Rottweiler Pfennig
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Dude_199
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Re: Rottweiler Pfennig
So das waren jetzt alle Stücke meiner Sammlung und alle derzeit bekannten Stempelvarianten. Ich hoffe es hat euch gefallen. Wer Stücke zur Bestimmung einstellen will kann dies gerne tun.
Viele Grüße
Dude
Viele Grüße
Dude
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- Numis-Student (So 16.01.22 10:51) • TorWil (So 16.01.22 13:22) • Atalaya (So 16.01.22 16:59) • Lilienpfennigfuchser (So 16.01.22 17:29) • QVINTVS (So 16.01.22 22:50)
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Re: Rottweiler Pfennig
Hallo Dude,
ich hatte mich ja schon per PN bei Dir gemeldet:
Ein toller Beitrag, ich kann gut abschätzen, wie viel Arbeit dahinter steckt... Die Stücke auftreiben, genau bestimmen, den Provenienzen nachgehen. Schön, wirklich schön !
Besonders freut mich natürlich, dass Du auch ein Stück von uns, also vom Dorotheum in der Sammlung hast
Das sind wirklich Beiträge, die den Ruf des Numismatikforums als DAS Fachforum begründen. Vielen Dank also auch in dieser Hinsicht dafür !
Mir würde es wohl reichen, wenn sich irgendwann eine günstige Gelegenheit bietet, zumindest einen solchen Brakteaten in meine Sammlung zu legen...
Noch einmal: DANKE für diesen wirklich tollen Beitrag !
MR
ich hatte mich ja schon per PN bei Dir gemeldet:
Ein toller Beitrag, ich kann gut abschätzen, wie viel Arbeit dahinter steckt... Die Stücke auftreiben, genau bestimmen, den Provenienzen nachgehen. Schön, wirklich schön !
Besonders freut mich natürlich, dass Du auch ein Stück von uns, also vom Dorotheum in der Sammlung hast
Das sind wirklich Beiträge, die den Ruf des Numismatikforums als DAS Fachforum begründen. Vielen Dank also auch in dieser Hinsicht dafür !
Mir würde es wohl reichen, wenn sich irgendwann eine günstige Gelegenheit bietet, zumindest einen solchen Brakteaten in meine Sammlung zu legen...
Noch einmal: DANKE für diesen wirklich tollen Beitrag !
MR
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- TorWil (So 16.01.22 13:22)
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
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Lilienpfennigfuchser
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Rottweiler Pfennig
Hallo,
ich kann mich dem Lob von Numis-Student nur anschließen. Es war gewiss eine Heidenarbeit die zahlreichen Stempelvarianten zu erfassen.
Da ergiebt sich bei mir die Frage: Welche Änderungen der Stempel sind die Folge von Verrufungen und welche sind in den Werkstätten infolge von unterschiedlicher Arbeitsweise der Stempelschneider entstanden?
Wenn wir mal wissen wie viel Brakteaten mit einem Stempel geprägt wurden und dazu die Anzahl der Stempelvarianten berücksichtigen, dann können wir auch die wirtschaftlich Bedeutung dieser Münzen besser einschätzen. Dazu kann die Arbeit von Dude hervorragend dienen.
So kann "Dude 47" auch aussehen. Das Stück stammt aus einer Versteigerung i. J. 1977.
Grüße
LPF
ich kann mich dem Lob von Numis-Student nur anschließen. Es war gewiss eine Heidenarbeit die zahlreichen Stempelvarianten zu erfassen.
Da ergiebt sich bei mir die Frage: Welche Änderungen der Stempel sind die Folge von Verrufungen und welche sind in den Werkstätten infolge von unterschiedlicher Arbeitsweise der Stempelschneider entstanden?
Wenn wir mal wissen wie viel Brakteaten mit einem Stempel geprägt wurden und dazu die Anzahl der Stempelvarianten berücksichtigen, dann können wir auch die wirtschaftlich Bedeutung dieser Münzen besser einschätzen. Dazu kann die Arbeit von Dude hervorragend dienen.
So kann "Dude 47" auch aussehen. Das Stück stammt aus einer Versteigerung i. J. 1977.
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- ischbierra
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Re: Rottweiler Pfennig
Meiner sieht so aus:
Zeit 1300-1330, 0,45 gr.; CC 304, Klein 122, de Wit 2487. Liege ich mit der Bestimmung richtig?
Zeit 1300-1330, 0,45 gr.; CC 304, Klein 122, de Wit 2487. Liege ich mit der Bestimmung richtig?
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Dude_199
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Re: Rottweiler Pfennig
Hallo Zusammen,
entschuldigt bitte das ich mich nicht mehr gemeldet habe. War leider beruflich stark eingebunden.
Ich bedanke mich noch recht herzlich für eure lobenden Worte. Wobei ich ja, wie eingangs bereits geschrieben, lediglich bestehende Arbeiten ergänzt habe.
Die von Lilienpfennigfuchser aufgewogenen Fragen sind sehr interessant. Es ist auf jeden Fall anhand der bekannten Stempel festzustellen, dass in Rottweil eine umfangreiche Prägetätigkeit stattfand und die Münzstätte für den umliegenden Geldumlauf schon von gewisser Bedeutung gewesen sein muss. Hier würden natürlich weitere Funde ggf. mehr Licht ins Dunkel bringen.
Zu der Haltedauer von Brakteatenstempeln fehlen einfach die praktischen Versuche. Es stellt sich ja bereits die Frage nach dem Material welches als Gegenstück verwendet wurde. Hier kann ich folgende Arbeit empfehlen https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=s ... 98:48::231.
@ischbierra ja deine Bestimmung ist vollkommen korrekt. Schönes Stück übrigens.
Wer noch Rottweiler Stücke in seiner Sammlung schlummern hat soll diese gerne vorstellen.
Nach diesem Thread stellt sich mir noch die Frage ob wir einen solchen Thread noch für die Bodenseebrakteaten aufmachen sollen bzw. sogar mit den Vorläufern aus den jeweiligen Währungsgebieten. Daneben wäre es noch für den Breisgau und die Nordschweiz möglich.
Viele Grüße
Dude
entschuldigt bitte das ich mich nicht mehr gemeldet habe. War leider beruflich stark eingebunden.
Ich bedanke mich noch recht herzlich für eure lobenden Worte. Wobei ich ja, wie eingangs bereits geschrieben, lediglich bestehende Arbeiten ergänzt habe.
Die von Lilienpfennigfuchser aufgewogenen Fragen sind sehr interessant. Es ist auf jeden Fall anhand der bekannten Stempel festzustellen, dass in Rottweil eine umfangreiche Prägetätigkeit stattfand und die Münzstätte für den umliegenden Geldumlauf schon von gewisser Bedeutung gewesen sein muss. Hier würden natürlich weitere Funde ggf. mehr Licht ins Dunkel bringen.
Zu der Haltedauer von Brakteatenstempeln fehlen einfach die praktischen Versuche. Es stellt sich ja bereits die Frage nach dem Material welches als Gegenstück verwendet wurde. Hier kann ich folgende Arbeit empfehlen https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=s ... 98:48::231.
@ischbierra ja deine Bestimmung ist vollkommen korrekt. Schönes Stück übrigens.
Wer noch Rottweiler Stücke in seiner Sammlung schlummern hat soll diese gerne vorstellen.
Nach diesem Thread stellt sich mir noch die Frage ob wir einen solchen Thread noch für die Bodenseebrakteaten aufmachen sollen bzw. sogar mit den Vorläufern aus den jeweiligen Währungsgebieten. Daneben wäre es noch für den Breisgau und die Nordschweiz möglich.
Viele Grüße
Dude
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- Pfennig 47,5 (Di 02.04.24 21:32)
- Numis-Student
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Re: Rottweiler Pfennig
Ich würde mich sehr freuen, wenn auch über die Bodensee-Brakteaten so ein Beitrag entstehen würde.
Auch die anderen Themen wären schön, auch wenn ich wohl kaum etwas beisteuern kann.
MR
Auch die anderen Themen wären schön, auch wenn ich wohl kaum etwas beisteuern kann.
MR
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wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
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Re: Rottweiler Pfennig
Und auch hier ganz herzlichen Dank für die tolle Arbeit! Werde mir beide Threads genüsslich in Ruhe durchlesen.
Streut Kaviar unters Volk, damit der Pöbel ausrutscht... !
- numisnumis
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Re: Rottweiler Pfennig
Hallo Dude_199,
aus aktuellem Anlass möchte ich diesen Thread gerne wieder aus der Versenkung holen. Mit grossem Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen, besten Dank dafür. Nun ist es so, dass ich unlängst ein Bruchstück (0.20 g) eines Brakteaten mit einer Vogeldarstellung erhalten habe.
Ich bin mir nicht schlüssig, ob diese Münze in die Rottweiler - Reihe passt? Ich bedanke mich für alle Hinweise.
Herzlich
numisnumis
aus aktuellem Anlass möchte ich diesen Thread gerne wieder aus der Versenkung holen. Mit grossem Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen, besten Dank dafür. Nun ist es so, dass ich unlängst ein Bruchstück (0.20 g) eines Brakteaten mit einer Vogeldarstellung erhalten habe.
Ich bin mir nicht schlüssig, ob diese Münze in die Rottweiler - Reihe passt? Ich bedanke mich für alle Hinweise.
Herzlich
numisnumis
Zuletzt geändert von numisnumis am So 15.03.26 21:43, insgesamt 2-mal geändert.
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- Numis-Student (So 15.03.26 22:23) • Lilienpfennigfuchser (Mo 16.03.26 11:39)
- Numis-Student
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Re: Rottweiler Pfennig
Hallo,
bitte die Bilder auf 150 kB bringen und direkt im Forum hochladen - Fremdseiten können von Werbung bis Viren alle möglichen Überraschungen enthalten. Außerdem verschwinden die Bilder in der Regel nach einigen Tagen oder Wochen. Danach ist die ganze Diskussion im Forum nicht mehr nachvollziehbar und daher für die Tonne.
Hier noch eine detaillierte Anleitung:
--> viewtopic.php?f=14&t=17486
Schöne Grüße,
MR
bitte die Bilder auf 150 kB bringen und direkt im Forum hochladen - Fremdseiten können von Werbung bis Viren alle möglichen Überraschungen enthalten. Außerdem verschwinden die Bilder in der Regel nach einigen Tagen oder Wochen. Danach ist die ganze Diskussion im Forum nicht mehr nachvollziehbar und daher für die Tonne.
Hier noch eine detaillierte Anleitung:
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Schöne Grüße,
MR
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- numisnumis (So 15.03.26 21:44)
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
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Dude_199
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Re: Rottweiler Pfennig
Hallo numisnumins,
vielen Dank für die Vorstellung deines interessanten Stückes. Das Stück gehört definitiv nicht nach Rottweil. Es handelt sich bei deinem Stück um einen Pfennig der nach Breisgauer Machart produziert wurde. Dies ist gut an der vierzipfeligen Schrötlingsform erkennbar. Über die Münzstätten Zuweisung deines Stückes wird bis heute noch diskutiert. Ich selbst habe mich mit diesem Münztyp noch nicht intensiv beschäftigt. In ganz alter Literatur findet man gelegentlich auch den Vorschlag den Münztyp nach Rottweil zu legen. Dies ist jedoch auszuschließen, da Rottweil immer nach Konstanzer, bzw. „Konstanz-nahem“ Münzfuß geprägt hat und nie in das Währungsgebiet des Breisgauer Pfennigs wechselte.
Die erste mir bekannte genauere Beschreibung dieses Münztypes erfolgte bei Dr. H. Buchenau, Schwäbisch-Allemannische Pfennige, in Blätter für Münzfreunde, Sp. 4759ff unter den Nummern 59a und b (Tafel 195). Herr Buchenau gibt als mögliche Münzstätte Freiburg im Breisgau oder Villingen an, da er in den Strichen zwischen den beiden Wulstringen einen Wolkensaum erkennen will.
Im heutigen Standardwerk zum Breisgauer Pfennig von Friedrich Wielandt, Der Breisgauer Pfennig und seine Münzstätten, G. Braun Verlag, 2. Auflage 1976, wird der Typ unter den Nummern 42 und 42 a geführt. Herr Wielandt ist sich bezgl. der Münzstätten absolut unsicher und gibt grds. Freiburg im Breisgau und Villingen an. Hier gibt er Villingen den Vorrang, da auch er in der Randgestaltung den fürstenbergischen Wolkensaum erkennen will, welcher aus Siegeln von Villingen und Fürstenberg bekannt ist. Ferner gibt er an, dass auch folgende Münzstätten in Betracht zu ziehen sind Breisach, Colmar und Zürich.
Der nächste namhafte Numismatiker welcher sich mit diesem Münztyp beschäftigte war Dr. Ulrich Klein. Im Aufsatz Die Münzprägung der Zähringer gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Lichte eines neuen Fundes, in Die Zähringer – Schweizer Vorträge und neue Forschungen, Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung III, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen, 1990, S. 341-350, Tafel 30 Nrn. A und B ohne dort eine Münzstätten Zuweisung zu nennen. Im Text erläutert er, dass im Fund von Niederried am Brienzer See, 1850 solche Stücke enthalten waren und diese nach Bern gelegt wurden. Er führt jedoch aus, dass diese Prägungen dem Breisgauer Währungsgebiet zuzurechnen sind. Das nächste Mal beschäftigt er sich in Die Villinger Münzprägung, in Villingen und Schwenningen, Hermann Kuhn Verlag, 1998, S. 26-59. Dort wird der Münztyp unter den Nummern 89 und 90 geführt. Er weist die Stücke Villingen zu, unter Verweis auf den von den anderen Autoren auch schon aufgeführten Wolkensaum. Gibt aber gleichzeitig an, dass auch Freiburg im Breisgau als Prägestätte in Frage kommt. Daneben hat er diesen Münztyp zusammen mit Rainer Ulmer im Fund von Hülben unter den Nrn. 6 und 7 beschrieben und dort der Münzstätte Freiburg im Breisgau zugeordnet. Der Aufsatz ist hier abrufbar https://www.e-periodica.ch/digbib/view? ... 8%3A%3A542.
Als nächstes befasste sich noch Michael Matzke mit diesem Münztyp. In Dirham und Rappenpfennig 2, Dr. Rudolf Habelt GmbH, 2004, Bonn, S. 43-125 hat Herr Matzke umfangreiche metallurgische Untersuchungen an verschiedenen mittelalterlichen Pfennigen vorgenommen. Mit integriert waren auch die Breisgauer Pfennige, bei denen er teilweise Neuzuordnungen vorgeschlagen hat. Hierbei befasst er sich im Kapital „Breisach“ auf S. 80/81 mit diesem Münztyp. Ich hole jetzt etwas weiter aus. Alle Informationen sind Matzke aus S. 78-81 entnommen. Die Münzstätte Breisach fiel im Jahr 1002, spätestens im Jahr 1028 an die Bischöfe von Basel. Im Jahr 1185 traten die Basler Bischöfe wieder die Hälfte der Stadt an den König ab. Aufgrund dessen hat Herr Matzke Stücke gesucht, die metallurgisch und stilistisch aus einer Münzstätte stammen sollten und welche entweder königliche oder bischöfliche Elemente im Prägebild aufzeigen. Als erste königliche und bischöfliche Serie sieht er folgende Stücke an:
Königliche Prägung https://www.acsearch.info/search.html?id=12367216
Bischöfliche Prägung https://www.acsearch.info/search.html?id=3581762
Da die beiden Münztypen im sog. „Barbarossa-Fund“ enthalten waren, welcher im Jahr 1189 als geschlossen anzusehen ist, kann Bern als Münzstätte ausgeschlossen werden, da Bern erst 1191 gegründet wurde. Somit ist die Zuschreibung im o.g. Fund von Niederried als hinfällig anzusehen.
Im Zuge des staufisch-zähringischen Ausgleichs um die Thronfolge wurde die königliche Hälfte 1198 an die Zähringer abgetreten. In der Zeit zwischen 1198 bis 1218 ist davon auszugehen, dass die Zähringer ihren bestehenden Münzstätten Freiburg im Breisgau und Solothurn den Vorrang gaben und somit vermutlich keine weltliche, sondern lediglich eine bischöfliche Prägung in Breisach stattfand. Mit dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 machte Friedrich II Besitzansprüche als heimgefallenes Lehen für Bern, Breisach und Zürich geltend. Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass ab dem Jahr 1218 wieder königliche und bischöfliche Parallelprägungen in Breisach stattfanden. Hier kommen wir nun zu deinem Münztyp. Herr Matzke sieht hierin die königliche Prägung. Als bischöfliches Gegenstück ist folgender Münztyp anzusehen https://www.acsearch.info/search.html?id=3581765. Er nimmt eine Prägung für die Zeit von 1218-1230 an.
Gleiche Argumentation bringt Matzke in einem weiteren Aufsatz, Siegel und Münzen der Zähringer, in Die Zähringer – Rang und Herrschaft um 1200 (Hrsg. Jürgen Dendorfer, Heinz Krieg und R. Johanna Regnath), Thorbecke Verlag, 2018, S. 263-295, speziell zu deinem Münztyp S. 291/292. Unter der Nr. 81 ist der Münztyp abgebildet.
Ich würde das Stück bei mir folgendermaßen ablegen:
Münzstätte Breisach? unter königlicher Verwaltung
Prägeherr: Anonym, Zeit Friedrich II, 1215-1250
Geprägt ca. 1218-1230
Nach links blickender Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Zusätzlicher Punkt rechts neben dem Adlerkopf. Umgeben von zwei Wulstringen, innerhalb der Wulstringe Striche oder strichähnliche Zeichen.
Literatur: Matzke Dirham und Rappenpfennig 2 Nr. 132 var. (Punkt neben Kopf); Matzke Siegel und Münzen der Zähringer Nr. 81 var. (Punkt neben Kopf); Wielandt Breisgau 42, 42a var. (Punkt neben Kopf); Klein Villingen 89/90; Klein Zähringer Taf. 30 A/B var. (Punkt neben Kopf).
Ob es sich bei deinem Stück mit Punkt neben dem Adlerkopf tatsächlich um eine Variante handelt oder die anderen Stücke lediglich schlecht ausgeprägt sind lasse ich mal offen. Hier würde meiner Ansicht nach nur eine Stempelstudie tatsächliche Klarheit bringen.
Wie Eingangs bereits erläutert, habe ich mich mit diesem Münztyp noch nicht intensiv auseinandergesetzt. Ich hoffe dir hilft die Antwort dennoch etwas weiter.
Viele Grüße
Dude
vielen Dank für die Vorstellung deines interessanten Stückes. Das Stück gehört definitiv nicht nach Rottweil. Es handelt sich bei deinem Stück um einen Pfennig der nach Breisgauer Machart produziert wurde. Dies ist gut an der vierzipfeligen Schrötlingsform erkennbar. Über die Münzstätten Zuweisung deines Stückes wird bis heute noch diskutiert. Ich selbst habe mich mit diesem Münztyp noch nicht intensiv beschäftigt. In ganz alter Literatur findet man gelegentlich auch den Vorschlag den Münztyp nach Rottweil zu legen. Dies ist jedoch auszuschließen, da Rottweil immer nach Konstanzer, bzw. „Konstanz-nahem“ Münzfuß geprägt hat und nie in das Währungsgebiet des Breisgauer Pfennigs wechselte.
Die erste mir bekannte genauere Beschreibung dieses Münztypes erfolgte bei Dr. H. Buchenau, Schwäbisch-Allemannische Pfennige, in Blätter für Münzfreunde, Sp. 4759ff unter den Nummern 59a und b (Tafel 195). Herr Buchenau gibt als mögliche Münzstätte Freiburg im Breisgau oder Villingen an, da er in den Strichen zwischen den beiden Wulstringen einen Wolkensaum erkennen will.
Im heutigen Standardwerk zum Breisgauer Pfennig von Friedrich Wielandt, Der Breisgauer Pfennig und seine Münzstätten, G. Braun Verlag, 2. Auflage 1976, wird der Typ unter den Nummern 42 und 42 a geführt. Herr Wielandt ist sich bezgl. der Münzstätten absolut unsicher und gibt grds. Freiburg im Breisgau und Villingen an. Hier gibt er Villingen den Vorrang, da auch er in der Randgestaltung den fürstenbergischen Wolkensaum erkennen will, welcher aus Siegeln von Villingen und Fürstenberg bekannt ist. Ferner gibt er an, dass auch folgende Münzstätten in Betracht zu ziehen sind Breisach, Colmar und Zürich.
Der nächste namhafte Numismatiker welcher sich mit diesem Münztyp beschäftigte war Dr. Ulrich Klein. Im Aufsatz Die Münzprägung der Zähringer gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Lichte eines neuen Fundes, in Die Zähringer – Schweizer Vorträge und neue Forschungen, Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung III, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen, 1990, S. 341-350, Tafel 30 Nrn. A und B ohne dort eine Münzstätten Zuweisung zu nennen. Im Text erläutert er, dass im Fund von Niederried am Brienzer See, 1850 solche Stücke enthalten waren und diese nach Bern gelegt wurden. Er führt jedoch aus, dass diese Prägungen dem Breisgauer Währungsgebiet zuzurechnen sind. Das nächste Mal beschäftigt er sich in Die Villinger Münzprägung, in Villingen und Schwenningen, Hermann Kuhn Verlag, 1998, S. 26-59. Dort wird der Münztyp unter den Nummern 89 und 90 geführt. Er weist die Stücke Villingen zu, unter Verweis auf den von den anderen Autoren auch schon aufgeführten Wolkensaum. Gibt aber gleichzeitig an, dass auch Freiburg im Breisgau als Prägestätte in Frage kommt. Daneben hat er diesen Münztyp zusammen mit Rainer Ulmer im Fund von Hülben unter den Nrn. 6 und 7 beschrieben und dort der Münzstätte Freiburg im Breisgau zugeordnet. Der Aufsatz ist hier abrufbar https://www.e-periodica.ch/digbib/view? ... 8%3A%3A542.
Als nächstes befasste sich noch Michael Matzke mit diesem Münztyp. In Dirham und Rappenpfennig 2, Dr. Rudolf Habelt GmbH, 2004, Bonn, S. 43-125 hat Herr Matzke umfangreiche metallurgische Untersuchungen an verschiedenen mittelalterlichen Pfennigen vorgenommen. Mit integriert waren auch die Breisgauer Pfennige, bei denen er teilweise Neuzuordnungen vorgeschlagen hat. Hierbei befasst er sich im Kapital „Breisach“ auf S. 80/81 mit diesem Münztyp. Ich hole jetzt etwas weiter aus. Alle Informationen sind Matzke aus S. 78-81 entnommen. Die Münzstätte Breisach fiel im Jahr 1002, spätestens im Jahr 1028 an die Bischöfe von Basel. Im Jahr 1185 traten die Basler Bischöfe wieder die Hälfte der Stadt an den König ab. Aufgrund dessen hat Herr Matzke Stücke gesucht, die metallurgisch und stilistisch aus einer Münzstätte stammen sollten und welche entweder königliche oder bischöfliche Elemente im Prägebild aufzeigen. Als erste königliche und bischöfliche Serie sieht er folgende Stücke an:
Königliche Prägung https://www.acsearch.info/search.html?id=12367216
Bischöfliche Prägung https://www.acsearch.info/search.html?id=3581762
Da die beiden Münztypen im sog. „Barbarossa-Fund“ enthalten waren, welcher im Jahr 1189 als geschlossen anzusehen ist, kann Bern als Münzstätte ausgeschlossen werden, da Bern erst 1191 gegründet wurde. Somit ist die Zuschreibung im o.g. Fund von Niederried als hinfällig anzusehen.
Im Zuge des staufisch-zähringischen Ausgleichs um die Thronfolge wurde die königliche Hälfte 1198 an die Zähringer abgetreten. In der Zeit zwischen 1198 bis 1218 ist davon auszugehen, dass die Zähringer ihren bestehenden Münzstätten Freiburg im Breisgau und Solothurn den Vorrang gaben und somit vermutlich keine weltliche, sondern lediglich eine bischöfliche Prägung in Breisach stattfand. Mit dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 machte Friedrich II Besitzansprüche als heimgefallenes Lehen für Bern, Breisach und Zürich geltend. Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass ab dem Jahr 1218 wieder königliche und bischöfliche Parallelprägungen in Breisach stattfanden. Hier kommen wir nun zu deinem Münztyp. Herr Matzke sieht hierin die königliche Prägung. Als bischöfliches Gegenstück ist folgender Münztyp anzusehen https://www.acsearch.info/search.html?id=3581765. Er nimmt eine Prägung für die Zeit von 1218-1230 an.
Gleiche Argumentation bringt Matzke in einem weiteren Aufsatz, Siegel und Münzen der Zähringer, in Die Zähringer – Rang und Herrschaft um 1200 (Hrsg. Jürgen Dendorfer, Heinz Krieg und R. Johanna Regnath), Thorbecke Verlag, 2018, S. 263-295, speziell zu deinem Münztyp S. 291/292. Unter der Nr. 81 ist der Münztyp abgebildet.
Ich würde das Stück bei mir folgendermaßen ablegen:
Münzstätte Breisach? unter königlicher Verwaltung
Prägeherr: Anonym, Zeit Friedrich II, 1215-1250
Geprägt ca. 1218-1230
Nach links blickender Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Zusätzlicher Punkt rechts neben dem Adlerkopf. Umgeben von zwei Wulstringen, innerhalb der Wulstringe Striche oder strichähnliche Zeichen.
Literatur: Matzke Dirham und Rappenpfennig 2 Nr. 132 var. (Punkt neben Kopf); Matzke Siegel und Münzen der Zähringer Nr. 81 var. (Punkt neben Kopf); Wielandt Breisgau 42, 42a var. (Punkt neben Kopf); Klein Villingen 89/90; Klein Zähringer Taf. 30 A/B var. (Punkt neben Kopf).
Ob es sich bei deinem Stück mit Punkt neben dem Adlerkopf tatsächlich um eine Variante handelt oder die anderen Stücke lediglich schlecht ausgeprägt sind lasse ich mal offen. Hier würde meiner Ansicht nach nur eine Stempelstudie tatsächliche Klarheit bringen.
Wie Eingangs bereits erläutert, habe ich mich mit diesem Münztyp noch nicht intensiv auseinandergesetzt. Ich hoffe dir hilft die Antwort dennoch etwas weiter.
Viele Grüße
Dude
- Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Dude_199 für den Beitrag (Insgesamt 9):
- B555andi (Sa 28.03.26 10:28) • MartinH (Sa 28.03.26 10:33) • Salier (Sa 28.03.26 10:39) • didius (Sa 28.03.26 11:12) • Lilienpfennigfuchser (Sa 28.03.26 11:34) • Lackland (Sa 28.03.26 14:18) • numisnumis (Sa 28.03.26 18:56) • Hessen62 (Sa 28.03.26 20:23) • ischbierra (Sa 28.03.26 22:10)
- numisnumis
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Re: Rottweiler Pfennig
Hallo Dude,
mit großem Interesse habe ich deinen äußerst spannenden und aufschlussreichen Beitrag gelesen. Deiner Argumentation kann ich sehr gut folgen; sie erscheint mir klar, schlüssig und überzeugend dargelegt. Besonders interessant finde ich, dass sich bereits in der Vergangenheit namhafte Expertinnen und Experten mit diesem Münztyp auseinandergesetzt haben. Durch den Einbezug neuer Funde sowie aktueller Publikationen lässt sich das Stück nun deutlich präziser einordnen. Eine Zuordnung zu Breisach halte ich daher für gut nachvollziehbar.
Herzlichen Dank und beste Grüsse
numisnumis
mit großem Interesse habe ich deinen äußerst spannenden und aufschlussreichen Beitrag gelesen. Deiner Argumentation kann ich sehr gut folgen; sie erscheint mir klar, schlüssig und überzeugend dargelegt. Besonders interessant finde ich, dass sich bereits in der Vergangenheit namhafte Expertinnen und Experten mit diesem Münztyp auseinandergesetzt haben. Durch den Einbezug neuer Funde sowie aktueller Publikationen lässt sich das Stück nun deutlich präziser einordnen. Eine Zuordnung zu Breisach halte ich daher für gut nachvollziehbar.
Herzlichen Dank und beste Grüsse
numisnumis
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