Zeitgenössische Fälschungen?

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Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Fr 24.05.13 09:19

Sind dies zeitgenössische Fälschungen des preussischen 1/24 Talers 1782?

Die Stücke haben ja nur einen geringen Silberanteil. Aber diese Stücken sehen wie zu 100 Prozent aus Kupfer aus (möglicherweise früher versilbert). Auch ist der Stil des Monogramms sehr ähnlich und weicht von anderen Stücken ab. Oder ist die Münzstätte dafür verantwortlich?

http://www.ma-shops.com/bussopeus/item.php5?id=518
http://www.ma-shops.com/gaebler/item.php5?id=6024
http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... it=Ephraim (siehe Bilder oben und unten).

Danke für Eure Antworten!

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von Numis-Student » Fr 24.05.13 09:34

Hallo,
der von Gaebler ist sicher eine ZF, bei der anderen würde ich es aber auch vermuten.

Schöne Grüße,
MR

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Fr 24.05.13 10:12

Danke, Numis.!!!

Und hier ist noch ein Stück. Das Monogramm wirkt nicht so proportioniert (plus wohl leichte Versielberungsspuren erkennbar).
Dateianhänge
DEUPreußen24T1782AVkl.jpg
DEUPreußen24T1782REkl.jpg

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Fr 24.05.13 12:44

Was mich ein bisschen irritiert ist die Häufigkeit des Vorkommens. Z.B. ebay:

http://www.ebay.de/sch/i.html?_nkw=preu ... =1&_ipg=50

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von Numis-Student » Fr 24.05.13 13:26

Die sollen doch jetzt nicht alle falsch sein, oder ? ;)

1/24-Taler waren aber als täglich benötigte Münze in viel größeren Mengen geprägt als die großen Nominale. Auch heute sind wohl die 5- und 10-Euro-Scheine die täglich gebrauchten Wertstufen, 500, braucht man (zumindest ich :() deutlich seltener...

MR

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Fr 24.05.13 15:00

Nein. Aber von den 14 Stück könnten 3 (plus) aus Kupfer sein (Bilder können sehr täuschen...).

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von fareast_de » Fr 24.05.13 18:48

"Um unbemerkt Scheidemünzen zu prägen zwecks hohem Münzgewinn, wurden mit alten Stempeln bis 1807 Groschen ... in z.T. riesigen Mengen nachgeprägt. Dabei benutzte man in der Hauptsache Stempel der 1/24 Taler von 1782 und 1783. Der dadurch eingetretene Überfluß an Scheidemünzen, besonders in der Mitte, in den Zentralprovinzen wie der Kurmark, Pommern und Magdeburg, in welchen fast der gesamte Zahlungsverkehr in Scheidemünzen abgewickelt wurde, verführte zur Falschmünzerei.
... Die Zentren der Falschgeldherstellung lagen in England (London und Birmingham). Aus diesem Grunde war es für Preußen... sehr schwierig, ja nahezu unmöglich, dagegen einzuschreiten. Trotz aller Vorstellungen war die englische Regierung nicht zu Verhaftungen der Urheber zu bewegen.
Die Falschmünzen kamen ungeachtet aller Vorsorgemaßnahmen in Massen ins Land. So war z.B. eine konfiszierte Sendung falscher Groschen als Knopflieferung deklariert.
Von den damaligen Aktivitäten zeugen die auch heute noch massenweise vorkommenden falschen Stücke vom 1/24 Taler der Jahre 1782 bis 1786." (Zitat ex E. Neumann: Brandenburg- preußische Münzprägungen 1415-1918, Köln 1997).

Echte 1/24 Taler erkennt man i.d.R. an ihrem eindeutigen, silbrigen Billoncharakter, während Fälschungen fast immer aus oberflächenversilberten Kupferlegierungen bestehen. Die Stücke sind sowohl als Originale wie auch als Fälschungen immer noch reichlichst am Markt und auch in den Wühlkisten gut sortierter Anbieter zu finden.

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Fr 24.05.13 20:10

Lieber fareast, vielen Dank für das Neumann Zitat und für die Mühe, es abzutippen!!!!!

EDIT: Stammen aus GB auch die falschen 1/3 Taler insbesondere die von Friedrich II?

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von fareast_de » Sa 25.05.13 19:25

Gute Frage. Das wäre etwas für den forschenden Numismatiker (Numis- Student ? :wink: ), mir sind ad hoc darüber keine Abhandlungen im Gedächtnis. Ich gehe aber mal davon aus, daß die noch immer reichlich anzutreffenden zeitgenössischen Fälschungen von preußischen Doppelgroschen und Dritteltalern Friedrichs II. sowohl aus Hinterstübchenwerkstätten als auch von professionellen Einrichtungen stammen. Zu dieser Erkenntnis komme ich aufgrund der sehr unterschiedlichen Stempelqualitäten dieser Fälschungen. Offizielle Abhandlungen aus der Zeit mit Nennung von Roß und Reiter dürften eher selten vorkommen. Ich meine, mal ein Edikt aus der Zeit Friedrich Wilhelms I., also aus der Zeit vor 1740, gesehen zu haben.
Wie bereits erwähnt, ein dankbares Gebiet für den forschenden Numismatiker.

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von Numis-Student » Sa 25.05.13 19:29

ich bin zumindest momentan mit der Diplomarbeit und einem Werkvertrag voll ausgelastet...

aber Fälschungen sind ja prinzipiell eins meiner Interessenfelder, also vielleicht etwas für die Zukunft ;)

MR

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von züglete » So 26.05.13 16:29

Hallo zusammen

Die von Busso schätze ich unabhängig von der Farbe aufgrund der guten Prägequalität(von der ss-Bewertung abgesehen 8) ) als echt ein.
Die Jahrgänge 1782-und 83(in zwei Jahrzehnten nach 1786) wurden vor allem in Birmingham massenhaft gefälscht. Auch eine Gewichtsmessung macht wenig Sinn, weil es selbst bei den als echt geltenden Stücken grosse Unterschiede gibt.
Anhängend Folgendes: http://www.smb.museum/ikmk/tablett.php? ... &start=616
Von 1/3-Taler Fälschungen grossen Ausmasses in England ist mir nichts bekannt, eher von den Hinterstüblern, welche aber leicht zu erkennen sind.
Zur Bestimmung von Billonmünzen anhand ihrer Färbung habe ich heute eine Anfrage an einen bekannten Physiker gerichtet, der sich ausschliesslich mit Metallen und dessen Legierungen beschäftigt. Eine Antwort dazu(ich hoffe doch) erwarte ich nächste Woche.
Schönen Tag noch
MS

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von züglete » So 26.05.13 16:36


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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Mo 27.05.13 11:46

Danke für Eure weiteren Kommentare.

Ich habe einmal wegen zügeltes Beitrag eine Anfrage im Römerforum gestartet:
http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... start=1785

Unter Commodus (180-192) lag der durchschnittlche Feingehalt einer Tetradrachme aus Alexandria bei 7,16%. Unter Severus Alexander (222- 235) dürfte er vermutlich noch einmal gefallen sein.

Die Preussen Groschen sollen einen Feingehalt von ca. 20% haben (lt. eines Forumskollegen, korrekt?). Dies dürfte sich wohl auch auf das äußere Erscheinungsbild niederschlagen?!
Zuletzt geändert von *EPI* am Mo 27.05.13 14:14, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Mo 27.05.13 11:59

Nachtrag:

Claudius Tetradrachmen soll der durchschnittliche Feingehalt bei 22,5% liegen:
http://www.acsearch.info/record.html?id=569198
http://www.acsearch.info/record.html?id=569199
http://www.acsearch.info/record.html?id=565122

Bei Nero im Jahr 57 bei 19,5%
http://www.acsearch.info/search.html?se ... c=&a=&l=#2

Äußerlich ist da schon ein deutlicher Unterschied zu den Tetradrachmen von Severus Alexander. Der Feingehalt entspricht in etwa dem der preussischen Groschen.

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Re: Zeitgenössische Fälschungen?

Beitrag von *EPI* » Mo 27.05.13 14:12

Invictus hat diesen Link gepostet: http://elearning.unifr.ch/antiquitas/no ... php?id=320

Unter Severus Alexander 6,84% - also ca. ein Drittel im Vergleich zu den preussischen Groschen.

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