeben, die den Kupferanteil jeweils anpasste. Die Provinzmünzen sollten sich an dem jeweiligen Standard halten, variierten aber etwas stärker in der Metallzusammensetzung. Die Münzen, die in Beijing vor 1740 aus Zink und Kupfer gegossen wurden, wurden als „gelbe Cash“ bezeichnet, nach 1740 mit der Zugabe von Zinn und Blei als „grüne Cash“. Auch, wenn die grünen Münzen manchmal als Bronzemünzen bezeichnet werden, sind die Münzen nach 1600 technisch gesehen aus Messing.( Hailian Chen: Zinc for Coin and Brass: Bureaucrats, Merchants, Artisans, and Mining Laborers in Qing China, ca. 1680s–1830s, 2018). Falls Sie mal an einer Münze gekratzt haben sollten, und es kommt nur Kupfer zum Vorschein, dann haben Sie zu wenig tief Material abgetragen.

„Alle im Durchmesser zwischen 17 und 20mm und auf der Rückseite offizielle Münzstätten (BOR und BOW).“
So stand das ursprünglich in Ihrem Text, den ich kopiert hatte, jetzt sollen die Münzen kleiner sein?

Hartill schreibt immer wieder, das es während der Qing-Dynastie zur Ausgabe von kleinen Münzen kam, regulär durch Inflation, Korruption, Mangel an Metallen oder als Fälschungen. Unter dem Tongzhi-Kaiser wurde 1865 berichtet:
„Now corrupt practices when casting spins are very many, although connected with official casting private and secret casting is utterly forbidden. Mint forgeries are privately cast by the mint officials. They are like the original regulation coins, only comparatively smaller.“ (Hartill, Chinese Cash Coins, Seite 394).
Hartill zeigt auch einige dieser kleinen Münzen der verschiedenen Kaiser in den genannten Größen. Aber eben nur wenige, mehr kann oder können solche Bücher auch nicht leisten. Ich glaube, er bildet gerade 6 Qing-Palastmünzen, und es gibt ein chinesisches Buch, das 140 zeigt. . Da helfen nur spezialisierte Ausgaben aus China, wie Varieties of Shun-Zhi Tong-Bao Coins, China, 2006, Tong Yu, das alleine 500 verschiedene Münzvarianten zeigt.
Ch’ing Cash von Werner Burger von 2016 gilt als umfassendste Darstellung der Münzen dieser Zeit. Er listet u.a. auch zeitgenössische Fälschungen auf. Kostet die Kleinigkeit von ca. 700 Dollar.

Vielleicht geht auch diese Münze in Ihre Richtung: http://www.worldofcoins.eu/forum/index. ... b54a4f4a5f

Grüße
xiaolong

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von ischbierra » Do 26.09.19 21:15

Eure Diskussion ist ausgesprochen spannend. Vielen Dank.
Gruß ischbierra

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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von pingu » Fr 27.09.19 10:03

Hallo xiaolong,
„Alle im Durchmesser zwischen 17 und 20mm und auf der Rückseite offizielle Münzstätten (BOR und BOW).“
So stand das ursprünglich in Ihrem Text, den ich kopiert hatte, jetzt sollen die Münzen kleiner sein?
Das war geändert nach 3 Minuten beim Nachlesen, weil es falsch war. Ihre Antwort kommt eine Stunde später.... Sorry
Falls Sie mal an einer Münze gekratzt haben sollten, und es kommt nur Kupfer zum Vorschein, dann haben Sie zu wenig tief Material abgetragen.
Ich kratze nicht an Münzen. Da gibt es bessere Methoden die Zusammensetzung zu bestimmen.
„Die oben gezeigten Münzen sind meines Wissens nicht im Hartill verzeichnet.“
Nein, natürlich nicht.
Warum erwähnen Sie Hartill dann auf meine Frage wo diese Münzen verzeichnet sind immer wieder? Der Hartill ist hier nicht zitierbar.

Es geht um die Münzen im Eingangsthred (jetzt auch um die Stücke die in meinem Schrank liegen aber zeitgleich ausgegeben wurden). Sie schreiben die ganze Zeit von anderen Münzen - nicht von diesen Stücken. Es geht auch nicht um Palastmünzen!
sondern ich habe auf Ihre Aussage geantwortet, das es keine so kleinen Ausgaben in China gegeben hätte
habe ich noch nie geschrieben - bitte nochmals nachlessen. Ich hatte nur geschrieben das diese kleinen Ausgaben (aus dem Eingangsthred - und nur darum geht es!) nirgends erwähnt werden. Über "Minnie Käsh gibt es hier im Forum einige Thred's wo Stücke mit Bildern gezeigt und beschrieben sind. Auch habe ich aus anderen Zeiten genug Beispiele für chinesische "Minnie Käsh" in der eigenen Sammlung und vor allem in der eigenen Literatur vorliegen.
Dr. Allan Barker (The Historical Cash Coins of Vietnam) soll an einem Buch über die inoffiziellen Münzen arbeiten
"soll arbeiten" - ist mir zu sehr Kaffeesatzlesen. Sind Sie sicher das er sich da mit Minnie Käsh im Umlauf in Japan befasst ?
Es gibt keine dokumentierten Funde dieser kleinen Münzen (Eingansthred) in/aus Japan.
Es gibt allerdings die dokumentierte Tatsache dass diese Münzen nie in Japan importiert wurden.
Ch’ing Cash von Werner Burger von 2016 gilt als umfassendste Darstellung der Münzen dieser Zeit. Er listet u.a. auch zeitgenössische Fälschungen auf.
Sind Sie 100% sicher das da diese Typen Münzen verzeichnet und beschrieben sind. Wenn ja besorge ich mir das Buch. Entweder im Original für mich oder in der Fernleihe über eine Uni.

Was Sie schreiben ist Großteils richtig (bis auf Japan - da liegen Sie daneben), aber hier am Thema vorbei. Ich kann nur immer wieder schreiben - es geht um die Münzen vom Eingangsthred ganz oben !

Grüße
pingu

pS: Ich werde auf Antworten/Fragen und Mutmaßungen die an der anfänglichen Fragestellung vorbei gehen nicht mehr eingehen. Das schweift mir zu sehr vom Thema ab. Für Fakten bin ich jedoch immer zu haben.
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Re: Eine Ladung Käsh

Beitrag von xiaolong » Fr 27.09.19 10:45

Hallo, pingu,

„Für Fakten bin ich jedoch immer zu haben.“

Die Sie leider nie selbst geliefert haben - keine Fotos Ihrer Münzen im Schrank, keine genauen Größen, Gewichte, Metallzusammensetzung (wenn Sie sie so genau bestimmt haben).

Zu den oben nachgefragten Münzen habe ich mich bereits in meiner ersten Antwort geäußert.

Damit beende ich die Diskussion.


Hallo, Wynrich,

jedenfalls viel Spaß mit Ihren Münzen! Und falls es Ihnen auf Ihren spannenden „Baustellen“ mal langweilig werden sollte - Sie merken schon, mit den „Chinesen“ wird Ihnen das nie passieren ;0)!

Grüße
xiaolong

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