Preisgestaltung bei Prägeschwäche

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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drakenumi1
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Preisgestaltung bei Prägeschwäche

Beitrag von drakenumi1 » Fr 03.04.09 22:15

Keine Sorge bitte, ich will hier nicht mit Geldbeträgen operieren. Aber die Frage, wie sich ein Preis einer Münze nach unten bewegt, wenn kleine, mittlere oder auch umfangreiche Partien (und meist sind naturgemäß ja Vs. und Rs. gleichzeitig betroffen) wegen zu schwachem Schrötling oder Prägedruck nicht völlig ausgeprägt sind.
Die Fragestellung kann möglicherweise auch nicht immer objektiv beantwortet werden, denn manchmal ist zwischen Prägeschwäche und Abnutzung nicht genau zu unterscheiden. Aber vernachlässigen wir letzteres mal und fragen beispielhaft für folgenden Republikaner C. Licinius L.f. Macer; Alb. 1237, in offensichtlich vz-Erhaltung:
Wenn man den Preis der völlig ausgeprägten Münze mit 100% ansetzt, mit wieviel % kann man die hier dargestellte prägeschwache (2 Stellen sind sichtbar) dann preislich bewerten?

Sicherlich haben kommerziell arbeitende Numismatiker unter uns dazu eine recht klare Vorstellung. Ich wenigstens habe keine. Ich bin eher geneigt, den Abschlag moderat anzusetzen, denn es handelt sich ja um einen "Mangel" im Prod.-Prozeß, und nicht um einen Verschleiß.
Wäre schön, auch von Euch einige Stücke hier zu sehen, mit Bewertungsvorschlägen und um diesbezügl. zu lernen ....

Danke für die folgende Beteiligung sagt

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Beitrag von kc » Fr 03.04.09 22:25

hi drakenumi,

bei diesem stück würde ich schätzen, dass man im vergleich zu einer "100%-münze" so 40-50% abschlag einplanen sollte. das avers ist ja wunderbar, aber das revers wäre mir persönlich zu abgewetzt als das ich mehr dafür bezahlen würde. da wäre es mir auch egal, ob die abnutzung nun tatsächlich durch abnutzung entstanden oder eine prägeschwäche ist.
sicherlich muss man auch berücksichtigen, dass der stempel den schrötling nicht zentriert getroffen hat,sodass ein teil der legende nicht mehr sichtbar ist.

grüße

kc
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Beitrag von drakenumi1 » Fr 03.04.09 22:31

Danke, kc,
Kann man evtl. nicht richtig erkennen, aber auch die Vs. weist solche "Leerstellen" auf (Mitte des Kopfes in den Haaren und im Nackenbereich). Und die Vokabel "abgewetzt" würde ich nicht verwenden, weil tatsächlich ja nichts abgewetzt (abgenutzt) ist, sondern nur nicht voll ausgeprägt.
Dies nur für evtl. andere Urteile.

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Beitrag von cepasaccus » Fr 03.04.09 22:37

Beim Wagenlenker ist es eine Praegeschwaeche (in Auktionskatalogen gerne Druckstelle genannt) wegen generell zu leichtem Schlag und dem auf der anderen Seite liegenden Kopf. Am Wagenrad und den Schultern koennte es ein hier zu duenner Schroetling oder ein schief gehaltener Stempel sein. Letzteres koennte auch mit Grund fuer den flauen Lenker sein.

valete
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Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 04.04.09 13:06

Ich denke, es kommt darauf an, wie sehr die Prägeschwäche den Gesamteindruck beeinträchtigt. Bei der oben gezeigten Münze zum Beispiel würde mich die Prägeschwäche auf der Vs. kaum bis gar nicht stören, da das Wesentliche wunderbar scharf abgebildet ist. Die Schwäche der Rs. fällt viel stärker ins Gewicht, da fast der ganze Wagenlenker weg ist.

Da man aber bei einer vz-Münze den hohen vz-Preis eben für die Vollkommenheit zahlt, wird der Preis einer solchen "vz mit Prägeschwächen"-Münze dann wieder in die Region einer "ss ohne Prägeschwächen"-Münze gehen.

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Beitrag von drakenumi1 » Sa 04.04.09 13:52

Danke für Eure Meinungen. Evtl. ist dieser Denar auch schon ein ziemlich extremer Fall und hinzu kommt noch meine (und möglicherweise auch Eure) Kenntnis, daß diese Liciniae recht häufig unter Prägeschwäche leiden, gut ausgeprägte Stücke daher seltener und besser bezahlt werden. Und dazu noch die exzentrische Prägung ...., das alles zusammen vergrößert den Preisunterschied zwischen vz und ss noch mehr. Sehr logisch und von mir nur unzureichend berücksichtigt Homers Bezugnahme auf die Bedeutung der geschädigten Prägedetails im Münzbild.
Ich mach's daher in einem zweiten Anlauf mal leichter (da nur eine Stelle und keine wesentliche Exzentrizität) und stelle Euch einen Republikaner des Clodius N.f. Turrinus von 42 v. Chr. vor, Alb. 1583.
Wieviel von 100 Prozent der voll ausgeprägten Münze würdet Ihr vergeben? Ihr braucht nur 4 Anschläge als Antwort, das reicht mir :wink: .
Dank von

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Beitrag von beachcomber » Sa 04.04.09 14:02

natürlich hängt es immer davon ab, wo die prägeschwäche auftritt.
aber mir soll's ganz recht sein, dass auch an antike münzen (fast) masstäbe wie bei modernen angelegt werden.
sonst hätte ich diesen netten augustus wohl kaum für 250 euro bekommen. :)
grüsse
frank
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Beitrag von cepasaccus » Sa 04.04.09 15:02

drakenumi1, hast du vielleicht auch die dazu passende 100%-Referenzmuenze mit Preis als Vergleich?

Wenn man deine letzte Muenze und eine perfekt zentrierte voellig ausgepraegte fuer den gleichen Preis angeboten bekommt, dann wird wohl jeder letztere nehmen. Bei welcher Preisdifferenz man die erstere nimmt haengt auch vom Preisniveau und der eigenen persoenlichen Finanzlage ab. Bei 20 EUR fuer 100% wird bestimmt jeder hier letztere waehlen, auch wenn erstere 5 EUR kostet. Bei 20000 EUR fuer 100% wird es sicher anders aussehen.

Ich habe keine Ahnung von Preisen, deswegen frage ich mich bei jeder Muenze ob sie MIR das wert ist. Ohne mehr ueber deine zuletzt gezeigte Muenze zu wissen waere fuer mich der einzige Grund diese zu kaufen die Praegeschwaeche, da ich das Muenzbild nicht besonders schoen finde.

vale
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Beitrag von drakenumi1 » Sa 04.04.09 16:04

cepasaccus hat geschrieben:drakenumi1, hast du vielleicht auch die dazu passende 100%-Referenzmuenze mit Preis als Vergleich?


Ohne mehr ueber deine zuletzt gezeigte Muenze zu wissen waere fuer mich der einzige Grund diese zu kaufen die Praegeschwaeche, da ich das Muenzbild nicht besonders schoen finde.

vale
:lol: Ne, ich sammle doch keine Qualitätsserien gewisser Typen.

:lol: Prägeschwäche als Kaufgrund, das hört man selten. Aber dafür war der Preis auch moderat. Die Stücke entstammen übrigens einem Aukt.-Lot mit ausschließlich solchen mehr oder weniger "geschwächten" Denaren, daher mein Interesse. Übrigens war darin auch ein Brutus, das Zugpferd für mich, mit einer Schwäche, die man nicht unbedingt sofort erkennt und die auch wegen der gewissen Flachheit der Rv-Prägung nicht sooo sehr negativ ins Auge fällt. Und weil hier immer fast ängstlich vermieden wird, von Preisen zu reden, habe ich gerechnet/geschätzt, daß das Stück etwa 140.- Eur. gekostet hat. Aber, Ihr wißt ja, wer einen Caesar hat, muß zwingend auch einen Brutus haben. Insofern (s. oben) war mir der Preis schon recht, wenn auch kein Schnäppchen.

Grüße von

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Beitrag von cepasaccus » Sa 04.04.09 16:13

Nachdem es mir gelungen ist die zweite Muenze zu bestimmen hier das IMO schoenste Exemplar bei CA:

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 61&Lot=256

Praegeschwaechten, die nur den Rand betreffen und leichte Dezentrierungen scheinen den Preis nicht negativ zu beeinflussen, wobei man bei der geringen Anzahl an Objekten schwer zu verallgemeinern ist. Hier ein Beispiel:

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 95&Lot=285

Bei beiden Beispielen sind die Haare Apollos und der Lorbeerkranz wunderbar ausgepraegt.

Vergleichbare Exemplare zu deinem kann ich nicht finden. Bei allen sind die Haare besser zu erkennen. Am naehesten kommt wohl folgendes Exemplar ran:

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 1&Lot=8429

Oben 280 - 300 EUR, hier 110 EUR. Also wuerde ich mal sagen, dass der Markt dein zweites Exemplar mit etwa 33 % bewertet.

valete
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Beitrag von cepasaccus » Sa 04.04.09 16:27

drakenumi1 hat geschrieben:
cepasaccus hat geschrieben:Ohne mehr ueber deine zuletzt gezeigte Muenze zu wissen waere fuer mich der einzige Grund diese zu kaufen die Praegeschwaeche, da ich das Muenzbild nicht besonders schoen finde.
:lol: Prägeschwäche als Kaufgrund, das hört man selten.
Ich hab mir neulich von Lanz eine "sehr schoene" sizilianische Bronze gekauft, auf der das Muenzbild fast nur noch zu erahnen war. Mein Grund: Beim Guss des Schroetlings waren die Formhaelften deutlich verrutscht, was man immer noch sehr schoen an der Muenze erkennt. Es sind solche Abweichungen, die etwas ueber die Herstellungstechnik verraten und sie fuer mich interessant machen. Z. B. kann man bei stark dezentrierten Praegungen den Rand der Stempelflaeche erkennen und weiss wie grosse diese war.

vale
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Beitrag von drakenumi1 » Sa 04.04.09 16:45

Darf ich das hier äußern? Du bist ein Schatz! (Sorry).
Herzlichen Dank für Deine Arbeit. Das gibt mir doch etwas Sicherheit bei der Bewertung. Übrigens im Klartext: Ich hatte bei aller Unsicherheit die Clodia mit 60.- Eur. bewertet.
Wir scheinen von der gleichen Welle getragen zu werden: Interesse an der Herstellungstechnologie, kurz, die technischen Aspekte hinter den antiken Münzen. Interessant. Ich bin da vorbelastet durch lange zurückliegende berufliche Tangenten.
Nochmals Dank!

Die Frequenz ist aber weiterhin frei für weitere Meinungen ...

drakenumi1
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