2 Medaillen zum bestimmen

Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

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Lutz12
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2 Medaillen zum bestimmen

Beitrag von Lutz12 » Do 26.02.04 00:30

Hallo,
will mal die neue Bildfunktion testen und deshalb gleich mal 2 Medaillen, die ich noch nicht richtig einordnen kann. Meine Vermutung lasse ich zunächst erstmal außen vor, um Euch nicht zu beeinflussen.
1. Medaille: 64 mm, Blei, 102,2 Gramm, Erhaltung s - ss, Gußfehler
VS: H I F COM AB OSTERMAN S I M R A CONS MIN PRIM IMP PROCAN S AND ETAL EQ (Brustbild)
RS: NEC SOL NEC FRIGORA MUTANT. (Palme)
2. Medaille: 56 mm, Blei, 91,0 Gramm, Erhaltung: schön+
VS:CHRISTIANUS IIII(?) DG DA NOVA G Q REX (Reiter)
RS: MAT.PIETAS.REGINA. FIR (Wappen)
Bei beiden handelt sich wohl um ältere Abgüsse.
Freue mich auf Eure Meinung.
Gruß Lutz12
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mumde
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Beitrag von mumde » Do 26.02.04 01:19

Hallo Lutz, die neue Bildfunktion klappt prima. Nur Deine Fotos sehe ich ein wenig dunkel. Immerhin, für die erste Medaille reicht's, denn die ist typisch von Hedlinger, einem bedeutenden Medailleur des 18. Jh. Es ist ein Abguß der Medaille auf Graf Heinrich Johann Friedrich Ostermann, *1687, +1747. Zitat aus Felder: "Trat 1703 in den russischen Staatsdienst. 1721 schloß er mit Schweden den Frieden von Nystad ab. Unter Katharina I. Reichsvizekanzler, alsdann Erzieher Peters II., 1730 unter Kaiserin Anna Iwanovna Außenminister und 1740 unter der Regentin Anna Leopoldovna Generaladmiral. Nach der Thronbesteigung Kaiserin Elisabeths wurde er 1742 zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt und nach Sibirien verbannt." Die Palme ist das Bild des Ostermann-Wappens.
Gruß mumde

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Beitrag von wpmergel » Do 26.02.04 11:23

Und ich dachte, nur die die hippen Fürsten von und zu Waldeck wie Georg Heinrich hätten - bedingt durch ihr Regierungsmotto: PALMA SUB PONDERE CRESCIT (Die Palme wächst unter dem Gewicht) - dieses tropische Gewächs auf ihren Münzen der Nachwelt hinterlassen.
Herzliche Grüße aus Waldeck
Wolfgang M.

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Lutz12
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Beitrag von Lutz12 » Do 26.02.04 11:29

Hallo mumde,
Herrn Ostermann hatte ich auch erkannt, allerdings konnte ich ihn nicht eingrenzen, da die Ostermänner in Rußland ein zahlenmäßig umfangreiches Grafengeschlecht waren. Hedlinger als Medailleur erscheint nicht auf der Medaille (oder ist zumindest auf meinem Exemplar nicht erkennbar), insofern schon deutlich bessere Einordnung möglich, Danke für die Auskunft.
Von der Bildfunktion bin ich ebenfalls überzeugt, vor allem die Zoomfunktion beim Anklicken zeigt doch eine beachtliche Detailansicht, da bleibt nichts verborgen (es sei denn man macht zu dunkle Bilder)
Gruß Lutz12
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Beitrag von Lutz12 » Do 26.02.04 11:38

Hallo wpmergel,
Die Palme hatte mich zunächst in die falsche Richtung suchen lassen, aber die Losung "NEC SOL NEC FRIGORA MUTANT" ist nach Google-Suche im Internet einmalig und eindeutig dem Grafengeschlecht der Ostermann zuzuordnen. Ein wenig überrascht war ich dennoch, dass die Palme auf einer russischen Medaille erscheint, weil Russland weckte in mir (fälschlicherweise) eher Assoziationen wie Dauerfrost, Sibirien usw., die warmen Ecken in diesem Riesenland gibt es aber auch.
Gruß Lutz 12
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Beitrag von Wuppi » Do 26.02.04 12:16

Hi

kleine Anmerkung: Wenn ihr auf die Bilder klickt, werden die größer. Ich guck mal wo ich diese Info dort reinschreiben kann.

Bis denne
Wuppi
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Beitrag von klaupo » Do 26.02.04 16:16

Hallo Lutz12,

damit die zweite Medaille nicht in Vergessenheit gerät ... Sie zeigt

CHRISTIANUS IIII D(EI) G(RATIA) DA(NIAE) NO(RVEGIAE) VA(NDALORUM) G(OTHARUM) Q(UADORUM) REX, also den dänischen König Christian IV (1588 - 1648) von Gottes Gnaden König der Dänen, Norweger, Wenden, Goten und Quaden zu Pferd.

Die Rückseite zeigt in der Umschrift seine Devise REGMA (i.e. REGNA) FIRMAT PIETAS (Gottesfurcht / Frömmigkeit stärkt die Reiche) und darin das große dänische Königswappen. Nicht heraldisch korrekt aufgezählt: Norwegen (Löwe mit Axt), Schweden (drei Kronen), Gotland / Götaland (?) (Löwe über neun Herzen), Wenden (Lindwurm), Schleswig (zwei Löwen), Holstein (zweifaches Zackenkreuz, heute noch Wappen von Kiel), Dithmarschen (Reiter), Stormarn (Schwan). Aufgelegter Schild: Oldenburg (Balken) und Delmenhorst (Kreuz) und darauf aufgelegt Dänemark (drei Löwen mit neun Herzen). Die Beschreibung ist durchaus korrekturfähig - ich würde mich freuen! :D

Gruß klaupo

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Beitrag von mumde » Do 26.02.04 19:27

Hallo Lutz, die geprägten Originale zeigen am Armabschnitt ganz winzig die Signatur I.C.H für Johann Carl Hedlinger. Bei einem Abguß, der ja immer etwas flau ist, verschwinden solche Kleinigkeiten oft.
@wpmergel: Die Palme begegnet ab und zu auf Münzen, z. B. Bistum Fulda 1672 auch mit einem Stein oben drauf. Braunschweig-Lüneburg läßt eine Palme auf einem Felsen im Meer wachsen. Die Palme war Sinnbild von Durchsetzungskraft in schwierigen Situationen.
Gruß mumde

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Beitrag von Lutz12 » Do 26.02.04 20:14

Hallo mumde,
tatsächlich ist die Signatur vorhanden, wenn auch schwach. Habe wohl nicht allzu geduldig danach gefahndet.
Hallo Klaupo,
Danke für die Infos. Mein Latein reicht bei weitem nicht aus solche Übersetzungen hinzubekommen, und dann auch noch abgekürzt.
Ganz nebenbei freue ich mich, dass es neben den ¤uro-Sammlern auch noch Fachleute der älteren Numismatik gibt.
Grüße an alle
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Mehr zu den Palmen ...

Beitrag von klaupo » Sa 25.09.04 00:16

Durch das Motiv einer ziemlich mitgenommenen Medaille (36 mm) o. J. bin ich wieder auf diesen Thread gestoßen. Das Teil ist aus Zinn mit einem Kupferkern auf 5.00 Uhr, also vermutlich ein Original. Die Entzifferung der Inschrift hat wg. des desolaten Zustands einige Schwierigkeiten gemacht - ich mußte ein bißchen raten.

Av. PIUS VI BRASCHIUS PONTIF. MAXIMUS. Portrait en face, die Rechte segnend erhoben
Rv. Frau wässert Palme mit Stein vor Hügellandschaft mit Fluß. Umschrift: ICH WILL PFLANZEN - UND BEGIESEN. Im Fuß (L)ASS DER WELT DIE - FRUCHT GENIES(EN) - GALATER (?)

Geprägt wurde sie vermutlich zwischen 1775 un 1799 in Deutschland während des Pontifikats von Pius VI. Auf dem Stein in der Palme steht etwas Hebräisches, wahrscheinlich Jahwe. Die Palme mit dem Stein steht hier wohl weniger als Symbol der Beständigkeit, sondern erhält durch den Sinnspruch eher caritativen Charakter. Ich vermute in dem Stück eine zeitgenössische Pilger-Devotionalie, die - so wie sie aussieht - ihren Zweck über lange Jahre erfüllt hat. Genaueres über die Herkunft habe ich nicht gefunden.

Das Motiv in seiner weit verbreiteten Bedeutung (s.o.) findet sich auch auf einer Medaille (30 mm), die das Siegel der Kirche von Doordrecht aus dem Jahr 1580 wiedergibt. Die Umschrift PRESSA VALENTIOR zitiert lt. Beiblatt den Psalm 92, Vers 13. Zum Zeitpunkt der Ausgabe der Medaille war übrigens dieses Siegel noch in Gebrauch.
Und ich dachte, nur die die hippen Fürsten von und zu Waldeck wie Georg Heinrich hätten - bedingt durch ihr Regierungsmotto: PALMA SUB PONDERE CRESCIT (Die Palme wächst unter dem Gewicht) - dieses tropische Gewächs auf ihren Münzen der Nachwelt hinterlassen.
_________________
Wolfgang M.
Naja, und damit die hippen Fürsten von und zu Waldeck nicht zu kurz kommen, hier noch ein Bild von diesem etwas preisintensiveren Stück. :D

Gruß klaupo
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