Geldumlauf

Griechische Münzen des Altertums

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cepasaccus
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Geldumlauf

Beitrag von cepasaccus » So 02.08.09 20:49

Wie war das denn damals, d. h. 500 bis 300 v. Chr., so mit den Umlaufgebieten?

Mein Eindruck ist, dass es Muenzen gab, die den Umlauf dominierten und ueberall akzeptiert wurden, z. Bsp. die Athenische Tetradrachme, die deshalb sogar nachgepraegt wurde. Eine vergleichbare Stellung, wenn auch ohne Nachpraegungen, scheinen die Aeginetischen Statere gehabt zu haben. Die sind teilweise richtig rundgeschliffen, so dass ich vermute, diese waren mehre Jahrhunderte im Umlauf.

Allerdings gab es wohl auch besondere Muenzfuesse, die darauf abzielten ein geschlossenes Umlaufgebiet zu erzeugen. Ein Beispiel faellt mir leider gerade nicht ein.

Wie schaut es mit der Akzeptanz der Silbermuenzen der vielen verstreuten Siedlungen aus, und wie mit den Bronzen? Bei Silbermuenzen koennte ich mir Vorstellen, dass man nimmt was man kennt und dann nach Gewicht. Bei den Bronzen koennte vielleicht genommen worden sein, was die richtige Groesse hat.

Gibt es Muenzhortfunde bzw. vielleicht auch mal einen mit einem Schiff versunkenen Geldbeutel, die ueber punktuellen Geldumlauf auskunft geben?

Ich hoffe mal, dass dazu mehr bekannt ist als zu den Monogrammen. :)

amabo vos
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quinctilius
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Beitrag von quinctilius » Mo 03.08.09 10:50

Hallo,
Münzhorte aus der fraglichen Zeit gibt es zuhauf. Der (!) klassische Münzhort aus der Zeit der Perserkriege ist der Asyut Hort aus Ägypten. Da siehst Du, was um 490-470 v. Chr. im Umlauf war: spätarchaische attische Tetradrachmen, Statere aus Aigina und aus Thasos, dazu kleinere Nominale aus Ionien und von der gesamten kleinasiatischen Westküste. Im 4./3. Jhd. v.Chr. dominieren dann attische Tetradrachmen und später die Alexander Tetradrachmen. Ich habe einen Aufsatz darüber inkl. einer Kartierung dieser Horte, wenn Du mir Deine E-Mail Adresse verrätst, schicke ich Dir den.

Nachtrag: zur Veranschaulichung hier die wichtigsten Leitwährungen im Geldumlauf des östlichen Mittelmeeres im 5./4. Jhd. v. Chr. - alles Stücke aus meiner Sammlung. Diese Geldstücke tauchen häufig in Münzhorten auf. Daneben existierten natürlich zahllose kleinere Nominale, die ich hier nicht abbilde.


Gruß
Quinctilius
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Beitrag von Peter43 » Mo 03.08.09 23:07

Römische Sesterzen waren noch bis zur Französischen Revolution im Umlauf! :D

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von cepasaccus » Di 04.08.09 14:32

Sicher, dass dies nicht auch griechische Bronzemuenzen waren? :)
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Beitrag von Peter43 » Mi 05.08.09 01:21

Ich weiß das nur von römischen Sesterzen. Es gab da mal einen Thread im Forum http://www.numismatikforum.de/ftopic8710.html

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von cepasaccus » Mi 05.08.09 08:39

Was ziemlich erstaunlich ist. Man geht bei Silbermuenzen davon aus, dass sich aufgrund von Hortung, Abnutzung und Verlust der Silberbestand etwa alle 35 bis 70 Jahre halbiert. Hortung mag bei Sesterzen nicht so das Problem gewesen sein, aber die Verlustrate wird vermutlich hoeher gewesen sein. Es wird sich also vermutlich nicht ueber den 70 Jahren Halbwertszeit bewegt haben. Bei 1500 Jahren heisst das, dass nur noch ein Zweimillionstel des roemischen Bestandes vorhanden ist.

vale
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Beitrag von Numis-Student » Mo 10.08.09 00:45

cepasaccus hat geschrieben:... Man geht bei Silbermuenzen davon aus, dass sich aufgrund von Hortung, Abnutzung und Verlust der Silberbestand etwa alle 35 bis 70 Jahre halbiert. Hortung mag bei Sesterzen nicht so das Problem gewesen sein, aber die Verlustrate wird vermutlich hoeher gewesen sein. Es wird sich also vermutlich nicht ueber den 70 Jahren Halbwertszeit bewegt haben. Bei 1500 Jahren heisst das, dass nur noch ein Zweimillionstel des roemischen Bestandes vorhanden ist.

vale
Moment,
Hortung nimmt diese Stücke aus dem aktuellen Geldumlauf, sie verschwinden nicht von der Welt !
Und diese Halbwertszeit darf auch nur für den Zeitraum der Zirkulation angenommen werden, was nach der Ausserkurs-Setzung noch vorhanden ist, schwindet nicht mehr so schnell.
Bei römischen Bronzen und Silberlingen liegt die Menge der erhaltenen Prägungen etwa bei 3 bis 5 % der Gesamtprägemenge, meine ich gelesen/gehört zu haben.
Schöne Grüße,
MR

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Beitrag von cepasaccus » Mo 10.08.09 08:22

Nein, sie verschwinden nicht von der Welt, aber sie sind fuer einige Jahrhunderte oder gar Jahrtausende wie vom Erdboden verschluckt. Und Bronzen sind vielleicht doch irgendwann mal von der Welt verschwunden.

Silbermuenzen schwinden nach Ausserkurzsetzung IMO noch schneller. Vor nicht sooo langer Zeit wurden doch Silbermuenzfunde einfach eingeschmolzen.

vale
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