Neues zum Koson-Stater

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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Peter43
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Neues zum Koson-Stater

Beitrag von Peter43 » Sa 25.09.04 17:55

Heute habe ich den folgenden Artikel erhalten: Constantin Preda, Ein neuer Vorschlag zur Chronologie der Koson-Münzen, in Stephanos Numismatikos 1998, herausgeben von Dr.Ulrike Peter, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Da ich den Inhalt für wichtig halte, auch in Hinblick auf die Beiträge in 'Historisch interessante Münzen', möchte ich hier eine Zusammenfassung dieses Artikels geben:

Die Koson-Münzen zeigen eine Reihe von Merkwürdigkeiten, die ihre Bestimmung bis heute schwierig und rätselhaft machen.
1. Die Koson-Münzen sind die einzigen provinziellen Goldmünzen.
Das ist bereits merkwürdig. Wichtiger noch ist, daß es zu dieser Zeit
im südl. Dakien, wo sie geprägt worden seien, kein Gold gab.
2. Die Typologie ist unüblich für römische Münzen:
Es ist unüblich, daß der Abschnitt und der Name auf der Vorderseite
erscheinen.
Es handelt sich bei Avers und Revers um Kopien römischer Münzen,
die Legende ist jedoch in Griechisch. Das ist merkwürdig. Zudem
dürfte das Monogramm dann nicht BR, sondern BA sein (oder eine
unbekannte, noch nicht geklärte Kombination).
Resumee: Dies alles spricht gegen eine römische Münze!
Hier die Liste der bisher gemachten Funde:
1. Mitte des 16.Jahrhunderts wurde im Flußbett des Flusses Strei der
erste Fund gemacht, der neben Lysimachus-Typen auch Koson-Münzen
enthielt. Das Datum des Fundes konnte jetzt durch Dokumente auf die
Zeit zwischen 1543-1554 bestimmt werden.
2. 1802 Fund im Ceata-Gebirge. Wieder neben Lysimachos-Typen evtl.
einige Koson-Münzen.
3. 1804 im Gradistea-Gebirge 987 Koson-Münzen
4. Bei Axente Sever 20 Koson-Münzen
5. Dann in diesem Jahrhundert viele Einzelfunde: Cozma, Gusterita,
Orastie, Hateg, Vartoape, Sarmizegetusa, Nocrich, Firtusu, Timisoara,
Vizejdia, Brezoi und Frumusita. Daneben noch Varset (Jugoslavien)
und Bacs-Bodrog (Ungarn)
Der neueste Fund, der zurzeit den Markt überschwemmt, ist in dieser
Liste noch nicht enthalten.
Auffallend ist, daß fast alle diese Fundorte in Siebenbürgen liegen und nicht im Gebiet des südl. Dakiens. Wichtig ist dann noch der Fund von Baia Mare 1965. Dort wurden neben mittelalterlichen Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert 4 Lysimachos-Typen gefunden, die urkundlich inoffizielle Prägungen aus dem 16. Jahrhundert sind. Da die antiken Lysimachos-Typen nur bis ins südl. Dakien und die untere Donau nachgewiesen sind und nicht in das innerkarpatische Dakien gelangten, muß angenommen werden, daß auch die anderen in Siebenbürgen gefundenen Lysimachos-Typen aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen. Da die Koson-Münzen aus denselben Fundhorten stammen, sollte für sie dasselbe gelten! Das wird bewiesen durch die nuklearphysikalische Untersuchung der Koson-Münzen, die zeigten, daß ihr Gold identisch ist mit dem Gold der Lysimachus-Typen (Im oben genannten Thread angeführt).
Dazu paßt, daß es zur Zeit des Brutus keine Goldförderung im südl. Dakien gab, daß aber die Goldförderung in Siebenbürgen seit dem 14. Jahrhundert bekannt ist. Die Koson-Münzen wurde zuerst erwähnt 1554 in einer Predigt des Mathesius Sarepta. Auch Erasmus von Rotterdam habe von ihnen gewußt. Sie seien in Dokumenten aus dieser Zeit bekannt und würden dort als 'Heidengeld' bezeichnet.

So spricht vieles dafür, daß die rätselhaften Koson-Münzen inoffizielle Prägungen aus der 1.Hälfte des 16. Jahrhunderts sind. Dies ist kein Beweis, aber diese Hypothese würde viele Ungereimtheiten beseitigen.

Mit freundlichen Grüßen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Beitrag von Zwerg » Sa 25.09.04 18:37

Hallo Peter43
ich kenne diesen Artikel seit längerem und habe ihn in der Diskussion bewußt zurückgehalten. Es ist unheimlich schwierig, solche Theorien zu wiederlegen. Der Gedankengang ist in sich ausgesprochen schlüssig. Stilistisch passen diese Münzen allerdings überhaupt nicht in das 16. Jahrhundert - und das reicht mir eigentlich.
Persönlich stelle ich diese Theorie in die gleiche Katagorie wie die fehlenden 100 Jahre im Mittelalter (Heribert Illig). Er hat immerhin schlüssig bewiesen, daß es Karl den Großen nicht gegeben hat.

Trotzden - Viel Spaß bei der Diskusssion.

Zwerg
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Beitrag von Zwerg » Sa 25.09.04 18:45

Nachtrag - für die "Zeitverschiebung habe ich gerade eine lustige Seite gefunden.
Eigentlich etwas für die "Plauderecke"

http://www.jesus1053.com/l2-wahl/l2-aut ... peria.html

Grüße
Zwerg
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Beitrag von chinamul » Sa 25.09.04 19:15

Hoffentlich kann im Gefolge dieser bahnbrechenden Erkenntnisse auch der endgültige und schon längst überfällige Nachweis erbracht werden, daß die Erde in Wirklichkeit doch eine Scheibe ist.

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

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Beitrag von Peter43 » Sa 25.09.04 20:47

@chinamul:

Dabei ist doch bekannt, daß die Erde eine Hohlkugel ist, und wir uns auf deren Innenseite bewegen. Wie sonst kann man erkären, daß Schuhe immer vorne und hinten abgelaufen sind!

Mit freundlichen Grüßen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Beitrag von Peter43 » Sa 25.09.04 23:04

@zwerg:

Ich weiß nicht, ob es richtig ist, diese beiden Theorien (Koson-Stater und Illig) in dieselbe Kategorie zu stecken. Immerhin handelt es sich bei der Koson-Theorie um Argumente, die im Sinne von Popper falsifizierbar sind, und damit ist sie wissenschaftlich. Das ist bei Illig nicht der Fall. Er gehört wohl eher zur Gruppe Däniken.

Was ich mich hier frage - falls diese Überlegungen richtig sein sollten - ist:
1. Wer hat diese Münzen prägen lassen?
2. Zu welchem Zweck wurden sie geprägt?
3. Warum ist vor dem Zeitpunkt ihres ersten Fundes von ihnen nichts bekannt?

Das Rätsel um diese Münzen ist also selbst dann nicht gelöst!

Mit freundlichen Grüßen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Beitrag von Zwerg » Sa 25.09.04 23:45

@Peter43

Als ich den Aufsatz von Preda zum ersten mal gelesen habe, war mein erster Gedanke: Der Mann hat Recht!
Die Ausführungen sind absolut schlüssig.
Ich habe allerdings genügend Kosons und späte Lysimachoi selber in der Hand gehabt. Diese Münzen sind definitiv antik. Im 15. oder 16. Jhd. prägte man anders , bzw. konnte den Stil des 1. Jhd. v.Chr. so nicht nachahmen.

Wir haben hier ein kleines Rätsel.
Aber: irgendwann wird auch dieses gelöst

Grüße
Zwerg
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