Was für ein Spätrömer ist das?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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areich
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Was für ein Spätrömer ist das?

Beitrag von areich » Di 10.11.09 13:16

Das ist kein Rätsel, ich weiß es nicht.
Beim Stöbern auf Vcoins habe ich diese (neue und sofort verkaufte) Münze gesehen.
13 mm; 2,03g

[ externes Bild ]

Ist es etwas Besonderes oder dachte der Käufer nur, es wäre so?
Manchmal ist das ja eine ganz gute Masche, eine Münze als 'unbestimmt' zu verkaufen, wenn man eigentlich weiß, daß es etwas ganz Gewöhnliches ist.

Andreas

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Di 10.11.09 16:30

Sieht aus wie GLORIA ROMANORVM des Honorius aus Aquileia und Rom. Laut Bruck sind die Stücke aus Rom besonders 'schleuderhaft' ausgeprägt, so daß nur Teile des Bildes sichtbar sind.


Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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areich
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Beitrag von areich » Di 10.11.09 16:33

Also eher nichts Besonderes, oder?
Wenn ich mal einen dieser kleinen späten Spätrömer habe denke ich auch immer, es ist ein Johannes.

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justus
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Beitrag von justus » Di 10.11.09 16:36

Eigentlich nichts besonderes. Zu welchem Preis ist sie den weggegangen?

Honorius
DN HONORI – VS PF AVG / GLORIA RO – MANORVM.
Kaiser n. r. stehend, Kopf l. gewendet, r. Hand auf dem Kopf eines knienden gefangenen, l. Hand nach einem Bittsteller ausgestreckt.

RIC 1355 Mz. SMRP – Scarce
RIC 1356 Mz. RSMP – Rare (R4)
RIC 1357 Mz. AQP – Scarce
RIC 1359 Mz. SM – Rare (R)

Den Anbieter erkenne ich allerdings schon an seinen "Papilarlinien". Dachte der bietet nur auf Ebay an.
mit freundlichem Gruß

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Beitrag von areich » Di 10.11.09 16:38

Das war Zurquieh (oder so) von Vcoins, der Preis war $75.

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Beitrag von justus » Di 10.11.09 16:47

Aha, dürfte sich aber vermutlich um "julius-nepos" handeln. Man vergleiche nur mal die Papilarlinien! Und so ganz nebenbei. Der Preis ist meiner Ansicht nach völlig überzogen!
mit freundlichem Gruß

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Beitrag von Pscipio » Di 10.11.09 16:57

Zurqieh ist nicht julius-nepos.
Nata vimpi curmi da.

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Beitrag von areich » Di 10.11.09 16:59

Ich glaube nicht, daß die beiden identisch sind. Zurqieh ist irgendwo aus dem Nahen Osten, der war schonmal bei Vcoins, ist aber rausgeschmissen worden (vor 3-5 Jahren), als er einen Uranius Antonius, den er falsch bestimmt billig verkauft hatte, dann doch nicht geliefert hatte. Er hatte behauptet, ihn zwischenzeitlich auf einer Börse verkauft zu haben aber das stimmte nicht und es kam heraus.

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Beitrag von Posa » Di 10.11.09 17:55

Arcadius ist auch immer gleich mitverdächtig, wenn es nach Honorius aussieht. Hat Johannes überhaupt ein Gloria Romanorum? Wäre mir nicht bekannt.
Der Witz bei denen ist ja, dass sie eigentlich nicht zuschreibbar sind, bis jemand mal sich die Mühe macht einen gigantischen Stempelvergleichskatalog zu erstellen.
75 Dollar sind ein Witz!

Posa

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Beitrag von areich » Di 10.11.09 18:00

Scheinbar nicht! Ich habe schon vermutet, daß da nur jemand dachte: unbestimmt=Rarität. Das mit dem Johannes war (halb) scherzhaft gemeint,
aber ich habe eben gar keine Ahnung von den ganz späten.

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Beitrag von Posa » Di 10.11.09 18:26

Vielleicht sollte ich doch mal mit meinem Gerümpel um die Häuser ziehen!?

Posa
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quisquam
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Beitrag von quisquam » Mi 11.11.09 06:14

Hallo Posa,
Du hast die Rückseiten nicht gezeigt, aber ich glaube kaum, dass es sich um ähnlich schwer zu findende Münztypen handelt.

75$ (= 50€) für eine nicht eindeutig bestimmbare Münze mag als viel erscheinen, man muss aber unter Umständen länger suchen um ein besseres Exemplar zu finden.
Posa hat geschrieben:Arcadius ist auch immer gleich mitverdächtig, wenn es nach Honorius aussieht.
Prägungen für Arcadius sind nicht bekannt, es ist also mit ziemlicher Sicherheit tatsächlich ein Honorius. Nur Münzstätte (Rom, Aquileia oder Siscia) und Offizin sind unklar. Einem Spezialisten ist es eventuell möglich, auch die Münzstätte anhand des Stils noch weiter einzugrenzen.

Grüße, Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.

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Beitrag von Posa » Mi 11.11.09 09:00

Hallo quisquam, - ich weiß, dass meine Münzen keine Seltenheiten sind. Mir ging es auch nicht um eine Bestimmung.
Ich sehe nur mit Grausen, dass in letzter Zeit zunehmend mutmaßliche Raritäten zu aberwitzigen Preisen angeboten und verkauft werden.

http://cgi.ebay.de/Minimus-Valentinianu ... 3ca709a3af

und das in einem Bereich, der wissenschaftlich kaum durchdrungen, in einem Sammelgebiet, für das kaum Erfahrung vorhanden ist. Es ist für mich geradezu phänotypisch für eine Tendenz, den Leuten mit immer abstruseren Versprechen das Geld aus der Tasche zu locken.

Für diese Münzen ist noch nicht einmal klar ob, geschweige denn wie selten sie sind. Denn, wie will ich etwas finden, das ich nicht erkenne? - Die Münzen können selten als solche erkannt werden - Wirklich selten sind sie damit automatisch noch nicht. Sie sind Teil einer gewaltigen Menge schlecht erhaltener, wissenschaftlich kaum verwertbarer Münzen.

Grüße Posa

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Beitrag von quisquam » Mi 11.11.09 09:33

Aber dies gilt doch nicht für die von Andreas vorgestellte Münze, um die es hier eigentlich geht?!

Und versuche mal ein weiteres Exemplar dieses Münztyps im Netz zu finden. Ich habe nicht mit letzter Konsequenz gesucht, aber gefunden habe ich nur ein Exemplar auf dirtyoldcoins:
http://www.dirtyoldcoins.com/natto/id/h ... nor051.jpg

Gerade die Münzen aus Rom scheinen üblicherweise auf sehr knappen Schrötlingen geprägt worden zu sein, wie Peter43 schon aus dem Bruck zitierte. Demnach handelt es sich hier eventuell sogar um ein besseres Exemplar, denn die Erhaltung ist gar nicht so schlecht.

Grüße, Stefan
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Beitrag von Posa » Mi 11.11.09 21:15

Hm, wenn man im Internet nach RIC 1356 o.Ä. sucht und wenig dazu findet, dann heißt das nicht, dass das Exemplar tatsächlich selten ist. Das heißt dann nur, dass Münzen dieses Types selten im -hauptsächlich- kommerziellen Kontext als solche in Erscheinung treten.
Stell dir mal Folgendes vor: Aus der Arcadius-Honoriuszeit lagern Zigtausende Exemplare überall auf der Welt verstreut. Und nur zwei Wege führen für sie - wenn überhaupt - aus diesem Dämmerschlaf: Wissenschaft oder Vermarktung. Für beide ist eine zutreffende Bestimmung unablässig und die geht bei Kleinbronzen in beiden Feldern nahezu nur über die Legende (Es muss ja schnell gehen). Fehlt die Legende - und das tut sie bei einem sehr hohen Prozentsatz - dann landen sie sicherlich nicht bei einem liebevollen Herrn, der sich Stück für Stück liebevoll vornimmt, sondern sie verschwinden entweder in dem Magazin aus dem sie kommen oder landen in irgendwelchen Lots, Grabbelkisten etc. Wie gesagt: Wenn überhaupt. Das Gros dieser Münzen ist überhaupt nicht erfasst! - schon gar nicht im Internet!

Das ist doch wie bei den Tieren: Wir sind über die Elefanten sehr gut informiert. Weil sie goß und spektakulär sind, auffallen. Bei Bodenorganismen sieht es da schon etwas anders aus. Und nur weil in den letzten drei Bodenstichproben dieser oder jeder Organismus, auf den grade mal zufällig geachtet wurde, relativ selten vorkam, sagt das nichts aus ob er absolut häufig oder selten ist.

Ja: relativ gesehen mag die Münze selten sein. Vielleicht hat sie jeder von uns schon mal durch die Wühlkiste geschoben und sich gedacht: Hm, vielleicht ein Honorius.

Ich sags jetzt mal provokant, vielleicht auch anmaßend: Für eine solche Münze 75 Dollar auszugeben halte ich für ein "Luxus- und Langeweilephänomen". Wer kann der darf, ich würd´s nicht tun.

Posa

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