COS-Zahlenreihe

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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richard55-47
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COS-Zahlenreihe

Beitrag von richard55-47 » Mi 18.08.04 18:42

Bei langjährigen Augusti/Caesares wurde das 4. Konsulat mit "COS IIII" und nicht - wie man annehmen könnte - "COS IV" auf Münzen beschrieben (z. B. Kampmann 35.72.1). Hat jemand eine Ahnung, warum die abweichende Zahlangabe benutzt wurde? Kann der geringe Platz hierzu gezwungen haben oder sollte bei dem herrschenden Analphabetismus dem einfachen Volk das Nachvollziehen der COS-Zahl an Hand der Finger erleichtert werden?
do ut des.

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donolli
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Beitrag von donolli » Mi 18.08.04 19:52

...das gleiche phänomen ist mir auch auf münzen des caracalla aufgefallen. dort wird die tribunitio potestas auch mit XVIIII anstatt mit XIX angegeben.

cheers, donolli
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quintus
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Beitrag von quintus » Mi 18.08.04 23:11

Die Schreibweisen IIII oder IV waren in lateinischen Inschriften gleichermaßen gebräuchlich und erlaubt. Die Regel daß max. 3 gleiche Zeichen nebeneinander stehen dürfen ist eine moderne Erfindung.

Ich galube nicht dass die Schreibweise etwas mit dem Analphabetismus
zu tun hatte. Denn zum ersten gab es in den, für die Hauptstadt wichtigen, Gebieten kaum Analphabeten und zum zweiten hat man sich auch damals nicht für die untere Befölkerungsschicht interessiert.

B.A.
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Beitrag von B.A. » Do 19.08.04 02:50

Moin Moin,

diese Schreibweise wurde anscheinend auch lange Zeit geführt.
Ich beschäftige mich in meiner Freizeit nicht nur mit Römern, sonder auch entwas mit Nostradamus, dazu liegen mir Faksimile Abdrucke seiner 10. Centurien von 1568 vor (12 Jahre nach seinem Tod), in denen erfolgt die einteilung genau so, auf den Viezeiler III folgt der Vierzeiler IIII. :!:
Nun wäre nur noch rauszufinden ab wann unsere "moderne" Schreibweise gilt. :wink:

Mfg
SCheibe
Demonax wurde kurz vor seinem Tode gefragt:"Wer sorgt für dein Begräbnis?" Seine Antwort:"Mein Gestank!"

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donolli
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Beitrag von donolli » Do 19.08.04 09:43

dass unsere heutige schreibweise der röm. ziffern erst durch moderne konvention entstanden ist, war mir noch nicht bekannt. mal wieder was dazu gelernt :wink:

cheers donolli
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hjk
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Beitrag von hjk » Do 19.08.04 19:34

Vielleicht hilft ja auch dieser Link noch ein Stückchen weiter: http://www.typolexikon.de/r/roemische-zahlen.html

hjk :)

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richard55-47
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Beitrag von richard55-47 » Do 19.08.04 19:47

Alle Unklarheiten sind beseitigt.
do ut des.

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Fr 20.08.04 21:50

@donolli

Hallo!
Nicht durch moderne Konvention! Während ursprünglich die Ziffern alle hintereinandergeschrieben wurden, z.B. XIIII, gab es auch schon im alten Rom Beispiele für die Subtraktionsregel, d.h. daß eine kleinere Ziffer, die vor einer größeren steht, von dieser abgezogen wird. Durchgesetzt hat sich diese Regel aber erst im Mittelalter, d.h. sie wurde nicht von einer Kultusministerkonferenz verordnet, sondern wurde allgemein üblich.
Dazu gab es noch drei weitere Regeln:
1. Nur sog. Hauptziffern dürfen links stehen, keine Neben-oder Hilfsziffern.
D.h. erlaubt war es für I, X und C. Nicht erlaubt für V, L oder D.
2. Die Ziffer die links vor einer größeren Ziffer stehen darf, darf nur eine
Einheit niedriger sein als die dahinterstehende Ziffer. Also erlaubt
IV, XC, CM für 900. Nicht erlaubt IC für 99, XM für 990 oder IM für 999.
3. Es darf nur eine Ziffer links stehen. Also IX für 9, aber nicht IIX für 8.
Trotzdem gibt es eine Säule für einen in der Varusschlacht gefallenen
Offizier von der 18.Legion, wo die 18 als XIIX geschrieben ist.
Dann gibt es noch die 3er-Regel. D.h. es dürfen nie mehr als 3 gleiche Ziffern hintereinander geschrieben werden. Einzige Ausnahme ist M, das so oft geschrieben werden darf wie nötig.

Mit freundlichen Grüßen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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