Schaukasten: Brandenburg-Preußen

Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

Moderator: Lutz12

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Vorwort

Beitrag von mimach » Mo 02.11.20 18:29

Medaillen und Auszeichnungen des Vereins für die Geschichte Berlins

EXPOSÉ
Die nachfolgenden Beiträge sind eine Zusammenstellung der Medaillen des ehrwürdigen Vereins für die Geschichte Berlins, gegründet im Jahre 1865. Von Emil Weigands Meisterwerk der Fidicin-Medaille aus dem Jahr 1872 bis zur letzten Erinnerungsmedaille von 1913.
Texte und Fotos von "mimach".
Es wurde größten Wert auf die Nennung der Quellen gelegt.
Texte anderer Quellen sind nach besten Wissen und Gewissen als solche gekennzeichnet.


Siegel 1902.jpg
Siegel des Vereins von 1902 vom Deckblatt einer Bildmappe historischen Stadtansichten Berlins, verteilt zum "38. Stiftungsfest des Vereins für die Geschichte Berlins 1902", Druck von Paul Schahl, Berlin (*2)


VORWORT
Als die letzte Medaille aus den nachfolgenden Aufsätzen im Jahr 1913 zu Ehren des 25. Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. geprägt wurde, blickte man in Preußen auf eine hundertjährige Erfolgsgeschichte zurück.

Nur wenige Jahre zuvor hätten heutige englische Buchhalter keine guten Quoten auf das Bestehen Preußens ausgegeben. Im Dritten Napoleonischen Krieg brach, nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt, im Oktober 1806 der alte preußische Staat zusammen. Napoleons Truppen besetzten Berlin und der königliche Hof floh nach Ostpreußen. Im Frieden von Tilsit im Juni 1807 verlor Preußen die Hälfte seines Territoriums. Preußen hatte in den Kriegen gegen Napoleon seinen Glanz und seine Gloria verloren und entging nur knapp seiner Auflösung.
Im Jahr 1813 hatte Preußen durch strenge Reformen sein Staatswesen erneuert. Die Schmach von Tilsit wurde in der Völkerschlacht bei Leipzig ausgemerzt. Die sogenannten Befreiungskriege sollten die Grundlage für einen bis 1913 ungebrochenen, aber auch unkritischen deutschen Nationalstolz bilden.

Vor diesem Hintergrund begann das Bürgertum Interesse an der Historie Deutschlands zu entwickeln. Der nachfolgende Aufsatz über die Anfänge des Vereins für die Geschichte stammen von Martin Mende, Archivar des Vereins und sind auf der großartigen Webseite des Vereins: www.diegeschichteberlins.de nachzulesen.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Martin Mende, Geschichte unseres Vereins *1

Die Vorgeschichte
Als Folge der von Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein 1819 initiierten Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde wurden in verschiedenen Teilen Deutschlands Geschichtsvereine gegründet, so auch 1837 der Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg. Er war in erster Linie ein gelehrter und forschender Verein und hatte um 1860 ca. 60 Mitglieder. Auf drängende Fragen der Gegenwart konnte und wollte diese exklusive Gelehrtenversammlung keine Antwort geben.
Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte sich die Struktur Berlins vollkommen. In wenigen Jahrzehnten wurde die Stadt führender Industriestandort Europas und die Bevölkerung wuchs in einem raschen Tempo. Die historische Substanz der Stadt war durch die rege Bautätigkeit gefährdet. Aus Sorge vor einer unkontrollierten Entwicklung riefen Ende 1864 der Arzt Dr. Julius Beer und der Polizeisekretär Ferdinand Meyer zur Gründung eines Geschichtsvereins auf, um die wenigen historischen Zeugnisse der Stadt kommenden Generationen möglichst zu erhalten.

Die Gründung
Am 28. Januar 1865 versammelten sich die Interessierten zur konstituierenden Sitzung im Café Royal, Unter den Linden 33 Ecke Charlottenstraße. Heute befindet sich an dieser Stelle (Unter den Linden 15) die 'KunstHalle' der Deutschen Bank in einem 1922 – 1925 errichteten Bankgebäude. Der Verein für die Geschichte Berlins wandte sich an alle Kreise der Berliner Bevölkerung, um die Anteilnahme an der Geschichte der Stadt zu wecken. Durch die Förderung der regionalgeschichtlichen Forschung unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge sollte das Wissen um die geschichtliche Entwicklung Berlins erweitert und vertieft werden. Die Versammlung wählte den damaligen Oberbürgermeister von Berlin Karl Seydel zum Vorsitzenden und den früheren Oberbürgermeister Dr. Heinrich Krausnick - seit 1862 Ehrenbürger der Stadt – zu seinem Stellvertreter. … Ernst Fidicin, seit 1846 Stadtarchivar von Berlin, war Vorstandsmitglied und eröffnete am 15. Februar 1865 die Vortragstätigkeit des Vereins über „Die bisherige Geschichtsschreibung Berlins“. Noch im Gründungsjahr erschien Band 1 der Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins (auch „Grüne Hefte“ genannt).

Zwischen Gründerzeit und Erstem Weltkrieg
1872 erhielt Ernst Fidicin, nach den Worten Schneiders der „geistige Gründer des Vereins“, für seine Verdienste - aus der Hand Kaiser Wilhelms I. - eine vom Verein gestiftete Medaille in Gold mit der eingeprägten Devise des Vereins „Was Du erforschet, hast Du miterlebt“. Der begleitende Flügel-Adjutant des Kaisers, Fürst Anton Radziwill, trat im Folgejahr dem Verein bei. Nicht zuletzt durch die Vermittlung des Kaisers konnte der Verein von 1875 an Räume im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt nutzen. Hier fanden die sogenannten 'Domsitzungen' der Mitglieder statt, und Bibliothek und Archiv hatten dort bis 1943 ihre Heimstatt. … Seit 1882 erhielten verdienstvolle Personen die „Medaille für Förderung der Vereinszwecke“ in Silber, von 1895 an auch in einer bronzenen Version. Unter den Mitgliedern setzte sich erst später die Bezeichnung „Fidicin-Medaille“ durch.
Die vom Verein seit 1884 mit Unterbrechungen herausgegebenen 'Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins' sind heute eine einzigartige Sammlung zur Berliner Stadt- und Kulturgeschichte.




--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Quellen:
*1 Martin Mende: Die Geschichte Berlins, https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... ichte.html
*2 Referenz: "Ein für dieses Fest zusammengestelltes und künstlerisch ausgestattetes Album mit 20 Alt-Berliner Ansichten im Lichtdruck, welches sämmtlichen Theilnehmern überreicht wurde, erhöhte die allgemeine Festesfreude." aus Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, No.3 1902, Die Feier des 38. Stiftungsfestes
Für einen Auszug aus dieser Bildermappe: siehe Anhänge
Dateianhänge
Verein für die Geschichte Berlins - 1902 - 38. Stiftungsfest, Bildermappe historisches Berlin mit Siegel Seite 1.jpg
Verein für die Geschichte Berlins - 1902 - 38. Stiftungsfest, Bildermappe historisches Berlin mit Siegel Seite 4.jpg
Verein für die Geschichte Berlins - 1902 - 38. Stiftungsfest, Bildermappe historisches Berlin mit Siegel Seite 12.jpg
Verein für die Geschichte Berlins - 1902 - 38. Stiftungsfest, Bildermappe historisches Berlin mit Siegel Seite 17.jpg
Zuletzt geändert von mimach am Do 28.01.21 22:27, insgesamt 11-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Die FIDICIN-Medaille - Teil 1: Die Ehrung

Beitrag von mimach » Sa 21.11.20 00:17

Die folgende Medaille wurde für Ernst Fidicin, Stadt-Archivar in Berlin, zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum durch den „Verein für die Geschichte Berlins“ gestiftet und stammt aus dem Jahr 1872.

Später diente Sie als Vorlage für die heute noch verliehene „Fidicin Medaille für die Förderung der Vereinszwecke“ (Sommer W 24).
(https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... aille.html)

Die an Fidicin, durch den Kaiser Wilhelm I. (1861-1888) übergebende Medaille war ein Exemplar von 63mm Größe aus Gold, mit einem Gewicht von 50 Dukaten (ca. 175g). Es wurden auch Exemplare aus Silber und Bronze verkauft, vermutlich zu einem Aufpreis, um die Ehrenmedaille mitzufinanzieren.


Zur Medaille:
⁃ Die Goldmedaille soll 63mm groß und ein Gewicht von 50 Dukaten gehabt haben. Die Exemplare aus Silber sollen 150g und die aus Bronze 142g schwer gewesen sein. Das hier gezeigte Exemplar weicht um 45,55g von dem Gewicht in der Quelle ab. Auf Nachfrage beim Verein kam heraus, dass dieser seit Ende des 2. Weltkrieges keine Exemplare der ersten Fidicin-Medaillen besitzt. Diese seien seit Ende des 2. Weltkrieges durch Soldaten der sowjetischen Armee aus dem Schutzversteck entwendet worden. Somit liegen keine weiteren Vergleichsgewichte vor.

Katalog: Sommer W 18 "Ernst Fidicin, Stadt-Archivar in Berlin, zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum"
Durchmesser: 62,49mm
Gewicht: 96,45g
Material: Bronze


Avers:
Medaille - Weigand - Auf das 50jährige Diesnstjubiläum des Stadtarchivars Ernst Fidicin 1872 - Sommer W 18 - AV - PIC.jpg
Sitzende und schreibende Berolina mit Mauerkrone. Neben ihr ein Bär mit Wappen*** Im Hintergrund die Berliner Stadt-Silhouette mit Brandenburger Tor, Siegessäule**** und Rathausturm.
Auf einem Aktenfolio das Wort FIDICIN.
Im Abschnitt die Inschrift:
WAS DU ERFORSCHET / HAST DU MIT ERLEBT
Signatur: E. WEIGAND FEC.

Revers:
Medaille - Weigand - Auf das 50jährige Diesnstjubiläum des Stadtarchivars Ernst Fidicin 1872 - Sommer W 18 - RV - PIC.jpg
In einem aus Blättern und Wappen gebildeten Kranz die Widmung: SEINEM / FIDICIN / ZUM 9 MÄRZ / 1872
Umschrift: DER VEREIN FÜR DIE GESCHICHTE BERLINS
Bogenschrift unten: GESTIFTET DEN 28. JANUAR 1865



Zur Person: Ernst Fidicin
Fidicin war Leiter des Berliner Stadtarchivs und einer der wichtigsten Vertreter der Berlin-Brandenburgischen Geschichtsforschung im 19. Jahrhundert. Er veröffentliche mehrere Standardwerke zur Geschichte Berlin-Brandenburgs, darunter das verschollen geglaubte „Berlinische Stadtbuch“ von 1397. Der Bär auf der Vorderseite dieser Medaille hält das älteste, durch Fidicin wiederentdeckte, Stadtwappen Berlins in den Pranken. Ernst Fidicin war am 28. Januar 1865 einer der Gründungsmitglieder und geistiger Vater des Vereins für die Geschichte Berlins.
Weiterführend und Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fidicin
https://berlingeschichte.de/bms/bmstext/9804prof.htm



Zu den Umständen der Verleihung
Vom Archivar des „Verein für die Geschichte Berlins“, habe ich auf Anfrage einen Aufsatz aus den vermischten Schriften des Vereins erhalten. In dem Aufsatz von 1872 werden die Umstände um die Verleihung der Medaille und diese selbst ausführlich beschrieben. Als auch das Leben und die Leistungen Fidicins geschildert.

⁃ Die Medaille sollte am 9. März 1872 überreicht werden, war aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt. Der königliche Münzmedailleur Emil Weigand war durch die Aufträge er staatlichen Münze rund um die Reichsgründung, Siegestaler und Reichs-Goldmünzen ausgelastet.
Die Medaille wurde endlich am 15. Juni im Königlichen Park zu Babelsberg in der 129. Versammlung des Vereins vom Kaiser Wilhelm I. an Ernst Fidicin überreicht.


Die Ausführliche Beschreibung der Medaille aus diesem Dokument:
Seite 1.JPG
Seite 2.JPG
Seite 3.JPG


FUSSNOTEN
***Im Buch von Klaus Sommer ein Fehler: dort Löwe. Ein Bild lag dem Autor Klaus Sommer zur Beschreibung nicht vor.

****Trivia:
Die Siegessäule auf der Medaille war 1872 am Königsplatz (heute vor dem Reichstag, der Platz der Republik) unter Konstruktion. War somit noch nicht Teil des durch Emil Weigand gezeigten Stadtbildes.
Siehe Foto von 1873
1024px-Siegessäule,_Berlin_1873.jpg
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegess%C ... n_1873.jpg

Emil Weigand mußte durch seine Arbeiten am Siegestaler (Sommer W 16) und der Medaille zur Siegessäule (Sommer W 21) mit der Gestaltung bestens vertraut gewesen sein.
Professor Friedrich Drake war für die Gestaltung der Victoria auf der Siegessäule und dem Wettbewerb um die Gestaltung des Siegestaler verantwortlich, die Vorderseite des letzteren wurde von Weigand gestaltet.
Der Architekt der Siegessäule war Heinrich Strake. Das Monument wurde durch ihn mit 3 Säulenelemente gebaut und auch so durch Weigand dargestellt. Das heutige 4. Säulenelement wurde erst 1938/39 beim Umzug des Monuments auf den Großen Stern ergänzt.
Zuletzt geändert von mimach am Do 10.12.20 21:23, insgesamt 5-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Re: FEDICIN MEDAILLE

Beitrag von mimach » So 22.11.20 22:05

mimach hat geschrieben:
Sa 21.11.20 00:17
Die Exemplare aus Silber = 150g und die aus Bronze = 142g schwer. Das hier gezeigte Exemplar weicht um 45,55g von dem Gewicht in der Quelle ab.
Liebe Sammlerfreunde,
wenn jemand zu genau diesem Typ von 1872 ein Exemplar besitzt, so bitte ich um eine Mitteilung über das Gewicht und den Durchmesser.
Vielen Dank im Voraus!
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Erst Ludwig
Beiträge: 165
Registriert: Do 28.10.04 23:30
Hat sich bedankt: 13 Mal
Danksagung erhalten: 72 Mal

Re: Schaukasten: Brandenburg-Preußen

Beitrag von Erst Ludwig » So 22.11.20 22:38

Also, ich besitze kein Exemplar dieser Medaille.
Dafür aber ne Menge Hochachtung vor Deiner Arbeit hier !

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Die FIDICIN-Medaille - Teil 2: Die Ehrungen des Vereins

Beitrag von mimach » Fr 27.11.20 23:37

Im vorhergehenden Beitrag wurde auf den Ursprung der Fidicin-Medaille eingegangen und die an Ernst Fidicin im Jahre 1872 überreichte Medaille und ihre Gestaltung beschrieben und ein Examplar in Bronze gezeigt.

Hier nun die vom Verein für die Geschichte Berlins als Fidicin-Medaille bezeichnete Auszeichnung in Bronze.

Zur Medaille:
- Literatur: Klaus Sommer - Emil Weigand - Sein Medaillenwerk, Biblio Verlag, Osnabrück 1989
- Katalognr. Sommer W 24 "Verdienstmedaille des Vereins für die Geschichte Berlins"
- Durchmesser: 62,36mm
- Gewicht: 103,7g
- Material: Bronze

Avers:
Medaille - Weigand - Fidicin-Medaille auch Verdienstmedaille des Vereins für die Geschichte Berlins - Sommer W 24 in Bronze- AV - 001.jpg
Sitzende Berolina mit Mauerkrone. Neben ihr ein Bär*, ein Wappen haltend. Im Hintergrund Panorama Berlins mit Brandenburger Tor, Siegessäule und Rathausturm.
Im Abschnitt: WAS DU ERFORSCHEST HAST DU MIT ERLEBT
Signatur: E. WEIGAND FEC.
(*auch hier, wie bei Sommer W 18, die falsche Beschreibung als Löwe)

Revers:
Medaille - Weigand - Fidicin-Medaille auch Verdienstmedaille des Vereins für die Geschichte Berlins - Sommer W 24 in Bronze- RV - 001.jpg
In der Mitte die Inschrift von vier Zeilen: FÜR FÖRDERUNG DER VEREINSZWECKE
Umschrift: DER VEREIN FÜR DIE GESCHICHTE BERLINS
Bogenschrift unten: GESTIFTET DEN 28 JANUAR 1865**
Unter dem auf den Kranz gelegten Helm, unten, das Signum: EW***
(**Das Gründungsdatum des Vereins für die Geschichte Berlins)
(***EW = Emil Weigand)

Zur Geschichte der Auszeichnung:
Laut Klaus Sommers Standardwerk über die Medaillen von Emil Weigand fand die Umgestaltung der ursprünglichen Fidicin-Medaille im Jahre 1875 zum 10. Jubiläum des Vereins statt.
Der Verein nennt einen Beschluss von 1873 zur Umgestaltung der Medaille. Die Widmung wurde durch „Für Förderung der Vereinszwecke“ ersetzt. In der Randumschrift sollte der Name des Preisträgers stehen. Die Medaille wurde nur noch vom Verein verliehen und konnte nicht mehr käuflich erworben werden.
Seit 1882 wurde die Medaille in Silber, seit 1895 die bronzene Fassung regelmäßig bis 1944 verliehen. Anfang 1945 erhielten die Ausgezeichneten auf Grund der Kriegswirren lediglich Urkunden. Von 1972 an wurde der Preis wieder eingeführt und offiziell „Fidicin-Medaille für Förderung der Vereinszwecke“ genannt. Die moderne Variante wird nur noch in Silber verliehen. Bis heute wurden 148 Medaillen vergeben, rechnet man die Ehrungen von Anfang 1945 mit 2x Silber und 2x Bronze hinzu kommt man auf 152 Ehrungen. Für 2021 ist die Vergabe einer weiteren Fidicin-Medaille vorgesehen. Bronzene Medaillen wurden bis einschließlich 1944 in 64 Fällen vergeben. 1895 das erste Mal in Bronze an Dr. Johannes Bolte, Philologe (1858-1937).
Das einzige Exemplar in Gold war die an Ernst Fidicin, durch Kaiser Wilhelm I., im Jahr 1872 überreichte Auszeichnung des Vereins.
(https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... aille.html)
(https://www.diegeschichteberlins.de/ver ... aille.html)


Randschrift:

Die hier vorliegende Medaille hat keine Randschrift und weißt auch keine nachträglich hinzugefügte Punzierung am Rand auf. Eine Fotographie auf der Webseite www.museum-digital.de eines silbernen Examplares weist die gleiche Gestaltung wie das vorgestellte Stück auf und erwähnt keine Randschrift******. Ein weiteres Stück in Silber wurde am 16. März 2018 bei Rhenumis Auction 161 angeboten, wiederum wird keine Randschrift erwähnt. Martin Mende, Archivar des Vereins für Geschichte die Geschichte Berlins, berichtete auf Nachfrage über ein bekanntes Exemplar in Silber mit Randschrift. Es handelt sich dabei um die im Jahr 1884 an Karl Sachsse (Vereinsvorsitzender von 1879-1883) vergebene Medaille. Sie hat die Randschrift: GEHEIMRAT SACHSSE. Somit ist in einem bekannten Fall der Vereinsbeschluß von 1873, den Preisträger in den Rand eintragen zu lassen, umgesetzt worden.
(******https://nat.museum-digital.de/index.php ... oaded=true)
Zuletzt geändert von mimach am Mo 21.12.20 13:21, insgesamt 1-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Erinnerungsmedaille: Auf das 25-jährige Bestehen des Vereins

Beitrag von mimach » Sa 12.12.20 21:49

Die nun gezeigte Medaille wurde zum 25. Vereinsjubiläum am 28.01.1890 herausgegeben.
Der Entwurf stammt von Prof. Adolf Matthias Hildebrandt(*1) (1844-1918), Preisträger der silbernen Fidicin Medaille von 1890, Heraldiker, Genealoge und Publizist. In Auftrag gegeben wurde das Memorabilia durch den damals dritten Vorsitzenden Dr. Richard Béringuier(*2) (1854-1916) Preisträger der silbernen Fidicin-Medaille von 1885 und Amtsgerichtsrat.
Martin Mende, Archivar des Vereins für die Geschichte Berlins, kommentiert zu dieser Medaille: „Nach Heft 28 der Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, S. 177, wurden im Rathaus und beim Festabend bei Kroll fast 1000 Stück verkauft. Der Abgabepreis lag bei 3 Mark.“(*3)

Entwurf: Prof. Adolf Hildebrandt
Prägeanstalt: L. Chr. Lauer, Nürnberg (Siehe Kasten)
Material: Kupfer
Durchmesser: 27 mm
Gewicht: 7,52 g
Katalog: nicht bekannt


Vorderseite:
Medaille - Verein für die Geschichte Berlins - 25jähriges Jubiläum - 1890 - Entwurf Prof. Adolf Hildebrandt - AV in Kupfer 002.jpg
Außen Perlrand, Kranz aus Palmenzweigen(*5), innenliegend ein Wappenschild Berlins, oben eine Mauerkrone mit fünf Türmen.
Die Gestaltung des Wappenschildes scheint dem großen Wappen von 1709 entlehnt. Das Wappen wurde, wie 1709, durch einen Göppelschnitt in drei Elemente geteilt:
Unten ein, auf den Hinterbeinen, aufrechtstehender Bär. Im linken oberen Feld:
Der preußische Adler, das Haupt gekrönt. Im linken Fang ein Szepter, im rechten Fang einen Reichsapfel haltend.
Im oberen Rechten Feld:
Der brandenburgische Adler, auf dem Haupt der Kurhut, im rechten Fang das kurfürstliche Lilienzepter, im linken Fang das Kurschwert.
Das Wappen wird, abweichend von dem barocken Vorbild, von einer fünftürmigen Mauerkrone geziert. Die Mauerkrone ähnelt dem kleinen Wappen von 1883(*6), das, wie auch diese Medaille, von Hildebrandt gestaltet wurde.
Caot of Arms Berlin 1709 und 1883.jpg
„Großes“ barockes Stadtwappen Berlins von 1709 (l.) und „Kleines“ Wappen von 1883 (r.)


Rückseite:
Medaille - Verein für die Geschichte Berlins - 25jähriges Jubiläum - 1890 - Entwurf Prof. Adolf Hildebrandt - RV in Kupfer 002.jpg
In einem Kranz die Inschrift:
ZUR ERINNERUNG AN DAS 25 JÄHRIGE BESTEHEN DES VEREINS F.D. GESCHICHTE BERLINS 28.I.1890
Der Kranz: links aus Lorbeer- und rechts aus Eichelzweigen.
Die Komposition wird durch einen Punktkreis umgeben.


|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Münzprägeanstalt L. Chr. Lauer Nürnberg
Ludwig Christoph Lauer (1817-73) gründete 1860 die
Münzprägeanstalt. Neben der Münz- und
Medaillenprägerei gehörte eine Gürtelei, eine mechanische
Werkstatt sowie die Emaillier-, Modellier- und
Gravieranstalt zu dem Unternehmen. Es wurden auch
Orden und Vereinsabzeichen gefertigt. Die größte und
umfänglichste Produktion erreichte die Firma unter den
Söhnen des Firmengründers bis 1915.*4
Aus der Münzprägeanstalt Lauer stammen tausende
Jetons, Marken und Medaillen, vor allem zu geschichtlichen
Anlässen.
Reklamemarke L.Chr.Lauer Münzanstalt 02.jpg
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||

Quellen und Verweise:
*1- Kurzbiografie Prof. Hildebrandt: https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Mat ... ildebrandt
*2- Kurzbiografie Dr. Béringuier: https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Béringuier
*3- Martin Mende, Erinnerungsmedaille zum 25jährigen Bestehen des Vereins 1890, Dezember 2010: https://www.diegeschichteberlins.de/61- ... aille.html
*4- Münzprägeanstalt Chr. L. Lauer Nürnberg- https://nat.museum-digital.de/index.php ... e&id=18170
*5 - Der Kranz aus Palmzweigen ähnelt denen der preußischen Könige für Ihre Münzen verwendeten, z.B. Zwölfteltaler von 1725 (Schrötter 336).
*6 - Die Wappen Berlins: https://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_Berlins
Zuletzt geändert von mimach am Mo 15.02.21 08:30, insgesamt 5-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Re: Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Erinnerungsmedaille: Auf den Besuch des Kaiserpaares – 1908

Beitrag von mimach » Sa 12.12.20 22:36

Das Kaiserpaar, Wilhelm II. und Auguste Viktoria(*1) besuchte am Nachmittag des 22. Januar 1908(*2) einen Lichtbildervortrag des Vereins über die Bauten und Stadtentwicklung von Alt-Berlin. Die Veranstaltung wurde im Theatersaal der königlichen Hochschule für Musik in Charlottenburg abgehalten. Im Anschluss wurde dem Kaiser und der Kaiserin eine Privatsammlung Berliner Fayencen(*3) vorgestellt.

In der Berliner Volkszeitung wurde am darauffolgenden Tag ein Bericht über den Lichtbildvortrag abgedruckt. Der Vortrag wurde durch den damals ersten Vorsitzenden des Vereins, Dr. Béringuier, als Leistungsshow für die Sammelleidenschaft historischer Bilder der Mitglieder des Vereins beschrieben. Der Artikel berichtet eingehend über den Inhalt des Vortrages und die daran vorgenommene Beschreibung der Stadtgeschichte Berlins.
Berliner Volkszeitung, 23.01.1908.jpg
Diesen Besuch des royalen Protektors des Vereines thematisiert die hier vorgestellte Erinnerungsmedaille. Die Gestaltung erfolgte durch den Bildhauer und Medailleur Albert Moritz Wolff.

Katalog: Heidemann 728 „Preußen, Wilhelm II. und Auguste Victoria, Besuch des Kaiserpaares beim Verein für die Geschichte Berlins, 1908
Medailleur: Albert Moritz Wolff (Siehe Kasten)
Prägeanstalt: L. Chr. Lauer, Nürnberg
Matrial: Bronze
Durchmesser: 59,95 mm
Gewicht: 68,08 g


Vorderseite:
Medaille - A. Wolff -Verein für die Gescchichte Berlins - Besuch des Kaiserpaares, 1908 - Heidemann 728 in Bronze -AV 001.jpg
Brustbild des Kaiserpaares nach links. Die Kaiserin Auguste Viktoria vor dem Kaiser Wilhelm II. im Hermelinmantel mit Diadem, der Kaiser in Gardes du Corps Uniform(*4) mit Kürass.
Umschrift: ERINNERUNG a.d. BESUCH d.KAISERPAARES.i.VEREIN d.d. GESCHICHTE BERLIN
Im Feld rechts hinter den Bildnissen das Datum: 22.I.1908
Signatur unten links vertieft: A.M. Wolff
Anmerkung zur Gestaltung:
Die Darstellung der Kaiserin mit Diadem erfolgte auf Wunsch des Kaisers, der Korrekturen am Entwurf von Wolff vornahm.

Rückseite:
Medaille - A. Wolff -Verein für die Gescchichte Berlins - Besuch des Kaiserpaares, 1908 - Heidemann 728 in Bronze -RV 001.jpg
Berolina mit Mauerkrone von vorne. In der Rechten hält sie einen Stift, in der Linken eine Schriftrolle, darauf das Datum der Übergabe der ersten Fidicin-Medaille an Ernst Fidicin durch Kaiser Wilhelm I. am 15.6.1872.
In der Mitte unten ein Postament, darauf ein Kissen mit den Krönungsinsignien Krone und Zepter sowie Ordensband mit Orden(*5).
Im Hintergrund links die Ansicht des Berliner Stadtschlosses mit dem Denkmal des Großen Kurfürsten.
Signatur unten links vertieft: A.M. WOLFF
Signatur unten rechts vertieft: L. CHR. LAUER


||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Albert Moritz Wolff
geboren in 1854 in Berlin, verstorben 1923 in Lübeck.
War Bildhauer, Medailleur und ein Schüler der Berliner Akademie der Künste. Wolff fertigte zahlreiche Modelle darunter viele Portraits und Gedenkmedaillen.
Das erste bekannte bildhauerische Werk ist ein 1879 datiertes Relief am Grabmal Reinhold in Hamburg.
Sein Medaillenwerk umfassen u.a. Stücke auf Otto von Bismarck, Reichskanzler Bülow, den Philosophen Johann Gottfried Herder und den berühmten Numismatiker Hermann Dannenberg.

Er war vor allem für die Berliner AWES-Münze tätig. Insgesamt bilden Medaillen einen Schwerpunkt in seinem Gesamtwerk.
Wolff signierte seine Werke mit: A.M. WOLFF
Albert Moritz Wolff - Heidemann 594.png
Medaille Wolffs auf seine Silberhochzeit 1904 (Katalog: Heidemann 594)
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||


Quellen und Verweise:
*1 - Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921) heiratete am 27.02.1881 in Berlin den Prinzen Wilhelm von Preußen (1859-1941), späterer Kaiser des Deutschen Reiches und König von Preußen (1888-1918).
*2 - Martin Heidemann - Medaillenkunst in Deutschland von 1895 bis 1914 - Die Kunstmedaillen in Deutschland Band 8 - Hrsg. Wolfgang Steguweit – 1998 - Seite 250, Katalognummer 728
*3 - Kunsthandwerklich hergestellte Keramik, Beispiel: https://www.stadtmuseum.de/sammlungen/keramiksammlung
*4 - Kürassierregiment in der Garde-Kavallerie der Preußischen Armee; Siehe Regiment der Gardes du Corps: https://de.wikipedia.org/wiki/Regiment_ ... s_du_Corps (Stand 30.11.2020)
*5 - Ableitend von der Form handelt es sich um das Ordenskreuz des Schwarzen-Adler-Orden (1888-1918). Siehe: https://www.ehrenzeichen-orden.de/deuts ... -1918.html)
Zuletzt geändert von mimach am Do 21.01.21 11:19, insgesamt 1-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Re: Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins" - Das 25-jährige Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelm II. - 1913

Beitrag von mimach » Sa 12.12.20 23:15

Kaiser Wilhelm II. war der höchste Protektor des Vereins für die Geschichte Berlins. Zu seinem 25-jährigen Regierungsjubiläum im Juni 1913 wurden im gesamten Reich große Feierlichkeiten gegeben. Der Verein ließ zu diesem Anlass eine stattliche Gedenkmedaille prägen. Die Medaille wurde am 16.6.1913 im Kapitelsaal des Berliner Stadtschlosses von den Vorsitzenden des Vereins übergeben. Der Kaiser nahm die Huldigung und die Glückwünsche des Vereins(*1) entgegen. Dr. Richard Béringuier erläuterte die Medaille, die anschließend von Prof. Dr. Voß überreicht wurde.
Die Medaille wurde für 7,50 Mark zur Bestellung angeboten. Die Gesamtauflage ist nicht bekannt.(*2)
Titelblatt des Vereins zur Medaille 1913.jpg
Titelblatt der Mittelungen des Vereins von 1913(*2)

Katalog: Heidemann 744 „Preußen, Wilhelm II., Regierungsjubiläum, 1913“(*3)
Medailleur: Albert Moritz Wolff
Prägeanstalt: AWES-Münze-Berlin (Siehe Kasten)
Matrial: Bronze
Durchmesser: 75,01 mm
Gewicht: 153,4 g


Vorderseite:
Medaille - A. Wolff -Verein für die Gescchichte Berlins -25jähriges Jubiläum Kaiser Wilhelm II. - Heidemann 744 in Bronze -AV.jpg
Brustbild des Kaisers nach links blickend, im Brustpanzer des Regiments Garde du Corps. Einen Feldherrenstab in der Rechten haltend. Im Feld rechts das Datum 15.6.1913.
Umschrift:
ZVM 25IÄHR. REGIERUNGSIVBILÄVM. KAISER WILHELM II.DER.VEREIN f.d. GESCHICHTE.BERLINS.
Signatur vertieft im Feld zwischen Brustpanzer und linkem Arm: A.M.WOLFF


Rückseite:
Medaille - A. Wolff -Verein für die Gescchichte Berlins -25jähriges Jubiläum Kaiser Wilhelm II. - Heidemann 744 in Bronze -RV.jpg
Der Kaiser zu Pferd an der Spitze einer Fahnenkompanie nach rechts. Im Vordergrund links eine Zuschauergruppe. Im Hintergrund das Berliner Zeughaus.
Signatur am Rand unten:
AWES MÜNZE BERLIN
Die Szene auf der Rückseite der Medaille zeigt die Rückkehr des Kaisers von der Frühjahrsparade. Neben dem Kaiser reitet General Scholl.
In der Gruppe der Zuschauer sind bekannte Persönlichkeiten Berlins dargestellt: der Vereinsvorstand Dr. Richard Béringuier, der Maler Adolf Menzel, der Bildhauer Reinhold Begas, der Medailleur der Medaille A. Wolff, dessen Frau und Schwager, als auch der Königliche Kommerzienrat Georg Beermann.(*5)
Die Gestaltung der Rückseite hat etwas Fotographisches. Sie fängt den jährlich wiederkehrenden Akt in einem lebendigen, fast filmischen Augenblick ein. Die Protagonisten werden nicht majestätisch überhöht. Die Berliner am Wegrand blicken sich um, wirken an den Anblick des Kaisers gewöhnt.
Die Rückseite der Medaille hebt sich somit deutlich von anderen Erinnerungsstücken dieser Art ab. Die Vorderseite bildet dazu den Kontrast in dem Sie die Majestät mit allen Insignien der Macht darstellt.

|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
AWES-Münze Berlin (*4)
1857 in Berlin gegründet und bis 1941 dort tätig.
Benannt nach ihrem Firmengründer Albert Werner machte die AWES erst in den 1890er Jahren
mit „bemerkenswert anspruchsvollen Arbeiten auf sich aufmerksam“.
Eine 42 Seiten lange Firmenbroschüre warb mit einem von Paul Hildebrandt verfassten Vorwort
für die zeitgenössische Kunstmedaille.
Der Medailleur und Bildhauer Albert Moritz Wolff lieferte die meisten Modelle zu den Gedenkmedaillen.
Auch wurden Arbeiten von Emil Torff, Arthur Galambos dort geprägt,
als auch Albert Reimann, Martin Schauss, Simonoff und Ernst Wenck mit ihren Namenszügen und Signaturen auftauchen.
Höchstwahrscheinlich fusionierte die AWES nach dem 1. Weltkrieg mit der
„Berliner Medaillen-Münze Ostermann vormals G.Loos“ und warb um sich als älteste deutsche
Firma der Branche. Begründet wurde dies mit den Arbeiten Daniel Friedrich Loos des
späten 18. Und frühen 19. Jahrhunderts.
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||


Quellen und Verweise:
*1 - Die drei Vorsitzenden zu dem Zeitpunkt waren der Amtsgerichtsrat Dr. Béringuier, Prof. Dr. Voß und Major Noel.
*2 - Gedenkmedaille zu 25-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1913 - https://www.diegeschichteberlins.de/61- ... aille.html (Stand 02.12.2020)
*3 - Martin Heidemann - Medaillenkunst in Deutschland von 1895 bis 1914 - Die Kunstmedaillen in Deutschland Band 8 - Hrsg. Wolfgang Steguweit, 1998 - Katalognummer 744, Seite 252-253
*4 - Die Kunstmedaille in Deutschland: Band 7 – Kunst und Technik der Medaille und Münze. Das Beispiel Berlin. Berlin 1997 - Seite 191ff
*5 - Martin Heidemann - Medaillenkunst in Deutschland von 1895 bis 1914 - Die Kunstmedaillen in Deutschland Band 8 - Hrsg. Wolfgang Steguweit, 1998 - Katalognummer 744, Seite 253
Zuletzt geändert von mimach am Mo 21.12.20 13:19, insgesamt 1-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Ende der Vorstellung der Medaillen des "Vereins für die Geschichte Berlins"

Beitrag von mimach » Sa 12.12.20 23:30

Das ist die letzte Medaille, die ich zu dem Thema "Verein für die Geschichte Berlins" bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges recherchieren konnte.
Es wurde größten Wert auf Inhalt und Richtigkeit der Fakten und Beschreibung der Medaillen gelegt.

Ich möchte mich vor allem bei Martin Mende, dem Archivar und Bibliothekar des 'Vereins für die Geschichte Berlins' für seine freundlichen Antworten auf meine vielen Fragen bedanken.

Sollten andere Sammler Anmerkungen und Verbesserungen zu den vorgestellten Medaillen haben, so bitte ich um entsprechende Nachricht.
Titelbild.jpg
Vielen Dank fürs Lesen!
Christian
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Re: Erst Milchreis mit Zimt und Zucker, dann Medaillen

Beitrag von mimach » Di 22.12.20 21:42

Die vorliegende Medaille ist eine kleine Besonderheit.
Es handelt sich um eine Medaille der preussischen Militärwaisenhäuser, die sog. Ribbentropmedaille.

Die Katalogbezeichnung bei Olding, Band II., Nr. 326 lautet:
"Medaille 1815 auf seinen Geburtstag am 3. August"
bei Bahrfeldt, Slg. Marienburg Nr. 3781:
"Von den Beamten der preussischen Armee in Paris dem Könige zum Geburtstag gewidmet".

Was hat diese Medaille mit den langen Titeln nun mit Milchreis mit Zimt und Zucker zu tun?

Trotz des augenscheinlichen Jubiläumscharakters auf den Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. (1797-1840), steckt eine noch viel interessantere Geschichte hinter diesem schönen Stück, zu der auch Milchreis mit Zimt und Zucker gehört.

Auf Anregung führender preußischer Offiziere, ließ v. Ribbentrop (Generalintendant der Armee in Paris), eine Benefizmedaille in der Pariser Münze prägen. Die Erlöse aus dem Verkauf sollte den Witwen und Waisen der gefallenen preußischen Soldaten aus den Kriegen gegen Napoleons Frankreich (1813-15) zu Gute kommen. Die übrigen 210 Stück wurden dem "Grossen Militärwaisenhaus zu Potsdam" gestiftet.
Ab 1816 wurde diese zum Geburtstagsfest des Königs Wilhelm III. und nach dessen Tode, zum Geburtstagsfest von Wilhelm IV. an besonders hervorragende Zöglinge des Militärwaisenhauses in Potsdam vergeben.

Zwischen 1816 und 1857 wurden insgesamt 210 Medaillen verliehen (5 Stück pro Jahr). Die im Waisenhausjargon sogenannte "Ribbentrop-Medaille" wurde nach der Verleihung für die Zöglinge, bis zu deren Ausscheiden aus der Anstalt, aufbewahrt.

Nachzulesen im Money Trend vom Oktober 1994, Lothar Tewes: "Die Medaillen der preußischen Militärwaisenhäuser".


Zur Medaille

Material: Silber
Prägeort: Pariser Münze
Auftraggeber: von Ribbentrop
Durchmesser: 37,60mm
Gewicht: 28,74g
Besonderheit: Durchmesser eines 5-Francs-Stück, jedoch 3,7g schwerer als das Sollgewicht
Medailleur: unbekannt
Verleihungstag: 03. August 1816 bis 1839 / 10. Oktober 1840 bis 1857


Avers:
Medaille der preussichen Militärwaisenhäuser - sog. Rippentropmedaille auf den Geburtstag Friedrich Wilhelm III. 1815 - Olding 326 in Silber -AV.jpg
Gekrönter nach links blickender preussischer Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Auf der Brust des Adlers die Initialen des Königs FWR, in den Fängen ein Blitzbündel.
Über dem Kopf des Adlers ein Ordenskreuz im Strahlenkranz, unter dem Adler das Wort PARIS und das Datum 3. AUG. 1815.
Die Umschrift lautet: GLEICHER GEIST GLEICHER SCHUTZ ALLEN STÄNDEN


Revers:
Medaille der preussichen Militärwaisenhäuser - sog. Rippentropmedaille auf den Geburtstag Friedrich Wilhelm III. 1815 - Olding 326 in Silber -RV.jpg
In der Mitte die eine Inschrift: DIE BEAMTEN DER KÖNIGLICH PREUSSISCHEN ARMEE UNTER LEITUNG DES GENERALINTENDANTEN RIPPENTROP.
Unter der Inschrift Eichenzweige, darüber Lorbeerzweige. Aussen zwischen Ordenskreuzen die Umschrift: DEM KÖNIG TREUE | DEM VATERLANDE ANHÄNGLICHKEIT | DER ARMEE SORGFALT.


Randschrift:
Vertieft eingeprägt die Namen der Förderer der Medaille: GNEISENAU * HARDENBERG * BLÜCHER * SCHARNHORST *
Medaille der preussichen Militärwaisenhäuser - sog. Rippentropmedaille auf den Geburtstag Friedrich Wilhelm III. 1815 - Olding 326 in Silber -RS Gneisenau.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/August_Ne ... _Gneisenau
Medaille der preussichen Militärwaisenhäuser - sog. Rippentropmedaille auf den Geburtstag Friedrich Wilhelm III. 1815 - Olding 326 in Silber -RS Hardenberg.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Augu ... Hardenberg
Medaille der preussichen Militärwaisenhäuser - sog. Rippentropmedaille auf den Geburtstag Friedrich Wilhelm III. 1815 - Olding 326 in Silber -RS Blücher.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_L ... on_Blücher
Medaille der preussichen Militärwaisenhäuser - sog. Rippentropmedaille auf den Geburtstag Friedrich Wilhelm III. 1815 - Olding 326 in Silber -RS Scharnhorst.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Scharnhorst

Zur Verleihung:
Die Verleihung der Ribbentrop-Medaille war der Höhepunkt einer aufwendigen Feier im großen Waisenhaus in der Potsdamer Lindenstraße. Daran nahmen jährlich, 800 bis 1500 männliche Kinder und Jugendliche teil.
Das Programm wird bei Tewes wie folgt beschrieben:
- In der Früh großes Wecken durch die Spielleute des Knabenhauses
- 8 Uhr Turmblasen der Musikkapelle der Militärschule des Waisenhauses
- 9.30 Uhr Gottesdienst in der Garnisonskirche in Potsdam
- Parade der vier Anstaltskompanien
- Festessen: Schweinebraten mit Backpflaumen, dazu Wein und Nachtisch
Nach dem Nachtisch, gereicht wurden gerne Milchreis mit Zimt und Zucker, folgte die Festrede des Oberst Anstaltsdirektors mit der Verleihung der silbernen Medaille des Waisenhauses.

Nachdem die letzte der Ribbentrop-Medaillen im Jahr 1857 aufgebraucht war, kam es zu vier weiteren, verschiedenen Prägungen und damit auch Verleihungen bis in das Jahr 1918.

Weiterführende Informationen über das "Grosse Militärwaisenhaus"

Ein Kurzbeitrag bei Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=ZROlV2v ... ature=plcp
und der passende Artikel auf der Homepage der Stadt Potsdam: https://www.potsdam.de/grosses-militaer ... zu-potsdam
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Re: Reinigungsübung - Staatsmedaille für landwirtschaftliche Leistungen - von 1848

Beitrag von mimach » Do 07.01.21 13:33

Ich suche schon eine ganze Weile den ersten Stempel für den “Preußischen Staatspreis für landwirtschaftliche Leistungen”.
Während man den zweiten Stempel ab 1878 bis 1902 sehr häufig, auch in sehr guten Zustand und mit Glück im Verleihungsetui findet, ist das bei den ersten Prägungen ab 1847 schwieriger.

Der erste Stempel zeigt insgesamt 3 Signaturen:
Auf den Avers "LOOS D." und "SCHILLING F."
Auf den Revers "A. KERWIEN".
Der nachfolgende, zweite Stempel, hat nur noch die Signatur „LOOS D.“ auf dem Avers.
Beim dritten Stempel von 1903 bis 1934 ist keine Signatur mehr auf dem Avers. Das Revers zeigt „G. LOOS D.“ und die Rechtschreibreform änderte die Schreibweise auf „LANDWIRT-SCHAFTLICHE“, vorher „LANDWIRTH=SCHAFTLICHE“.


Preußen,Staatsmedaille für landwirtschaftliche Leistungen - Stempel A von 1847-1877 -
Katalog:
- Tewes NH11, K7
- Bannicke/Tewes BDOS Jahrbuch 2004, Nr. 4a


Vor einigen Tagen konnte ich in der Bucht ein Exemplar mit Henkel finden. Ziemlich verschmutzt und im eher ramponierten Zustand.
Inspiriert von den Reinigungsübungen anderer Mitglieder habe ich die Medaille einige Stunden im Seifenwasser eingeweicht und anschließend mit einem Naturhaarpinsel abgebürstet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Signaturen sind jetzt sauber lesbar und der Kranz auf der Rückseite kommt jetzt wieder schön zur Geltung.

Vorderseite ungereinigt
Stempel A - AV ungereinigt.jpg
Vorderseite gereinigt
Stempel A - AV gereinigt.jpg
Rückseite ungereinigt
Stempel A - RV ungereinigt.jpg
Rückseite gereinigt
Stempel A - RV gereinigt.jpg
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Ende der Cholera in Berlin

Beitrag von mimach » Fr 05.02.21 22:01

Berlin wurde in seiner Geschichte immer wieder von Epidemien heimgesucht. Pest, Cholera und Corona bleiben und blieben den Menschen in Erinnerung.
Die von Christoph Pfeuffer gestaltete Medaille erinnert an die Choleraepidemie im Jahr 1831/32.

Die Durchfallerkrankung wütete von September 1831 bis Februar 1832 und forderte das Leben von 1400 Menschen. Über die Ursache der Krankheit gab es damals noch keine Erkenntnisse. John Snow, ein Chirurg und Armenarzt aus England, stellte im Jahr 1854 die These auf, dass verschmutztes Trinkwasser als Übertragungsweg höchstwahrscheinlich ist. Es sollte nochmals 30 Jahre dauern bis Robert Koch, Bernhard Fischer und Georg Gaffky durch die Entdeckung des Ansteckungsmechanismus den Beweis erbringen konnten, dass die Cholera durch Mikroorganismen hervorgerufen wird. Somit war bewiesen, dass der Cholera-Erreger (ein Bakterium) hauptsächlich durch unsauberes Trinkwasser und mangelnde Hygiene zur Ausbreitung kommt.
Mangels dieses Wissens ist es verständlich, dass die Cholera von den Menschen als Gottes Strafe verstanden wurde.
DEMÜTHIGET EUCH NUN UNTER DIE GEWALTIGE HAND GOTTES heißt es auf der Vorderseite der Medaille. Der Todesengel sucht Berolina heim, die sich schutzlos niedergestreckt zeigt.
BEI DEM HERRN IST GNADE UND VIEL ERLÖSUNG proklamiert die Rückseite. Die Cholera ist überstanden und Berolina kniet dankend vor einem neu austreibenden Eichenstumpf.

Weiterführende Quelle über die Seuchengeschichte in Berlin:
https://www.stadtmuseum.de/objekte-und- ... -in-berlin
und über die Cholera auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cholera



Titel: Ende der Cholera in Berlin
Katalog: Sommer P 48
Medailleur: Christoph Pfeuffer
Jahr: 1832
Material: Silber, Bronze, Blei (dieses Stück)
Gewicht: 25,29 g
Durchmesser: 36,28 mm
Medaille - Chr. Pfeuffer - Ende der Cholera in Berlin 1832 - Sommer P48 in Blei - AV.jpg
Avers:
Der Todesengel bedroht mit dem Flammenschwert die zusammengesunkene Berlina
Umschrift: DEMÜTHIGET EUCH NUN UNTER DIE GEWALTIGE HAND GOTTES
Im Abschnitt Inschrift von drei Zeilen: BERLIN VON DER ASIAT. / CHOLERA ERREICHT / D.31 AUG.1831
Signatur neben dem Todesengel, bogenförmig: C.PFEUFFER F.


Medaille - Chr. Pfeuffer - Ende der Cholera in Berlin 1832 - Sommer P48 in Blei - RV.jpg
Revers:
Kniende Berolina im Dankgebet.
Umschrift: BEI DEM HERRN IST GNADE UND VIEL ERLÖSUNG
Signatur über der Abschnittsleiste links: G.LOOS D.
Im Abschnitt: VON DER PLAGE ERLÖSET / D.30 JANUAR / 1832
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Die Flora von Emil Weigand – eine Auszeichnung zweier Berliner Gartenbauvereine

Beitrag von mimach » Do 11.02.21 10:21

In Berlin der 1880er Jahre gab es ein reges Interesse an Gartenbau und eine reichhaltige Anzahl an entsprechenden Gartenbauvereinen in und um die Hauptstadt.(*1) An erster Stelle ist der „Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten“ zu nennen. Dieser wurde am 4. Juli 1822 durch Kabinettsorder König Friedrich Wilhelms III. gegründet und war den preußischen Ministerien für Landwirtschaft (in all seinen unterschiedlichen Namensgebungen) unterstellt. Der jeweilige König von Preußen war höchster Protektor des Vereins. Aus diesem, quasi staatlichen Verein, spaltete sich im Jahr 1843 ein zweiter Gartenbauverein ab, die „Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins“. Der Grund für diese Abspaltung erscheint aus heutiger Sicht kleinlich. Innerhalb des preußischen Vereins gab es einen Streit über die Veranstaltung von Ausstellungen im Frühjahr. In den Statuten war jedoch eine Ausstellung zum Stiftungsfest im Juni vorgeschrieben. Die alten Hardliner aus den Gründungsjahren des Vereins wollten auf die sinnvollen Argumente für ein Ausstellung im Frühjahr nicht eingehen. Es kam letztendlich zum Bruch. Die Reformer gründeten Ihren eigenen, nicht weniger erfolgreichen Verein.(*2)

In den 1870er und 1880er Jahren näherten sich die „Gartenfreunde Berlins“ und der „Verein zur Beförderung des Gartenbaues“ wieder freundschaftlich an. Man unterhielt gemeinsame Vereinszeitschriften, ab 1879 bis 1881 die „Monatsschrift“ und von 1882 bis 1886 die „GARTEN-ZEITUNG“. Auch veranstaltete man zusammen die zwei „Großen Allgemeinen Gartenbau-Ausstellungen zu Berlin“ in den Jahren 1883 und 1885.(*3) Der Grund für die Spaltung war längst in Vergessenheit geraten, denn der „Verein zur Beförderung des Gartenbaues“ unterhielt spätestens seit 1862 eigene Frühjahrsausstellungen.(*4)
1885 wurde zwischen beiden Vereinen über einen Zusammenschluss unter dem Dach des „Vereins zur Beförderung des Gartenbaues“ verhandelt. Dies wurde jedoch auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 14. Januar 1886 durch die Mitglieder des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues abgelehnt.(*5)
Im Jahr 1887 benannten sich die Gartenfreunde in „die Gartenbau-Gesellschaft zu Berlin“ um. Die hier vorgestellte Medaille wurde 1889 als Preismedaille unter diesem neuen Vereinsnamen geschaffen.
Titelbild Garten-Zeitung.jpg
Abbildung 1 - Titelseite der "Gartenzeitung"

Bereits 1884 gestaltete Emil Weigand, erster Medailleur an der Berliner Staatsmünze, die Kopfpatrize zur Vorderseite der hier vorgestellten Medaille.(*6) Laut Bannicke/Tewes soll der künstlerisch sehr ansprechende Kopf der Flora bereits im August 1884 für einen unbekannten Auftraggeber fertig gestellt worden sein. Es wurden zwei einseitige Proben aus Zinn hergestellt, wovon eine hier vorgestellt werden kann. Das Geschäft kam anscheinend nicht zustande.
Einseitige Arbeitsprobe für einen unbestimmten Kunden – 1884 - Sommer W 110.jpg
NR. 1 - Einseitige Arbeitsprobe für einen unbestimmten Kunden – 1884

Im Oktober und November 1889 gestaltete Weigand den Rückseitenstempel zu der Flora im Auftrag der Gartenbau-Gesellschaft zu Berlin. Eine dafür bisher nicht dokumentierte Arbeitsprobe aus Zinn wird hier unter der NR. 2 vorgestellt. Die ersten fertigen Medaillen kamen noch im Dezember 1889 zur Auslieferung (siehe NR. 3).
Arbeitsprobe aus Zinn 1889 - Sommer W 110.jpg
NR. 2 - Arbeitsprobe aus Zinn für die Gartenbau-Gesellschaft zu Berlin 1889

Insgesamt wurden folgende Stückzahlen in den verschiedenen Metallen geprägt: (*7)

Gold – 1889 bis 1891:
8 Stück: Durchmesser 35,4 mm / Gewicht: 22,5 g

Silber – 1889-1892:
210 Stück: Durchmesser 50,6 mm / Gewicht: 50g
dieses Stück NR 3: Durchmesser 50,86 mm / Gewicht: 49,87 g

Kupfer bronziert – 1889 bis 1890:
190 Stück: Durchmesser 50,6 mm / Gewicht: 55 g

Kupfer – 1886, einseitige Proben für Emil Weigand:
2 Stück: Durchmesser 50,6 mm / Gewicht 47 g

Zinn – 1889, zweiseitige Probe für den Verein:
dieses Stück NR. 2: Durchmesser 50,87 mm / Gewicht 54,46 g

Zinn – 1884, einseitige Proben für Emil Weigand:
2 Stück: Durchmesser 50,6 mm / Gewicht 52 g
dieses Stück NR 1: Durchmesser 50,54 mm / Gewicht 51,81 g


Die Preismedaille in Silber für Die Gartenbau-Gesellschaft zu Berlin - 1889
- Kat. Sommer W 110, Emil Weigand.jpg
NR. 3 - Die Preismedaille in Silber für die Gartenbau-Gesellschaft zu Berlin 1889

Referenz: Sommer W 110 (*8)
Medailleur: Emil Weigand (1837-1906)
Avers: Weiblicher Kopf (Flora), nach links. Darunter die Signatur: E.WEIGAND SC.
Revers: Eichenblattkranz um leeres Feld, das eine Widmung aufnehmen kann. Umschrift: DIE GARTENBAU GESELLSCHAFT ZU BERLIN. Unter der Kranzschleife die Signatur: E.W.

Mit Beschluss vom 12. August 1892 löste sich die Gartenbau-Gesellschaft zum 31. Dezember des Jahres auf. Das Vermögen und die Bibliothek der Gartenbau-Gesellschaft wurde dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues ohne weitere Bedingungen übergeben und den Mitgliedern der Übertritt empfohlen.(*9) Elke Bannicke und Lothar Tewes vermuten in ihrem Beitrag im Numismatischen Heft Nr. 19 (*10), dass die Kosten für Prägung der hier gezeigten Preismedaille den Verein in den finanziellen Ruin führten. Der nun einheitliche große Gartenbauverein operierte bis 1910 unter dem Namen „Verein zur Beförderung des Gartenbaues“ weiter. Am 7. Januar 1910 erfolgte dann die Umbenennung in die „Deutsche Gartenbau-Gesellschaft“, kurz DGG.(*11)
Noch unter dem alten Namen veranstaltete der Verein 1909 eine „Große Internationale Gartenbau-Ausstellung“ (GIGA 1909) in den neuen Ausstellungshallen am Zoo. Der Vereinsvorstand beschloss Emil Weigands alten Avers-Stempel der Gartenbau-Gesellschaft als Preismedaille wiederzubeleben. Otto Schultz, Medailleur an der Berliner Staatsmünze und Mitglied des Vereins, erhielt den Auftrag entsprechende Stempelpaare zu fertigen (Siehe NR. 4).
Medaille - Kullrich und Schultz - GiGA Preis von 1909 - Sommer W 110 Variante - AV (1).jpg
Medaille - Kullrich und Schultz - GiGA Preis von 1909 - Sommer W 110 Variante - RV (1).jpg
NR. 4 – Vorder- und Rückseite der Preismedaille für die GIGA 1909 in Silber (*13)

Bei Bannicke/Tewes wird noch eine seltene Prägung in Gold mit einer angepassten Aversgestaltung mit dem neuen Vereinsnamen „DEUTSCHE GARTENBAU GESELLSCHAFT BERLIN“ aufgeführt.(*12) Es sollen davon vier Stück in mit einem Durchmesser von 25 mm und einem Gewicht von 12g zwischen 1911 und 1913 geprägt worden sein.
Reklamemarke GIGA 1909.jpg
Abbildung 2 - Siegelmarke für die GIGA 1909
Postkarte GIGA 1909 - AV.jpg
Abbildung 3 - Postkarte mit Ansicht der Ausstellungshalle am Berliner Zoo


----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Quellen und Referenzen:
(*1) Zusätzlich zu nennen wären die Gartenbauvereine in Steglitz, Pankow, Weißensee, Potsdam und Eberswalde, als auch Berliner Vereine für Orchideenliebhaber, Kakteenliebhaber und Pomologie.
(*2) Gartenflora 1892, S. 484
(*3) Gartenzeitung 1883, 1885
(*4) Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten, No. 15, 1862
(*5) Gartenzeitung 1886
(*6) Elke Bannicke und Lothar Tewes, Preismedaillen des zentralen Gartenbauvereins für Preußen und das Deutsche Reich aus der Berliner Staatsmünze - BBN 2011 Nr. 19, Katalognummer 9, S. 179
(*7) Elke Bannicke und Lothar Tewes, Preismedaillen des zentralen Gartenbauvereins für Preußen und das Deutsche Reich aus der Berliner Staatsmünze - BBN 2011 Nr. 19, S. 170, 171
(*8) Klaus Sommer, Band 3: Emil Weigand - Sein Medaillenwerk, Biblio.Verlag Osnabrück, 1989
(*9) Gartenflora 1892, S. 484
(*10) Elke Bannicke und Lothar Tewes, Preismedaillen des zentralen Gartenbauvereins für Preußen und das Deutsche Reich aus der Berliner Staatsmünze - BBN 2011 Nr. 19, S. 153
(*11) Der Nachfolgeverein nennt sich bis heute: Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V., kurz DGG
(*12) Elke Bannicke und Lothar Tewes, Preismedaillen des zentralen Gartenbauvereins für Preußen und das Deutsche Reich aus der Berliner Staatsmünze - BBN 2011 Nr. 19, Katalognummer 7, S. 169
(*13) Bildquelle: Firma Auctiones, Auktionskatalog 2015, eAuction #40, Loos 183
Zuletzt geändert von mimach am Do 25.02.21 15:13, insgesamt 1-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Medaille auf das Denkmal des Kurfürsten Joachim II. in Spandau

Beitrag von mimach » Fr 19.02.21 21:52

Am 1. November 1539 soll der brandenburgische Kurfürst Joachim II. sich den Protestanten angeschlossen haben und somit die Reformation in der Mark Brandenburg eingeläutet haben. Das Abendmahl nach lutherischer Lehre (in beiderlei Gestallt = Hostie und Wein) soll er vom brandenburgischem Bischof Matthias von Jagow in der St. Nicolai Kirche in Spandau empfangen haben. Der Übertritt des Landesfürsten galt damals gleichzeitig für die gesamte Bevölkerung. Einige Quellen verweisen darauf, dass der Ort und die Umstände so nicht gesichert sind.
Das Denkmal vor der Kirche in Spandau wurde anlässlich des 350. Jahrestages dieses Ereignisses, also 1889 errichtet. Geschaffen wurde es von Erdmann Encke (1843-1896), Senator der Akademie der Künste Berlin und kaiserlicher Hofbildhauer.

Die Medaille wurde von Emil Weigand geschaffen.
Es handelt sich um eine häufig im Handel vorkommende Prägung. Das gezeigte Stück hat eine schöne schokoladenbraune Farbe und ist fast makellos.

Titel: Errichtung des Denkmals für Kurfürst Joachim II.
Katalog: Sommer W 62
Medailleur: Emil Weigand
Jahr: 1889
Material: Bronze
Durchmesser: 51,29 mm
Gewicht: 48,38 g

Medaille - E. Weigand - Errichtung des Denkmals für Kurfürst Joachim II. in Spandau - 1889 - Sommer W 62 in Bronze.jpg
AVERS
Das Denkmal des Kurfürsten. Unter dem Sockel die Signatur: WEIGAND F.

REVERS
Umschrift: DEM KURFÜRSTEN VON BRANDENBURG JOACHIM II
Die Inschrift von zehn Zeilen: Am / 350. GEDENKTAGE / DES / AM 1. NOVEMBER 1539 / I.D. ST. NICOLAI KIRCHE / ZU SPANDAU GESCHEHENEN / FEIERLICHEN ÜBERTRITTS / DIESES FÜRSTEN / ZUM EVANGELISCHEN / GLAUBEN
Bogenschrift unten: ERRICHTET 1889
In der Hohlkehle unten die Signatur: W

verwendete Quellen:
- www.spandau-tourist-info.de
- https://de.wikipedia.org/wiki/Erdmann_Encke
- Klaus Sommer - Band 3 - Emil Weigand - Sein Medaillenwerk
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

Benutzeravatar
mimach
Beiträge: 241
Registriert: Fr 12.06.20 09:04
Wohnort: Erlangen
Hat sich bedankt: 134 Mal
Danksagung erhalten: 132 Mal

Das Reiterstandbild Friedrichs des Grossen auf zeitgenössischen Medaillen

Beitrag von mimach » Mi 10.03.21 22:12

Wer durch Berlin schlendert, ob nun als Einheimischer oder als Tourist, wird es zweifelsohne kennen, das große Reiterdenkmal Friedrich des Großen in der Straße Unter den Linden.
AB1_Foto-Reiterstandbild.jpg
Abbildung 1a - Reiterstandbild Unter den Linden, Berlin
Berlin_Unter_den_Linden_um_1900.jpg
Abbildung 1b - Berlin, Unter den Linden mit Reiterstandbild, um 1900 (Quelle: Wikimedia.org)


Friedrich II. (1712 bis 1786) lehnte zu Lebzeiten die Errichtung eines Denkmals zu seiner Person ab. Bereits nach seinem Tod entstanden die Planungen zu einem Denkmal in der Hauptstadt. Es sollte noch 65 Jahre dauern bis das Monumentalstandbild über den berühmtesten aller Preußenkönige am 31. Mai 1851 enthüllt werden konnte.
Vorrangegangen waren 100 Entwürfe von bedeutenden Bildhauern wie Johann Gottfried Schadow. Letztendlich erhielt ein Entwurf von Schadows Schüler Christian Daniel Rauch am 29. Februar 1836 den Zuschlag. Das Reiterstandbild auf einem geschmückten Postament zeigt den König als volkstümliche, in die vertraute Uniform gekleidete Persönlichkeit. 150 Figuren, an denen zahlreiche weitere Künstler mitgearbeitet haben, schmücken den Sockel.(*1) Der Sockel hat eine Abmessung von 7 m x 9 m und das Denkmal eine Gesamthöhe von 13,5 m. Der Sockel zeigt kunstvoll Szenen aus dem Leben Friedrichs und berühmte Zeitgenossen. Die Ehrentafeln tragen die Namen von Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern und Militärs. Die Widmung auf der Vorderseite lautet: Friedrich dem Großen / Friedrich Wilhelm III. / 1840 / vollendet unter Friedrich Wilhelm IV. 1851“.(*2)
Künstler: Christian Daniel Rauch
Entwurf: Johann Heinrich Strack
Steinmetz: Christian Gottlieb Cantian
Gießerei: Friebel Louis
Materialien: Sockel und Stufen aus Granit, Plastik des Königs aus Bronze, Zaun und Aufbauten aus Eisen (*3)

Rettung vor der Einschmelzung
Das Reiterdenkmal ist eines der Hauptwerke Christian Rauchs und gehört zu den bedeutendsten Denkmälern des 19. Jahrhundert. An dem Denkmal ist der Übergang von der Kunstepoche der plakativen Romantik und des antikisierenden Klassizismus in eine Periode der realistischen Darstellung deutlich erkennbar. Auf der Webseite www.denkmalschutz.de wird neben der Beschreibung des Denkmals auch dessen Rettung vor der Einschmelzung nach dem 2. Weltkrieg, während der Frühphase der DDR, geschildert:
„…Den Zweiten Weltkrieg hatte es mit einer Beton-Hülle unbeschadet überstanden. Doch nach der Spaltung Berlins erklärte die Leitung des "Amtes Museen" im Ost-Berliner Magistrat 1949: "Der königliche Reiter muss weg, ... weil er gegen Osten reitet". In den folgenden Jahren wurde das Reiterdenkmal unter Stroh vor Buntmetalldieben bei einer Baufirma in Potsdam versteckt - und lange vergessen. Gut zehn Jahre später fragte die Firma im Ministerium für Kultur der DDR nach, ob das Denkmal nun eingeschmolzen werden solle. Minister Hans Bentzien (1927-2015) war sich bis dahin nicht mal mehr der Existenz dieses bedeutenden Denkmals deutscher Geschichte bewusst. Darauf verhinderte der Geschichtswissenschaftler die Einschmelzung, konnte aber trotzdem eine "Vollzugsmeldung" mit der Vorlage eines Schrottscheines organisieren. Die mutige Rettung wurde später folgend beschrieben: "Der König kam auf den Tieflader, ... Bartke (ein Abteilungsleiter für Kunst im Ministerium) saß im Fahrerhaus, die weißen Mäuse (Vopos - Verkehrspolizisten) sicherten ab. Dann fuhren sie dort in Potsdam in einer regnerischen Nacht einmal ums Karree und luden die Pracht an anderer Stelle wieder ab."…“ (*4)

Das Medaillenporträt
Auf dem Großteil der folgenden Medaillen über das Reiterstandbild ist ein Portrait Friedrichs abgebildet. Das ist insofern interessant da kein offizielles, von Friedrich II. als König abgesegnetes, Staatsporträt existiert. In seinen jungen Jahren der Außendarstellung und den Prunk nicht abgeneigt, wandelte sich dieses Charakterbild nach seiner Krönung im Jahre 1740 rasch. Aus dem jungen Fürsten vom dem erwartet wurde, dass er „Dukaten regnen lassen sollte“ wurde ein sparsamer und zielstrebiger Staatsmann. (*5)
AB2_Jean_Dassier.jpg
Abbildung 2 - Jean Dassier "Regierungsantritt Friedrich II.", 1740

So zeigt die hier unter -NR 1- vorgestellte Medaille von Christoph Pfeuffer „Zum 100. Jahrestag des Regierungsbeginns Friedrich des Großen“ den König als scheinbar zarten Jüngling. Das von Pfeuffer verwendete Portrait ähnelt dem auf einer Medaille Jean Dassiers auf den Regierungsantritt Friedrich II. aus dem Jahre 1740 (siehe Abbildung 2).(*6) Die unter -NR 2- vorgestellte Medaille von Friedrich Wilhelm Kullrich zeigt hingegen das Antlitz eines erprobten Feld- und Staatsherrn. An der folgenden kleinen Auswahl von Medaillenportraits kann man die Alterung des Königs nachverfolgen. Die Medaillen wurden von Johann Georg Holtzhey (1726-1808) (*7) aus Amsterdam geschaffen (Siehe Abbildung 3).
AB3_Georg_Holtzhey.jpg
Abbildung 3 - Johann Georg Holtzhey, von l.n.r.: 1742 Frieden von Breslau (IKMK 18230610) | 1760 Schlacht bei Torgau (IKMK 18230646) | 1786 Tod Friedrich II. (IKMK 18202077)
Quelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
(*8)



- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Die Medaillen
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -


NR 1100. Jahrestag des Regierungsbeginns Friedrich des Großen / Grundsteinlegung zum Denkmal Friedrich des Großen in Berlin
Entstehungsjahr: 1840
Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer
Material: Bronze, Silber
Gewicht: in Bronze 61,69 g (dieses Stück), in Silber 46,50 g
Durchmesser: in Bronze 49,87 mm (dieses Stück), in Silber 50 mm
Nachweis / Referenz: Sommer P 66 (*9) ; Slg. Marienburg 3847 (Silber) 3848 (Bronze) 3849 (Goldbronze)
NR1 _AV_Christopf_Pfeuffer.jpg
Avers:
Mittig das junge Brustbild Friedrich II. nach links, in Uniform mit Ordensband und Stern.
Oben die Umschrift im Bogen: FRIDERICVS II. BORVSSORVM REX INCIPIT REGNARE XXXXI. MAI. MDCCXL
darunter in kleinerer Schriftgröße im Bogen: MAGNVS AB INTEGRO SAECVLORVM NASCITVR ORDO
Unten die Signaturen bogig am Rand: G. LOOS DIR. C.PFEUFFER FEC.
NR1 _RV_Christopf_Pfeuffer.jpg
Revers:
Ansicht des Denkmals, an der untersten Stufe vertieft STATUAR. C. RAUCH
Oben bogig die Umschrift: MANET MANSVRVSQVE EST IN ANIMIS HOMINVM IN AETERNITATE TEMPORVM
Im Abschnitt die Inschrift in 3 Zeilen: FRIDERICI MAGNI SAECVLARIA | REGNI INITI XXXI MAI | MDCCCXL

-------------------------------------------------------------------------
FORTSETZUNG IM NÄCHSTEN BEITRAG
-------------------------------------------------------------------------
______________________________
Quellen und Referenzen:

*1 - Reiterstandbild Friedrichs des Großen | Reiseführer Berlin | METROPOLEN.DE
*2 - Wikipedia-Eintrag zu Reiterstandbild Friedrich des Großen: https://de.wikipedia.org/wiki/Reitersta ... des_Großen
*3 - Bildhauerei in Berlin: Reiterstandbild Friedrich des Großen Reiterstandbild Friedrich der Große – Bildhauerei in Berlin (bildhauerei-in-berlin.de)
*4 - https://www.denkmalschutz.de/denkmal/test27.html
*5 - Bernd Kluge & Elke Bannicke: Für 8 Groschen ist’s genug – Friedrich der Große in seinen Münzen und Medaillen, Staatliche Museen zu Berlin Münzkabinett, 2012, Seite 11, 66, 88
*6 - Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 18202065, https://ikmk.smb.museum/object_print.ph ... 65&lang=de
*7 - Wikipedia-Eintrag zu Georg Holtzhey: https://en.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Holtzhey
*8 - Interaktiver Katalog des Münzkabinetts Berlin, IKMK Nummern für mehr Informationen in der Suche eingeben: https://ikmk.smb.museum/home
*9 - K. Sommer, Die Medaillen der königlich-preußischen Hof-Medailleure Christoph Carl Pfeuffer und Friedrich Wilhelm Kullrich, Osnabrück 1986
Zuletzt geändert von mimach am Do 11.03.21 10:19, insgesamt 10-mal geändert.
——••——
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck (1902-68)
——••——

  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • Tausch: 1/48 Taler, Brandenburg-Preußen, 1732, Schrötter 405
    von mimach » Do 18.06.20 21:05 » in Tauschbörse
    1 Antworten
    66 Zugriffe
    Letzter Beitrag von mimach
    Mi 08.07.20 22:34
  • Schaukasten Weltmünzen
    von Basti aus Berlin » Sa 13.02.21 19:35 » in Sonstige
    64 Antworten
    2092 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Numis-Student
    Mo 12.04.21 21:50
  • Schaukasten: Nürnberger Rechenpfennige
    von TorWil » So 22.12.19 09:45 » in Rechenpfennige und Jetons
    2 Antworten
    576 Zugriffe
    Letzter Beitrag von ischbierra
    So 22.12.19 15:41
  • Schaukasten: Hessischer Raum
    von Erst Ludwig » Mi 14.10.20 18:51 » in Medaillen, Plaketten und Jetons
    11 Antworten
    1149 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Erst Ludwig
    Mo 29.03.21 12:39
  • Fälschungen oder Schaukasten ? am verzweifeln mit dieser
    von _mo_ » So 10.05.20 15:29 » in Griechen
    3 Antworten
    500 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Amentia
    Mo 11.05.20 09:50

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast