Schaukasten: Brandenburg-Preußen

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Moderator: Lutz12

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mimach
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Re: Schaukasten: Brandenburg-Preußen

Beitrag von mimach » Mo 02.11.20 18:29

Hallo klaupo,
Danke dafür.

Weigand hat den auch bei undatierten Medaillen benutzt.
Scheinbar ein Bestseller.

Die Medaille Sommer W 108, aus deinem Link, hatte ich auch oben bereits bei den Lorbeerkränzen erwähnt.

Grüße
Christian
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mimach
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Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Die FIDICIN-Medaille - Teil 1: Die Ehrung

Beitrag von mimach » Sa 21.11.20 00:17

Die folgende Medaille wurde für Ernst Fidicin, Stadt-Archivar in Berlin, zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum durch den „Verein für die Geschichte Berlins“ gestiftet und stammt aus dem Jahr 1872.

Später diente Sie als Vorlage für die heute noch verliehene „Fidicin Medaille für die Förderung der Vereinszwecke“ (Sommer W 24).
(https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... aille.html)

Zur Medaille:
⁃ Literatur: Klaus Sommer - Emil Weigand - Sein Medaillenwerk, Biblio Verlag, Osnabrück 1989 -
Katalognr. Sommer W 18 "Ernst Fidicin, Stadt-Archivar in Berlin, zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum"
⁃ Durchmesser: 62,49mm
⁃ Gewicht: 96,45g
⁃ Material: Bronze

Die an Fidicin, durch den Kaiser Wilhelm I. (1861-1888) übergebende Medaille war ein Exemplar von 63mm Größe und aus Gold, mit einem Gewicht von 50 Dukaten, ca. 175g*****). Es wurden auch Exemplare aus Silber und Bronze verkauft, vermutlich zu einem Aufpreis, um die Ehrenmedaille mitzufinanzieren.

Avers:
Medaille - Weigand - Auf das 50jährige Diesnstjubiläum des Stadtarchivars Ernst Fidicin 1872 - Sommer W 18 - AV - PIC.jpg
Sitzende und schreibende Berolina mit Mauerkrone. Neben ihr ein Bär mit Wappen*** Im Hintergrund die Berliner Stadt-Silhouette mit Brandenburger Tor, Siegessäule**** und Rathausturm.
Auf einem Aktenfolio das Wort FIDICIN.
Im Abschnitt die Inschrift:
WAS DU ERFORSCHET / HAST DU MIT ERLEBT
Signatur: E. WEIGAND FEC.

Revers:
Medaille - Weigand - Auf das 50jährige Diesnstjubiläum des Stadtarchivars Ernst Fidicin 1872 - Sommer W 18 - RV - PIC.jpg
In einem aus Blättern und Wappen gebildeten Kranz die Widmung: SEINEM / FIDICIN / ZUM 9 MÄRZ / 1872
Umschrift: DER VEREIN FÜR DIE GESCHICHTE BERLINS
Bogenschrift unten: GESTIFTET DEN 28. JANUAR 1865



Zur Person: Ernst Fidicin
⁃ Leiter des Berliner Stadtarchivs und einer der wichtigsten Vertreter der Berlin-Brandenburgischen Geschichtsforschung im 19. Jahrhundert.
⁃ Er veröffentliche mehrere Standardwerke zur Geschichte Berlin-Brandenburgs, darunter das verschollen geglaubte „Berlinische Stadtbuch“ von 1397.
⁃ Gründungsmitglied des Vereins für die Gechichte Berlins.
Weiterführend und Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fidicin

https://berlingeschichte.de/bms/bmstext/9804prof.htm



Zu den Umständen der Verleihung
Vom Archivar des „Verein für die Geschichte Berlins“, habe ich auf Anfrage einen Aufsatz aus den vermischten Schriften des Vereins erhalten. In dem Aufsatz von 1872 werden die Umstände um die Verleihung der Medaille und diese selbst ausführlich beschrieben. Als auch das Leben und die Leistungen Fidicins geschildert.

⁃ Die Medaille sollte am 9. März 1872 überreicht werden, war aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt. Der königliche Münzmedailleur Emil Weigand war durch die Aufträge rund um die Reichsgründung, Siegestaler und Reichs-Goldmünzen, ausgelastet.

⁃ Die Medaille wurde dann am 15. Juni im Königlichen Park zu Babelsberg in der 129. Versammlung des Vereins überreicht.

***** Die Goldmedaille soll 63mm groß und ein Gewicht von 50 Dukaten gehabt haben. Die Exemplare aus Silber = 150g und die aus Bronze = 142g schwer. Das hier gezeigte Exemplar weicht um 45,55g von dem Gewicht in der Quelle ab. Im Telefongespräch mit dem Verein konnte ich herausfinden, dass dieser seit Ende des 2. Weltkrieges keine Exemplare dieser ersten Fidicin-Medaille mehr besitzt. Diese seien Ende des Krieges durch Soldaten der sowjetischen Armee aus dem Schutzversteck entwendet worden sein. Somit liegen keine weiteren Vergleichsgewichte vor.


Die Ausführliche Beschreibung der Medaille aus diesem Dokument:
Seite 1.JPG
Seite 2.JPG
Seite 3.JPG


FUSSNOTEN
***Im Buch von Klaus Sommer ein Fehler: dort Löwe. Ein Bild lag dem Autor Klaus Sommer zur Beschreibung nicht vor.

****Trivia:
Die Siegessäule auf der Medaille war 1872 am Königsplatz (heute vor dem Reichstag, der Platz der Republik) unter Konstruktion. War somit noch nicht Teil des durch Emil Weigand gezeigten Stadtbildes.
Siehe Foto von 1873
1024px-Siegessäule,_Berlin_1873.jpg
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegess%C ... n_1873.jpg

Emil Weigand mußte durch seine Arbeiten am Siegestaler (Sommer W 16) und der Medaille zur Siegessäule (Sommer W 21) mit der Gestaltung bestens vertraut gewesen sein.
Professor Friedrich Drake war für die Gestaltung der Victoria auf der Siegessäule und dem Wettbewerb um die Gestaltung des Siegestaler verantwortlich, die Vorderseite des letzteren wurde von Weigand gestaltet.
Der Architekt der Siegessäule war Heinrich Strake. Das Monument wurde durch ihn mit 3 Säulenelemente gebaut und auch so durch Weigand dargestellt. Das heutige 4. Säulenelement wurde erst 1938/39 beim Umzug des Monuments auf den Großen Stern ergänzt.
Zuletzt geändert von mimach am Mo 30.11.20 09:38, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: FEDICIN MEDAILLE

Beitrag von mimach » So 22.11.20 22:05

mimach hat geschrieben:
Sa 21.11.20 00:17
Die Exemplare aus Silber = 150g und die aus Bronze = 142g schwer. Das hier gezeigte Exemplar weicht um 45,55g von dem Gewicht in der Quelle ab.
Liebe Sammlerfreunde,
wenn jemand zu genau diesem Typ von 1872 ein Exemplar besitzt, so bitte ich um eine Mitteilung über das Gewicht und den Durchmesser.
Vielen Dank im Voraus!
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Re: Schaukasten: Brandenburg-Preußen

Beitrag von Erst Ludwig » So 22.11.20 22:38

Also, ich besitze kein Exemplar dieser Medaille.
Dafür aber ne Menge Hochachtung vor Deiner Arbeit hier !

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Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Die FIDICIN-Medaille - Teil 2: Der Preis des Vereins

Beitrag von mimach » Fr 27.11.20 23:37

Im vorhergehenden Beitrag wurde auf den Ursprung der Fidicin-Medaille eingegangen und die an Ernst Fidicin im Jahre 1872 überreichte Medaille und ihre Gestaltung beschrieben und ein Examplar in Bronze gezeigt.

Hier nun die vom Verein für die Geschichte Berlins noch heute als Fidicin-Medaille bezeichnete Auszeichnung in Bronze.

Zur Medaille:
- Literatur: Klaus Sommer - Emil Weigand - Sein Medaillenwerk, Biblio Verlag, Osnabrück 1989
- Katalognr. Sommer W 24 "Verdienstmedaille des Vereins für die Geschichte Berlins"
- Durchmesser: 62,36mm
- Gewicht: 103g
- Material: Bronze

Avers:
Medaille - Weigand - Fidicin-Medaille auch Verdienstmedaille des Vereins für die Geschichte Berlins - Sommer W 24 in Bronze- AV - 001.jpg
Sitzende Berolina mit Mauerkrone. Neben ihr ein Bär*, ein Wappen haltend. Im Hintergrund Panorama Berlins mit Brandenburger Tor, Siegessäule und Rathausturm.
Im Abschnitt: WAS DU ERFORSCHEST HAST DU MIT ERLEBT
Signatur: E. WEIGAND FEC.
(*auch hier, wie bei Sommer W 18, die falsche Beschreibung als Löwe)

Revers:
Medaille - Weigand - Fidicin-Medaille auch Verdienstmedaille des Vereins für die Geschichte Berlins - Sommer W 24 in Bronze- RV - 001.jpg
In der Mitte die Inschrift von vier Zeilen: FÜR FÖRDERUNG DER VEREINSZWECKE
Umschrift: DER VEREIN FÜR DIE GESCHICHTE BERLINS
Bogenschrift unten: GESTIFTET DEN 28 JANUAR 1865**
Unter dem auf den Kranz gelegten Helm, unten, das Signum: EW***
(**Das Gründungsdatum des Vereins für die Geschichte Berlins)
(***EW = Emil Weigand)

Zur Geschichte der Auszeichnung:
Laut Klaus Sommer fand die Umgestaltung der ursprünglichen Fidicin-Medaille im Jahre 1875 zum 10. Jubiläum des Vereins statt.
Der Verein selbst weicht von diesem Datum ab und nennt einen Beschluss von 1873 zur Umgestaltung der Medaille. Die Widmung wurde durch „Für Förderung der Vereinszwecke“ ersetzt. In der Randumschrift sollte der Name des Preisträgers stehen (siehe unten: Randumschrift). Die Medaille wurde nur noch vom Verein verliehen und konnte nicht mehr käuflich erworben werden.
Seit 1882 wurde die Medaille regelmäßig bis 1944 verliehen. Im Jahr 1945 erhielten die designierten Preisträger auf Grund der Kriegswirren keine Medaille mehr. Von 1972 an wurde der Preis wieder eingeführt und offiziell „Fidicin-Medaille für Förderung der Vereinszwecke“ genannt. Die moderne Variante wird nur noch in Silber verliehen. Das einzige Exemplar in Gold war die an Ernst Fidicin, durch Kaiser Wilhelm I., im Jahr 1872 überreichte Auszeichnung des Vereins. ****
(**** https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... aille.html)

Insgesamt wurde die Fidicin-Medaille 153 Mal an 133 Personen vergeben. Dies ist durch die doppelte Verleihung von bronzenen und silbernen Preisen begründet.
1894 das erste Mal in Bronze an Dr. Johannes Bolte, Philologe(1858-1937).
Insgesamt wurden nach Zählung der durch den Verein bekanntgegeben Preisträger insgesamt 66 bronzene Exemplare bis 1944 überreicht.*****
(***** https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... aille.html)


Randumschrift:

Die hier vorliegende Medaille hat keine Randumschrift und weißt auch keine nachträglich hinzugefügte Punzierung am Rand auf.
Eine Fotographie auf der Webseite www.museum-digital.de eines silbernen Examplares****** weißt die gleiche Gestaltung wie das vorgestellte Stück auf und erwähnt keine Randschrift. Ein weiteres Stück in Silber wurde am 16. März 2018 bei Rhenumis Auction 161 angeboten, wiederum wird keine Randschrift erwähnt. Auch wird auf der Webseite des Vereins die fehlende Randschrift angemerkt. Somit wurde der Vereinsbeschluß von 1873, den Preisträger in den Rand eintragen zu lassen, in der Praxis nicht umgesetzt. Wie immer gilt diese Vermutung bis zum Erscheinen neuer Quellen.
(******https://nat.museum-digital.de/index.php ... oaded=true)
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