Münze in Kaufbeuren - Epoche des Umbruchs
Überblick: Es gab in Süddeutschland Zeiten, da man mit der Produktion und mit dem Vertrieb von Textilien unheimlich reich werden konnte: siehe die Familie Fugger in Augsburg, die dann vom Textil- ins Silberbergwerks- und dann ins Finanzgrossgeschäft umstieg und damit Kurfürsten, Könige und Kaiser zu ihren Verhandlungspartnern machte.
Später änderten sich die Zeiten: das überkommene geozentrische Weltbild mit Erde und Mensch als Mittelpunkt aller Schöpfung wich dem heliozentrischen Weltbild. Jahrhunderte alte Wirtschaftsräume und Transportwege rückten an den Rand des Weltgeschehens. Politische und religiöse Stabilitäten wurden im Verlauf des 16. Jahrhunderts brüchig. Das Wirtschaftsgefüge in Süddeutschland und auch in der Reichsstadt Kaufbeuren war einem Wandel unterzogen, der auch Spekulationsblasen platzen liess.
Als Profitnehmer des grossen "Textil-, Rohstoff- und Finanz-Rades" vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit sah sich auch die Reichsstadt Kaufbeuren. Der Hochkonjunktur des Textil- und Finanzgeschäfts von 1480 bis in die Zeit um das Jahr 1580 verdankte die Stadt ihre weitere Blütezeit. In unmittelbarem Zusammenhang mit der zeitgenössischen Hochphase des Textilhandels und der Finanzspekulation stand auch die Münztätigkeit an der Münzprägeanstalt der Reichsstadt Kaufbeuren. Bereits unter Maximilian I. angestrebt, brachte das im Jahr 1530 von Kaiser Karl V. verliehene
Münzprivileg an die Stadt Kaufbeuren von 1540 bis 1555 eine umfangreiche Münzproduktion an der Münzstätte Kaufbeuren in Gang. Nach dieser fünfzehnjährigen Münzphase rechnete sich das Münzenausschlagen für Kaufbeuren offenbar nicht mehr und wurde wohl auch handelspolitisch und prestigehalber entbehrlich.
Die Jahre zwischen 1555 und 1580 blieben für Kaufbeuren trotz der bedeutenden religionspolitischen Umbrüche zunächst noch eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperität. Später machten sich
die aufgezeigten Grenzen des Wachstum auch für Handel und Bürgerschaft bemerkbar.
Die geopolitischen Umbrüche der Zeit im Mittelmeerraum und in der „Neuen Welt“ schlugen sich in der Entwicklung des Handels der Reichsstädte nieder, und machten auch für Kaufbeuren keine Ausnahme. Für die Veränderung des Handelsstromes über die Alpen entlang der alten Handelsrouten von und nach Italien nach Augsburg und weiter nach Flandern, von dem auch die Reichsstadt Kaufbeuren im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit profitierte, gibt es verschiedene Ursachen:
Die reichen Silbervorkommen aus Schwaz, welche im 15. und 16. Jahrhundert noch rund 85 Prozent des europaweit gehandelten Silbers förderten (Abbauhöhepunkt um 1500 bis 1545), nahmen ab 1545 kontinuierlich ab und sanken später auf ein Fünftel der früheren Förderungsmenge. Auch der Italienhandel über die Alpenpässe verzeichnete eine rückläufige Tendenz. Die alte Handelsrepublik Venedig erlebte den teilweisen Zusammenbruch des Orienthandels durch eklatante Rückschläge: das Osmanische Reich dehnte seine maritime Herrschaft im östlichen Mittelmeer aus, eroberte Rhodos (1522), Zypern (1570), belagerte Malta (1565), holte sich Kreta (1669). Der türkischen Expansion wurde zwar 1529 vor Wien und in der Galeerenschlacht vor Lepanto am 7. Oktober 1571 Einhalt geboten. Die türkische Gefahr blieb aber bestehen, und die Reichsstädte, so auch Kaufbeuren, hatten ab der zweiten Hälfte 16. Jahrhunderts hohe Beträge an Türkensteuern an das Reich zu bezahlen und belasteten die städtischen Haushalte.
Als ob das nicht genug wäre: das Aufholen ländlicher Produktionsregionen in der Textilproduktion und die verstärkte Baumwollverarbeitung machten der traditionell städtischen Leinen- und Barchentweberei zunehmend Konkurrenz und drückten die Preise.
Und die Jahrzehnte alten gewaltsamen Konflikte zwischen den Religionsparteien im Reich und in Kaufbeuren schwelten auch nach dem "
Augsburger Religionsfrieden von 1555" weiter und blieben ungelöst.
Der böhmische Aufstand protestantischer Adeliger endlich entfachte
im Jahr 1618 den Flächenbrand des Dreissigjährigen Krieges. In dessen Verlauf richteten sich die Religionsparteien und politischen Mächte im erbarmungslosen Kampf gegenseitig zugrunde, wüteten Pest und massenhafter Tod.
Von dieser Verelendung vom Bevölkerungsstand und von der Wirtschaftskraft her erholten sich die Städte Süddeutschlands, auch Kaufbeuren, lange nicht mehr. Die „grosse Zeit“ war auch für Kaufbeuren unwiederbringlich vorüber. Der Stadt war bis zum Ende des Alten Reiches ein überschaubares Bürger- und Handelsleben beschieden. Ihre Stadtgestalt entwickelte sich bis 1800 kaum über die Jahrhunderte alten Grenzen der Altstadt hinaus. Durch diese Umstände ist die urbane Stadtgestalt der Altstadt aus dem 16. Jahrhundert bis heute in den grossen Zügen erhalten geblieben. Auch Luftkrieg des 2. Weltkriegs und bauliche Nachkriegssünden konnten der prägenden spätmittelalterlich-neuzeitlichen Struktur der Altstadt keine entstellenden Schäden zufügen.
Die Freie Reichsstadt Kaufbeuren, Elias Baeck 1708
Nachfolgend nehmen wir die politischen Entwicklungen in der Reichsstadt Kaufbeuren in den Blick und ihre Verflechtung mit massgeblichen Persönlichkeiten und Reichsvorgängen.
Im Jahr 1501 steht der Kaufbeurer Bürgersohn „Eustachius Koler de Kaufbeyren“ an der Universität Erfurt nur wenige Zeilen unterhalb des Matrikeleintrags von
„Martinus Ludher de Mansfelt“. Derselbe „Ludher“ hebt am 31. Oktober 1517 in Wittenberg mit seinen 95 Thesen am Vorabend des Allerheiligentages die etablierte Religionsordnung aus den Angeln. Dieser Martin Luther ist auch vom 12. bis 14. Oktober 1518 in Augsburg beim Verhör mit Kardinal Cajetan und flieht am 20. Oktober 1518 aus Augsburg.
Maximilian I. (1449 - 1519), Porträt von Dürer 1519, Kunsthistorisches Museum Wien
Kaiser Maximilian I. hielt sich, bereits auf dem Rückweg von diesem Reichstag in Augsburg, zuletzt noch am 8. Oktober 1518 in seinem Wohnhaus in Kaufbeuren auf, - er verstarb kurz darauf am 12.1.1519 in Wels.
Maximilian I. wurde „der letzte Ritter“ genannt, er war eine prägende Persönlichkeit in der Epochenwende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit.
Sein Nachfolger war der Enkel Maximilians,
der Habsburger Kaiser Karl V..
Karl V. (1500 bis 1558), Tizian 1548, Alte Pinakothek München
Karl regierte 1519 bis 1556 über ein riesiges Reich in Europa und auch in der „neuen Welt“ in Südamerika,
"ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht“. Die Neue Welt, der Amerigo Vespucci den Namen gab, war im Jahr 1492 von Kolumbus neu entdeckt worden: das Eldorado lieferte dem Alten Kontinent in grossen Mengen neue Waren und Gold und Silber. Der gewinnbringende Handel verlagerte sich vom Land auf die Meere zugunsten der Seemächte Portugal und Spanien und der in Aufstieg begriffenen Mächte, den Niederlanden und England.
Karl V. wurde am 28.6.1519 gegen Franz I. von Frankreich von den Kurfürsten zum Kaiser gewählt, massgeblich finanziert durch den gewaltigen Geldbetrag von 500.000 Gulden, bereitgestellt vom
Bankier Jakob Fugger aus Augsburg. Kaiser Karl war auch der Schutzherr der Reichsstadt Kaufbeuren.
Kaufbeuren liegt 65 Kilometer südlich von Augsburg entfernt verbunden durch den Wertachfluss, auf dem direkten Weg nach Innsbruck und Schwaz mit dem Silberbergbau und nach Italien/Venedig.
Die Fugger in Augsburg war zunächst durch Tuchhandel ! reich geworden. Jakob Fugger hatte 1510/11 erst das Salzbergwerk Hall übernommen, wo auch die Hauptmünzstätte Hall mit der Prägung des Talers war. Die Übernahme des profitablen Silber- und Kupferbergwerks in Schwaz durch Fugger erfolgte im Jahr 1522. Über Innsbruck waren Augsburg/Kaufbeuren mit den Märkten in Bozen und in Venedig verbunden.
Der
Übergang von der spätmittelalterlichen Agrargesellschaft und der von den Städten gestützten Produktivwirtschaft
zu der sich in der Hand weniger Fürsten und Handelsherren befindlichen Kapitalwirtschaft in der frühen Neuzeit
bewirkte nachhaltige
wirtschaftspolitische Veränderungen.
Es entstanden verstärkt noch durch religiöse Strömungen,
gesellschaftliche
Spannungen, die sich in
Gewaltausbrüchen entluden:
In der nahen
Reichsstadt Memmingen wurden 1525 die berühmt gewordenen Memminger Artikel verfasst, es entstanden auch die elf Artikel der Kaufbeurer Bauernschaft. Während des anschliessenden
Bauernkrieges und der allgemeinen Bauernerhebung brannten dann im Allgäu die Klöster, so auch das von Kaufbeuren sieben Kilometer entfernte Benediktinerkloster Irsee.
Der Kampf um den bestimmenden Einfluss der im Entstehen begriffenen Religionsparteien im Stadtregiment, also zwischen Katholischen und Sympathisanten der Reformation, war im Kaufbeuren bereits 1520 ausgebrochen. Im Fall des Streites um die Nutzungsrechte für die Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin, die beide Parteien für sich beanspruchten, wurde die Auseinandersetzung 1525 auch handgreiflich.
Auch die streng verbotene Täuferbewegung fand in Kaufbeuren grosse Anhängerschaft: am 13. Mai 1528 wurden fünf Täufer auf dem Richtplatz geköpft und 30 weitere Täufer aus der Stadt herausgepeitscht und vertrieben.
Die 1530 in Augsburg formulierte „Confessio Augustana“ hingegen fand in Kaufbeuren zunächst wenig Anklang.
Vielmehr öffnete sich die Stadt ab den 1540ziger Jahren den oberdeutschen reformatorischen Lehren des Reformators Huldrych Zwingli aus Zürich mehr noch der stärker spiritistischen Lehre von Caspar Schwenckfelder, der sich im April 1545 sogar in der Stadt aufhielt.
Das
Kaufbeurer Stadtregiment hatte sich 1525 und in den Folgenjahre nach aussen hin zunächst noch Rom- und damit Kaisertreu verhalten.
Der im Kaufbeurer Stadtmuseum gezeigte, ganz aussergewöhnliche sog. „Eulenpokal“, datiert mit der Jahreszahl „1543“, aus dem Besitz von Georg Hörmann mit dem kaiserlichen Wappen, verweist neben Repräsentationsbewusstsein auch auf weiterhin vorhandene gute Verbindungen der Stadt zum Kaiserhaus.
Eulenpokal von 1543 im Stadtmuseum Kaufbeuren
Bereits im selben Jahr 1543 wählte die übergrosse reformatorische Anhängerschaft nun aber wieder bekennende Protestanten in den Rat der Stadt und als Bürgermeister und begab sich damit
auf Konfrontationskurs mit der Politik Karl V.
Zeitgleich im Jahr 1543 erschien in Nürnberg das revolutionäre Hauptwerk des Nikolaus Kopernikus „De revolutionibus orbium coelestium“, ein Ereignis, das auch als die „kopernikanische Wende im Denken“ bezeichnet worden ist.
Für Kaufbeuren änderte sich die religionspolitische Lage so dramatisch, dass sich auch der Reichsstag in Worms 1545 mit der religionspolitischen Situation in Kaufbeuren befasste: zur Verhinderung des Bruchs mit dem Kaiser und der drohenden Reichsexekution wurde das Kaufbeurer Stadtregiment
1545 zur
Annahme der reichskonformen „Confessio Augustana“ des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses gezwungen.
1546 brach der sogenannte
„Schmalkaldische Krieg“ zwischen Karl V. und den evangelischen Ständen aus, die Reichsstadt Kaufbeuren hielt sich zunächst neutral. Aber wenige Kilometer von Kaufbeuren entfernt belagerte vom 9. bis 12. Juli 1546 ein grosses protestantisches Heer unter Führung des von der Augsburger Reichsstadt beauftragten Schertlin von Burtenbach die Augsburger Bischofsstadt
Füssen und drang nach deren Besetzung weiter über das Ausserfern Richtung Innsbruck vor. Während dieser dramatischen Phase wurde der mittlerweile protestantisch gewordene, aber kaisertreue Georg Hörmann von der Kaufbeurer Stadtregierung unter Hausarrest gesetzt. Nach dem raschen Rückzug des protestantischen Heeres wegen Uneinigkeit gewann Karl V. die militärische Initiative zurück. Der Kaiser besiegte das Heeresaufgebot des Schmalkaldischen Bundes am 24. April 1547 bei der Schlacht von Mühlberg und nahm danach mit dem
"Augsburger Interim" von 1548 das religionspolitische Heft wieder fest in die Hand. Das grosse Trienter Konzil, das die Neuordnung der katholischen Kirche bewirken sollte tagte da bereits seit 1545 (bis 1563) in Trient.
Für die Reichsstadt Kaufbeuren bewirkte dieser reichspolitische Umschwung 1551 die Abschaffung des über zwei Jahrhunderte eingesetzten reichsstädtischen Zunftregiments durch die sogenannte „Karolinische Wahlordnung“: der dominierende politische Einfluss der Zünfte wurde verworfen. Hinfort regierte bis zum Ende der Reichsstadt im Jahr 1802 der sogenannte „Kleine Rat“, ergänzt durch den „Geheimen Rat“, mit zwei Bürgermeistern.
Diese Verfassung des Augsburger Interims wurde durch den sogenannten
Fürstenaufstand 1552 in Frage gestellt und revidiert: ein grosses Heer protestantischer Mächte unter Führung des sächsischen Kurfürsten Moritz von Sachsen zog im Frühjahr 1552 ganz nahe an Kaufbeuren vorbei gegen Füssen und die Ehrenberger Klause bis nach Innsbruck und zwang den völlig überrumpelten Kaiser Karl V. zur Flucht nach Villach, um der drohenden Gefangennahme zu entgehen. Ergebnis des Fürstenaufstandes gegen Karl V. war der Passauer Vertrag vom 2. August 1552 mit der vorläufigen Religionsfreiheit für die Protestanten im Reich.
Dieser Status wurde 1555 in Augsburg im "Augsburger Religionsfrieden" reichsrechtlich zwischen den Konfessionsparteien festgehalten auf der Basis „Cuius regio eius religio“.
Im Folgejahr 1556 resignierte Kaiser Karl V. und gab die Regentschaft an seinen Bruder, den seit 1531 regierenden römisch-deutschen König Ferdinand I., Kaiser von 1558 bis 1564 ab.
Um 1588 gehörten in der Reichsstadt Kaufbeuren ca. 90 % der Stadtbevölkerung der evangelischen Konfession an, etwa 10 % waren katholisch. Die Konfessionsverhältnisse im städtischen Landterritorium der Reichsstadt blieb, von den angrenzenden katholischen Herrschaften geprägt, überwiegend katholisch. Der im Augsburger Religionsfrieden erzielte Ausgleich zwischen den Konfessionsparteien hielt allerdings nur interimsmässig bis 1618 an.
Die
Reichsstadt Kaufbeuren wurde im Dreissigjährigen Krieg Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Katholischen und Kaiserlichen auf der einen, und Protestanten und Schweden auf der anderen Seite mit ungezählten Opfern. Kaiser Ferdinand II. setzte das katholische Restitutionsedikt vom 6. März 1629 in Kaufbeuren exemplarisch durch, mit der Vertreibung der Protestanten mit deren Geschäftsverbindungen aus der Stadt. Die Stadt wechselte allein 1633/34 achtmal die Oberherrschaft. Bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück blieb
eine zerstörte Stadt zurück, die sich 1649 auf den bi-konfessionellen Besitzstatus von vor 1627 einigte,- es blieb eine Jahrhunderte andauernde Feindschaft zwischen den Konfliktparteien innerhalb des Stadtgefüges bestehen.
Diese angeführten historischen Vorgänge in der Reichsstadt Kaufbeuren im 16. Jahrhundert umkreisen die Thematik der hier infragestehenden Münzproduktion der Reichsstadt Kaufbeuren in den Jahre 1540 bis 1555:
Vertrauensmann von Jakob und Anton Fugger, war der
Patrizier Georg Hörmann von und zu Gutenberg (1491 bis 1552) Hörmann war der "Faktor", das heisst Geschäftsführer, des Schwazer Silber- und Kupferbergbaus der Fugger.
Von Hörmann existieren mehrere bedeutende Porträtmedaillen von Matthes Gebel, 1527 ff. und Hans Kels.
Medaille von Matthias Gebel 1531 auf Georg Hörmann (Mitte)
mit Heinrich Rybisch und Conrad Meier
1491 in Kaufbeuren geboren, nahm Hörmann ab 1527 auch seinen
ständigen Wohnsitz in Kaufbeuren.
Georg Hörmann von und zu Gutenberg, Porträt von Christoph Amberger 1530, Staatsgalerie Stuttgart
Er liess sich hier seinen Palast mit rund 80 Räumen direkt neben dem Rathaus in Kaufbeuren erbauen. Das
1542 fertiggestellte Renaissance-Portal trägt den Titel
„Da pacem Domine“. 1529 während der Pest in Augsburg wurde die gesamte Fuggersche Geschäftsleitung nach Kaufbeuren ausgelagert.
Hörmann wurde von Karl V. 1528 in den Reichsadelsstand erhoben, war seit 1534 königlicher Rat von König Ferdinand und 1547 erster Stellvertreter des Firmenchefs Anton Fugger.
Er trat 1542 zum evangelischen Glauben über und starb am 11. Dezember 1552.
Die Reichsstadt Kaufbeuren bewegte sich im 16. Jahrhundert politisch wie wirtschaftlich eng im Rahmen dessen, was die benachbarte Reichsstadt Augsburg an Wirtschafts- und Politikvorgaben bereitstellte. Mit diesem Konzept expandierte die Stadt im frühen 16. Jahrhundert und in diesem Rahmen spielte
Kaufbeuren auch eine bemerkenswertes Rolle als bedeutsame Zwischenstation zwischen den Metropolen der Zeit, Augsburg und Innsbruck. Jakob und Anton Fugger machten sich durch grosszügige Kreditvergabe die Kaiser Maximilian I. und Karl V. gefällig.
Georg Hörmann von und zu Gutenberg war eine bedeutende Persönlichkeit in dieser Firmenbeziehung. Hörmann war mit der Cousine von Anton Fugger, der Augsburgerin Barbara Reihing, verheiratet und zeitweise dessen persönliche Stellvertreter.
Als Faktor der Silberbergwerke Schwaz dürfte es m.E. Hörmann von und zu Gutenberg gewesen sein, der sich für die Vergabe des Münzprivilegs an die Reichsstadt Kaufbeuren im Jahr 1530 eingesetzt und dafür gesorgt hat, dass die Münzstätte Kaufbeuren in erheblichem Umfang auch mit dem nötigen Edelmetall Silber aus den Silberbergwerken Schwaz versorgt werden konnte. Das Edelmetall Gold wurde vermutlich von Böhmen her beschafft.
Die Ausprägung der Silber- und Goldmünzen in Kaufbeuren erfolgt in den Jahren 1540 bis 1548, dann wieder ab 1552 bis 1555. Für Unruhe könnte hier die Konversion Hörmanns im Jahr 1542 zum Protestantismus gesorgt haben, ebenso wie die Anklage gegen den Münzmeister der Stadt Kaufbeuren Hans Apfelfelder 1543, der der Vernachlässigung seiner Amtspflichten beschuldigt in Augsburg für ein halbes Jahr in Haft einsass. 1543 ist auch das Jahr, in dem die Anhänger des Reformators Schwenckfeld Matthias Lauber und Anton Honold das Bürgermeisteramt der Reichsstadt übernehmen und die Stadt bis 1545 auf einen problematischen Sonderweg führen. Der dem Kaiser ergebene Georg Hörmann (siehe auch "Eulenpokal" von 1543) wird während des Feldzugs der Schmalkalder gegen Innsbruck von kaiserlichen Truppen vorübergehend unter Hausarrest gesetzt. 1549 bis 1551 bleibt die Münzproduktion ausgesetzt.
Nach verschiedenen kaiserlichen Interventionen Karls V., das Münzwesen im Reich aber auch Kaufbeuren selber betreffend (siehe M. Bernhart), nimmt die
Münzstätte 1552 die Produktion von Talern und Kreuzern wieder auf und intensiviert zwischen 1553 bis 1555 insbesondere die Herstellung von Kreuzern, Zehnern und Zwanzigern. Mit Georg Hörmann von und zu Gutenberg verstirbt Ende des Jahres 1552 in Kaufbeuren der langjährige Unterstützer des Silber- und Münzwesens in Kaufbeuren. Möglicherweise verschlechtert dieser Umstand die Versorgung mit Silber aus Schwaz für die Münzstätte Kaufbeuren.
„Die gedruckte Münzordnung“ von Kaiser Karl V. vom 6. Dezember 1555, “darinnen den Städten bey dieser Zeit das Münzen verboten worden“,
beendet dann das Schlagen von eigenem Geld an der Münzstätte Kaufbeuren.
Karls V. Nachfolger Ferdinand I. betätigt zwar am 29. August 1559 der Stadt und der Münze Kaufbeuren das Recht zur weiteren Ausübung des Münzenrechts. Die Stadt unterlässt in der Folgezeit die Münzherstellung, mit Ausnahme der Produktion von Kupferhellern im Kipper- und Wipperjahr 1622.
(Wolfgang W. Scheibel)
Quellen:
Die urbane Herausforderung, Kaufbeuren vom 16. bis 18. Jahrhundert,
S. Dieter und F. Junginger, in: Die Stadt Kaufbeurn, Band I, Thalhofen 1999, S. 64 – 71.
S. Dieter, Die Reichsstadt Kaufbeuren in der frühen Neuzeit, Studien zur Wirtschafts-, Sozial-, Kirchen- und Bevölkerungsgeschichte,
Kaufbeurer Schriftenreihe Band 2, Thalhofen 2000.