Gipsabgüsse

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Atalaya
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Gipsabgüsse

Beitrag von Atalaya » Di 06.04.21 11:10

Gipsabgüsse von Münzen sind ja Handwerkszeug der Numismatik. Werden die eigentlich auch gesammelt, zB alte Abgüsse? Bzw. wo bekomme ich Abgüsse her, die ich gerne in meiner Sammlung hätte. Kann man sich als Privatperson mit der Bitte an ein Münzkabinett wenden? Findet man schon mal ältere Abgüsse auf Börsen? Weiß da wer was Genaueres?

Viele Grüße,
Atalaya
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
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Re: Gipsabgüsse

Beitrag von Numis-Student » Mi 07.04.21 20:48

Hallo,

Es gibt alte Sammlungen, meist in buchartigen Einbänden. So etwas taucht gelegentlich bei Auktionen auf. In der Regel sind diese Zusammenstellungen thematisch geordnet.

Große wissenschaftliche Kabinette haben in der Regel auch eine Abteilung für Gipse, da ja besondere Stücke gelegentlich Unikate sind.

Du kannst dort sicher anfragen, ob sie Dir Gipse machen, aber mache Dich darauf gefasst, dass die in der Regel nicht billig sind.

Einzelne Gipse gibt es sicher auch hin und wieder auf Börsen.

Wenn Du die Möglichkeit hast, an die Originale zu kommen, wenn auch nur kurzfristig, kannst Du auch selber Gipse anfertigen.

Schöne Grüße
MR

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Re: Gipsabgüsse

Beitrag von Atalaya » Mi 07.04.21 21:18

Vielen Dank für die Auskunft! Also doch auf Börsen warten und Geduld haben. :) Die Theorie der Abformung hab ich schon bei Ulrich Werz nachgelesen...

Viele Grüße,
Atalaya
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Re: Gipsabgüsse

Beitrag von Zwerg » Mi 07.04.21 21:28

Gipsabgüsse dürften heute nicht bezahlbar sein - und es würde mich wundern wenn sie überhaupt noch hergestellt werden

Technik Ende der 70er:
Hochwertigen Sigellack (der normale rote geht gar nicht) langsam über einem Bunsenbrenner durch Drehen erweichen, dann auf einen Karton tropfen lassen, dann die Münze hinein drücken.
Erfordert viel Erfahrung betreffs der Größe der Münze und der Konsistenz des tropfenden und sich abkühlenden Sigellacks

Gips anrühren. Auch hier ist leicht gefärbter Spezialgips notwendig. Auch hier muß der Hiwi Erfahrung mit der Konsistenz des Gipses und der Trockenzeit haben - Luftblasen sind tunlich zu vermeiden.

Rechtzeitig (wieder viel Erfahrung!) wird der Gips aus der Form gelöst und mit einem scharfen Messer (ein Wetzstahl war immer vorhanden) zugeschnitzt.

Von einem, der in seinem Studentenleben eine höhere 4-stellige Anzahl von Gipsen hergestellt hat

Grüße
Klaus

@Atalaya
Danke für den Link - die Technik hat sich teilweise weiterentwickelt :D
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Re: Gipsabgüsse

Beitrag von Atalaya » Mi 07.04.21 21:50

Ich hatte früher schon mal Gelegenheit, Numismatikern beim Abformen von Fundmünzen über die Schulter zu schauen und war immer davon fasziniert. Ähnlich wie den Epigraphikern beim Abklatschen von Inschriften. Sieht einfach aus, ist es aber nur in der Theorie. :)

Mir schweben sowohl so einfache numismatische Dokumentationsabformungen, als auch historische vor, die dann ja wohl wie entsprechende Gemmenabdrücke zu sehen wären, wenn ich Numis-Student richtig verstanden habe. :)

Für Fotoexperimente wären selbst abgeformte eigene Stücke ein interessantes erstes Projekt.

Atalaya
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Re: Gipsabgüsse

Beitrag von Numis-Student » Mi 07.04.21 21:59

Ich schätze, ich habe in meinem Studentenleben nur eine dreistellige Zahl an Gipsen angefertigt, und zwar relativ simpel:

Münze auf ein Stückchen Pappe legen, Alufolie drüber, mit Zahnbürste bûrsten, Alufolie abheben, umdrehen, ein Klecks Gips rein. Abbinden lassen, mit einem Teppichmesser die Form nachschneiden, Rückseite beschriften, fertig.
Bei kleinen Münzen wie Antoninianen vollkommen ausreichend.

Schöne Grüße
MR

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Re: Gipsabgüsse

Beitrag von Atalaya » Mi 07.04.21 22:02

Ja, so sah das aus :) und so beschreibt es U. Werz auch. Muss man trotzdem üben, vor allem mit zwei linken Händen.
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