Stein von emesa=stein der kybele=stein der kaaba????

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

kollboy
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Stein von emesa=stein der kybele=stein der kaaba????

Beitrag von kollboy » Sa 15.12.07 08:11

eine frage, allerdings nur am rande numismatisch - elagabal u.a. liessen den stein von emesa mehrfach auf münzen abbilden:
wie - wenn überhaupt, hängen diese drei steinkulte zusammen?
handelt es sich dabei womöglich um denselben stein/meteoriten bzw fragmente davon?
was geschah mit dem stein von emesa nach dem tode elagabals (der stein war ja auf veranlassung elagabals nach rom gebracht worden)?

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Sa 15.12.07 12:01

Der Glaube an vom Himmel gefallene Steine, sog. Baetyle, gehört eigentlich zum Glauben der semitischen Völkerschaften. Es handelt sich dabei um Meteorite, die dann als Götterboten oder auch direkt als Götter angebetet wurden. Neben dem Stein der Kaaba, und dem omphalos-ähnlichen Stein des Sonnengottes von Emesa war auch noch berühmt der schwarze Würfel des Dusares der Nabatäer in Petra oder der Stein der Astarte in Sidon. Aber auch der Omphalos des Apollo in Delphi war solch ein Baetyl, vielleicht ein Hinweis darauf, daß der Apollokult aus Kleinasien stammt.

Ob es darüberhinaus Zusammhänge mit dem Steinkult gab, der im Mittelmeerraum weit verbreitet war, weiß ich nicht, obwohl es nahe zu liegen scheint. Dazu gehören z.B. die Steine des Hermes, des Zeus usw.

Mir ist bekannt, daß es die Behauptung gibt, daß der Stein der Kaaba in Mekka der alte Emesastein des Elagabal sei. Diese Behauptung aber stützt sich auf keine Beweise und muß deshalb ins Land der Märchen verwiesen werden. Was man aber sagen kann, ist, daß die Verehrung des Steins der Kaaba bereits aus vorislamischer Zeit stammt.

Es gibt einen Artikel über die Baetyle im Thread 'Mythologisch interessante Münzen' http://www.numismatikforum.de/ftopic11926-15.html

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Chippi » Sa 15.12.07 12:43

Der Stein von Emesa wurde nach Elagabals Tod wieder nach Syrien gebracht, da sie Angst vor der Rache des Gottes hatten, wenn sie ihn zerstören würden.

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 15.12.07 14:01

Interessant; warum hatten sie einerseits so viel Respekt vor dem Gott und seinem Stein, haben aber andererseits seinen Oberpriester abgemurkst und in den Tiber geworfen?

Weiterhin habe ich mal gelesen (sicher irgendwo hier im deutschen oder im US-Forum), daß "Baitylos" auch nur ein hellenisiertes semitisches Wort ist und sich von Bet-El ("Haus Gottes", also wie das biblische Bethel) ableitet. Der Stein also, in dem der Gott wohnt.

Viele Grüße,

Homer
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Beitrag von Peter43 » Sa 15.12.07 21:31

Der kleine Pauly:
Das Verhältnis zwischen Baitulos, den Baitylia und dem im Alten Testament erwähnten jüdisch-aramäischen Gott Bethel ist problematisch. Sie alle auf aramäisch bet'el "Gottes Haus" zurückzuführen, geht wohl zu weit. Es handelt sich aber offensichtlich um ein mediterranes Ursprungswort.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von richard55-47 » Sa 15.12.07 21:40

Vom Thema habe ich nun wirklich keine Ahnung und keine Literatur zur Verfügung. Aber die Verwandtschaft zwischen "Bethel", "Bet'el" (phonetisch gleich) und dem Ortsnamen "Bethlehem" ist wohl gegeben. War/ist ja auch richtig praktisch für die Verbreitung des Christentums.
do ut des.

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Beitrag von Peter43 » Sa 15.12.07 22:23

Der Zusammenhang besteht darin, daß es sich um ein Haus handelt. Aber es nicht das Haus Gottes (EL), sondern wahrscheinlich das eines Kriegsgottes namens Lacham! Oder das Haus des Brotes (Wikipedia).

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von vMadai » Mo 17.12.07 17:46

Oder noch etwas deutlicher:

Beth (hebr.) , bajit (arab.) = Haus
El (hebr.), allah (arab.) = Gott
Beth-El in dieser Wort-Verbindung entspricht unserem Genitiv, also "Haus Gottes".
Lehem (hebr.) = Brot
Man geht aber, wie Peter43 richtig schreibt, davon aus, dass das Lehem in Beth-Lehem nicht Brot, sondern eine alte kanaanäische Gottheit meint.

Liebe Grüße,
vMadai

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