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von drakenumi1 » Fr 14.11.08 13:39
Heute der versprochene Licinius L.f. Macer - Denar von 84 v. Chr. als Beispiel für umfangreiche Prägeschwächen im Randbereich als Beleg dafür, daß solche nicht nur in der Mitte der Münzen und bei hohen Prägeprofilen auftreten, sondern auch bei ausgesprochen flachen, wie hier.
Gleichzeitig soll dieser Denar auch der Untersuchung sehr häufig vorkommender Fließlinien im Randbereich der Silbermünzen (bei den Perlkreisen und Umschriften) dienen.
Vs. Büste der Veiovis m. Diadem l., Speer schleudernd.
Rs. Minerva in Quadriga r. galopp. C LICINIVS L F MACER.
Gebh. 428; Syd. 732; Crw. 354/1.
Gleichfarbige Markierungen stehen auf Vs. und Rs. einander genau gegenüber.
Ich weise auf die "Schatten" der Perlen im Perlkreis der linken Seite der Vs. hin, die ebenso, wie häufig auch Buchstaben der Umschrift, markante "Schatten" oder "Schweife" aufweisen, die auf den Außenrand der Münze hin gerichtet sind.
Ich konstatiere, daß hier an dem Prägestempel keinerlei Fehler vorlag, sondern diese "Fließlinien" zwangsweise durch den Herstellungsprozeß entstanden sind, und zwar dann, wenn der Schrötling zunächst nicht über den Durchmesser des Perlkreises hinausragte, das durch den Prägeschlag allseitig nach außen gedrängte Münzmetall dann aber über diesen Durchmesser hinaus noch weiter nach außen floß. In dieser letzten Phase waren die Löchlein des Perlkreises bereits mehr oder weniger gefüllt, trotzdem war der radial nach außen gerichtete Materialstrom noch nicht zum Stillstand gekommen. Das heißt, daß er von dem ja nicht mitwandernden Inhalt der Löchlein mehr oder weniger abriß, bis er dann zum Stillstand kam. In dieser Lage verschweißten dann die Perlen (mehr oder weniger gut, manchmal rissen sie auch ab und verblieben als "Schmutz" in der Prägeform, fielen beim Öffnen der Stempel heraus oder mußen herausgeschlagen werden: So kam es, daß manchmal ganze Perlengruppen einfach fehlen. Solange also der Materialstrom des Prägeschlages an den Perlen (oder Buchstaben) vorbeifloß, erfolgte eine tangentiale Scherung an der Grundfläche der Perlen, die sichtbare Riefen als "Schatten" hinter den Perlen und außerhalb des Perlkreises hinterließ. Die Fließlinie war geboren!
Die angehängte Skizze soll das ggf. noch deutlicher machen.
Häufig kann man beobachten, daß die Perlen nicht völlig rund ausgeprägt erscheinen, sondern nur noch Halbmonde bis hin zu schmalen Strichen sind. Die Erklärung liegt im Auftreten von Hohlräumen innerhalb der kleinen kugelförmigen Vertiefungen in den Stempeln, die nicht vom fließenden Münzmetall gefüllt wurden (wegen der explosionsartig schnellen Materialbewegung oder wegen des Zurückziehens des Materials aus den Löchern durch das vorbeiströmende Material, ähnlich einem Sog.
Ganz ähnlich verläuft der Vorgang, der zu verformten Buchstaben der Art führt, daß die Buchstabenfüße quasi wie Rampen sich aus den Münzfeldern schräg bis zu den Buchstabenspitzen aufbauen. Wegen der Schnelligkeit des Materialflusses ist er nicht in der Lage, beim Beginn eines Buchstabens (deren Fuß) abrupt um 90 Grad umzulenken und die Buchstabenform restlos auszufüllen.
Wie ich feststellen muß, eine schwierig zu beschreibende Materie! Ich hoffe trotzdem, daß ich in groben Zügen verstanden wurde und daß klar wurde, daß möglicherweise die Prägeformen völlig ok. waren, aber eine Vielzahl von Prägebedingungen nicht stimmten.
Wir werden diese Betrachtungen der Fließlinien fortsetzen, denn die Ursachen z.B. für die großflächigen Linienfelder in den "Feldern" haben nun wieder ganz andere Ursachen. Allerdings auch keine, die man bei den Prägewerkzeugen suchen muß.
Es grüßt Euch
drakenumi1
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Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)