in spannender Tetricus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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didius
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in spannender Tetricus

Beitrag von didius » Mo 11.01.10 23:59

Hallo noch mal,

hier jetzt noch ein interessantes Stück, das bei mir seit etwa 3 Jahren unentdeckt in einem Päckchen mit vermeintlich lokalen Immitationen steckte.

Tetricus I Antoninian
Av: IMP C TETRICVS AVG (sic!), radiate, draped and cuirassed bust right
Rv: MARS VICTOR, Mars walking right, holds trophy over left shoulder in left hand and long transverse spear in right hand.
RIC -; Elmer -; AGK -;
2,8 Gramm / 16-19 mm

Spannend bei dieser an sich schon ziemlich seltenen Münze das Fehlen der Buchstaben P F in der Legende.

Ich frage mich, ob dieses Stück als lokale, irreguläre Prägung anzusehen ist, oder eine bisher nicht bekannte Variante?
Ich selber bin versucht sie als offizielle Ausgabe anzusehen, insbesondere, da die Nummer 52 im de Witte auf Tafel XXXIV ein "fast" stempelgleiches Exemplar zeigt (Revers).

Grüße
Daniel
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Tetricus_3_rv_s.jpg
Tetricus_3_av_s.jpg

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beachcomber
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Beitrag von beachcomber » Di 12.01.10 10:21

wirklich schwer zu sagen. das porträt sieht ziemlich offiziell aus, aber gerade bei tetricus ist es oft nicht einfach zu sagen ob ja oder nein.
grüsse
frank

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Beitrag von didius » Di 12.01.10 15:36

Hallo Frank,

wie auf Sebastians Site ja gut zu erkennen ist, sind speziell 273/274 eine Menge Legendenvarianten verwendet worden, daher halte ich eine offizielle Ausgabe zumindest für möglich.

Allerdings finde ich auch keine Ausgabe mit C vorne und dann ohne P F hinten. Wenn P F fehlt, fehlt sonst auch das C.
Hmmm, mal schaun obs weitere Meinungen gibt.

Danke erst mal
Daniel

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Beitrag von Pscipio » Di 12.01.10 17:41

Ich würde das Stück schon eher als Imitation ansehen, der Stil ist zwar gut, aber eben doch nicht ganz offiziell, denke ich.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.

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Beitrag von didius » Mi 13.01.10 10:40

Hallo Pscipio,

danke für deine Meinung.

Unter der Annahme, dass es sich um eine nicht offizielle Ausgabe handelt, gibt dies vielleich aber auch einen interessanten Einblick in die Fälscher-Werkstätten dieser Zeit.

Aufgrund der "fast" Stempelgleichheit des Rv. mit dem Stück im de Witte (Tafel XXXIV , 52) und eines davon differierenden Av. könnte darauf schließen lassen, das auch dort im größeren Umfang und vielleicht sogar ähnlich professionell organisiert wie in den offiziellen Münzstätten gearbeitet wurde, so dass ganze Serien mit mehreren Stempeln, und eben auch Stempelkopplungen vorkommen.

Diese These ist vielleich bei der Betrachtung von zwei Münzen etwas gewagt, aber vielleicht habt ihr ja auch Erfahrungen und eine Meinung dazu?

Daniel

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Beitrag von Pscipio » Mi 13.01.10 10:51

Die meisten der Imitationen der Münzen des Gallischen Sonderreiches werden nicht als Fälschungen, sondern eher aufgrund der Geldknappheit hergestellt worden sein. Viele davon wurden erst nach dem Zusammenbruch des Sonderreiches geprägt, als der Nachschub an offiziellen Münzen in den Nordwesten ausgesprochen gering blieb, wie Hortfunde zeigen. Dass dabei sowohl gute wie auch schlecht organisierte Werkstätten am Werk waren, zeigen die Qualitätsunterschiede der Imitationen, die im Stil von ausgezeichnet bis völlig verwildert reichen.

In diesem Zusammenhang zeige ich jeweils gerne diese Münze (siehe Foto), welche eine Tetricus-Vorderseite von gutem, aber nicht offiziellem Stil mit einer Rückseite des Probus aus der Prägestätte Lugdunum kombiniert, ein Beweis für die heute weithin akzeptierte Ansicht, dass diese Imitationen auch lange nach der Rückeroberung Galliens durch Aurelian weiter geprägt wurden. Und nicht nur das, die relativ häufige Überprägung von Carausius-Münzen sowohl auf offiziellen wie nachgeahmten Münzen des Gallischen Sonderreiches zeigt, dass diese Münzen selbst 286/287 noch im Umlauf anzutreffen waren und wohl erst durch die in grosser Zahl geprägten Münzen des neuen Usurpators nach und nach verdrängt wurden.

Gruss, Pscipio
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mg_tetricus_2_19g_17-19mm_85_.jpg
Nata vimpi curmi da.

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