Historische Fehler bei Münzbeschreibungen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Peter43
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Historische Fehler bei Münzbeschreibungen

Beitrag von Peter43 » Fr 22.10.04 16:14

Hallo!

Hiermit möchte ich einen neuen Thread eröffnen: Historische Fehler bei Münzbeschreibungen. Damit meine ich Beschreibungen in bekannten Münzkatalogen, die historisch oder kultur-historisch falsch sind, aber immer weiter tradiert werden. Natürlich habe ich dabei die Hoffnung, daß diese Fehler einmal korrigiert werden!

Ich beginne zwanglos mit dieser Münze:
Trajan Decius RIC IV, 12(b); C.19
AR - Antoninianus, 4.27g, 21mm, Rom 249/51
Av. IMP CMQ TRAIANVS DECIVS AVG, Büste drapiert, geharnischt, Kopf
mit Strahlenkrone n.r.
Rv. D - A - CIA
Dacia steht n.l., hält Eselstandarte
EF, ausdrucksstarkes Portrait!

Auf den Münzen von Decius wird Dacia dargestellt als drapierte, verhüllte Frau, die entweder ein Feldzeichen hält oder - wie in diesem Fall - eine 'draco'-Standarte. Diese wird gewöhnlich beschrieben als Stab mit einem Eselskopf. Es ist jedoch richtiger, sie als 'draco' zu identifizieren, eine Drachenstandarte, die einige Abteilungen römischer Legionen übernommen haben nach ihrem Kontakt mit Dakischen, Skythischen und Sarmatischen Kriegern. Gebildet aus einer langen Stoffröhre mit einem Metallkopf eines Wolfes verursachte der draco einen bedrohlichen Ton und sein Schwanz flatterte im Wind, wenn der Standartenträger in die Schlacht geschickt wurde.
Dieses Kriegsgerät ist mehrmals auf der Trajansäule dargestellt und wird erwähnt in Arrians 'Tactica' 136/7, ebenso von dem Militärhistoriker Vegetius in seinem 'Epitoma rei militaris' im 4./5. Jahrhundert.
Die beste Beschreibung des draco stammt aber von dem letzten großen römischen Historiker, Ammianus Marcellinus, der einen Triumphzug 357 beschreibt, in dem Constantius II 'umgeben war von purpurfarbenen Bannern, gewebt in der Form von Drachen, die oben an der Spitze von goldenen und juwelenbesetzten Speeren befestigt waren. Der Luftzug blies durch ihre aufgerissenen Rachen, so daß es schien, sie seien voller Wut, und ihre großen Schwänze flatterten hinter ihnen im Wind.'

Diese Standarte ist bereits von Cohen mißverstanden worden, was dann von RIC, Sear und anderen übernommen wurde, bis zum Kampmann.

Mit freundlichen Grüßen
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decius_12.jpg
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Beitrag von Peter43 » Fr 22.10.04 16:16

Hier ist der 'draco' noch einmal in Vergrößerung
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trajan_decius_00.jpg
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Beitrag von Peter43 » Fr 22.10.04 16:56

Der sog. Abacus

Hier ist ein zweites Beispiel: Der berühmte Abacus! Als Beispiel benutze ich folgende Münze von Philipp I. Arabs 244-249:
RIC IV, 38(b): C.87
AR - Antoninian, 5.4g, 23mm, Rom 244-247
Av. IMP M IVL PHILIPPVS AVG
Büste drapiert und geharnischt, Kopf mit Strahlenkrone n.r.
Rv. LIBERALITAS AVGG II
Liberalitas steht n.l., hält Abacus und Cornucopiae
hübsches VZ

Die Bezeichnung 'Abacus' ist einfach falsch. Abacus ist ein antikes Rechenbrett. Hier handelt es sich in Wahrheit aber um ein Gerät zum Abzählen von Münzen. Es hatte den Zweck, eine vorherbestimmte Menge von Münzen schnell und genau zu verteilen, als Geldgeschenk an die Soldaten, sog. 'largitio' oder Liberalitas.

Der falsche Name stammt aus einer Zeit, als der Zweck dieses Gerätes noch nicht bekannt war. Allerdings ist bekannt, daß in Indien noch lange ein ähnliches Gerät zum gleichen Zweck benutzt wurde.

Dazu 2 Bemerkungen:
(1) Die konstante Darstellung dieses Gerätes zeigt, daß die 'largitio' normalerweise in Denaren bestand. Wie wir aus der Literatur wissen, war die übliche Menge zwischen 50-200 Denaren, d.h. 2 bis 8 Aurei oder 200-800 Sesterzen. Zum Abzählen von 2-8 Aurei brauchte man wohl kein Gerät, die konnte man leicht mit der Hand abzählen und verteilen. 200-800 Sesterzen mit einem Gewicht von 5-20 Kilo sind zuviel, allein von der Menge und dem Gewicht! Aber solch ein 'Münzzähler' war gut geeignet dafür, schnell eine Zahl von 50-200 Denaren abzuzählen und zu verteilen!
(2) Genau die gleichen Münzzählgeräte wurden in Indien bis in unsere Tage benutzt. Ein solcher moderner Münzzähler aus Indien war abgebildet in dem Artikel, der das römische Gerät zum erstenmal korrekt identifizierte.
(Quelle: Curtis Clay)

Zur Münze: Das Geldgeschenk, auf das sich die Münze bezieht, wurde verteilt zur Feier der Ankunft der kaiserlichen Familie in Rom 245. Es war die 2.Liberalitas des Kaisers! So kann man das Ausgabedatum noch mehr eingrenzen.

Mit freundlichen Grüßen
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philipp_38.jpg
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Beitrag von Peter43 » Fr 22.10.04 17:57

Und da ich gerade dabei bin, noch ein drittes Beispiel für eine Fehlbeschreibung in allen Katalogen. Es handelt sich um einen Denar von Domitian (81-96) aus seiner Minerva-Serie. Als Beispiel hier
AR - Denar, 3.62g, 18mm, Rom 95/96
Av. IMP CAES DOMIT AVG GERM PM TRP XV
belorbeerter Kopf n.r.
Rv. IMP XXII COS XVII CENS P PP
Minerva steht auf einer Prora n.r., schwingt Speer und hält einen Schild
zu ihren Füßen eine Eule
RIC II, 191; C.293
VZ

Es begann damit, daß ich auf der 'Prora' (Schiffsbug, eigentlich Prorum!) unter der Lupe 2 Figuren entdeckte, von denen ich zunächst annahm, daß es sich um Ruderer oder Steuerleute handelte. Allerdings ist ihre Stellung zu diesem Zweck etwas ungeeignet! Also weitere Untersuchungen! Normalerweise ist die Abbildung einer Prora immer asymmetrisch, weil es sich ja nur um die Spitze eines Schiffes handelt. Auf dieser Münze sieht man aber deutlich, daß die sog. 'Prora' völlig symmetrisch ist. Ein weiteres Rätsel! Doch die Lösung ist einfach: Natürlich handelt es sich nicht um eine Prora!

Die beste - und tatsächlich einzige - Diskussion über die zwei Figuren stammt von H.Dressel in seinem ausgezeichneten Buch: Die römischen Medaillen ... zu Berlin, Berlin 1973 (Dressel starb allerdings bereits 1920), S.11-14. Nach Dressel ist das, worauf Minerva steht kein Schiffsbug, sondern eine Säule, die mit 2 Schiffsrammspornen verziert ist, die beide in schwanenhalsartigen Enden auslaufen. Da viele Einzelstücke zeigen, daß die Basis rund ist, sollte es sich um das obere Ende einer Säule handeln.
Bei den beiden Figuren, die vorne auf der Säule dargestellt sind, wird die linke sitzend gezeigt, während die andere vor ihr kniet und einen Arm flehentlich ausgestreckt hat. Dieser ausgestreckte Arm kann (nach Dressel) besonders gut gesehen werden auf einem Aureus im Auktionskatalog 1896 von Montagu Lot 237.
Dressel macht keine weitere Bemerkungen, und wir können sicher annehmen, daß er von keinen weiteren Beispielen weiß, bei dem eine Gottheit auf einer mit Schiffsschnäbeln geschmückten Säule steht, die mit dem Relief zweier Figuren versehen ist.
Die beiden Figuren erinnern aber deutlich an bestimmte Trajantypen, auf denen ein Barbar eine sitzende Pax um Gnade anfleht, BM pl.295, oder eine stehende Roma, BM pl.736 (Curtis Clay).

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Peter43 » Fr 22.10.04 18:03

Hier noch einmal das obere Ende der Säule in Vergrößerung. Man sieht die 2 Figuren und die schwanenhalsähnlichen Enden rechts und links. Rechts zu Füßen der Minerva sitzt die Eule (Das Attribut der Minerva als Göttin auch der Weisheit).

So now it's your turn!

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von chinamul » Fr 22.10.04 19:26

Hallo Peter43!

Interessanter und vielversprechender Thread!!! Ich bin gespannt, was noch so alles zusammengetragen wird.

Zum "Abakus", der wohl tatsächlich eine Geldzuteilungsvorrichtung ist, ist in Roman Coins and Culture, einer leider schon bald eingestellten Zeitschrift, ein mehrseitiger Beitrag mit vielen sehr instruktiven Zeichnungen veröffentlicht worden (Vol. II, Nr. 1, 1986, pp. 4-9).

Eigentlich gehört auch der vermeintliche "Apisstier" auf den Großbronzen des Julianus II Apostata hierher. (s. Thema "Apisstier")

Auch die FELICITAS-Münzen des Hadrian wären hier zu erwähnen. Die in der Galeere abgebildeten Figuren können nicht die Ruderer sein, da die unter Deck sitzen, also nicht zu sehen wären.

Weiterhin wird ein Antoninian des Allectus mit Schiffsdarstellung, der im Abschnitt ein Q hat, fälschlich immer wieder als Quinar bezeichnet.

Schließlich sind die posthumen Kupfermünzen des Augustus, auf denen er eine Strahlenkrone trägt, keine Dupondien, sondern Asses! Auch Ursula Kampmann (Berenike) ist diesem Irrtum aufgesessen. Die Strahlenkrone dient erst später zur Kennzeichnung eines Doppelstückes. Hier ist sie noch ausschließlich ein Hinweis auf die Vergöttlichung des Augustus.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Fr 22.10.04 19:35

@chinamul:

Dank für Deine Beispiele, die mir z.T. unbekannt waren, weil ich mit ihnen noch nichts zu tun hatte. Wann finden die Korrekturen dieser Fehlen endlich ihren Weg in die Münzbücher?

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Peter43 » Sa 06.11.04 15:22

Hier ein weiteres Beispiel einer Falschbeschreibung, die ich erst kürzlich gefunden habe. Es ist der Denar des Augustus RIC I, 233 FORTVNA ANTIAT des Q. Rustius:
AR - Denar, 3.83g, 20mm
Rom 19 v.Chr.
Av.: Q RVSTIVS - FORTVNA (oben), ANTIAT (im Abschnitt, im Scan nur
schlecht zu sehen!)
Gestaffelt n.r. die drapierten Büsten der Fortuna Victrix, vorne,
barbusig, mit Rundhelm und Patera in der re. Hand, hinter ihr
Fortuna Felix, bekleidet, mit Diadem.
Beide Büsten ruhen auf einer Stange, die an den Enden mit
Widderschädeln
Rv.: CAESARI . AVGVSTO
Ein stark ornamentierter rechteckiger Altar mit einem Gefäß und der
Inschrift vorne FOR.RE; hinter ihm 2 ornamentierte Säulen
im Abschnitt: EX.S.C.
RIC I, 322; BMCR 2
R2; fast SS, getönt

Für eine ausführliche Interpretation dieser Münze verweise ich auf den Beitrag in 'Historisch interessante Münzen'. Hier geht es um Fehler bei der Beschreibung. Hier geht es um die Stange, auf der die beiden Büsten ruhen. Bei RIC heißt es: 'Jugate busts...above bar with ram's head finals'.
Schaut man sich jedoch die beiden Widderköpfe genauer an - ich brauche dazu eine Lupe -, dann erkennt man über/hinter den beiden Widderköpfen die Silhouette von zwei weiteren Widderköpfen! Also kann es sich nicht nur um eine Stange handeln, sondern es sind zumindestens zwei Stangen hintereinander. Das spricht dafür, daß es in Wirklichkeit ein viereckiges Gerüst ist, auf dem die beiden Büsten stehen, evtl. der obere Teil eines Postaments.

Information bei CNG: Der Widder erscheint bereits auf einem Denar des L. Rustius 87 v.Chr., sodaß es sich dabei offensichtlich um einen Familienschmuck handelt. Die Statue mit den beiden Büsten war wahrscheinlich ein Denkmal, das Q. Rustius persönlich gestiftet hatte.

Mit freundlichen Grüßen
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augustus_322.jpg
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Beitrag von Zwerg » Sa 06.11.04 21:13

Es ist wirklich immer wieder faszinierend, wie sich falsche Beschreibungen fortpflanzen.
Deine Beschreibung stammt aus dem RIC, "revised edition", die 1984 erscheinen ist. Sie basiert auf den älteren Beschreibungen in der ersten Ausgabe des RIC und des BMC.
Aber irgendwann vorher muß jemand erkannt haben, daß diese Beschreibung nicht korrekt ist. In Seabys "Roman Silver Coins", Band 1 (3. und zur Zeit letzte Auflage 1978) steht :
Conjoined busts of Fortuna Victrix and Fotuna Felix r., on base between two rams´ heads.
Mich würde jetzt interessieren, wo diese richtige Beschreibung zum ersten Mal veröffentlicht wurde. (Zu Studentenzeiten haben wir uns einen Spaß gemacht, so etwas zu recherchieren, nur um manchmal die Profs zu ärgern - gibt es solche Studenten hier im Forum?)
Zuletzt geändert von Zwerg am Di 04.08.09 21:00, insgesamt 1-mal geändert.

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MODIUS, KALATHOS oder POLOS?

Beitrag von Peter43 » Mo 08.11.04 17:30

Hier habe ich wieder eine Falschbeschreibung gefunden, die sich in vielen Texte findet, und einmal geklärt werden sollte!
Ich meine die Begriffe 'polos', 'modius' und 'kalathos'. Die meisten von uns werden sie bereits irgendwo gelesen haben, für alle anderen: Bei allen diesen drei Begriffen handelt es sich um eine eigenartige Kopfbedeckung bei griechischen und römischen Gottheiten oder Personifikationen.

Als Beispiel habe ich hier einen der ersten Antoniniane von Caracalla:
Caracalla 198-217
AR - Antoninianus, 5.3g
Rom 215
Av.: ANTONINVS PIVS AVG GERM
Büste mit Brustpanzer , Kopf mit Strahlenkrone n.r.
Rv. PM TRP XVIII COS IIII PP
Pluton mit polos auf dem Kopf sitzt auf Thron n.l., Zepter in der l.
Hand, r. Hand ausgestreckt zu drei-köpfigem Zerberus zu seinen Füßen
RIC IV/1, 261(d); nicht in Cohen!
R; schönes VZ, veröffentlicht bei http://www.wildwinds.com

Deutlich sieht man auf dem Kopf von Pluton die zylinderförmige Kopfbedeckung. Nun zur Unterscheidung dieser drei Begriffe: Was bedeuten sie eigentlich?

1) MODIUS. Am einfachsten ist der 'modius' zu erklären. Das war das römische Standardmaß für Getreide, umfaßte zwischen 8-9 Litern, und war ein hölzener Behälter mit Dauben und Beschlägen, der nach oben zu etwas schmaler wurde, mit 3 Füßen. Wird er auf Münzen dargestellt, ist er ein Symbol für die Getreideversorgung und den Wohlstand. Deshalb ist er z.B. ein typisches Attribut der ANNONA und der CERES, aber im späteren Römischen Reich auch von Göttern, die mit Fruchtbarkeit oder der Getreideernte in Verbindung standen, z.B. DEMETER oder SERAPIS, oder des GENIUS IMPERATORI, der regelmäßig einen 'modius' auf dem Kopf trägt.

2) KALATHOS. Der 'kalathos' ist ein geflochtener Korb, in dem die Frauen früher die ungesponnene Wolle aufbewahrten. Er wurde aber auch für Früchte benutzt und hatte eine etwas bauchige Form. So steht auch er für Spendengaben und Fruchtbarkeit. Er ist in seiner Bedeutung verwandt mit dem Modius und sollte verwendet werden bei griechischen und römischen Provinzialmünzen.

3) POLOS. Der 'polos' war eine gewöhnlich hohe, zylindrische Kopfbedeckung für eine Göttin, wie z.B. die Hera oder die Artemis von Ephesus. Bekannt ist auch eine Statue der Hera von Samos, die einen trägt (Claude Rolley, Sculpture gr., vol. I, p. 147, fig. 128). Er steht für etwas Göttliches und hat eine Beziehung zum Himmel

Wir wissen natürlich nicht ganz sicher, wie die Menschen der Antike solche Behälter im täglichen Leben genannt haben. Aber von der Kultstatue des Serapis, die ca. 300 v.Chr. im Serapeion in Alexandria aufgestellt wurde, wurde gesagt, sie trage einen KALATHOS auf dem Kopf.

Auf jeden Fall bedeuten sowohl 'modius' als auch 'kalathos' Gefäße von einiger Größe, sei es für Früchte oder für Getreide, sind also von ihrer Funktion her nahe verwandt!

POLOS/POLUS in der obigen Beschreibung aber ist falsch: Philologisch bedeutet es in Griechisch und Latein genau das, was es sagt: eine Achse, einen Pol. Pausanias benutzte das Wort für das, was eine Göttin trug. Es war eine Statue der Aphrodite in Sikyon, von der angenommen wird, sie stamme von Kanachos (der auch den Milesischen und Thebanischen Apollon geschaffen hat), von der er sagte: "Sie ist aus Gold und aus Elfenbein und sie hat einen POLOS auf dem Kopf; in einer Hand hält sie Mohnblumen und in der anderen einen Apfel." (Pausanias 2.10.4).
Heutzutage wird von Kunsthistorikern das Wort 'polos' eher reserviert für eine Kopfbedeckung bei sehr archaischen Kultbildern mit einer ausgesprochen schlanken und zylindrischen Form, wie sie kein menschlicher Hut oder gebrauchsfähiger Korb hat. So würde auch das, was die Karyatiden in den Säulenreihen der ionischen Ordnung der Delphischen Schatzkammer tragen, mit Polos bezeichnet werden können.

(Dank an Patricia Lawrence für ihre kunsthistorischen Hinweise!)

Zusammengefassend muß man also feststellen, daß die Bezeichnung POLOS für die Kopfbedeckung des Serapis falsch ist, oder eher gedankenlos. Sie muß richtigerweise ersetzt werden durch KALATHOS oder evtl. MODIUS!

Mit freundlichen Grüßen
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caracalla_261(d).JPG
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Nicht Speer, sondern Lanze oder Spieß!

Beitrag von Peter43 » Fr 18.03.05 21:58

Nach längerer Zeit haben wir wieder einen Beitrag gefunden, der in diesen Thread 'Historische fehler auf Münzen' gehört.

Es handelt sich um den Typ FEL TEMP REPARATIO mit dem Reitersturzmotiv. Die Waffe, mit der der Soldat (Kaiser?) den gestürzten Reiter tötet, wird allgemein als Speer bezeichnet. Dies hat sich jetzt als falsch herausgestellt!.

Auf dem Bild sieht man die Einzelheiten: Einmal über dem Rücken des gestürzten Reiters die 3 Stopper, die verhindern sollen, daß der Speer zu tief in den Körper eindringt (und dann beim Herausziehen Schwierigkeiten macht!), und am anderen Ende die Schlaufe, mit der der Speer in der Hand gesichert wird, damit er beim Erstechen der Feinde nicht verlorengeht. Er wird also, wie man sieht, nicht geworfen!

Dazu die Erläuterungen von Chinamul: Genau! Und deshalb ist es auch kein Speer (pilum), sondern ein Spieß bzw. eine Lanze (hasta). Und die Schlaufe am Handgelenk hat wohl außerdem noch die Funktion gehabt, daß die Hand beim Stoß nicht am Schaft hinabglitt und so die Wucht minderte. Das gleiche Prinzip wird ja heute noch bei Skistöcken verwendet. Sowohl der Stopper, übrigens ebenfalls und mit gleicher Funktion an Skistöcken zu finden, als auch die Schlaufe waren mir bisher unbekannt, weil meine Stücke diese hochinteressanten Details leider nicht zeigen! Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Militärhistoriker davon wissen.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Peter43 » Mo 16.05.05 21:44

Hallo!

Nachdem ich meine Münzbeschreibungen wieder einmal durchgegangen bin, was ich in Abständen mache, um Fehler zu entdecken, Verbesserungen anzubringen oder neue Ergebnisse hinzuzufügen, habe ich erneut eine Abweichung zur Münzbeschreibung in RIC u.a. gefunden. Es geht um die Beschreibung des Denars von Caracalla RIC IV/1, 39(a); C.542; BMC 165:
Av. ANTONINVS - AVGVSTVS
belorbeerte Büste, drapiert und cürassiert, n.r.
Rv. RECTOR - ORBIS
Sol steht frontal, hält in der re Hand Globus und in der li umgekehrten
Speer.
geprägt 199-201

Wenn man sich das Revers genauer ansieht, erkennt man quer über der Brust des Sol ein Schwertgehänge, in dem an der linken Hüfte ein Kurzschwert steckt. Darauf hat mich Curtis Clay hingewiesen. Dieses Schwert wird nirgends beschrieben. Ich finde es ungewöhnlich, da ich verschiedene Solbilder angesehen habe und dieses Schwert nirgends gefunden habe. Ausnahme ist ein Denar von Titus, RIC 16, auf dessen Rückseite er als Sol auf einer Columna rostrata steht und deutlich ein Schwertgehänge mit Schwert trägt.

Ich weiß jetzt nicht genau, ob es ein Gladius oder ein Parazonium ist, aber ich votiere dafür, daß auch die Caracallamünze nicht Sol zeigt, sondern Caracalla als Sol! Dafür würde auch sprechen, daß Septimius Severus die Kolossalstatue des Nero vor dem Flavischen Amphitheater (deshalb heute Kolosseum genannt) in eine Statue seines Sohnes Caracalla als Sol hat umwandeln lassen (Information von Patricia Lawrence).

Eine andere Meinung, die die Statue für Caracalla als Alexander den Großen zeigt, halte ich für unwahrscheinlicher, da der 'Alexanderwahn' des Caracalla erst später ausbrach, als er 213 in den Osten aufbrach, während der Denar bereits 199/201 geprägt worden ist.

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von chinamul » Di 17.05.05 10:41

Hallo Peter43!

Auf diesem Denar des jungen Caesars M. Aurelius hält der friedfertige Mars ein Schwert mit Schultergehänge in der Rechten. Die Länge scheint darauf hinzudeuten, daß es sich hier um einen gladius handelt. Interessant die Waffe in seiner Linken mit Spitzen an beiden Enden.
Auch wenn dieses Stück nicht zur Beantwortung Deiner Frage beiträgt, scheint es mir doch geeignet, unser Wissen über die antike Waffenkunde zu bereichern.

MARCUS AURELIUS 161 – 180
AR Denar Rom 155/156 als Caesar
Av.: AVRELIVS CAES ANTON AVG PII F - Kopf rechts barhaupt
Rv.: TR POT X COS II - Behelmter Mars frontal stehend; Kopf nach links; auf der Rechten Schwert mit Tragegurt, in der Linken Speer mit Spitzen an beiden Enden
RIC 468 (Antoninus Pius) - 3,36 g

Gruß

chinamul
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m aur Mars m.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 17.05.05 11:34

@chinamul:

Interessantes Revers! Allerdings möchte ich in der Schlacht nicht hinter Mars stehen, wenn er mit seinem Speer zum Wurf ausholt! Kann es sein, daß es diesen Speer mit den zwei Spitzen garnicht wirklich gegeben hat, sondern nur auf Abbildungen, um Mars gefährlicher erscheinen zu lassen?

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Peter43 » Di 17.05.05 15:39

Da ich gerade dabei bin, möchte ich auf noch einen Fehler in RIC (aber nicht nur dort!) hinweisen und versuchen, ihn richtigzustellen.

In der Beschreibung der unten abgebildeten Münze, eines Antoninian von Probus RIC V/1, 202, heißt es von der Büste : Radiate bust l. in imperial mantle, holding sceptre surmounted by eagle. Diese Beschreibung, obwohl oft wiederholt, ist nicht korrekt! Es handelt sich nicht um einen imperialen Mantel, sondern um eine Trabea, und das ist der Konsularmantel oder die Konsularrobe!

TRABEA
Bei der Trabea handelt es sich um einen festlichen Mantel, purpurfarben oder mit purpurnen oder scharlachroten Streifen besetzt. Daher auch der Name (trabs = Streifen)! Von diesem Wort stammt übrigens der medizinische Begriff 'Trabekeln', womit bindegewebige Streifen und Bälkchen in der Herzkammer oder in der Milz bezeichnet werden. Die Trabea wurde zunächst von Königen getragen, dann von den Saliern, von den Consuln z.B. bei der Eröffnung des Janustempels und von den Auguren, den höchsten Flamen, später zusätzlich von Rittern bei ihrer Ernennung. Wahrscheinlich findet sich ihr Ursprung bei den etruskischen Priestern. (Quelle: Der kleine Pauly)
Die Toga, die der Imperator während eines Triumphes trug, Toga triumphalis oder Toga picta, sah anders aus. Diese wurde erstens getragen wie alle anderen Togen auch, dann war sie nicht mit Streifen verziert, sondern bunt bestickt mit Gold. Sie zeigt in der Regel auch Kreise und andere Ornamente. Jedenfalls fehlen ihr die strengen geraden Linien.
Die Münzen, auf denen der Kaiser in der Trabea zu sehen ist, zeigen ihn üblicherweise mit einem Adlerzepter in der re und einer Mappa in der li Hand (auf dieser Münze allerdings nicht vorhanden!)

SCIPIO EBURNEUS
Das Adlerzepter, das Scipio eburneus, war das Signum des siegreichen Feldherrn. (Scipio = Stock; eburneus, weil es aus Elfenbein bestand). Er trug es während des Triumphzuges in seiner re Hand. Der Adler, der oben auf dem Zepter montiert war, ist das Symbol für Jupiter Optimus Maximus, den höchsten Gott der Römer. Er war der Beschützer der römischen Armee. Nach dem Ende des Triumphzuges wurde das Adlerzepter wieder in den Tempel des Jupiter zurückgebracht.Im späteren römischen Reich wurde es als Insignie des Kaisers getragen, auch wenn dieser keinen militärischen Sieg errungen hatte. In christlichen Zeiten wurde der Adler dann durch ein Kreuz ersetzt.

MAPPA
Die Mappa war ursprünglich ein rechteckiges Stofftuch, wurde dann mit zunehmendem Luxus auch als Tischtuch verwendet, woraus sich später das christliche Altartuch entwickelte. Mit Mappa wurden aber auch Stoffservietten bezeichnet. Diese benutzte man, um Speisen mitzubringen oder mitzunehmen. Seit Nero wurde es üblich, daß der Kaiser öffentliche Spiele eröffnete, indem er eine Mappa in die Arena warf. Da diese Zeremonie nur dem Kaiser zustand, entwickelte sie sich ebenfalls zu einer kaiserlichen Insignie und bestand als solche noch weit bis in die byzantinische Zeit. Da später auch Landkarten auf eine Mappa aufgezogen wurden, entwickelte sie sich zu unserem Wort Mappe.
Zur Illustration der Mappa hier noch ein Follis von Constantine I RIC VII, Cyzicus 8.

Mit freundlichem Gruß
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probus_202av.jpg
Kaiser in Trabea mit Adlerzepter
constantinI_cyzicus8av.jpg
Kaiser in Trabea mit Mappa und Globus
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