Julia Paula - Denar aus östl. Münzstätte?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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drakenumi1
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Julia Paula - Denar aus östl. Münzstätte?

Beitrag von drakenumi1 » Di 14.04.09 12:36

Möglicherweise habe ich Euch diesen Denar vor Zeiten schon einmal vorgestellt, finde aber keine Notiz mehr darüber. Und die Erinnerung läßt mich auch im Stich ....
Daher: Ich habe notiert, daß es diesen Typ als RIC 216 in 2 Varianten gibt, zwar mit gleichen Vs.- und Rs.- Darstellungen und Legenden, aber in unterschiedlichen Münzstätten geprägt. Auch von einer "östlichen" ist die Rede. Ich kann vermuten, daß der Unterschied in der Art des Sitzmöbels liegt, finde aber leider bei wildwinds nichts mehr, aber auch bei coinArchives.com ist nur die Variante mit kurul. Stuhl zu sehen.
Da der RIC zu Julia Paula wohl schon recht betagt ist (1938?) ist eine Frage an Euch wohl gestattet:
Ist mein Stück evtl.aus Kleinasien, und wenn, woher dort? Und was ist der Unterschied zur römischen Ausgabe? Und wer zitiert es unter welcher Nr.?

Ich hoffe, Ihr konntet über Ostern genügend Kraft schöpfen, Euch meinen Fragen zu widmen.
Dank schon im Voraus von

drakenumi1

(Alles Getrennte findet sich wieder, - auch die Erinnerungen: "clashed dies" war damals das zutreffende Thema zu der Rückseite)
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Di 14.04.09 13:31

RIC macht bei #216 keine Aussage über die Münzstätte. BMCRE kennt zwei Typen je nach der Anzahl der Haarwülste und weist sie Antiochia zu: BMCRE 321 (five ridges), BMCRE 322 (six ridges).

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von curtislclay » Di 14.04.09 17:59

Die Münzstättenzuweisung für die Denare Elagabals im RIC und BMC ist ein Durcheinander; viel besser in Pinks Aufbau, Num. Zeitschrift 67, 1934.

Es gab drei Münzstätten.

1. Rom, mit drei aufeinanderfolgenden Vs.Legenden:

IMP CAES M AVR ANTONINVS AVG, 218-219 n. Chr.

IMP CAES ANTONINVS AVG, 219.

IMP ANTONINVS PIVS AVG, 219-222.

Die meisten Rückseiten erscheinen auch auf Bronzemünzen, wo die Vs.Legende immer

IMP CAES M AVR ANTONINVS PIVS AVG

ist, ohne die zwei Verkürzungen wie auf den Denaren

2. Östlich, in lokalem Stil, Vs.Legende zuerst

ANTONINVS PIVS FELIX (oder FEL) AVG (218-219), dann

IMP ANTONINVS AVG (219).

Auch einige Aurei mit längerer Legende, aber keine Bronzemünzen. Eigene Rs.Typen, wie z.B. FELICITAS TEMP, Schiff, und SANCTO DEO SOLI ELAGABAL, heiliger Stein in Quadriga.

3. Nebenmünzstätte im stadtrömischen Stil, Vs.Legende zuerst

IMP CAES ANTONINVS AVG,

219 n. Chr., wie Rom, sehr selten; dann

IMP ANTONINVS AVG,

219-220, wie Münzstätte 2 aber im stadtrömischen Stil.

Andere Rs.Typen wie in Rom, nur Denare und Antoniniani, keine Gold- oder Bronzemünzen.

Paulas Typen CONCORDIA AVGG, sitzt auf kurulischem Stuhl, und VENVS GENETRIX wurden im stadtrömischen Stil geprägt, aber nur auf Denaren, ohne Gold- oder Bronzemünzen. Ich meine, sie gehören eindeutig der dritten Münzstätte.
Zuletzt geändert von curtislclay am Di 14.04.09 23:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von drakenumi1 » Di 14.04.09 22:57

Dank Euch, Peter u. Curtis auch für die mir teilweise unbekannten Zuweisungen der Elagabalschen Münzen zu den 3 verschiedenen Münzstätten.
Ergänzend: Ist es richtig, daß von J. Paulas Denaren mit CONCORDIA AVGG 2 verschiedene Varianten existieren:
- mit normalem Stuhl
u. - mit kurul. Stuhl ?
Wenn ja, dann wird es richtig sein, den normalen Stuhl Rom zuzuweisen?

Diese Nebenmünzstätte dürfte dann auch "im Osten" gelegen haben? Wenn z.B. Aukt.-Häuser präzise von Antiochia sprechen, steckt wohl bezügl. der Münzstätten 2 und 3 darin zu viel Spekulation?

Die unterschiedlichen beiden Frisuren der Paula (die andere Type s. unten, übrigens auch ein clashed dies) finden in den Zitierwerken keine besondere Erwähnung?

Nochmals Dank von

drakenumi1
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Beitrag von Peter43 » Di 14.04.09 23:23

Ich habe in meiner Sammlung 2 Ex. von RIC 211. Beide sollen aus Rom stammen. Die erste scheint älter zu sein, weil Julia Paula die ältere Frisur trägt. Auf der zweiten Münze trägt sie die neuere Frisur.

Entschuldigt die Scannerbilder.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von curtislclay » Mi 15.04.09 04:07

CONCORDIA AVGG: nur mit curulischem Stuhl und von Münzstätte 3.

Mit normalem Thron heisst die Legende nur CONCORDIA, hat Stern im Feld, ist Münzstätte Rom, wie Peters zwei Exemplare.

Für Münzstätte 2 sagen die Kataloge "Antiochia", richtige Lage eher im Nordwesten Kleinasiens in Zusammenhang mit der Überwinterung des Kaisers in Nicomedia.

Münzstätte 3: scheint die Fortsetzung von 2 zu sein, prägt aber auch nach Ankunft des Kaisers in Rom Ende 219 noch ein paar Monate munter weiter, deshalb auch Denare für Elagabals neue Frau Paula, Lage unbekannt.

Paulas Frisuren werden z.B. im Fundbericht Le Trésor d'Eauze auseinandergehalten, in Cohen und RIC aber nicht.

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Beitrag von drakenumi1 » Mi 15.04.09 12:36

Nochmals Dank für die präzisen Auskünfte.
Habe übrigens mal in unterschiedlichen Katalogen die Angebote der beiden Typen "CONCORDIA" und "CONCORDIA AVGG" durchgezählt: Habe 49 Stck. der ersten und 3 Stck. der zweiten Type gefunden, was die Einschätzung von G&M unterstreicht, bei der 2. Type (RIC 216) handele es sich um eine rare Type. Das wiederum spiegelt sich nicht signifikant im Preis wider und kann nicht dazu dienen, Frau Kampmann diesbezüglich der "Preisgleichmacherei" zu bezichtigen, denkt

bestens grüßend

drakenumi1
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