Der griechische Schaukasten

Griechische Münzen des Altertums

Moderator: Numis-Student

Altamura2
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Do 18.12.25 17:07

Lampsakos hat geschrieben:
Mi 17.12.25 17:06
...
An sonstiger Literatur gibt es wohl nur dies:
Inci Turkoglu, Civic coinage of Calchedon
...
Das ist allerdings nicht sehr nahrhaft, da wird im wesentlichen nur zusammengestellt, was andere schon gesagt haben :? .

Interessant wäre vielleicht noch Georges Le Rider, "Trésor de monnaies trouvé à Thasos", Bulletin de correspondance hellénique 80, 1956, S. 1-19: https://www.persee.fr/doc/bch_0007-4217 ... _80_1_2406
und "Sur le monnayage de Byzance au IVe siècle", RN 1971, S. 143-153: https://www.persee.fr/doc/numi_0484-894 ... _6_13_1012 .
Letzteres, da im vierten Jahrhundert v. Chr. die Münzprägung von Byzantion und Kalchedon so gut wie parallel verlief. Wenn man will, kann man dann auch noch in den Schönert-Geiss, "Die Münzprägung von Byzantion", Berlin 1970, schauen, auf das sich Le Rider in dem zweiten Artikel auch explizit bezieht.
Lampsakos hat geschrieben:
Mi 17.12.25 17:06
... Turkoglu gliedert einfach nach Incusa, so daß bei seiner Untergruppe S02b ...
"... bei ihrer Untergruppe S02b ...", İnci Türkoğlu ist eine Dame :D .

Gruß

Altamura

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Lampsakos
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Lampsakos » Fr 19.12.25 14:43

Altamura2 hat geschrieben:
Do 18.12.25 17:07
Wenn man will, kann man dann auch noch in den Schönert-Geiss, "Die Münzprägung von Byzantion", Berlin 1970
gibts sogar auch online:
https://edoc.bbaw.de/frontdoor/index/index/docId/2996

inclusive Katalog mit 1.300 Münzen ....

Da kann man sich nun also wochenlang hinein vertiefen, ob die Windmühlenflügel gekörnt, getupft oder gepunktet sind :P

Die Rückseiten meines kleinen Rinderstalls vom Bosporos:
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Chippi » Mo 29.12.25 21:17

Als Münze des Jahres bereits gezeigt, aber hier noch mal. Ich habe mich an der Feinbestimmung versucht.

Aspendos (Pamphylien), Stater, ca. 420-410 v.Chr.(?) (20,7-25,5mm; 10,57g)

Nach Tekin (https://nek.istanbul.edu.tr/ekos/TEZ/19522.pdf) müsste das Stück tatsächlich zur Gruppe 1 gehören, ebenso läuft bei mir die Legende von oben nach unten (wie bei Nr.2 unten im Bildteil). Jedenfalls gehört er zu den alten Ausgaben ohne Platz und Buchstaben zwischen den Ringern, auch hat ein Ringer ein Bein in der Hand und den Nacken in der Anderen und der Andere greift nach dem Bein und hält einen Arm.
Darüberhinaus trägt das Stück sogar drei Gegenstempel, darunter einen Triskeles (sicher in Aspendos gegengestempelt).
Der Typ sollte es sein: https://www.acsearch.info/search.html?id=14589925
Wie seht ihr das?

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Di 30.12.25 18:39

Chippi hat geschrieben:
Mo 29.12.25 21:17
... Als Münze des Jahres bereits gezeigt, aber hier noch mal. Ich habe mich an der Feinbestimmung versucht. ...
Da hast Du ein seltenes Stück erwischt, das wohl zu den allerersten Varianten dieser Serie gehört :D . Die Besonderheit ist nämlich der Schleuderer, der hier nackt dargestellt ist, auf späteren Exemplaren ist er sonst immer mit einem leichten Chiton bekleidet.

In Tekins Artikel "Aspendian 'Wrestlers' : an iconographic approach" aus dem Jahr 2000 wird auf diese Variante auf Seite 160 f. explizit eingegangen, auf Tafel XXVII wird ein Exemplar unter Nummer 2 abgebildet: http://www.persee.fr/doc/anatv_1013-955 ... t_12_1_956
(in der Dissertation findet man das als Abbildungen 12 und 13, auch dort wird darauf eingegangen).

Die Arbeit von Seltman, auf die Tekin dabei verweist, findet man dann hier: https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id= ... cf9x&seq=5

Gruß

Altamura
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von PfälzerMünze » Fr 16.01.26 12:53

Hallo,

ich möchte euch meine neuste Erwerbung zeigen:

Ein Cistophor aus Lydien, wohl 166-160 v. Chr.

Erworben über MA-Shops von einem deutschen Händler.

Gruß

PfälzerMünze
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von kijach » Fr 16.01.26 14:40

die wurde in Tralleis geprägt
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Fr 16.01.26 17:27

kijach hat geschrieben:
Fr 16.01.26 14:40
... die wurde in Tralleis geprägt ...
So, wie es auch draufsteht :D .

In F.S. Kleiner und S.P. Noe, "The Early Cistophoric Coinage", ANSNS 14 (1977), gehört die Variante hier mit dem Zeuskopf auf dem Revers rechts zur Serie 3 (manchmal gibt es da noch ein Szepter unter dem Zeuskopf), die dort auch mit 166-160 v. Chr. datiert wird: https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id= ... 313&seq=73

Eine weitere Referenz ist SNG Cop 636 und 637: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bd6t5370916p/f92.item

Gruß

Altamura

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von PfälzerMünze » Fr 16.01.26 20:33

@Altamura

Vielen Dank für die umfangreiche Info. Den Zeuskopf hatte ich noch gar nicht als solchen entdeckt. Wieder etwas gelernt!

Gruß

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Chippi » So 15.02.26 13:19

Dann zeige ich mal eine antike Münze, die ich auch der WMF gekauft habe. Erhaltung nicht überragend, aber sie schien mir interessant genug, um sie mitzunehmen. Das Stück erinnerte mich an die Ausgaben des paphlagonisch-pontischen Raumes unter der Herrschaft des Mithradates VI. Eupator, aber mit der Legende konnte ich nichts anfangen. Nun konnte ich das Stück bestimmen, nicht wertvoll, aber eine seltene Stadt (das erste Exemplar hier im Forum).

Pimolisa (Paphlagonien), AE21, Zeit des Mithradates VI. Eupator (120-63 v.Chr.)

AV: behelmter Kopf des Ares n.r.
RV: [ΠI]MΩ-ΛIΣΩN - Schwert in Scheide mit Tragegurt
SNG BM Black Sea 1352-3; HGC 7, 375; Sear 3681; BMC 13.37.1; 20,2-20,8mm; 7,20g

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » So 15.02.26 17:54

Chippi hat geschrieben:
So 15.02.26 13:19
... Dann zeige ich mal eine antike Münze, die ich auch der WMF gekauft habe. ...
Schöner Fund, die gehört zu den selteneren Ausgaben dieses Münztyps, findet man nicht so oft :D .
Chippi hat geschrieben:
So 15.02.26 13:19
... nicht wertvoll, aber eine seltene Stadt ...
Wobei in Pimolisa neben dem Typ hier noch genau ein weiterer geprägt wurde, die schwere Variante des mithradatischen Zeus-Adler-Typs: https://ikmk.smb.museum/object?id=18276700 . Danach kam von dort nie wieder etwas :? .

Eine richtige Stadt scheint Pimolisa nämlich nicht gewesen zu sein :| . François De Callatay schreibt dazu:
"Considering that some places like Pimolisa or Taulara were fortresses and not cities or even villages, I am inclined to think that these strikes too had nothing to do with municipal autonomy but were intended primarily to pay soldiers in garrisons"
(https://antikmuseet.au.dk/fileadmin/www ... o,-279,753)

Gruß

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Chippi » So 15.02.26 18:18

Ja, fand nur die Angabe "Befestigte Anlage, zur Zeit Strabos zerstört".

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Lampsakos » So 22.02.26 23:21

Altamura2 hat geschrieben:
So 15.02.26 17:54
Wobei in Pimolisa neben dem Typ hier noch genau ein weiterer geprägt wurde, die schwere Variante des mithradatischen Zeus-Adler-Typs: https://ikmk.smb.museum/object?id=18276700 . Danach kam von dort nie wieder etwas :? .

Eine richtige Stadt scheint Pimolisa nämlich nicht gewesen zu sein :| . François De Callatay schreibt dazu:
"Considering that some places like Pimolisa or Taulara were fortresses and not cities or even villages, I am inclined to think that these strikes too had nothing to do with municipal autonomy but were intended primarily to pay soldiers in garrisons"
(https://antikmuseet.au.dk/fileadmin/www ... o,-279,753)
Hier zeigt sich sehr schön, daß es eben ein Fehler ist, Polis als Stadt zu übersetzen, - es ist eine politische Einheit, gleich wie groß oder dorfhaft .... (und diese griechische "Idee" war so folgenhaft, daß wir immer noch keinen anderen Begriff dafür haben).
Pergamon war vor den Attaliden auch nicht viel mehr als eine Bergfestung, und doch haben sie im eigenen Namen Münzen geprägt (wenn auch nicht so viele wie andere Käffer in der Umgebung, die sich als Polis verstanden :wink: ).
Chippi hat geschrieben:
So 15.02.26 13:19
RV: [ΠI]MΩ-ΛIΣΩN
Der Gen. Pl. spricht doch sehr dafür, daß wir hier mit einer Bürgerschaft (= gr. Polis) zu rechnen haben (wobei ich allerdings nicht genau weiß, wie es darum in mithridatischer Zeit, also einem hellenistischen Königreich, stand).

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Lampsakos » Mo 23.02.26 19:43

Für Gorgonenfreunde zählt Parion (nach Apollonia Pontica) zu den bedeutenden Münzstätten, haben sie doch das Medusenhaupt zum Wahrzeichen ihrer Münzprägung gemacht. Neben den archaischen, etwas sonderbaren Drachmen gehören die Hemidrachmen aus dem 4. Jahrhundert zu den häufigsten Gorgonenmünzen. Ich hatte schon lange vor, mir eine zuzulegen, doch irgendetwas hielt mich immer davon ab: durch die sehr flächige, schematische Gestaltung wirkt das Gorgoneion meistens harmlos, oft sogar eher lächerlich (was natürlich auch anderswo vorkommt). Und erst die andere Seite (normalerweise das Avers): ein sich umwendendes Rind mit ganz unnatürlicher Streckung, wie ausgeklappt als wär's aus Pappmaché ...

Kurz, ich hatte fast schon eine Abneigung gegen den Münztypus entwickelt - so oft mit Interesse das Angebot angeschaut, aber dann den Kopf geschüttelt. Bis ich dann ein Exemplar sah, das mir auf Anhieb gefiel. Da hab ich sofort zugegriffen:

Parion+3---.jpg

Und ich habe es nicht bereut: die Münze ist - vielleicht nicht auf den ersten Blick deutlich - ziemlich gut erhalten, die flachen und "schrägen" Partien stammen schon vom abgenutzten Stempel. Aber vor allem ist es die leichte Blautönung, die dem flächigen Münzbild dennoch Tiefe gibt. Die Medusa schaut so eher grimmig als albern drein, und sogar das Rind hat einen gewissen Flair. Die 2.500 Jahre in der Erde haben das Münzbild in diesem Fall wohl verbessert! :P


Allerlei Wissenswertes über die Gorgoneia von Parion bei Ed Snible. Die Datierung dieses klassischen Typs wird allgemein nur als 400-300 v. Chr. angegeben, genauer geht's wohl nicht.
Es gibt dabei eine Fülle von verschiedenen Darstellungen der Gorgo, diese hier hebt sich heraus durch eine Stephane auf dem Kopf (ungewöhnlich, normalerweise tragen das nur Göttinnen oder hochgestellte Frauen), und darüber ein Monogramm in Form eines E, dessen Bedeutung unklar ist.

Unter dem Rind findet sich meistens ein Beizeichen, hier ein Kranz (der wohl mit dem Stephane-Typ gekoppelt ist).
Standardreferenz: BMC 38-39


Interessanterweise ist meine Münze mit Snibles Paradeexemplar wohl stempelgleich, und dieses wiederum stempelgleich mit Wheaton College Collection of Greek and Roman Coins 232. Na wenn das nichts ist! 8)

Bild

[Warum erscheinen eigentlich eingebettete Bilder von anderswo in voller Größe, während die eigenen nur als kleine Vorschau? Kann man das beeinflussen?]

Hier sieht man auch gut, daß es aufgerichtete Schlangen sind, die um die Haare tanzen.

Besonders instruktiv ist nun der unmittelbare Vergleich:
vgl+snible.jpg
Nebeneinander betrachtet zeigt sich, daß meine Münze mit einem schon stark abgenutzten Stempel geprägt wurde. Dem sind nicht nur die platten Wangen, die Risse um das linke Auge und die Zungenpartie zuzurechnen, sondern sogar auch die eingedrückte, leicht nach rechts verschobene Nase sowie das Stielauge rechts. Bei einer Göttin oder einem "schönen Gesicht" wäre das sehr störend, aber bei einer Gorgo ist es ganz passend, so macht sie einen herrlich abgefetzten Eindruck! 8)
IMG_20260211_+.jpg
Damit hat offenbar auch die Stempelabnutzung, oft ein Anlaß für Frust, bei meiner Münze zu einem interessanteren Gorgobild beigetragen! Durch passende Beleuchtung kann sie sogar gruselig schauen:
dunkel+.jpg

Genau umgekehrt ist es bei der Rinderseite, hier ist meine Münze mit einem deutlich besseren, frischen Stempel geprägt. Dadurch erhält das Viech mehr Kontur und "Leibhaftigkeit":

ewewew.jpg
Sieht auch stempelgleich aus, das kann aber natürlich nicht sein. Bei genauer Betrachtung zeigen sich auch leichte Unterschiede, v. a. beim Pi und Alpha. Also kommt bei meiner, klarerweise einiges später geprägten Münze auf dieser Seite wohl ein Nachfolgestempel zum Einsatz, den der gleiche Münzmeister zugleich mit dem ersten hergestellt hatte.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Lampsakos für den Beitrag (Insgesamt 2):
Arthur Schopenhauer (Mo 23.02.26 20:39) • Chippi (Mo 23.02.26 21:28)

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Di 24.02.26 15:44

Lampsakos hat geschrieben:
So 22.02.26 23:21
... Der Gen. Pl. spricht doch sehr dafür, daß wir hier mit einer Bürgerschaft (= gr. Polis) zu rechnen haben (wobei ich allerdings nicht genau weiß, wie es darum in mithridatischer Zeit, also einem hellenistischen Königreich, stand). ...
Ein bisschen Grammatik reicht da vielleicht nicht, um das zu klären :D .

In der Wissenschaft wird meinem Eindruck nach einhellig die Meinung vertreten, dass Pimolisa eine königliche Bergfestung war (die nach dem Ende des mithradatischen Reichs zerstört wurde).
Hier noch zwei weitere Beispiele, das Stichwort "Pimolisa" aus der Realenzyklopädie (https://elexikon.ch/RE/XX,2_1385) und von Lâtife Summerer der Artikel "Revisiting Strabo 12. 3. 40: Along the Amnias Valley toward Pompeiopolis, Pimolisa and Sandaracurgium" aus dem Jahr 2019 ( https://www.academia.edu/42702062/REVIS ... _2019_a_28).

Oder kennst Du Literatur, in der Pimolisa als Polis bezeichnet wird?

Gruß

Altamura

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Lampsakos » Di 24.02.26 16:30

Die Aufschrift ist doch gerade der Beleg, daß die Bewohner dieser Bergfestung sich als politische Gemeinschaft verstanden (und für die Münzprägung verantwortlich zeichneten).
Ich kenne mich in der Zeit nicht aus und weiß nicht, was das real bedeutet haben mag. Aber es ist sicher eine Fehlvorstellung, dies nur als Ortsangabe eines Gebäudekomplexes ("Burg" bzw. Garnisonsstandort) aufzufassen (gleich wie oft das von Gelehrten behauptet wird). Laut RE-Artikel hieß ja sogar die Region danach: Pimolisene (und chora ist das zu einer Polis gehörige Land).
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