Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Mo 05.09.05 14:49

„Sauerei“

Heute soll mal wieder ein Exkurs in den Gründungsmythos Roms unternommen werden, wie man ihn in Vergils Aeneïs nachlesen kann. Es geht hier um die Lavinische Sau bzw. die Laurentische Wildsau, die für Aeneas das Zeichen war, daß er die für die Gründung seiner Stadt, nämlich Laviniums, richtige Stelle in Latium gefunden hatte. Er fing das Tier ein und opferte es mitsamt seinen dreißig Frischlingen den Göttern.

Laut Vergil hatte Helenus, der Sohn des Priamus, seinen Landsmann Aeneas, der ihn in Epirus aufgesucht hatte, folgendermaßen instruiert:

Zeichen künde ich dir: bewahr sie tief im Gedächtnis:
Wo dir Sorgenzerquältem am Wasser einsamen Stromes
Einst eine riesige Sau sich zeigt: unter Eichen am Ufer
liegt sie, dreißig Frischlinge hat sie soeben geworfen,
weiß am Boden gestreckt und weiß um die Euter die Ferkel,
dort ist der Platz für die Stadt, ist sichere Rast von der Mühsal.
Schaudre auch nicht vor künftigem Biß in die Tische der Mahlzeit*:
Schicksal findet den Weg, dir hilft, den du anrufst, Apollo.

(Aeneïs 3.388 – 3.395)

*Der „Biß in die Tische“ bezieht sich auf einen Fluch der Harpyen, die Aeneas und seinen Gefährten geweissagt hatten, daß sie dereinst vor Hunger die Tische anbeißen würden. Als nun am Tiberufer die Trojaner am Schluß der Mahlzeit auch noch die Teigfladen aufzuessen begannen, auf denen die anderen Speisen gelegen hatten, rief Ascanius, der Sohn des Aeneas: „Wir essen ja unsere eigenen Tische!“ So hatte sich also die Prophezeiung der Harpyen auf eine unverhofft glückliche Weise erfüllt, und Aeneas wußte, daß er endlich sein Ziel erreicht hatte.

Wie lebendig diese Gründungsmythen im römischen Bewußtsein waren, zeigt neben den vielen Münzzitaten der Wölfin mit den Zwillingen Romulus und Remus und den Verweisen der republikanischen Münzmeister auf ihre angebliche Abkunft von Gestalten aus der Welt der römischen Sagen und Legenden auch dieser recht seltene As des Antoninus Pius.

ANTONINUS PIUS 138 – 161
AE As Rom 143/144
Av. ANTONINVS AVG PIVS P P TR P COS III - Belorbeerter Kopf rechts
Rv. IMPERATOR II - S C (im Abschnitt) - Die Lavinische Sau nach rechts unter einem Baum sitzend und vier Ferkel säugend; vor ihr zwei weitere Ferkel
RIC 733; C. 450 (11,39 g)

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Di 06.09.05 19:20

@Chinamul:

Beziehen sich alle Darstellungen einer Sau auf diesen Mythos? Mich interessieren dabei besonders die Säue bei Vespasian oder Titus. Allerdings haben die keine 30 Ferkel bei sich und sitzen auch nicht unter einem Baum.

MfG
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Beitrag von chinamul » Di 06.09.05 19:55

@Peter43

Deine Frage nach dem mythologischen Bezug der anderen Schweinedarstellungen kann ich leider nicht beantworten. Im Falle des Antoninus-Pius-As scheint mir die Tatsache, daß er auf seinen Münzen auch mehrfach die Wölfin mit den Zwillingen abbilden läßt, das Hauptargument für die Annahme zu sein, daß es sich hier tatsächlich um die Lavinische Sau handelt.
Im einleitenden Text zu den Münzen Vespasians heißt es im RIC (p. 7 oben) dann allerdings:
"The exact reference of the Sow and pigs and Shepherd types is obscure. The She-wolf and twins is a natural echo of the foundation legend of Rome."
Fazit demnach: Genaues scheint zu diesem Thema nicht bekannt zu sein.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Mi 07.09.05 01:20

Veiovis und Amalthea

Weil Chinamul mit seinem letzten Beitrag in die Frühgeschichte Roms zurückging, will ich hier auch eine Münze vorstellen, deren Motiv weit in die Vorzeit zurückgeht und deshalb auch nicht endgültig geklärt ist. Es ist ein Denar des Münzmeisters Mn. Fonteius aus dem Jahr 85 v.Chr.:

AR - Denar, Rom, 85 v.Chr.
Av.: belorbeerter Kopf des Apollo Vejovis n.r., dahinter MN FONTEI,
Blitzbündel darunter, CF unter Kinn
Rv.: geflügelter junger Genius reitet auf einer Ziege n.r., die Mützen der
beiden Dioskuren re. und li. daneben, mit Sternen dekoriert,
darunter Thyrsusstab, alles in einem Lorbeerkranz.
Crawford 353/1d; Sydenham 724b; Fonteia 11
SS, hübsche Details der Ziege

Der Revers imitiert eine Statue im Tempel des Vejovis in Rom, die den jungen Genius zeigt, wie er die Ziege Amalthea reitet. Amalthea hatte der Sage nach auf dem Berge Ida auf Kreta Jupiter gesäugt. Aus ihren Hörnern soll dann das Cornucopiae entstanden sein.

Die Gestalt des Vejovis ist sehr geheimnisvoll. Die ausführlichste Erklärung habe ich bei beim berühmten Wissowa (RE) gefunden, in seinem Artikel 'RELIGION UND KULTUS DER RÖMER, München 1912, p. 236-238':

Genau in der Mitte zwischen den Lemuria und den Carnaria notiert die alte Festtafel am 21. Mai ein agonium, welches nach der Beischrift der Fasti Venusini (CIL I,2 p. 318) dem Gotte Vediovis galt; obwohl dieses Zeugnis vereinzelt dasteht, verdient es doch Glauben, da die Zugehörigkeit des Gottes zum ältesten Kultus ausser Frage steht und die Lage des Festes sehr wohl zu dem wenigen passt, was sich sonst über die Bedeutung des Gottes ermitteln lässt. Der Name, der in den Formen Vediovis, Vedius, Veiovis auftritt, kennzeichnet ihn deutlich als das Gegenbild des Diovis, Dius, Iovis, also des Himmelsgottes, und wenn er in der Devotionsformel bei Macr. S. III 9, 10 zusammen mit den di manes angerufen wird, so weist das mit Bestimmtheit auf einen Unterweltsgott hin; wahrscheinlich ist auch der von Dion. Hal. II 10, 3 mit Zeus katachtonios wiedergegebene Gott, dem nach einem auf Romulus zurückgeführten und auch in die Zwölf Tafeln aufgenommenen Gesetze der Frevler gegen die Satzungen des Clientelverhältnisses verfallen war, kein andrer als Vejovis. Die offenbar bereits in einer jüngeren Fassung vorliegende Devotionsformel nennt vor Vejovis und den Manen den griechischen Unterweltsgott Dis pater, der hier noch neben Vejovis steht, bald aber diesen derartig verdrängt und ersetzt hat, dass die augusteische Zeit über Wesen und Bedeutung des alten Gottes völlig im Unklaren war und sich in den verschiedensten Vermutungen darüber erging. Während sich ausserhalb Latiums keine Spur seiner Verehrung findet und das einzige ausserrömische Denkmal der bei Bovillae gefundene, von den genteiles Iuliei dem Vediovis pater geweihte Altar ist (CIL I 807 = XIV 2387), erhielt der Gott in Rom am Anfange des 2. Jahrh. v. Chr. fast gleichzeitig zwei Tempel: der eine, von L. Furius Purpureo in seiner Praetur 554 = 200 gelobt und während seines Consulates 558 = 196 begonnen, lag auf der Tiberinsel und wurde am 1. Januar 560 = 194 eingeweiht; der andre, in der Einsattelung zwischen Capitol und Burg inter duos lucos gelegen, wurde 562 = 192 gestiftet und beging das Fest seiner Gründung am 7. März. In dem letztgenannten Tempel befand sich eine Statue des Gottes aus Zypressenholz, die ihn in jugendlicher Bildung, mit Pfeilen in der Hand und mit einer Ziege zur Seite darstellte: indem man sich dabei der griechischen Erzählung von der Aufnährung des jugendlichen Zeus durch die Ziege Amaltheia erinnerte und den Namen Ve-iovis nach Analogie von vegrandis, vescus u. a. erklärte, deutete man den Gott als einen "kleinen Juppiter", während das Bild in der Tat einen Apollo, und zwar als Todesgott mit den verderbenbringenden Pfeilen ausgerüstet, darstellte, die Ziege aber aus dem römischen Vorstellungskreise heraus beigegeben war; denn dass die Ziege den Römern als ein Tier der Unterirdischen gilt, geht aus der Ritualvorschrift hervor, nach welcher der Flamen Dialis eine Ziege ebensowenig berühren oder nennen darf, wie eine Leiche oder Bohnen. Dieselbe Gleichsetzung des Totengottes mit Apollo begegnet auch bei dem auf dem Berge Soracte bei Falerii verehrten Gotte, der ursprünglich wahrscheinlich ohne Eigennamen schlechthin Soranus pater hiess, dann aber nicht nur in der Literatur, sondern auch im Gottesdienste als Apollo bezeichnet wurde, während andre ihn vielmehr durch den Namen Dis pater erklärten: der seinem Kulte eigentümliche Sühnritus, dass die Priester des Gottes, die bestimmten Familien der Gegend entnommen wurden und den Namen hirpi d. i. Wölfe führten, mit nackten Füssen über glühende Kohlen schritten, bestand noch in der römischen Kaiserzeit.

Mit freundlichem Gruß
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Zuletzt geändert von Peter43 am Mi 07.09.05 12:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von chinamul » Mi 07.09.05 11:21

Hochinteressanter Beitrag!

Das Bild des "Ziegenrittes" wird übrigens sehr viel später noch einmal aufgenommen durch Gallienus für seinen Sohn Valerian II. In diesem Falle reitet kein Genius, sondern der Rv.-Legende zufolge der "heranwachsende Jupiter", mit dem hier wohl der junge Caesar gemeint ist. Er verstarb aber schon als Knabe um 257/258, womit wir nach den Augustusenkeln Gaius und Lucius ein weiteres Beispiel für Hoffnungen haben, die nicht in Erfüllung gehen sollten.

VALERIANUS II Caesar 253 – 255
AR Antoninian Lugdunum 255
Av.: VALERIANVS CAES - Drapierte Büste rechts mit Strahlenkrone
Rv.: IOVI CRESCENTI ("(Gewidmet) dem heranwachsenden Jupiter") - Kindlicher Jupiter auf Ziege nach rechts reitend
RIC 3 (J. R.); C. 26 (3,38 g)

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Mi 07.09.05 13:00

@Chinamul:

Ich vermute, daß man zur Zeit des Gallienus die Bedeutung der Ziege bereits nicht mehr richtig kannte. Auch früher schon war ja die Interpretation der Ziege als Amalthea eher ein Zeichen dafür, daß die ganze Vorgeschichte mit dem Totenkult bereits in Vergessenheit geraten war. Der Interpretation durch 'den jungen Juppiter' widerspricht die Bezeichnung des Vejovis im Gentilkult der Julier in Bovillae als 'pater', als der er in den ältesten Zeugnissen gilt. Die Ziege war also ein Symbol des Todes und spielte im Totenkult eine große Rolle. Auch die Devotion war ja eine Anrufung der Todesgötter, bei denen der Feldherr sich (und sein Heer) dem Tode weihte, wenn sie ihm dafür den Sieg schenkten. Und diese Devotion fand auch im Namen des Vejovis statt.

Heute nimmt man an, daß Vejovis erst nach der Umgestaltung des Juppiterkultes (im Sinne der Olympier) von Juppiter unterschieden wurde, wobei er den Namen Jovis beibehielt. (DKP)

Hier noch ein republikanischer Denar des L. Julius Bursio, auch aus dem Jahr 85 v.Chr., der auf dem Avers ein Portrait des Apollo Vejovis trägt, nicht nur belorbeert, sondern auch geflügelt, und mit Dreizack. Auf der Rückseite Nike in Quadriga n.r. und mit Kranz in der ausgestreckten Hand (Crawford 352/1a; Sydenham 728). Diese Münze zeigt die enge Beziehung, die die gens Iulia mit dem Kult des Vejovis verband.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von chinamul » Fr 09.09.05 17:57

Und noch einmal:

Nero, der Kunstfreund

Im Jahre 60 ordnete Nero die erstmalige Veranstaltung der nach ihm benannten Neronia an. Es handelte sich dabei um mehrtägige Wettkämpfe in mehreren künstlerischen Disziplinen wie Gesang, Instrumentalmusik, Dichtung und Redekunst. Den ersten Preis bei diesem ersten Wettkampf errang ein gewisser Lucanus, ein Neffe Senecas, mit seinen laudes Neronis, einem Lobgesang auf den Kaiser. Obwohl er erst zwanzig Jahre alt war, ließ er ein großes Talent erkennen, so daß Nero ihn in sein Haus aufnahm, weil er sich von ihm Anregungen für seine eigenen künstlerischen Bemühungen versprach. Schon nach einigen Jahren aber fiel der junge Mann in Ungnade, weil Neros Eitelkeit dessen weitaus größeres Talent nicht ertrug.
Die Neronia als certamina quinquennalia, also als eigentlich fünfjährlich abzuhaltende Wettbewerbe, waren in Wirklichkeit aber wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre fällig, da die Römer bei ihren Jahreszählungen die Eins immer mitzählten. Allerdings war den Neronia nur eine einzige Wiederholung beschieden.

NERO 54 – 68
AE Semis Rom nach 60
Av.: NERO CAES AVG IMP - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: CER QVINQ ROM CO - S C (im Abschnitt) - Tisch mit Flachrelief zweier gegeneinanderstehender Greifen als Vorderseite, auf dem Tisch links S (Wertbezeichnung), rechts Kranz, dazwischen Vase; an das vordere rechte Tischbein gelehnt ein Rundschild
RIC 231 (4,17 g)

CER QVINQ ROM CO = CERTAMEN QVINQVENNALE ROMAE CONSTITVTVM = „Ein fünfjährlicher Wettkampf zu Rom ist festgesetzt.“ Vielleicht besser, wenn auch grammatisch weniger genau: „Einrichtung eines alle fünf Jahre in Rom abzuhaltenden Wettkampfes“

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Sa 10.09.05 02:53

@Chinamul:

Künstler auf dem Thron oder als Führer großer Völker kommen ja öfter vor, seien es Sänger, Maler oder Schauspieler. Nun habe ich mal gelesen, daß Nero eigentlich gar kein so schlechter Sänger oder Schauspieler gewesen sein soll. Ich weiß leider nicht mehr wo! Wenn das stimmte, dann hat ihn das Schicksal verhängnisvollerweise vielleicht nur auf den falschen Platz gestellt?

MfG
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Marc
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Beitrag von Marc » So 11.09.05 09:09

Peter43 hat geschrieben:Nun habe ich mal gelesen, daß Nero eigentlich gar kein so schlechter Sänger oder Schauspieler gewesen sein soll. MfG
Nero war auch kein schlechter Herrscher. Er hat meist fähige Leute das politische Tagesgeschäft machen lassen. Insbesondere die ersten Jahre seiner Herrschaft gelten als eine der Blütezeiten Roms. Und in zeitgenössischen Quellen, vor der Christianisierung, kommt er recht gut weg.
Nur in die, nennen wir es mal 'Kulturpolitik', mische er sich stärker ein, was seinen Ruf heute ausmacht. Er verbot das blutige hinmetzeln von Menschen zur Belustigung anderer, was seinen Ruf in der 'Brot und Spiele Stadt Rom' insbesondere beim Stadtpöbel ruinierte. Dann brannte Rom, und es war nicht Nero der es anzündete. Die Anhänger einer Sekte tanzten durch die Straßen , feierten den Brand als beginnenden Weltuntergang und ihre Erlösung. Viele dieser Sekte behaupteten sogar das Feuer käme von ihrem Gott oder sie hätten es gelegt.
Die Berater Neros empfahlen ihn in der Krisensituation sich beim Volk wieder beliebter zu machen, damit es keinen Aufstand gäbe ( siehe Fluthelfer Schröder vor 3 Jahren im Vergleich zu Bush, also gar nicht so dumm ). Nero lies Rom schöner aufbauen als es zuvor war, und machte einen Kompromiss in der Kulturpolitik. Die Sektierer die sich der Brandstiftung selbst beschuldigen dürfen wieder zur Belustigung der Massen hingerichtet werden. Die Zahl der Christen welche unter Nero 'den Löwen vorgeworfen wurden' war übrigens gar nicht so groß.
Nur zu dumm das ausgerechnet diese Sekte später so mächtig wurde, das die Geschichtsüberlieferung in ihren Händen lag ( siehe Klöster im Mittelalter ) ;)

Das lernte ich jedenfalls damals bei den Althistorikern, Quellenangaben hab ich auch vergessen.

Grüße Marc

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Beitrag von chinamul » So 11.09.05 19:44

@Peter43 & Marc

Man darf bei der Beurteilung von römischen Kaisern nicht vergessen, daß wir dazu fast ausschließlich auf Berichte antiker Geschichtsschreiber angewiesen sind, die als Zeitgenossen entweder vom Wohlwollen des jeweiligen Herrschers abhängig waren – wobei die Verbannung aus Rom noch eine der harmloseren Strafen für unbotmäßige Berichterstattung war – oder aus einer größeren zeitlichen Distanz wiedergaben, was auch ihnen nur vom Hörensagen bekannt war. Dabei kamen oft mehr Geschicht(ch)en als Geschichte heraus, mehr Klatsch und Anekdoten als harte historische Fakten.
So sind die Berichte der Chronisten allesamt mit größter Zurückhaltung zu betrachten. Es liegt auf der Hand, daß an den weniger angenehmen Herrschern nach ihren Ableben kaum ein gutes Haar gelassen wurde, während die maßvolleren im Nachhinein regelrecht verklärt und durch Restitutionsprägungen immer wieder geehrt wurden. Besonders das Mittelalter war, wie Marc schon ausführte, dadurch gekennzeichnet, daß die Kaiserviten von einer christlichen Warte aus betrachtet und in teilweise krasser Weise umgefälscht wurden (s. Beispiel Nero, aber auch Constantinus I).
All diese Unwägbarkeiten schließen aber nicht aus, daß wohl jeder von uns Sammlern einen Favoriten unter den Kaisern hat, den er mehr als die anderen schätzt. Bei mir ist das der Grübler und Pflichtmensch Antoninus Pius, nicht zuletzt auch deswegen, weil bei der Bestimmung seines Nachfolgers seine Wahl auf den nicht weniger schätzenswerten Marcus Aurelius fiel, vor allem aber wegen seiner würdevollen Porträts. Vielleicht macht der unten abgebildete posthume Sesterz deutlich, was ich damit meine.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Fr 16.09.05 22:23

PAX FVNDATA CVM PERSIS

Heute möchte ich eine Münze vorstellen, die für einen der umstrittensten Kaiser des römischen Reiches geprägt wurde. Es handelt sich um Philipp I. Arabs. Einerseits wird er dargestellt als Sohn eines arabischen Scheichs, nach Edward Gibbon also ein Räuber, und als machtgieriger Prätorianerpräfekt der Mörder des bei den Historikern beliebten Gordian III. Andererseits soll er nach Eusebius der erste christliche Kaiser Roms gewesen sein. Dies Gerücht ist aber wohl falsch und aus dem Gegensatz zu Trajan Decius zu erklären, unter dem grausame Christenverfolgungen begannen. Er scheint die Christen eher toleriert zu haben. Es wird gesagt, daß er ein Anhänger der Stoa gewesen sein soll, und er soll alles getan haben, um Ungerechtigkeiten und Übergriffe der Verwaltung zu bekämpfen. Eine Reihe seiner Gesetze zur Stärkung der Bürgerrechte fanden später Eingang in den Codex Iustinianus.

Philip I. Arabs 244-249
AR - Antoninian, 5.10g, 22mm
Antiochia 247
Av.: IMP CM IVL PHILIPVS PF AVG PM
drapierte und cuirassierte Büste mit Strahlenkrone n.r.
Rv.: PAX FVNDATA CVM PERSIS
Pax n.l. stehend, hält Olivenzweig und Querzepter
RIC IV/3, 69; C.113
Selten, fast VZ

Diese Münze ist eine der etwas selteneren des Philipp I. Allerdings ist sie in den letzten 10 Jahren häufiger auf den Markt gekommen. Sie feiert den Friedensvertrag, den Philipp mit den Persern geschlossen hatte. Nachdem Philipp zum Augustus ausgerufen worden war, galt seine größte Sorge der Festigung seiner Herrschaft. Dazu mußte er nach Rom. Deshalb schloß er mit dem Perserkönig Shapur einen überstürzten, schmählichen Friedenvertrag, der ihn verpflichtete, dem Perser 50 Millionen Sesterzen und wahrscheinlich auch einen jährlichen Tribut zu zahlen. Er war bei diesen Verhandlungen glücklicher als Macrinus es gewesen war, der ja deswegen ermordet wurde. Dieser Friedensvertrag ermöglichte es ihm, nach Rom zu reisen, um dort vom Senat seine Anerkennung als Kaiser zu gewinnen, was ihm auch gelang.
Der Friedensvertag war zwar für die Römer schimpflich, aber obwohl Großarmenien nur noch dem Namen nach unter der Vorherrschaft der Römer stand, blieben doch Unterarmenien und Mesopotamien bis nach Singara unter der Kontrolle Roms. So fühlte sich Philipp berechtigt, den Titel PERSICVS MAXIMVS zu führen. Der Titel am Ende der Averslegende, PM, soll deshalb hier angeblich nicht für Pontifex Maximus stehen, sondern für Persicus Maximus. Vielleicht weiß jemand etwas darüber?

Aurelius Victor, De Caesaribus (lat./deutsch)
Michael Grant, Die römischen Kaiser
Chris Scarre, Die römischen Kaiser
www.roman-emperors.org

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Peter43 » Di 20.09.05 00:00

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Zuletzt geändert von Peter43 am So 09.10.05 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Peter43 » Di 20.09.05 00:16

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Beitrag von richard55-47 » Di 20.09.05 07:49

Klasse!!!
do ut des.

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Beitrag von Pscipio » Di 20.09.05 08:34

Ich kann mich richard nur anschliessen, herrlicher Beitrag, Peter43, habe Dank dafür!

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.

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