Eigenartige Jahreszahl

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Peter43
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Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Peter43 » Sa 11.09.10 11:34

Ein Hallo allen Freunden des Mittelalters!

Beim Besuch der alten Wallfahrtskirche in Unterbrändi bei Freudenstadt entdeckte ich über der Tür zur Sakristei - in den Türsturz eingemeißelt - eine merkwürdige Jahreszahl. Ich stelle sie euch hier einmal vor und frage, ob jemand die Bedeutung kennt. Ich selbst habe sie nach längerer Recherche herausbekommen und werde sie, falls es keine Lösung gibt, in ein paar Tagen verraten.

ANO DM M&-CCCCL|XIII

Happy puzzling!
Jochen
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Peter43
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Peter43 » Sa 11.09.10 17:21

Ein Hinweis: Von entscheidender Bedeutung ist der Strich vor XIII. Hat man die gefunden, ist der Rest ein Kinderspiel.

Jochen
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von andi89 » Sa 11.09.10 17:47

Hallo!

1463 wird wohl ein wenig zu kurz gedacht sein, oder?

Andi89
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Peter43
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Peter43 » Sa 11.09.10 21:52

Ja, ist zu kurz. Leider!

Aber wir haben doch im Forum Mediävisten, oder nicht?

Jochen
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von petzlaff1 » So 12.09.10 09:06

Ich habe keine Ahnung, tippe aber mal auf 1437 indem ich den Strich als "Minus" deute.

LG, Stefan
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von FloNumi » So 12.09.10 11:28

Ich komme auf 1958 bzw 1963 ... aber fragt mich nicht wieso =) habe einfach mal gerechnet =) und da kamen die zahlen raus ... Die sind aber bestimmt falsch

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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Sebastian D. » So 12.09.10 13:00

vielleicht 1863?
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Peter43 » So 12.09.10 20:37

Ein letzter Hinweis: XIII, also die 13, darf zur Jahreszahl weder addiert noch von ihr subtrahiert werden!

Mit freundlichem Gruß
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kc
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von kc » So 12.09.10 20:46

Der Strich wäre dann ein Bruchstrich?
Suche Asse, Dupondii und Sesterzen der Flavier.

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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Huehnerbla » So 12.09.10 21:55

Hallo,

hier meine bescheidene Meinung:
Das Jahr ist 1450, danach kommt die im Mittelalter übliche Schreibweise des Jahres 13 im Indiktionszyklus.
Gruß
Jürgen

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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Jules » So 12.09.10 22:38

|X könnte auch 2*10 bedeuten, dann wäre es 1473.
Mit freundlichen Grüßen,
Jules

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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Peter43 » So 12.09.10 23:41

Herzlichen Glückwunsch! Hühnerbla hat die Lösung!

Das Schlüsselwort war Indiktion! Es handelt sich bei der Inschrift um das Jahr 1450. Und XIII = 13 ist das Indiktionsjahr.

Die Indiktion ist ein 15-jähriger Zyklus, der 537 n.Chr. von Kaiser Justinian I. vermutlich aus Gründen der Steuer- und Finanzbuchhaltung endgültig festgelegt wurde. Ursprünglich hatte Diocletian einen fünfjährigen Zyklus festgelegt, aber bereits unter Constantin I. war man 312 zum 15-Jahre-Rhythmus übergegangen. Die Jahre werden durchnumeriert als 1. Indiktion, 2. Indiktion, 3. Indiktion usw. bis zur 15. Indiktion, worauf es im nächsten Zyklus wieder von vorn beginnt. Auf die fünfzehnte Indiktion folgt also wieder die erste. Für jedes Indiktionsjahr wurde die Römerzinszahl festgelegt.

Es gibt verschiedene Indiktionstypen, die sich durch den Beginn des 1. Jahres unterscheiden:
(1) Die indictio Graeca (oder constantinopolitana) beginnt am 1. September und war vor allem im byzantinischen Reich (daher beginnt das orthodoxe Kirchenjahr bis heute auch am 1. September), Sizilien und der päpstlichen Kanzlei sowie unter Friedrich II. und Heinrich VII. üblich.
(2) Die indictio Bedana (caesarea, constantina) beginnt am 24. September und war ausschließlich in England und in Frankreich sowie Italien verbreitet.
(3) Die indictio Romana (pontificia) beginnt ihr Jahr am 25. Dezember bzw. 1. Januar (Neujahrsindiktion) und war im Spätmittelalter am verbreitetsten; in Deutschland war sie seit dem 13. Jahrhundert vorherrschend.
Die Indiktion war im gesamten Abendland bis auf Spanien für Kalenderberechnungen zur Bestimmung des Jukianischen Datums üblich; lange Zeit diente sie als Ersatz für eine feste Jahreszählung; das Reichskammwergericht verwendete die Indiktion bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806.

Eng verwandt mit dem Begriff Indiktion ist das Indiktionsjahr. Es ist eine der häufigsten Jahresbezeichnungen des Mittelalters. Es basiert auf einem 15-jährigem Zyklus, der im Jahre 3 v.Chr. beginnt. So ergibt sich eine Jahreszahl nach unserem heutigen Kalender als Indiktionsjahr, indem man zur Jahreszahl 3 addiert und anschließend durch 15 dividiert.

Zurück zu unserem Beispiel: Wir haben hier offensichtlich das Jahr MCCCCL = 1450. Addiert man 3 hat man 1453. Dividiert durch die Zykluslänge von 15 ergibt sich 96 Rest 13. Das Jahr 1450 ist also das 13. Jahr im 97. Induktionszyklus. Diese 13 wurde mit einem vertikalen Strich (oder einem I?) an die Jahreszahl angefügt. Man kann diese Indiktionszahl als eine Art Kontrollzahl betrachten, wie wir sie heute u.a. auf Kreditkarten finden, wo zu der Kartennummer eine Ziffer hinzugefügt wird, die die Nummer z.B. gerade macht. So kann ein Lesefehler automatisch erkannt werden.

Ich glaube, daß dies doch eine interessante Entdeckung war, die ich in einer kleinen Dorfkirche gemacht habe.

Quelle:
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Huehnerbla » Mo 13.09.10 00:52

Hallo,

mit dem 13. Jahr ist das auch gut zu erkennen, hätte man die Kirche drei Jahre später gebaut, hätte man übrigens nicht
ANO DM M&-CCCCLIII I I geschrieben, sondern ANO DM M&-CCCCLIII I PR (indictione prima).
Gruß
Jürgen

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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Peter43 » Mo 13.09.10 00:58

Eine Frage: Was machst Du beruflich, daß Du so gut Bescheid weißt?

Jochen
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Re: Eigenartige Jahreszahl

Beitrag von Huehnerbla » Mo 13.09.10 01:14

Hallo Jochen,

beruflich habe ich mit derart altem Zeug nichts am Hut. Ich habe mit solchen Dingen nur in meiner Freizeit zu tun.
Gruß
Jürgen

"Morgen ist auch noch ein Tag", sagte die Eintagsfliege...

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