Griechische Münzen von der Insel Patmos

Griechische Münzen des Altertums

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Philae
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Griechische Münzen von der Insel Patmos

Beitrag von Philae » Di 30.08.05 19:43

Hallo!
Hat irgendjemand eine Ahnung, ob antike Münzen der griechischen Insel Patmos existieren und wenn ja, womöglich sogar mit Bild?
Vielen Dank
Philae

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Di 30.08.05 21:20

Weder bei Coinarchives noch bei vcoins findet sich ein Stück von Patmos, weshalb ich davon ausgehe, dass

a.) keine solchen Münzen existieren oder
b.) die Insel in der Antike einen anderen Namen trug, was ich aber nicht glaube.

Gruss, Pscipio
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 31.08.05 11:46

Patmos, die Insel, auf der der Evangelist Johannes seine Apokalypse geschrieben hat, gehört zum sog. Dodekanes. Deren größte und bedeutendste Insel ist Rhodos. Deshalb wird Patmos die rhodische Währung gehabt haben.

MfG
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klaupo
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Beitrag von klaupo » Mi 31.08.05 23:14

@peter43,

da ist das griechische Ministry of Culture anscheinend etwas anderer Meinung. In der Ausgabe "The Aigean of the Coins" des Numismatic Museum, Athen 1999 sind für den Dodekanes zwar nur Typen der Inseln Karpathos, Rhodos (mit Prägungen aus Kamiros, Ialysos und Rhodos), Nisyros, Kos und Kalymnos abgebildet. Jedoch vermerkt der Begleittext, daß jede der zwölf Inseln ihre eigene unabhängige Währung herausgab:

The islands ... now called the Dodecanese, form a group of 12 islands ... whose numismatic presence was strongly felt as early as the Archaic period. ... Each of these islands issued its own independent coinage, according to its degree of development and its role in the historical process of time.

Gruß klaupo

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Fr 02.09.05 02:10

@Klaupo:

Ich habe jetzt das ganze Web nach einem Hinweis auf Münzen von Patmos durchsucht, aber nichts gefunden! Vielleicht kannst Du mir da weiterhelfen? Begleittexten von staatlichen Stellen glaube ich schon lange nicht mehr, insbesondere wenn sie nur Behauptungen aufstellen, aber nicht belegen können!

Ein Skeptiker
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Beitrag von klaupo » Fr 02.09.05 12:26

Hallo peter43,

deine Skepsis macht sicher Sinn. Nicht anders bin ich an deine Vermutung einer rhodischen Währung auf Patmos herangegangen und habe anhand mir vorliegender Literatur weitere Währungen des Dodekanes angeführt. Nisyros z.B. war für mich auch nicht einfach zu finden. Sollte mir eine Münze von Patmos begegnen, werde ich die entsprechende Info hier ablegen.

Gruß klaupo

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Beitrag von gorostiza » Fr 02.09.05 17:00

Auch ich habe in der Literatur und im internet gesucht und auch nicht den leisesten Hinweis zu Münzen dieser Insel gefunden. Das es keine Spuren gibt, heisst aber noch lange nicht, dass Patmos keine Münzen geprägt hat - oder prägen liess! Sollte ich fündig werden will ich es hier sicher posten.

Herzliche Grüsse
goro

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Beitrag von Peter43 » So 04.09.05 02:01

Aus dem 'kleinen Pauly':
Im Altertum spielte Patmos überhaupt keine Rolle und gehörte zu Milet. Wegen seiner Armseligkeit diente P. in der Kaiserzeit als Verbannungsort. Berühmt wurde P. als angeblicher Aufenthaltsort des Johannes, der hier die Apokalypse geschrieben haben soll. Im Spätaltertum und MA war P. anscheinend verödet, Neubesiedlung mit der Gründung des Johannesklosters 1088 n.Chr.

MfG
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Beitrag von gorostiza » So 04.09.05 06:25

Peter:
Danke für die Infos, Vielleicht gab es Verbanntengeld? lol

Philae
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Beitrag von Philae » So 04.09.05 10:23

Dankeschön schon mal für die zahlreichen Beiträge! Zur Geschichte: Auf Patmos (auch Patnos im Altertum genannt) gab es in der Antike dort, wo jetzt das Johanneskloster (nach Apostel Johannes benannt) ein Tempel, soweit ich weiß ein Artemis-Tempel, dessen Boden noch immer im Kloster vorhanden ist. Es gibt ein weiterer Berg, der die Überreste einer großen (im Vergleich zur Insel) Stadt hat. Es liegen darauf auch die Überreste von einem Apollo - Tempel sowie evtl. noch einen weiteren Tempel. Auch wurde die Insel oft von Piraten überfallen, was von einem zumindest mittelmäßigem Wohlstand zeugen sollte.
Viele Grüße
Philae

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Beitrag von Pscipio » So 04.09.05 10:45

Philae hat geschrieben:Auch wurde die Insel oft von Piraten überfallen, was von einem zumindest mittelmäßigem Wohlstand zeugen sollte.
Bei "Piraten" könnte es sich auch um Sklavenjäger gehandelt haben, der Sklavenfang wurde auf den ägäischen Inseln über Jahrtausende hinweg praktiziert. Wohlhabend könnte auf einer solch kleinen und unbedeutenden Insel doch wohl eher nur das Kloster gewesen sein, oder?

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Beitrag von Philae » So 04.09.05 13:08

Zu der Zeit, von der ich spreche, also vor Christi Geburt, als noch die alten griechischen Gottheiten und Tempel in Kraft waren, gab es ja das Kloster noch nicht, da an dieser Stelle der besagte Artemis-Tempel stand. Das mit den Piraten hielt, da muss ich recht geben, noch sehr lange an. Deshalb wurde dann in späterer Zeit, als das Kloster schon bestand, daraus eine regelrechte Festung mit unglaublichen Mauern gebaut.

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Beitrag von Pscipio » So 04.09.05 13:16

Ich sprach natürlich von der späteren Zeit. Im Übrigens haben sich die Piraten vorher sicher an die Tempel gehalten, in denen oftmals Schätze lagerten.

Gruss, Pscipio
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Beitrag von Philae » So 04.09.05 13:27

Da bin ich der gleichen Meinung. Interessant ist, dass dort laut meinen Informationen aufgrund fehlender finanzieller Mittel bisher nur von Hobbyarchäologen gegraben wurde. Vielleicht kommt dort irgendwann mal ein "Schatz" ans Tageslicht?

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Beitrag von Pscipio » So 04.09.05 13:33

Wenn man sich vor Augen führt, dass in Ländern wie Griechenland kaum ein Quadratmeter historisch nicht bedeutsam ist, erstaunt es auch nicht, dass für vieles das Geld fehlt. In einem Land wie Irak, in dem es tausende und abertausende Tells gibt (Schutthügel früherer Siedlungen), wurde bislang beispielsweise kaum 1 % dieser Tells untersucht.

Gruss, Pscipio
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