Die Faszination der Sandpatina
Moderator: Homer J. Simpson
- Peter43
- Beiträge: 13411
- Registriert: Mi 11.08.04 02:01
- Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
- Hat sich bedankt: 364 Mal
- Danksagung erhalten: 2463 Mal
- Kontaktdaten:
Die Faszination der Sandpatina
Ich möchte hier eine Münze vorstellen, die mir mehr oder weniger wegen ihrer Sandpatina in die Augen stach.
Phönikien, Caesarea ad Libanum, Severus Alexander, BMC 9
Severus Alexander als Caesar, 221-222, geprägt unter Elagabal
AE 21, 8.5g
Av. [SEV ALEXA]NDROS CAESAR
Kopf mit Strahlenkrone n.r.
Rv. COL C - E - SA - RIA LIB
im Abschnitt ITVR
Dreiflügliger Schrein der Astarte mit 4 Säulen. Im mittleren Triptychonunter einem Bogendach Kultbild der Astarte frontal stehen, mit Standarte in dr re Hand und li Fuß auf Prora gesetzt, wird bekränzt von Nike, die re neben ihr auf kleinem Cippus steht, darunter Flußgott n.r. schwimmend; Freitrerppen führen zu den Seitenflügeln; im li Flügel Göttin mit Kalathos frontal stehen zwischen zwei Tieren, im re Flügel weibliche Figur frontal stehen.
BMC 110, 9; Lindgren II, 1321, 2288
Selten, S/fast SS
Der antike Namre von Caesarea war Arka. Wahrscheinlich unter Elagabal wurde sie in den Rang einer römischen Kolonie erhoben und erhielt den Namen Colonia Caesarea Libani. Dies war der Geburtsort des Severus Alexanders, des Cousins, Adoptivsohns und Nachfolgers des Elagabal. In Caesarea bestand ein wichtiger Astartekult. Ob diese interessante dreiflüglige Tempelform tatsächlich der Wahrheit enrspricht, wissen wir nicht. Eine Beschreibung dieses Tempels findet sich in den Saturnalia des Macrobius. Die beiden Figuren in den Seitenflügeln können nicht eindeutig identifiziert werden. Aufgrund ihrer Ikonographie scheint es sich um die 'Herrin der Tiere', Potnia theron, zu handeln, währen die re Figur evtl. Aphrodite sein kann. ITVR im Abschnitt verweist auf das Volk der Ituräer, das in diese Region als Nomaden lebte.
Die Vs. ist leider sehr abgenutzt, aber die Rs. umso hübscher! Die Sandpatina erzeugt den Eindruck einer Beleuchtung von hinten, sodaß die faszinierende Illusion einer fast dreidimensionalen Abbildung entsteht. Gleichzeitig scheint der Hintergrund unwirklich und geheimnisvoll zu glühen, wie man es sich für solch einen Tempel gut vorstellen kann.
Mit freundlichem Gruß
Phönikien, Caesarea ad Libanum, Severus Alexander, BMC 9
Severus Alexander als Caesar, 221-222, geprägt unter Elagabal
AE 21, 8.5g
Av. [SEV ALEXA]NDROS CAESAR
Kopf mit Strahlenkrone n.r.
Rv. COL C - E - SA - RIA LIB
im Abschnitt ITVR
Dreiflügliger Schrein der Astarte mit 4 Säulen. Im mittleren Triptychonunter einem Bogendach Kultbild der Astarte frontal stehen, mit Standarte in dr re Hand und li Fuß auf Prora gesetzt, wird bekränzt von Nike, die re neben ihr auf kleinem Cippus steht, darunter Flußgott n.r. schwimmend; Freitrerppen führen zu den Seitenflügeln; im li Flügel Göttin mit Kalathos frontal stehen zwischen zwei Tieren, im re Flügel weibliche Figur frontal stehen.
BMC 110, 9; Lindgren II, 1321, 2288
Selten, S/fast SS
Der antike Namre von Caesarea war Arka. Wahrscheinlich unter Elagabal wurde sie in den Rang einer römischen Kolonie erhoben und erhielt den Namen Colonia Caesarea Libani. Dies war der Geburtsort des Severus Alexanders, des Cousins, Adoptivsohns und Nachfolgers des Elagabal. In Caesarea bestand ein wichtiger Astartekult. Ob diese interessante dreiflüglige Tempelform tatsächlich der Wahrheit enrspricht, wissen wir nicht. Eine Beschreibung dieses Tempels findet sich in den Saturnalia des Macrobius. Die beiden Figuren in den Seitenflügeln können nicht eindeutig identifiziert werden. Aufgrund ihrer Ikonographie scheint es sich um die 'Herrin der Tiere', Potnia theron, zu handeln, währen die re Figur evtl. Aphrodite sein kann. ITVR im Abschnitt verweist auf das Volk der Ituräer, das in diese Region als Nomaden lebte.
Die Vs. ist leider sehr abgenutzt, aber die Rs. umso hübscher! Die Sandpatina erzeugt den Eindruck einer Beleuchtung von hinten, sodaß die faszinierende Illusion einer fast dreidimensionalen Abbildung entsteht. Gleichzeitig scheint der Hintergrund unwirklich und geheimnisvoll zu glühen, wie man es sich für solch einen Tempel gut vorstellen kann.
Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.
- drakenumi1
- Beiträge: 2944
- Registriert: So 26.11.06 15:37
- Wohnort: Land Brandenburg
- Hat sich bedankt: 1 Mal
- Danksagung erhalten: 51 Mal
Hallo, Peter,
hier mal von mir eine ganz und gar unprosaische Deutung, die mich immer beim Betrachten von Sandpatinamünzen beschleicht, und auch bei Deinem Stück, besonders die Rückseite betreffend:
Ich sehe immer ein Negativbild, ähnlich dessen, was man auch in der s/w - Fotografie erzeugt: Die im Vordergrund liegenden Details, die eigentlich im Licht liegen sollten, sind (durch die Patina) dunkel, während die im Hintergrund (also auf der Münze in der Tiefe) liegenden, die also auch in der unbeleuchteten geheimnisvollen Dunkelheit verschwinden sollten, hier durch den Sand hell erscheinen. Das kann in der Tat einen faszinierenden Eindruck hinterlassen und wurde früher, zu Zeiten der s/w - Fotografie von manchen Fotokünstlern auch zu effektvollen Arbeiten ausgenutzt.
Freundliche Grüße von
drakenumi1
hier mal von mir eine ganz und gar unprosaische Deutung, die mich immer beim Betrachten von Sandpatinamünzen beschleicht, und auch bei Deinem Stück, besonders die Rückseite betreffend:
Ich sehe immer ein Negativbild, ähnlich dessen, was man auch in der s/w - Fotografie erzeugt: Die im Vordergrund liegenden Details, die eigentlich im Licht liegen sollten, sind (durch die Patina) dunkel, während die im Hintergrund (also auf der Münze in der Tiefe) liegenden, die also auch in der unbeleuchteten geheimnisvollen Dunkelheit verschwinden sollten, hier durch den Sand hell erscheinen. Das kann in der Tat einen faszinierenden Eindruck hinterlassen und wurde früher, zu Zeiten der s/w - Fotografie von manchen Fotokünstlern auch zu effektvollen Arbeiten ausgenutzt.
Freundliche Grüße von
drakenumi1
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)
(Baltzer von Platen/a. Rügen)
- chinamul
- Beiträge: 6055
- Registriert: Di 30.03.04 17:05
- Wohnort: irgendwo in S-H
- Hat sich bedankt: 0
- Danksagung erhalten: 79 Mal
Das ist ein interessanter Aspekt, der mich veranlaßt hat, Peters Bild (ich unterstelle mal, daß er nichts dagegen hat) zu invertieren, d. h. ein Negativ seiner Abbildung zu erstellen. Und das sieht dann so aus:drakenumi1 hat geschrieben:Ich sehe immer ein Negativbild, ähnlich dessen, was man auch in der s/w - Fotografie erzeugt: Die im Vordergrund liegenden Details, die eigentlich im Licht liegen sollten, sind (durch die Patina) dunkel, während die im Hintergrund (also auf der Münze in der Tiefe) liegenden, die also auch in der unbeleuchteten geheimnisvollen Dunkelheit verschwinden sollten, hier durch den Sand hell erscheinen.
Gruß
chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
- drakenumi1
- Beiträge: 2944
- Registriert: So 26.11.06 15:37
- Wohnort: Land Brandenburg
- Hat sich bedankt: 1 Mal
- Danksagung erhalten: 51 Mal
Guten Abend, chinamul,
Dank Dir, für die Inversionshilfe. Das hätte mir auch einfallen sollen. Aber das Ergebnis ist doch ganz instruktiv, oder? Die Vorderseite überzeugt echt. Und die Rückseite nach einer Weile des Umdenkens auch, denn die Tiefe der Szenerie mit ihrer wunderbaren Perspektive und die hellen Personen vor dem dunklen Hintergrund sind tatsächlich naturgetreu. Kann mich selbst freuen über das Ergebnis
. Wenn ich selbst solche Sandpatinamünzen hätte, würde ich gleich selbst ein paar Versuche machen.
Einen Gruß zum Abend von
drakenumi1
Dank Dir, für die Inversionshilfe. Das hätte mir auch einfallen sollen. Aber das Ergebnis ist doch ganz instruktiv, oder? Die Vorderseite überzeugt echt. Und die Rückseite nach einer Weile des Umdenkens auch, denn die Tiefe der Szenerie mit ihrer wunderbaren Perspektive und die hellen Personen vor dem dunklen Hintergrund sind tatsächlich naturgetreu. Kann mich selbst freuen über das Ergebnis

Einen Gruß zum Abend von
drakenumi1
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)
(Baltzer von Platen/a. Rügen)
- Homer J. Simpson
- Moderator
- Beiträge: 12156
- Registriert: Mo 17.10.05 18:44
- Wohnort: Franken
- Hat sich bedankt: 353 Mal
- Danksagung erhalten: 1814 Mal
-
- Beiträge: 280
- Registriert: Di 19.07.05 10:45
- Wohnort: wien
- Hat sich bedankt: 0
- Danksagung erhalten: 0
Hier ein Exemplar welches u.a. aufgrund der feinen Sandpatina meine kleine Schatzkiste bereichert. Passt zwar nicht ins Römerforum aber umso besser zum Thema:
Pontos Amisos 88-85
AE 21,6mm/ 8,23g
Av Dionysos m Efeukranz
Rv Cista mystica darauf Pantherfell m Thyrsos AMISOY
ich hoffe, die Bilder können ein wenig der eingangs zitierten Faszination wiedergeben.
brgds missmarple
Pontos Amisos 88-85
AE 21,6mm/ 8,23g
Av Dionysos m Efeukranz
Rv Cista mystica darauf Pantherfell m Thyrsos AMISOY
ich hoffe, die Bilder können ein wenig der eingangs zitierten Faszination wiedergeben.
brgds missmarple
sapere aude
-
- Vergleichbare Themen
- Antworten
- Zugriffe
- Letzter Beitrag
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot]