Kupfermünze reinigen

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sigistenz
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Kupfermünze reinigen

Beitrag von sigistenz » So 28.09.14 17:05

Hallo Gemeinde, trotz meines Gelübdes, nie wieder eine korrodierte Münze zu kaufen, bin ich rückfällig geworden :roll:
Die Münze ist ziemlich gross (Ø 41mm, 51g) und über eine frühere Münze geprägt. Für eine Überprägung ein sehr anständiges Stück, wäre
da nicht stellenweise die hässliche Korrosion. Mit EDTA hab ich bei anderen Münzen schon mehrmals gleichmässiges schweinchenrosa erzielt, behielt raue Partien anstelle der Korrosion, hatte dann grosse Mühe, eine einigermassen natürliche Farbe zu erzielen. Die rauen Stellen schimmerten störend. Eine Verschlimmbesserung also! Was kann man hier tun, um den Kontrast abzumildern?
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass..... Wie wär's mit Einweichen in Ballistol oder Olivenöl? Vorsichtiges Kochen in Natronbrei?
Oder was könnte man sonst machen?
Danke, Sigi

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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von fareast_de » So 28.09.14 18:11

Diese großen Russenmünzen, sofern es sich um Originale handelt, haben oft keine besonders hübsche Patina.
Das 5- Kopekenstück würde ich zum Nachdunkeln ca. ein Jahr offen liegen lassen und dann schauen, was sich getan hat.
Oder in eine Schachtel mit abgeschnittenen Streichholzköpfen legen.
Oder das Stück auf die Schnelle mit Schwefelleber behandeln.
Ist alles eine Gedulds- und Mentalitätsfrage.

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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von sarsaparilla » Mo 02.02.15 15:11

Hi & Hallo

@ fareast_de: Du schreibst:
Oder in eine Schachtel mit abgeschnittenen Streichholzköpfen legen.
Bin leider kein :( Chemiker my friend, könnte mir aber vorstellen, daß das Deine Idee irgendwie mit dem Schwefel zu tun haben soll, der sich vielleicht nach und nach in die umgebende Luft verflüchtigt (?!?).
Trotzdem würd´ ich gern erfahren, was denn die abgeschnitten Streichholzköpfe bewirken sollen?

Über `nen Hinweis würd´ ich mich riesig freuen...

Danke im voraus.
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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von Numis-Student » Mo 02.02.15 16:20

Früher enthielten Streichhölzer Schwefel, was die Nachdunklung bewirkt. Heutige Streichhölzer sind aber schwefelfrei und tun deshalb nix... ;)

MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von fareast_de » Mo 02.02.15 17:56

Das Andersen- Märchen von dem Mädchen mit den Schwefelhölzern kennen wir wohl alle :lol: .
Die gibt´s aber schon lange nicht mehr. M.W. enthalten die heutigen Zündholzköpfe eine Phosphorverbindung, die ähnliche Effekte beim Nachdunkeln von Münzen haben soll.
Mir dauert´s so immer zu lange. Ich habe mich zweimal an die Schwefelleber gewagt; der Soforteffekt war gut. Allerdings wohl nichts für diplomierte Konservatoren, da der Effekt irreversibel sein soll.
Zuletzt geändert von fareast_de am Mo 02.02.15 18:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von Numis-Student » Mo 02.02.15 17:59

Ich habe es einmal mit "modernen" Streichhölzern versucht und über mehrere Monate keine Reaktion bemerkt.

MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von Albert von Pietengau » Mo 02.02.15 23:10

Auch hier noch schnell meinen Senf (schwefelhältig!) dazugeben:

Die Mischung besteht aus Kaliumchlorat (Oxidationsmittel) und Schwefel oder Antimon(V)Sulfid. Phosporverbindungen dürften Münzen ziemlich "unbeeindruckt" lassen.

Zur Schwefelleber:
In den meisten Fällen* kriegt man mit Salzsäure - ich verwende konzentrierte - die Dunkelfärbung wieder weg.
Sowohl "Einfärben" als auch "Entfärben" geht alles razfaz. So muss es sein! 8)


Bei einem Dünnpfennig (12 Jh.) konnte ich einmal eine Dunkelfärbung durch die Salzzäure (vermutl. AgCl-Bildung) beobachten. Seltsamerweise war dieser Effekt mit Salpetersäure noch ausgeprägter. :?:
Bei Kupfer kommt es schlimmstenfalls zur hellen Kupferfarbe, der man wieder mit der Schwefelleber zu Leibe rücken kann: also alles reversibel.


Gruß
AvP
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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von sarsaparilla » Di 03.02.15 11:18

Jungs... (falls Mädels dabei sind, sind sie natürlich ebenfalls angesprochen) ...Danke für die :idea: erhellenden Antworten :D .

* * * * *

@ fareast_de:
M.W. enthalten die heutigen Zündholzköpfe eine Phosphorverbindung, die ähnliche Effekte beim Nachdunkeln von Münzen haben soll.
@ Numis-Student:
Heutige Streichhölzer sind aber schwefelfrei und tun deshalb nix...
Meines Wissens ist doch eine mehr oder weniger große Menge Schwefel in heutigen Streichhölzern enthalten. Wenn nicht, hätte eine vor Monaten ausgestrahlte 'Galileo'~Sendung unrecht, die den Arbeitstag der Schwefelabbauer und ~schlepper in einem halbwegs inaktiven Vulkan auf Indonesien zeigte (furchtbar und unzumutbar für uns Europäer übrigens).
Da wurde erwähnt, daß der abgebaute Schwefel zum großen Teil weltweit für Streichhölzer verwendet wird.

Wo ich Euch Recht gebe, ist, daß die Industrie sicherlich daran arbeitet, Schwefel mehr und mehr durch andere Bestandteile zu ersetzen.

Letztes Jahr zur Weihnachtzeit haben meine Frau und ich bei Aldi `nen dicken Stapel dieser Langstreichhölzer gekauft (rund 23cm). Wenn man die anzündet riecht´s so richtig nach Schwefel.
Der Geruch ist echt heftig und scheint auf `ne verhältnismäßig große anteilsmäßig verwendete Menge Schwefel hinzuweisen.
Da Streichhölzer von anderen Herstellern nicht annähernd so riechen wie diese, muß es bedeuten, daß bei denen weitaus weniger Schwefel verwendet wird :roll: ...

Jedenfalls hab´ ich gleich mal `ne eingeschweißte Packung der bei Aldi gekauften Streichhölzer 'beschlagnahmt' und für etwaige Nachdunklungseffekte 'sichergestellt' :mrgreen:

Die Grüße aus NRW
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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von fareast_de » Di 03.02.15 17:59

Der gute Albert hat recht. Phosphorverbindungen befinden sich bei modernen Hölzern nur noch auf der Reibefläche.
Ich werde mal bei Gelegenheit einen 6- Monatsversuch mit Zündholzköpfen und einer Kupfermünze starten und dann berichten.

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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von Chippi » Di 03.02.15 19:51

Habe schon seit über einen Jahr Münzen mit Streichholzköpfen rumliegen - Reaktion bisher: Null...

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von Arminius » Di 03.02.15 20:18

Der Schwefel in den Streichholzköpfen ist elementarer Schwefel, reaktionsträge und daher relativ harmlos.
Er wird erst zu reaktionsfreudigerem Schwefeldioxid u.a. Verbindungen, wenn der Streichholz angezündet wird.

Es wurde vor einiger Zeit mal diese Methode zur Patinierung von Silber beschrieben:
Einige Streichhölzer neben der Münze anzuzünden, und dann SOFORT eine dichte Hülle über beides zu stülpen (z. B. Marmeladenglas), so daß die aus den Streichholzköpfen entstehenden Verbrennungsgase weitgegend in der Nähe der Münze verbleiben. Die Flammen sollten dann aber auch sofort erlöschen.

(Ich habe hiermit keine Erfahrungen und weiß auch nicht, ob man dies überhaupt empfehlen sollte, da hierbei saure Verbindungen entstehen, die vor allem bei Kupfer und Bronze Korrosion hervorrufen können.)
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Re: Kupfermünze reinigen

Beitrag von Albert von Pietengau » Do 05.02.15 09:22

http://de.wikipedia.org/wiki/Silbersulfid Die Reaktion mit element. S ist jedoch träge. Mit Antimon(V)Sulfid sieht das schon anders aus.

Schwefeldioxid kann man zum Räuchern nehmen. Dann halten die Münzen länger. :mrgreen:



Gruß
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