Hilfe bei Münzbestimmung

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Thomas
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Hilfe bei Münzbestimmung

Beitrag von Thomas » So 01.09.02 19:23

Hallo zusammen,
ein Freund kam mit vier Münzen zu mir und bat mich etwas darüber zu sagen - leider ist es nicht mein Sammelgebiet. Vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen bei der Bestimmung der vier Stücke und event. mit einer Katalogbewertung.
Besten Dank.

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Thomas/Mannheim
www.rattanakosin.de

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mfr
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Beitrag von mfr » So 01.09.02 19:42

Hallo,
ich hab mal deine Links editiert, so das man die Bilder direkt sieht ;)
Nr. 1 + 2 sieht mir nach RDR aus, das erste Stück aus Polen das 2. aus Österreich, kenn mich aber damit nicht soo aus.

Nr. 3:
Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover
Georg II. August (1727-1760)
2/3 Thaler 1757 IBH (Johann Benjamin Hecht)
Prägestätte Zellerfeld

Katalogwert laut German Coins:
schön - 35 €
sehr schön - 75 €
vorzüglich - 150 €


Nr. 4:
Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover
Georg Ludwig (1698-1727)
6 Mariengroschen 1705

Katalogwert laut German Coins:
schön - 8 €
sehr schön - 16 €
vorzüglich - 28 €

Für die Bohrung ist mit deutlichen Abschlägen zu rechnen.
Zuletzt geändert von mfr am Mo 02.09.02 11:13, insgesamt 2-mal geändert.

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Thomas
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Münzbestimmung

Beitrag von Thomas » So 01.09.02 19:53

Besten Dank für die superschnelle Antwort und die Hilfestellung bei den Links.
Thomas

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mumde
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Beitrag von mumde » So 01.09.02 22:02

Nr. 1 ist etwas langwierig zu erklären, weil da Geschichte dranhängt: 1756 beginnt Friedrich II. von Preußen den Siebenjährigen Krieg um den Besitz Schlesiens. Dabei erobert er Sachsen. In Leipzig und in Dresden werden nun mit den vorgefundenen sächsischen Stempeln, aber auch mit neugeschnittenen Stempeln, Münzen mit dem alten sächsischen Bild und alter Jahreszahl aus sehr schlechtem Silber geprägt. Eigentlich ist das Falschmünzerei, aber wer will einen König, der sowieso schon im Krieg gegen seinen Kaiser steht, wegen Falschmünzerei belangen? Die Nr. 1 ist also ein Acht-Groschen-Stück mit der Jahreszahl 1753, dem Zeichen EC des Leipziger Münzmeisters Ernst Dietrich Croll und dem Bild des sächsischen Kurfürsten, der gleichzeitig polnischer König war; tatsächlich geprägt wurde es aber unter der Herrschaft Friedrichs II. von Preußen in verschiedenen Münzstätten, z. B. auch Berlin, Breslau und Magdeburg, in den Jahren 1757-1762. Die Nachprägungen sind am schlechten Silber, am flachen Stempelschnitt und der mangelhaften Ausprägung erkennbar.
Nr. 2 ist ein Viertel Kronentaler 1797 B, geprägt in Kremnitz (Ungarn) für die Österreichischen Niederlande, also für das heutige Belgien.
Nr. 3 und 4 sind schon bestimmt.
Gruß mumde

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zorianer
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Beitrag von zorianer » Mo 02.09.02 00:42

Hmmm. Könnte es sich bei der Nr.1 nicht doch um eine polnische Prägung oder zumindest eine für Polen handeln (daher Croll als MM)? Denn erstens trägt August eine Krone, Sachsen wurde aber erst 1806 zum Königreich und zweitens steht da August III so hieß er als König der Polen, er war aber hauptamtlich als Friedrich August II Kurfürst von Sachsen im Einsatz. Also denke ich eigentlich das es sich nicht um einen sächsischen Stempel handelt, sondern um wat polnisches. 8 Grosze? Hab ' da keinen Katalog zu :(
Cornelius

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zorianer
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Beitrag von zorianer » Mo 02.09.02 00:45

Hmmm. Könnte es sich bei der Nr.1 nicht doch um eine polnische Prägung oder zumindest eine für Polen handeln (daher Croll als MM)? Denn erstens trägt August eine Krone, Sachsen wurde aber erst 1806 zum Königreich und zweitens steht da August III so hieß er als König der Polen, er war aber hauptamtlich als Friedrich August II Kurfürst von Sachsen im Einsatz. Also denke ich eigentlich das es sich nicht um einen sächsischen Stempel handelt, sondern um wat polnisches. 8 Grosze? Hab ' da keinen Katalog zu :(
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Beitrag von zorianer » Mo 02.09.02 00:45

Oh, doppelt, mist!

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Andreas
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Beitrag von Andreas » Mo 02.09.02 06:57

mumde hat vollkommen recht!
Gruß
Andreas

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Beitrag von mumde » Mo 02.09.02 09:33

Die Acht-Groschen-Stücke waren ein polnischer Münztyp, der Herrscher trägt die Königskrone und nennt sich August III. und nicht Friedrich August wie auf den sächsischen Münzen, und das Wappen zeigt den polnischen Adler und litauischen Reiter und ist nur mit dem sächsischen Wappen belegt (der kleine Schild in der Mitte). Aber die Stempel für diesen Typ fielen bei der Eroberung Sachsens in preußische Hände; diese Stücke polnischen Typs wurden vom sächsischen Kurfürsten = polnischen König in Leipzig und Dresden hergestellt.
Gruß mumde

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hegele
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Beitrag von hegele » Mo 02.09.02 11:02

Ich bin immer wieder baff, wie viele Leute es hier gibt, die sich super auskennen. Ich finds toll.
hegele

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Beitrag von zorianer » Mo 02.09.02 17:59

Na denn mal Entschuldigung. Ich stell' mich auch eine Woche in die Ecke :cry:
Cornelius

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Thomas
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Beitrag von Thomas » Mo 02.09.02 19:58

Nochmals herzlichen Dank für die große Menge an Informationen, man kann ja damit fast ein Buch schreiben ;-)
Thomas

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mumde
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Beitrag von mumde » Mo 02.09.02 20:29

@zorianer/Cornelius: Ich hatte heute früh nur ganz knapp geantwortet, weil ich ins Büro wollte. Tatsache ist, daß es zu dieser Zeit im 18. Jh. gar keine königlich polnische Münzstätte gab. Was in Polen damals an Geld umlief, war in Königsberg, also in Ostpreußen, geprägt, und das unterstand dem preußischen König, oder es war in Leipzig oder Dresden geprägt, wo ja der polnische König = sächsische Kurfürst residierte. Croll arbeitete in Leipzig und prägte Geld für den Umlauf in Polen. Du hast also Recht, wenn Du sagst, daß es polnische Münzen sind. Nur wurden sie nicht in Polen hergestellt.
Gruß mumde

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