Etwas über Pflanzen

Alles was nichts mit Münzen zu tun hat

Moderator: Locnar

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Mo 20.04.15 17:26

Die Acker-Schmalwand

Heute möchte ich euch ein unscheinbares "Ackerunkraut" vorstellen, das aber eine der größten Rollen in der Wissenschaft spielt. Es handelt sich um die Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana). Normalerweise blüht sie von April bis Mai. Dieses Exemplar habe ich gestern an einem Ackerrand bei Königsfeld/Baden gefunden. A.th. ist ein Kreuzblütler, wie man an den Blüten erkennen kann, und gehört damit zu den Brassicaceae, wie unsere Kohlarten oder z.B. das Hirtentäschelkraut.

A.th. ist ein sogenannter Apophyt. Darunter versteht man eine einheimische Pflanze, die im Laufe der Entwicklung auf anthropogene (vom Menschen geschaffene) Standorte übergewechselt ist. Ursprünglich wuchs sie auf trockenen Waldrandzonen. Als im Neolithikum vor rund 7000 Jahren die Wälder gerodet wurden, um Platz für Ackerflächen zu schaffen, wechselte sie als "Ackerunkraut" auf diese über.

Bereits in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sie als Modellorganismus in der Genetik benutzt. Die Vorteile waren:
- Ihr relativ kleines Genom von nur 125 Mill. Basensequenzen war bereits 2006 vollständig sequenziert. Diese Sequenzierung hatte damals 100 Mill. US-Dollar gekostet!
- Sie hat nur 5 Chromosomenpaare, die heute alle kartiert sind.
- Ihr Generationszyklus ist mit nur 8 Wochen erfreulich kurz.
- Sie braucht für die Kultivierung nur wenig Platz.
- Genetische Manipulationen können mithilfe des Bakteriums Agrobacterium tumefaciens relativ leicht durchgeführt werden.
- Und sie präsentiert gut die Physiologie der höheren Pflanzen (z.B. die Lichtphysiologie)

Interessant ist auch, daß Schweizer Forscher vor einigen Jahren herausbekommen haben, daß A.th. negative Erfahrungen an ihre Nachkommenschaft vererbt. Wird diese Pflanze z.B. gestreßt, erhöht sich ihre Mutationsrate, wodurch sie sich schneller an neue Umweltfaktoren anpassen kann. Diese Eigenschaft wird anschließend vererbt.

Ihre Bedeutung als Modellorganismus für die Grundlagenforschung entspricht damit der Schwarzbäuchigen Taufliege (Drosophila melanogaster), dem Bakterium Escheria coli oder dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Alle Forschungsergebnisse werden in der Arabidopsis Information Resource (TAIR) gesammelt und der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Der nächste Kongreß, der sich mit dieser Pflanze befaßt, findet vom 5.-9. Juli 2015 in Paris statt.

Für weitere Information siehe z.B.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pflaphy/D ... WS2012.pdf
http://www.mpg.de/446673/forschungsSchw ... ce_lang=de

Angefügt habe ich ein Bild vom Habitus, von den Blüten und den rosettenartigen Grundblättern.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
P1380085 Acker-Schmalwand Habitus.JPG
P1380083 Acker-Schmalwand Blüten.JPG
P1380082 Acker-Schmalwand Blätter.JPG
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Do 05.05.16 22:06

Dieses Jahr wächst wieder bei uns auf einer Wacholderheide das extrem seltene Affen-Knabenkraut. Eine absolute Rarität!

Affen-Knabenkraut (Orchis simia). Simia ist lateinisch Affe bzw. Menschenaffe, nachdem die Blüten aussehen wie kleine, aufrecht stehende Affen. Typisch ist das Aufblühen von oben nach unten, während es bei Hybriden, die ebenfalls vorkommen, umgekehrt ist. Es ist in Deutschland extrem selten und steht deshalb auf der Roten Liste als stark gefährdet (G2). Es kommt eigentlich nur am Königsstuhl vor und ist ein typischer Vertreter der Magerrasen. Es kann nur überleben bei einer einmaligen Mahd im September, am besten durch Schafe. Wie es zu uns gekommen ist, ist unbekannt. Letztes Jahr kam eine Botanikerin von der Uni Freiburg, um es zu registrieren. Bestäubt wird es wahrscheinlich durch Wildbienen der Art Andrena und Halictus, weil das die Hybriden mit dem Helm-Knabenkraut(Orchis militaris) erklären würde. Dieses kommt auch auf unser Wacholderheide vor, aber etwas später. Im Augenblick ist das Affen-Knabenkraut die die einzige Orchidee. Es gibt nur ein einziges Exemplar.

Ich habe 2 Photos angehängt. Auf dem Detailphoto kann man einige Äffchen erkennen. Die beiden schönsten liegen übereinander: Die Körper hell mit dunkleren Punkte, Arme und Beine violett, links die gespreizten Beine, rechts die gebeugten Ärmchen. Man braucht etwas Phantasie.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
IMGP6171 Orchis simia.JPG
IMGP6171 _Affen.JPG
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Di 17.05.16 22:55

doppelt
Zuletzt geändert von Peter43 am Di 17.05.16 23:50, insgesamt 1-mal geändert.
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Di 17.05.16 23:00

Eine weitere extrem seltene Orchidee, die wir im letzten Jahr bei uns entdeckt haben, ist die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis). Der Name beschreibt die Pflanze sehr gut. Wie man auf dem Bild deutlich sehen kann, schraubt sich die Pflanze beim Wachsen gegen den Uhrzeigersinn nach oben. Sie wird zwischen 5 und 30cm hoch, ist etwas unscheinbar und kann leicht übersehen werden.

Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch die Herbst-Drehwurz unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

In den meisten Bundesländern komm diese Pflanze nicht mehr vor. Sie ist abhängig von der regelmäßigen Beweidung ihrer Standorte durch Schafe. Wird diese aufgegeben, verfilzen die Flächen schnell und die konkurrenzschwache Art wird von größeren Pflanzen überwuchert und erhält nicht mehr genug Licht zur Photosynthese. Zu starke oder zur falschen Zeit durchgeführte Beweidungen stellen ebenfalls eine Gefährdung dar. Verweilen die Schafherden zur Blütezeit zu lange auf den Standorten, werden die Blütentriebe entweder abgefressen oder niedergetrampelt. Eine rasch durchziehende Herde hinterlässt aber in der Regel genügend Blütentriebe, deren Samen für den Erhalt der Art sorgen.

Um auf diese in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohte Art hinzuweisen, wurde sie im Jahr 2001 in Deutschland zur Orchidee des Jahres erklärt.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
DSC06848 Herbst-Drehwurz.JPG
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
sigistenz
Beiträge: 886
Registriert: Mi 09.05.07 21:29
Wohnort: Euregio (Lüttich/Maastricht/Aachen)

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von sigistenz » Di 17.05.16 23:45

Hi Peter 43 - kein feedback, verzweifle nicht, weiter so. Ich lese das alles mit Interesse (und offenem Mund), weiss aber nichts zu erwidern. Manch anderem wird's genauso gehen. Ich bin gespannt auf weitere solche Beiträge. Inzwischen guck ich hier rum, ob ich sowas sehe.
Gruss, Sigi :)
.
Sieh meine Russland-Kupfer-Sammlung
www.sigistenz.com

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Di 17.05.16 23:58

Danke für Deinen Kommentar. Ich habe den Vorteil zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald und zudem im oberen Neckartal zu leben. Dadurch wird unsere Pflanzenwelt durch mehrere unterschiedliche Habitate beeinflußt. Manfred Ade, unser Chefbotaniker, hat über 850 verschiedene Blütenpflanzen kartiert. Das ist die höchste Anzahl von Blütenpflanzen in ganz Baden-Württemberg.

Ich werde bei Gelegenheit weitere interessante Pflanzen vorstellen.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Do 19.05.16 20:18

Verbänderung (Fasziation)

Wenn man mit offenen Augen durch die Natur läuft und auch Blicke übrig hat für alltägliche Pflanzen wie z.B. den Löwenzahn, dann fallen einem manchmal Exemplare auf, die eigenartig mißgebildet sind. Das auffallendste Exemplar fand ich im letzten Mai am Rand eines Getreidefeldes. Da wuchs aus dem Köpfchen eines Löwenzahns ein neues Exemplar empor (Bild #1)! Meistens fallen diese Exemplare dadurch auf, daß ihre Stengel stark verbreitert snd oder mehrere Köpfchen zusammengewachsen scheinen (Bild #2, zusammen mit einem normalen Exemplar links). Dieses Phänomen heißt "Verbänderung (Fasziation)".

Es ist eine Anzahl verschiedener Ursachen dieser Wuchsanomalie bekannt. Darunter sind Viren, Bakterien, Pilze, bestimmte Chemikalien (Pestizide?) und radioaktive Strahlen. Aber auch spontane Mutationen können die Ursache sein. Noch ist nicht alles erforscht. Jedenfalls wird durch diese Noxen das natürliche Wachstum gestoppt und ein genetisches Alternativprogramm aufgerufen, das in einer Art von Atavismus von der für Samenpflanzen üblichen Verzweigung durch Seitenknospen umschaltet auf die ursprüngliche, dichotome Verzweigung. Kann diese aber z.B. wegen im Laufe der Evolution verloren gegangener oder umfunktionierter Gene nicht vollständig ausgeführt werden, kommt es zur Verbänderung. Dabei kommt es nicht zu einer Verzweigung, sondern die Wachstumszonen breiten sich zu den Seiten aus und bilden dadurch eine Art Band oder Kamm. Bei meinem ersten Beispiel (Bild #1) scheint das genetische Programm danach auf einen Neustart umgeschaltet zu haben. Die verbänderten Pflanzen nennt man Cristatformen (von lat, crista = Kamm). Betroffen sein können dabei alle Pflanzenteile (Wikipedia).

Am bekanntesten ist die Verbänderung bei Sukkulenten (z.B. Kakteen). Beim "Felsenkaktus" wird diese Abart für den Verkauf weitergezüchtet. Bei uns tritt sie am häufigsten beim Löwenzahn auf. Ich habe aber auch Bilder von verbänderter Kamille (Bild #3) und verbändertem Breitwegerich (Bild #4).

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
Bild #1 Verbänderung Löwenzahn 1.JPG
Bild #2 Verbänderung Löwenzahn 2.JPG
Bild #3 Verbänderung  Echte Kamille.JPG
Bild #4 Verbänderung Breit-Wegerich.JPG
Omnes vulnerant, ultima necat.

diwidat
Beiträge: 2187
Registriert: Mi 27.04.05 20:29
Wohnort: bei Karlsruhe

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von diwidat » Do 19.05.16 20:56

fehlplaciert

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Do 02.06.16 19:02

Heute möchte ich euch eine weitere seltenere Orchidee vorstellen: Das Menschentragende Ohnhorn (Aceras anthropophorum), manchmal auch Ohnsporn genannt. Es ist ein Pendant zum bereits vorgestellten Affen-Knabenkraut. Aber während dieses kleine Äffchen zeigt, scheinen hier kleine Menschen zu hängen, was man gut auf dem Detailbild erkennen kann (Bild 2). Daher der botanische Name "anthropophorum". Die Italiener nennen sie "Ballerina".

Unter den Blütenhelmen suchen kleinere Käfer ihre Schlafstätte und bestäuben dabei die Blüten. Eigentlich ist es eine mediterrane Pflanze. Da sie bereits im Spätherbst einen neuen Spross bildet, dessen Blattrosette überwintert, benötigt sie warme Winter. Durch die zunehmende Erwärmung scheint sie sich jetzt weiter nach Norden auszubreiten. Gefunden habe ich sie auf demselben Südhang wie das Affen-Knabenkraut. Es ist eins unserer Naturschutzgebiete und heißt NSG Kälberhalde.

Nach den neuen genetischen Analysen, die das alte Pflanzensystem leider ganz schön durcheinandergewirbelt haben, gehört diese Orchidee heute in die Gattung Orchis und müßte demnach Orchis anthropophora heißen. Doch hat sich dieser Name bis jetzt nicht wirklich durchgesetzt.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
Menschentragendes Ohnhorn.jpg
Ohnhorn Detail.jpg
Zuletzt geändert von Peter43 am Do 02.06.16 23:41, insgesamt 1-mal geändert.
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
sigistenz
Beiträge: 886
Registriert: Mi 09.05.07 21:29
Wohnort: Euregio (Lüttich/Maastricht/Aachen)

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von sigistenz » Do 02.06.16 22:11

Menschentragend - das sieht ja richtig gruselig aus! Doch - wieder ein interessanter Beitrag von dir.
Sigi.
Sieh meine Russland-Kupfer-Sammlung
www.sigistenz.com

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Fr 17.06.16 11:42

Ragwurzen (Ophrys)

Heute möchte ich euch die wunderschönen und sehr seltenen Ragwurzen vorstellen. Die Ragwurzen (Ophrys) sind eine Gattung der Orchideen und kommen meistens in den Mittelmeerregionen vor. Sie sind relativ klein, 10 - maximal 40cm hoch. Das auffallendste an ihnen ist, daß sie durch das insektenähnliche Aussehen ihrer Blüten, aber auch durch die Produktion von Duftstoffen männliche Insekten anlocken, die beim Versuch der Kopulation mit den Blüten Pollen übertragen.

Die Lippe der Blüte stellt bei diesen Pflanzen eine Nachahmung eines weiblichen Insekts dar. Männliche Insekten lassen sich täuschen und übertragen den Pollen während einer sogenannten Pseudokopulation. Aber es ist nicht nur das Aussehen. Der Duft der Blüten, den wir selbst nicht wahrnehmen können, ist eine Kopie der Sexul-Duftstoffe der weiblichen Insekten und löst dasselbe Such- und Kopulationsverhlten der Männchen aus. Von Bedeutung ist dann noch die Ausrichtung drr Behaarung, durch die das Männchen "vorn" und "hinten" unterscheiden kann. So besteigt es die Blüte mit dem Kopf voran (bei den Ophrys-Arten) oder dem Schwanz voran (bei den Pseudophrys-Arten). Dieser Sexualtäuschungsmechanismus (eine Art Mimikry) ist hochspezifisch. Manche Ophrys-Arten werden deshalb nur von einer einzigen Insektenart bestäubt. Meistens sind es Solitärbienen. Will man die Orchideen schützen, ist es notwendig auch diese Insekten zu schützen, von denen die Orchideen abhängig sind.

Die abgebildeten Ragwurzen (hier nur die Blüten) habe ich alle selbst entdeckt. Sie fanden sich im Stadtbereich Oberndorf am Neckar. Alle Arten sind sehr selten und stehen unter strengem Naturschutz. Ihren genauen Standort teile ich - wie es bei Orchideen üblich ist - nicht mit, um sie zu schützen.

(1) Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera)
Diese Ragwurz hat eine enge Beziehung zu einem Pilz, dem Ständerpilz Thanatephorus. Wie viele Orchideen beginnt die Pflanze ihre Entwicklung zunächst unterirdisch, indem sie auf diesem Pilz parasitiert und erst nach Jahren einen blühfähgen Sproß ausbildet. Eine Samenentwicklung ist nur bei Anwesenheit diees Pilzes möglich.
Die Blüte ahmt die Form einer Wespe nach und auch durch die Aussendung eines Sexualduftstoffs lockt sie die Männchen von Grabwespen an. Diese führen auf der Blütenlippe Begattungsbewegungen aus, wobei die Pollen übertragen werden. Nach dem Schlüpfen der echten Weibchen hört dieses Verhalten auf.

(2) Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bei der Bienen-Ragwurz gibt es nur selten eine Insektenbestäubung. In der Regel findet eine Selbstbestäubung statt, ein Phänomen, das bei Orchideen sehr selten vorkommt.

(3) Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica)
Der Hauptbestäuber ist die die Bienenart Eucera longicornis

(4) Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes)
Für die Große Spinnen-Ragwurz wurde kürzlich nachgewiesen, daß der Sexuallockstoff der bestäubenden Sand- oder Erdbiene Andrena nigroaena mit dem Duftstoff der Pflanze nahezu identisch ist.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
P1390352 Fliegen-Ragwurz.JPG
(1) Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera)
DSC03143 Bienen-Ragwurz.JPG
(2) Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
P1400507 Hummel-Ragwurz.JPG
(3) Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica)
P1390347 Spinnen-Ragwurz.JPG
(4) Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes)
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12163
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Etwas über Pflanzen

Beitrag von Peter43 » Do 04.05.17 17:55

Jetzt habe ich alle Ehrenpreisarten (Gattung Veronica) zusammen, die in unserer Region zu finden sind. Es handelt sich um (in alphabetischer Ordnung der botanischen Namen):

Bild #1:
(1) Acker-Ehrenpreis (V. agrestis) sehr selten
(2) Blauer Wasser-Ehrenpreis (V. anagallis-aquatica) ziemlich selten
(3) Feld-Ehrenpreis (V. arvensis) häufig

Bild #2
(4) Bachbunge (V. becca-bunga) häufig
(5) Gamander-Ehrenpreis (V. chamaedrys) häufig
(6) Faden-Ehrenpreis (V. filiformis) verbreitet, in Ausbreitung begriffen

Bild #3
(7) Efeu-Ehrenpreis (V. hederifolia) sehr häufig
(8) Berg-Ehrenpreis (V. montana) verbreitet
(9) Wald-Ehrenpreis (V. officinalis) verbreitet

Bild #4
(10) Persischer Ehrenpreis (V. persica) sehr häufig
(11) Niederliegender Ehrenpreis (V. prostrata) ziemlich selten
(12) Schild-Ehrenpreis (V. scutellata) ziemlich selten

Bild #5
(13) Großer Ehrenpreis (V. teucrium) zerstreut
(14) Quendel-Ehrenpreis (V. serpyllifolia) zerstreut

Ich habe hier zunächst einmal nur die Blüten zusammengestellt, um ihre Schönheit zu zeigen. Aber natürlich läuft die Bestimmung der Pflanzen nicht allein über die Blüten, sondern über die ganze Pflanze, insbesondere die Blätter oben und unten, das Habitat (den Ort und die Umgebung), aber auch die Jahreszeit. Helfen tut dabei eine genaue Karte der Verteilung (ein Kataster) in Deutschland. Dann kann man schon Arten ausschließen, die in unserer Region nicht möglich sind.

Der Ehrenpreis ist ein echter Frühlingsbote. Der Persische Ehrenpreis ist bei uns der häufigste und findet sich als kleine blaue Blume an fast jedem Ackerrand. Der nächst häufige ist der Efeu-Ehrenpreis, den man an seinen efeuartigen Blättern erkennen kann, den man aber leicht übersieht, weil seine Blüten so klein sind, daß man sie oft nicht erkennen kann. Und oft ist es nur einem Zufall zu verdanken, daß man eine Art entdeckt. Ich kann z.B. nicht einfach losziehen, um den Quendel-Ehrenpreis zu finden. Allerdings ist er dieses Jahr häufig, finde ich. Er hat niedliche bunte Blüten, die aber ebenfalls sehr klein sind. Der Gamander-Ehrenpreis mit seinen breiten gegenständigen Blättern, leuchtet tiefblau im Gras. Er ist eine der hübschesten Arten, die in diesem Jahr auch sehr häufig ist. Leider fallen seine Blüten sehr leicht ab, weswegen er im Volksmund auch "Männertreu" heißt.

Natürlich muß man bei der Suche nach dem Bachbungen-Ehrenpreis feuchte Gräben aufsuchen und keine Trockenheide. Das gilt auch für den Schild-Ehrenpreis, der sich mit seinen winzigen weißen Blüten in Sümpfen und Mooren findet, so wie der Blaue Wasser-Ehrenpreis, der, wie schon der Name sagt, im Wasser steht.

Der Große Ehrenpreis hingegen ist nach Ellenberg ein Trockniszeiger. Er wächst als kleine Staude in Gebüschen, an Waldrändern, in lichten Wäldern und auf Halbtrockenrasen. Er bevorzugt mehr oder weniger trockene, meist kalkhaltige Lehm- und Steinverwitterungsböden. Er ist wärmeliebend und kommt im Norden und Nordwesten nur selten vor.

Der Faden-Ehrenpreis, der durch seine hellblaue Farbe auffällt, gehört auch zu meinen Lieblingen, ist allerdings bei Gärtnern gefürchtet, da er sich rasenartig verbreitet. Er ist ein Neophyt und hat in den letzten Jahren zugenommen, ist, wie man sagt, in Ausbreitung begriffen.

Der Wald-Ehrenpreis hat der ganzen Gattung den Namen gegeben. Er war seit dem Mttelalter als Heilmittel gegen alle möglichen Krankheiten eingesetzt. Deshalb wurde er gelobt "Ihm sei Ehr und Preis als vera unica medicina, das einzig wahre Heilmittel“. Seine Wirkstoffe sind u.a.
Iridoidglykoside wie Catalpol, Veronicosid, Verprosid, Mussaenosid; Flavonoide, Triterpensaponine, Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure), Gerbstoffe
Der botanische Name Veronica officinalis weist daraufhin, daß er in der Apotheke (Offizin) benutzt wurde. Heute ist er obsolet, es sei denn in der Homöopathie.

Durch neuere DNA-Untersuchungen, die die gesamte Botanik durcheinandergewirbelt haben, gehört der Ehrenpreis inzwischen zu den Wegerichgewächsen (Plantaginaceae)

Es handelt sich um kleine Blümchen, die es aber wegen ihrer Schönheit wert sind, beachtet zu werden.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
Bild_#1.jpg
Bild #1
Bild_#2.jpg
Bild #2
Bild_#3.jpg
Bild #3
Bild_#4.jpg
Bild #4
Bild_#5.jpg
Bild #5
Omnes vulnerant, ultima necat.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste