ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

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Albert von Pietengau
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ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Do 19.06.14 18:16

Die Rum-Seldschuken

Gegen Ende des 10. Jh. drangen die Seldschuken, ein aus Familienklans bestehendes Turkvolk, auf ihrem Zug nach Westen in den Irak und nach Zentralasien ein. 1055 ließ sich Tughrul-Beg in Bagdad zum Sultan erheben. Der Kalif erkannte Tughrul als „König des Ostens und Westens“ an und verlieh ihm den Titel Rukn ad-Dīn („Stütze des Glaubens“). Unter Alp Arslan (1064-1072) und dessen Sohn Malik Schah (1072-1092) entwickelten sich die Seldschuken zur größten politischen Macht Vorderasiens. Schließlich spaltete sich das Reich der Großseldschuken in mehrere Teilreiche auf. Suleiman ibn Kutalmisch (1077-1086) gründete nach der Schlacht bei Manzikert (1071) auf errobertem byzantinischem Boden (Anatolien) das Reich der Rum -Seldschuken - in Anlehnung an das oström. Reich.
Die Bevölkerung des Sultanats war sehr vielschichtig. Sie bestand aus Nomaden, Turkstämmen, Persern, Griechen, Armeniern und auch Roma, die damals noch Sklaven waren. Für die Namensgebung des Reiches waren Letztere wohl weniger verantwortlich. :wink:

Da im frühen 13. Jahrhundert die Mongolen ihre Raubzüge starteten und auch das Rum-Seldschuken-Reich bedrohten, war alles auf eine möglichst rasche Verteidigung ausgerichtet. Potentiellen Neubürgern gegenüber war man durchaus aufgeschlossen; nicht zuletzt deshalb, weil sie im Ernstfall zu den Waffen greifen mussten.
Unter Ala’addin Kay Kobad I. (1219-1237) und z. T. auch noch unter seinem Sohn Kay Khusrau II. erreichte das Rum-Seldschuken-Reich seine größte Macht und Ausdehnung, wovon nicht zuletzt ayyubidische und kleinarmenische Dirhems zeugen, auch wenn den heutigen Armeniern die Vorstellung nicht gefallen mag, dass die genannten Sultane auf den bilingualen Trams "Overlords" gewesen sein könnten. Dass Kay Khusrau II. auf einem Dirhem des Ayyubiden-Herrschers an-Nasir Yusuf II. eindeutig als socher ausgewiesen ist, spricht m. E. dafür...
Ab 1243 hatten dann ohnehin die Ilkhane das Sagen: sowohl die Herrscher der Rum-Seldschuken als auch die Könige von Kleinarmenien waren tributpflichtig.

Zwischen 1284 und 1302 gründeten einzelne Turkstämme ihre "Beylik" (Fürstentümer) auf dem Gebiet des zerfallenden Sultanats. Schliesslich wurde unter Osman I. alles dem "Osmanischen Reich" einverleibt. Auch der Titel "Kalif" wurde von den Osmanen beansprucht, und die Frage, ob zurecht oder zu unrecht, darf sich gar nicht stellen, da die Sunniten ohnehin nur die vier "rechtgeleiteten Kalifen" - also kein Erbkalifat - anerkennen.

Die Münzen der Rum-Seldschuken zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr sorgfältig geprägt und generell von hoher Qualität sind. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind es (wie im islamischen Kulturraum üblich) reine Schriftmünzen. Während anfangs Kupfermünzen (Fals) mit Reitermotiv vorherrschten, ging man später zu Silber- und vereinzelnt auch zu Goldmünzen (Dirham, Dinar) über, wobei Letztere rel. selten sind.
In der Regel wird nach der Shahada (Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist Sein Prophet) auch der jeweilige Kalif genannt. Danach folgen Datum und Münzstätte (vorwiegend Konya und Sivas). Am Revers ist dann der Name des jew. Sultans bzw. der Sultane und dessen/deren Vater zu lesen. Als Bildmotiv kommt der bereits erwähnte Reiter zum Einsatz oder das Sonne/Löwe-Motiv (Kay Khusrau II.).


Liste der Herrscher [Wikipedia]:

Sulaiman I. (1081–1086)
Eroberte – nachdem der Großteil Anatoliens für die Byzantiner bereits in der Schlacht von Mantzikert (1071) verloren und an die Seldschuken übergegangen war – 1075 u. a. Nikäa (İznik), machte es zu seiner Hauptstadt und erklärte als „Sultan von Rum“ seine Unabhängigkeit von Malik-Schah I.
Versuchte 1086 Aleppo zu erobern, wurde aber von Tutusch I. besiegt, woraufhin der Großteil Anatoliens formal wieder unter die Kontrolle der Großseldschuken kam (in Nikäa regierte Abu l-Qasim)

Qilitsch-Arslan I. (1092–1107)
Übernahm die Herrschaft nach dem Tode Sultan Malik-Schahs I., an dessen Hof er zuvor als Geisel gelebt hatte.
Vernichtete 1096 den Großteil des sog. Volkskreuzzuges.
Herrschte zunächst von Nikäa aus, verlor die Stadt jedoch (ebenso wie andere Gebiete) an die wiedererstarkenden Byzantiner, nachdem sie im Verlauf des Ersten Kreuzzuges 1097 von den Kreuzfahrern belagert worden war.
Erlitt 1097 eine Niederlage gegen die Kreuzfahrer in der Schlacht von Doryläum.
Schlug u. a. die Kreuzfahrer von 1101 in den Schlachten von Mersivan und Herakleia Kybistra (Ereğli), woraufhin er die Hauptstadt seines Reiches nach Ikonion (Konya) verlegte.
Kämpfte u. a. gegen die rivalisierenden Danischmenden und drang bis nach Diyar Bakr und in die Dschazira vor (Eroberung Mosuls 1107), wurde aber von Sultan Muhammad I. Tapar geschlagen und ertrank bei dem Versuch zu entkommen im Chabur.

Malik-Schah oder Schahanschah (1110–1116)
Befand sich gegenüber den Byzantinern und Danischmenden in der Defensive und wurde letztlich von seinem Bruder Masud gestürzt und getötet.

Rukn ad-Din Masud I. (1116–1156)
Kämpfte gegen die Danischmenden.
Siegte 1147 in der Schlacht von Doryläum über die Kreuzfahrer des Zweiten Kreuzzuges.

Izz ad-Din Qilitsch-Arslan II. (1156–1192)
Annektierte (1174 und 1178) sämtlich Besitzungen der Danischmenden (Sivas, Kayseri, Malatya, Elbistan).
Besiegte die Byzantiner 1176 in der Schlacht von Myriokephalon.
Verlor 1190 in den Schlachten bei Philomelion und Ikonion gegen die Kreuzfahrer des Dritten Kreuzzuges.
Teilte das Reich um 1185 unter seinen 10 Söhnen auf.

Ghiyath ad-Din Kai-Chusrau I. (1192–1197 und 1205–1211)
Konnte die Reichseinheit (infolge der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204) wiederherstellen.
Musste 1197 seinem älteren Bruder Sulaiman (II.) weichen, stürzte aber 1205 dessen minderjährigen Sohn Qilitsch-Arslan (III.) und übernahm zum zweiten Mal die Herrschaft.
Eroberte 1207 Antalya.

Rukn ad-Din Sulaiman II. (1197–1204)
Eroberte 1202 die Besitzungen der Saltuqiden (mit dem Zentrum Erzurum).

Izz ad-Din Qilitsch-Arslan III. (1204–1205)

Izz ad-Din Kai-Kawus I. (1211–1220)
Eroberte 1214 Sinope.

Ala ad-Din Kai-Qubad I. (1220–1237)
Eroberte 1221 Alanya und 1228 die Besitzungen der Mengüdschekiden von Erzincan und Kemach.
Wehrte sowohl den letzten Choresm-Schah Dschalal ad-Din (Schlacht von Yassı Çemen 1230) als auch die Aiyubiden ab.
Eroberte – seinen rebellischen Cousin Rukn ad-Din Dschahan-Schah stürzend – 1230 Erzurum.
Unter ihm erreichte das rumseldschukische Reich seine größte Ausdehnung und den Gipfel seiner Macht.

Ghiyath ad-Din Kai-Chusrau II. (1237–1246)
Warf 1240 mit Mühen den Aufstand des Baba Ishaq nieder.
Musste nach seiner Niederlage in der Schlacht vom Köse Dagh (1243) die Oberhoheit der Mongolen anerkennen (womit der allmähliche Niedergang der Dynastie begann).

Izz ad-Din Kai-Kawus II. (1246–1257)
Vasall der Mongolen
Regierte zunächst allein, ab 1248 dann gemeinsam mit Qilitsch-Arslan IV. und ab 1249 schließlich gemeinsam mit Kilitsch-Arslan IV. und Kai-Qubad II.

Rukn ad-Din Qilitsch-Arslan IV. (1248–1265)
Vasall des mongolischen Il-Chanats
Regierte bis 1249 zunächst gemeinsam mit Kai-Kawus II., 1249–57 dann mit Kai-Kawus II. und Kai-Qubad II., ab 1257 zusammen mit Kai-Chusrau II. und ab 1259 schließlich allein.

Ala ad-Din Kai-Qubad II. (1249–1257)
Vasall des Il-Chanats
Regierte gemeinsam mit Kai-Kawus II. und Qilitsch-Arslan IV.

Ghiyath ad-Din Kai-Chusrau III. (1265–1282)
Vasall des Il-Chanats, dessen Gouverneure das Sultanat ab 1277 faktisch direkt regieren.

Ghiyath ad-Din Masud II. (1282–1284, 1284–1293, 1294–1301 und 1303–1307)
Praktisch machtloser Vasall des Il-Chanats

Ala ad-Din Kai-Qubad III. (1284, 1293–1294 und 1301–1303)
Praktisch machtloser Vasall des Il-Chanats

Ghiyath ad-Din Masud III. (1307)
Praktisch machtloser Vasall des Il-Chanats
Nach ihm löste sich das Sultanat der Rum-Seldschuken endgültig auf.



Leider kann ich erst ab 1200 AD Bilder von Münzen zeigen. Keine Ahnung, ob es vorher schon etwas gegeben hat. Mögen die Rum-Seldschuken (rum)rollen! :angel:

Gruß
AvP
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » Do 19.06.14 23:42

Eine schöne Einführung ... Aber ehe wir hier in medias res gehen ...
Die Münzen der Rum-Seldschuken zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr sorgfältig geprägt und generell von hoher Qualität sind. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ...
... erscheint es mir sinnvoll, auf eine solche "Ausnahme" hinzuweisen:

http://www.zeno.ru/showphoto.php?photo=1419

Ich bin gern bereit, einige meiner Seldschuken hier vorzustellen, möchte aber - um keine Doubletten zu produzieren - erst einmal abwarten, was hier so einläuft.

Gruß klaupo

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Albert von Pietengau
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Fr 20.06.14 01:13

Hallo klaupo,

schön, dass sie Dir zusagt.

Ich muss gestehen, dass ich jetzt nicht ganz den Zusammenhang mit meinem Zitat verstehe: der Link zeigt eine reine Schriftmünze, die m. E. sorgfältig hergestellt wurde. Dass es sich um eine Fälschung handelt, hätte ich auf einem Bild wohl nie erkannt. Aber spätestens wenn man zwei oder gar noch mehr Bilder von nicht nur stempelgleichen, sondern auch noch schrötlingsgleichen Exemplaren zu sehen bekommt, ist alles klar.

Die Dinare der "Drei Brüder" z. B. sind allesamt auf beiden Seiten stempelgleich (Hordenfund), unterscheiden sich aber hinsichtl. Zentrierung, Prägeschwächen und Schröting. Und das ist der springende Punkt. Selbst wenn Dr. Lanz das von ihm angebotene Exemplar zu Gesicht bekommen hätte, könnte man ihm gar keinen Vorwurf machen. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass er von orientalischen Münzen nicht viel Ahnung hat. Aber ein offenes Ohr sollte man als Chef immer haben...

Solch dreiste und qualitativ hochwertige Fälschungen hier im Forum vorzustellen, halte ich für sehr, sehr wichtig.

Vielleicht macht ischbierra wieder einmal den Anfang mit einem "ehrlichen" Dirham oder Fals. Wenn nicht, werfe ich mich morgen oder übermorgen ins Geschehen. Gegen Doppelbildchen hätte ich generell nichts einzuwenden; schließlich stellen sie oft gute gegenseitige Ergänzungen dar (unterschiedl. Prägeschwächen).

Gruß
AvP
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von ischbierra » Fr 20.06.14 01:38

Na, bei einer so netten Aufforderung kann man ja gar nicht anders, als ihr nachkommen. Allerdings kann ich auch erst ab 1200 ein Stück beisteuern. Es ist ein Fals von Rukn al din Suleiman II. (1196-1204; 595-600); 7,2 gr.; Album 1205,2 (hatte mich vertippt)
Gruß ischbierra
Dateianhänge
1196-1204 Rukn al din Suleiman II., Fals. Alb 1205,2 (1).JPG
1196-1204 Rukn al din Suleiman II., Fals. Alb 1205,2 (2).JPG
Zuletzt geändert von ischbierra am Fr 20.06.14 12:33, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » Fr 20.06.14 11:47

Der Typ, den ischbierra vorgestellt hat, verträgt noch eine Feinjustierung. Sulayman bin Qilich Arslan begann seine Karriere als Emir von Tokat (AH 582-593 / AD 1186-1197.) Entsprechend tragen seine Münzen für diesen Zeitraum die Legende "al-malik al-qahir" (Album 1205.1, scarce, linkes Bild, AE Fals, ND, 6,59 g, 25x27 mm, NM). Von AH 593-600 / AD 1197-1204 bezeichnete er sich als "Selbstherrscher" und die Legende wurde entsprechend modifiziert - "al-sultan al-qahir" (Album 1205.2, rechtes Bild, AE Fals AH 59x, 7,4 g, 26x28 mm, NM).

Gruß klaupo
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592-600_AH_Sulayman_Malik_Sultan_n.jpg

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » Fr 20.06.14 15:29

Hier folgt nun mein ältester Herrscher der Rum-Seldschuken ...
Ghiyath ad-Din Kai-Chusrau I. (1192–1197 und 1205–1211)
Konnte die Reichseinheit (infolge der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204) wiederherstellen.
Musste 1197 seinem älteren Bruder Sulaiman (II.) weichen, stürzte aber 1205 dessen minderjährigen Sohn Qilitsch-Arslan (III.) und übernahm zum zweiten Mal die Herrschaft.
Eroberte 1207 Antalya.
... allerdings wohl nicht meine älteste Münze, denn sie stammt (vermutlich) aus seiner 2. Regierungszeit und zeigt ebenfalls den Reiter nach rechts zwischen zwei Sternen.

SELJUQ OF RUM. Ghiyath al-Din Kay Khusraw I bin Qilich Arslan. Second reign, AH 601-608 / AD 1204-1211. Æ Fals (21mm, 3,6 g). Horseman advancing right, two stars around / Legend. Album 1207.(?)

Die Erhaltung ist für diesen Typ überdurchschnittlich.

Gruß klaupo
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588-607_AH_Kilij_Arslan_Fals_NM_ND_n.jpg

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von ischbierra » Fr 20.06.14 16:39

Hallo klaupo,
sehr schöne Stücke; ich bin gespannt auf weitere.
Eine Frage am Rande: Weißt Du, warum in diesen Jahrzehnten um 1200 einige islamische Dynastien (Urtukiden, Ayyubiden, Zengiden, Rum-Seldschuken) vom bildlosen Gepräge abrückten?
Gruß ischbierra

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mo 23.06.14 22:43

Folgender Münzausschnitt zeigt die Arabeske eines Fals von Suleiman Shah als Malik von Tokat, die bei den späteren Münzen Suleiman's als Sultan von Rum (hier ein ziemlich großes Stück mit Grünspan und deutlichem Gusszapfen) meines Wissens nicht vorkommt.

Neben dem Reiter-Motiv gab es auch reine Schrift-Münzen, die um diese Zeit eher die Ausnahme waren.
Bei dem gezeigten Stück müsste es sich um einen Fals von Kay Kubad I. handeln.
Siehe http://www.zeno.ru/showphoto.php?photo=106371



Gruß
AvP



PS:
Von Schriftmünzen abzurücken, wäre auf jeden Fall eine gute Methode gewesen, den umstrittenen Kalifen an-Nasir nicht nennen zu müssen. "Leider fehlt dafür der Platz. Mashallah" :P Es gibt arabische Chronisten, die ihm Kontakte zu Dschingis Khan und so die Einleitung der Mongolen-Invasion vorwarfen. Also eine Verschwörung der Hellseher. :wink:
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K800_Sulaiman_Tokat.JPG
K800_Sulaiman_Tokat.JPG (11.36 KiB) 2785 mal betrachtet
K800_Suleiman Shah R.JPG
K800_Suleiman Shah S.JPG
K800_RS1.JPG
K800_RS2.JPG
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am So 16.11.14 13:32, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Di 24.06.14 00:31

Noch ein Wort zum Suleiman: Was bei ischbi und klaupo oben fehlt, fehlt bei mir unten. Hoffentlich wird das jetzt nicht fehlinterpretiert. :mrgreen: Scherz beiseite: in solchen Fällen finde ich Dupletten sinnvol.

Nun wird es etwas genauer - aber nur etwas. :roll: :mrgreen:

Nach der schönen "Reiterei" von ischbierra und klaupo noch zwei pferd- und reiterlose Fals (unterschiedliche Typen) von Kay Kawus I. Ersterer in der Größe eines 2 Euro-Stücks, der danach gezeigte etwas kleiner. An Literatur habe ich zu diesen beiden Stücken leider nichts gefunden.



In der Folge stelle ich nur noch Stücke mit Lit.-Angaben und (falls vorhanden bzw. lesbar) Jahreszahl vor. Sollte ich wider Erwarten auch noch ein Lineal und passende Feingewichte finden, dann...

Bin ja schon weg. :oops:
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Di 24.06.14 13:01

Nachtrag:

Ich stelle nun doch noch meine Reiter-Münze von Kay Khosraw I. ein, da sie sich hinsichtlich der Legende von klaupo's Stück unterscheidet.
Bei "Anatolian Coins" ist besagtes Stück als UE 1727 gelistet: http://mehmeteti.150m.com/seljuqsofrum/UE1727.htm
Was "El-minnette lillah" bedeuten soll, entzieht sich meiner Kenntnis. "MINNETTE" klingt auch nicht arabisch. Der Rest müsste "Der gewaltige Sultan, Vater der Erroberung, Kay Khosrau, Sohn des Kilitsch Arslan" heißen.

Und das ist klaupo's Stück: http://mehmeteti.150m.com/seljuqsofrum/UE1010.htm (UE1010) mit vergleichsweise bescheidener Beschriftung. :wink:

An dieser Stelle möchte ich noch ein Zitat des streng nach der Sharia lebenden Sufi-Sheikhs Sheikh Nazim al-Qubrusi anbringen, den ich nicht nur wegen seinem Geschenk an den völlig verblüfften Cat Stevans (Yusuf Islam) - es war tatsächlich das Neue Testament! - sehr schätze, sondern vor allem wegen seiner einfachen, aber unglaublich in die Tiefe (des Herzens) dringenden Sprache:

"Everybody wants to be someone.
We ask to be no-one and nothing.
For as long as we are someone
we are not complete."


Und wenn man über diese Worte nachsinnt, erkennt man, dass sowohl die abrahamitischen Religionen als auch Buddhismus und Bhakti-Bewegung etc. allesamt dasselbe Ziel haben: das Ego oder das nafs (al ammara), wie die Sufis sagen, durch Gebet, Fasten und Meditationsmethoden so weit zum Verschwinden zu bringen, dass das wahre, alles umfassende "Ich", das im Islam respektvoll ER oder HU genannt wird, ins Bewusstsein zu dringen beginnt.

Die wahre Bedeutung von der auf fast allen islamischen Münzen zu findenden Inschrift "La ilahe ill Allah" ist demnach "Es gibt nichts außer IHM". Die Kalifen des "Erbkalifats" und Sultane hatten anstelle von HU lieber ANA eingestzt.

Ich sehe Christentum und Islam als die Versionen 1.2 und 1.3 des Judentums (1.1) an. Man muss aber nicht unbedingt die neueste Version haben, wie die Moslems i. A. glauben, um mit den einzelnen Anwendungen arbeiten zu können. ER ist nicht Bill Gates. :wink: ER unterstützt alle Versionen. Viel wichtiger als die neueste Version zu haben ist es, die Anwendungen richtig bedienen zu können.

Das alles hat zwar wenig mit Numismatik zu tun, aber es erscheint mir wichtig, es in Zusammenhang mit Islam und Kreuzfahrer zu erwähnen, umso mehr, als es immer mehr rücksichtslose Vollidioten gibt (siehe ISIS) :roll: , die meinen, es wäre Gottes Wille das Kalifat wieder aufleben zu lassen. Mit den Worten "Gott will es" haben bereits vor einem knappen Jahrtausend die Kreuzritter unglaubliches Leid angerichtet!
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K800_Kay Khosrau I.R.JPG
"Vater der Erroberung"
K800_Kay Khosrau I.S.JPG
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » Di 24.06.14 22:41

Diesen Exkurs finde ich sehr sinnvoll - unsere Münzen stehen ja nie im leeren Raum. Eine eindeutige Erklärung für das vermehrte Aufkommen von Bildmünzen in diesem Zeitraum ist mir allerdings auch noch nicht untergekommen. Für die Artuqiden gibt es allerdings mehrere Deutungsversuche.

Zu AvPs oberem Stück von Izz al din Kay Kawus I ibn Kay Khusru (607 - 616 AH / 1210/11 - 1219/20 AD) kann ich eine Literaturreferenz nachreichen: AE Fals, No mint or date, Obv. Caliph Al-Nasir, Rev. Seljuq Sultan, Mitchiner WOI 966.

Außer der Eroberung von Sinope ist zu Kay Kawus I. noch zu erwähnen, daß er seinen Bruder Ala ad-Din Kai-Qubad I. (1220–1237) in den Machtkämpfen, die auf den Tod des hier bereits erwähnten Vaters Kay-Chusrau I. in der Schlacht von Alashehir (1211 AD) folgten, nicht gleich umbringen sondern nur einkerkern ließ. Für das Reich der Rum-Seldschuken erwies sich diese "großherzige Geste" (?) als Glücksfall, denn unter ihm wurde das Reich der Rum-Seldschuken zur dominierenden Macht der Region. Auf den Münzen dokumentiert sich diese Machtposition u.a., daß sein Name nicht nur auf den eigenen Münzen, sondern auch auf denen der Anrainer (Kleinarmenien und Artuqiden) erscheint. Ich stelle hier drei solche Stücke nebeneinander.
Links: Hetoum I the Great, Armenians of Cilicia and Kay-Qubadh I, Seljuqs of Rum, no mint no date, AR tram, 23 mm, 2.88 g, Nercessian 319 var., Album 1214

Mitte: Seljuqs of Rum, Kay-Qubadh I, AR Dirhem AH 625 (1228/29 AD), Konya, 2,95 g, 24 mm, Album 1211, Mitchiner WOI 969

Rechts: Artuqids of Mardin, Nasir al-Din Artuq Arslan, Copper-Dirhem 634 AH, Obv. Facing bust, citing Seljuk of Rum Kay-Qubadh I, Rev. citing Caliph Al Mustansir. 30mm, 7.38 gm. Mitchiner WOI 1062

Leider läßt es sich nicht vermeiden, daß das eine oder andere Stück bereits in anderem Kontext gezeigt wurde.

Gruß klaupo
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01_Hetoum_Kayqubad_Nasir_n.jpg

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 25.06.14 10:38

Zunächst einmal vielen Dank für die Lit.-Angaben!

Mit eben solchen zu den folgenden Stücken habe ich mich leider zu weit aus dem Fenster gelehnt: das wären andere Orientalen gewesen. Selbstverständlich könnte ich für alle meine Stücke "Album so und so" angeben, aber das beträfe nur die interne Nummerierung, und damit ist (außer mir) niemandem geholfen. :P Mit Gewicht und Durchmesser ist es ohnehin Essig: werde wohl nie zum richtigen Numismatiker werden. :roll:

...was mich aber nicht daran hindern soll, mit der Präsentation der RS fortzufahren.

Zuerst gibt es eine Variante (mit Stern) von klaupo's Hethoum zu sehen, dessen Av. ich bereits unterschlagen wollte, da es gar nicht so einfach war, noch ausreichenden Kontrast zu erreichen. Was soll's, war auch ausgesprochen wohlfeil.

Danach folgen drei weitere Stücke von Kay Kobad, wovon das zweite wiederum eine Variante (mit Stern und tlw. anderen Schriftzeichen am Av.) von klaupo's ausgesprochen schönen 625er darstellt.

Ich denke, wir können dann zu den "Sternthalern" von Kay Khusraw II. oder KaiKhosrau II. - es existieren bei den Namen generell mehrere Formen - übergehen.


Anmerkung am Rande:

Angesichts des hier im Forum oftmals eingestellten Münzschrotts - kaum zu identifizieren und obendrein noch unscharf - würde ich mir hinsichtlich evt. Doppelpräsentationen wirklich keine Sorgen machen. Bei einer größeren Reihe von Bildern erfolgt natürlich der entspr. Link.
Dateianhänge
K800_P1120645.JPG
Hethoum I./Kay Kobad; o.J.
K800_P1120641.JPG
K800_P1120622.JPG
Kay Kobad; Sivas; 618 AH
K800_P1120624.JPG
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am Mi 25.06.14 18:03, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 25.06.14 10:56

Und die beiden späteren Ausgaben:


Bei dem zuerst gezeigten Stück von 623 h, das vom Händler fälschlicherweise als 625 h angeboten wurde, ist zu beachten, dass "thelath" ohne لا geschrieben wurde (Av. li.). Als Kalif wird az-Zahir genannt, der nur ein Jahr lang regierte.
Dateianhänge
K800_P1120626.JPG
Kay Kobad I.; 623 AH; Sivas
K800_P1120628.JPG
K800_P1120631.JPG
Kay Kobad I.; 630 AH; Konya
K800_P1120632.JPG
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am So 22.03.15 23:08, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 25.06.14 12:26

Zuerst der berühmte Sonne-Löwe-Typ von Kay Khosraw II. in seinen zwei am leichtesten zu unterscheidenden Ausführungen, von denen es wiederum einige Varianten gibt. Dann folgt ein bilingualer Tram von Hethoum I./ Kay Khosraw II. (637 AH) und der eingangs erwähnte Ayyubiden-Dirham von an-Nasir Salah ad-Din Yusuf II., dem letzten Sultan von Syrien (Aleppo), auf dem Kay Khosraw II. als "Overlord" genannt wird.
Dateianhänge
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Sivas; 638 AH (angeblich 639)
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Konya; 640 AH
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Albert von Pietengau
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 25.06.14 12:41

Wie bereits gesagt, glaube ich nicht so recht an eine Währungsallianz zwischen den Armeniern und den RS.
Dateianhänge
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KR. Kleinarmenien; Hethoum I./Kay Khosrew II.; 637 AH
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Ayyubiden; Aleppo; an-Nasir Yusuf II./Kay Khosrew II.; Jahr?
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