Münzen aus Laodicea

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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drakenumi1
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Münzen aus Laodicea

Beitrag von drakenumi1 » Di 08.12.09 13:20

Prägungen aus Laodicea ziehen mich seit jeher gewaltig an. Sei es nun wegen der häufig von den römischen Prägungen abweichenden Physiognomie der Kaiserportrais oder auch wegen der vielfach sehr gekonnten Arbeit der Graveure: Diese Stücke haben einfach etwas! -
Manchmal meint man sogar einen etwas negriden Einschlag in den Gesichtern erkennen zu können: Aber dann schlage ich nach und bin enttäuscht, daß die Prägung dann doch wieder aus Rom stammen soll. Sofern man sich da sicher ist.
Ich zeige mal hier einen jungen Geta aus dem Zeitraum 199-202 als Cäsar unter Septimius Severus, mit besonders schöner und aufwendiger Drapierung, eigentlich fast erdrückend für das junge Köpfchen.
Habt Ihr auch solche Prägungen "aus der Tiefe des Reiches"? Wenigstens ich sehe solche sehr gerne!

Es grüßt Euch

drakenumi1
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Di 08.12.09 13:41

Du hast recht. Die Münzen aus Laodicea haben immer etwas besonderes. Dein Typ feiert anscheinend die Verleihung eines Ehrenschildes an die Kaiser durch den Senat; Victoria legt eine Girlande auf den Schild (Curtis Clay).

Hier ein anderes Beispiel: Septimius Severus RIC 514 corr. (RIC schreibt Palmzweig, aber es ist eindeutig ein Tropaeum). Beide Münzen zeigen übrigens den eigenartigen Zehenspitzengang der Victoria, der Fliegen andeuten soll.

Mit freundlichem Gruß
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inferus
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Beitrag von inferus » Di 08.12.09 17:47

Hallo Peter43,
2 Fragen zu deiner Münze:
a) was steht zu Füßen der Victoria?(für mich sieht es aus, wie ein kleiner Helfer des Weihnachtsmannes o. ist es ein Perser mit der phrygischen Ledermütze)
b) ist das eine Kopfbedeckung der Victoria oder rührt dieses zweite Nasenbein event. von einem Doppelschlag?

gruß inferus

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Beitrag von beachcomber » Di 08.12.09 18:15

zu a): steht doch drauf. :) VICT PARTHICAE, also ein gefangener perser.
zu b) das 2. nasenbein ist wohl nur ein kleiner schnitzer des stempelscheiders, wenn es nicht sogar nur am foto liegt.
grüsse
frank

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Beitrag von drakenumi1 » Di 08.12.09 18:38

Hallo, Peter; beachcomber:
Ihr seid zwei, ich bin einer. Ihr seht auf dem Revers "VICT PARTHICAE", ich aber nur "VIC PARTICAE". Siegt hier die Mehrzahl über die Einzahl? :wink: Oder stimmt es gar doch, wenn meine Frau immer sagt: ..... mußt nur mal richtig hinschaun .....
fragt Euch

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Beitrag von Peter43 » Di 08.12.09 19:53

Hallo drakenumi!

Es stimmt, beim ersten Blick sieht man tatsächlich nur VIC. Aber bei einem zweiten Blick erkennt man dann doch noch den vertikalen Strich des T direkt neben dem C. Die horizontale Haste allerdings fehlt.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Peter43 » Di 08.12.09 20:04

Übrigens gibt es auch interessante Münzen aus Ephesos. Hier als Beispiel Vespasian RIC 337. Der Stern soll das Kennzeichen für Ephesus sein. Li unter dem langen Chiton findet sich noch ein Kreis/Ring, dessen Bedeutung ich nicht kenne. Vielleicht weiß jemand die Erklärung?

Mit freundlichem Gruß
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vespasian_(ephesus)337.jpg
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Beitrag von nephrurus » Di 08.12.09 21:00

bei den Ephesus -Prägungen findet sich häufig das Φ in direkter oder abgewandelter Form.
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Beitrag von drakenumi1 » Di 08.12.09 21:19

Eine Erklärung irgendeiner Art kann ich auch nicht geben, aber evtl. engt es mögliche Erklärungsversuche ein, wenn ich Euch folgenden Vesp.- Denar zeige, wo das Ringlein allerdings ohne gleichzeitige Wiedergabe des Sternes erscheint, hier auf dem Av., unter dem Portrait (sollte es sich hier um eine Prägung aus Ephesus handeln?).

RIC (alt) 75

drakenumi1

Ps. Die Besonderheiten dieser Münze haben wir bereits im Jan. 09 hier im thread "merkwürdiger Vespasian-Denar" behandelt, dort hat auch Curtis Clay auf dieses Ringlein hingewiesen und auch auf die Existenz dieses kuriosen Verschreibers "ION MAX". Auf ersteres hatte er auch keine Deutung gegeben.
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Denar Vespasianus C. 362 Rv. PON MAX TRP COS V. Geflügelter Merkurstab..jpg
Denar Vespasianus C. 362 Av. IMP CAESAR VESPASIANVS AVG.jpg
Zuletzt geändert von drakenumi1 am Di 08.12.09 22:28, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von drakenumi1 » Di 08.12.09 21:46

Peter43 hat geschrieben:

beim ersten Blick sieht man tatsächlich nur VIC. Aber bei einem zweiten Blick erkennt man dann doch noch den vertikalen Strich des T direkt neben dem C. Die horizontale Haste allerdings fehlt.
ok, Peter, wenn der Graveur tatsächlich vorhatte, dieses "T" zu schreiben, dann ist ihm das allerdings gehörig danebengegangen. Und mir scheint, völlig ohne Not. Denn der Abstand für diesen Buchstaben wäre vorhanden gewesen.
Unter einem anderen Lichte scheint mir das Ganze zu stehen, wenn man zur Kenntnis erhält, daß diese Abkürzungsform "VIC" unter Vesp.'s
Denaren mindestens noch ein weiteres Mal erscheint:
RIC (alt) 41; C. 584 - als "VIC AVG". Heißt das nicht, daß diese Abkürzungsform durchaus erlaubt und eingeführt war? Mir allerdings geht solche Erklärung besser runter, als an an eine verkorkste Ehe von "CT" zu glauben,
meint mit besten Grüßen

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Beitrag von Peter43 » Mi 09.12.09 00:21

Curtis Clay hat freundlicherweise seine Meinung zu VIC/VICT mitgeteilt:

VIC PARTHICAE ist sicherlich ein Fehler des Stempelschneiders, aber ich glaube, wir sollten [doch] VICT PARTHICAE annehmen mit einem defektive T, das T vielleicht sogar hinzugefügt worden ist zu einem Stempel, auf dem es vergessen worden war.

Insgesamt ist dies ein ganz gewöhnlicher Typ, und auf allen anderen die bekannt sind, ist die Lesart VICT PARTHICAE. Außerdem wiederholt es einen Typ der römischen Münzstätte, deren Legende immer nur VICT PARTHICAE ist.

Mit freundlichem Gruß und Dank an Curtis
Zuletzt geändert von Peter43 am Mi 09.12.09 06:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von curtislclay » Mi 09.12.09 04:19

Soll eigentlich beginnen: VIC PARTHICAE als Graveurversehen ist gewiss vorstellbar, aber....

Danke, Peter, für die Übersetzungen!

Besser als "Laodicea" und "Emesa", glaube ich, da die Prägestätten überhaupt nicht feststehen, sind neutrale, sicher richtige Bezeichnungen wie

"COS II-Serie" (="Emesa")

"IMP II-Serie" bzw. "IMP VIII-Serie im alten Stil" (="Laodicea")

"Östliche Serie im neuen Stil" (="Laodicea")

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Beitrag von drakenumi1 » Mi 09.12.09 10:33

Nach diesem kleinen, nicht uninteressanten Exkurs in die Welt der Fehlerteufel römischer Münzgraveure hier noch ein weiterer Denar aus Laodicea (oder besser: östlicher Herkunft?):

Julia Domna,
Av: IVLIA AVGVSTA
Rv. PVDICITIA. Pud. li. sitzd., hält die Rechte vor den Busen, die Linke an ihre li. Seite.
Geprägt 196-211 unter Sept. Sev.
C. -; Seaby 168a; RIC S644

Bei diesem Stück ist die Art des Stempelschnitts nach meiner Empfindung zwar dem der Portraits aus stadtrömischer Werkstatt sehr ähnlich, die erheblichste Abweichung jedoch liegt in der Augenpartie und auch in Nase und Mund. Und auch die figürlichen Darstellungen auf dem Rv. zeigen Eigentümlichkeiten, denen manchmal die Feinheit (zB. des Gewandschnitts) römischer Darstellungen fehlt. Besser als verbale Beschreibung kann die Betrachtung der Bilder hier ausdrücken, was ich meine:

Grüße von

drakenumi1
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Denar Julia Domna C. 168 (a) Rv. PVDICITIA. Pudicitia li  sitzd..jpg
Denar Julia Domna C. 168 (a) Av. IVLIA AVGVSTA..jpg
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Beitrag von Peter43 » Mi 09.12.09 12:10

Ich weiß jetzt nicht genau, was zum 'neuen östlichen Stil' gehört, besonders wenn es sich um Münzen von Domna handelt, die ohne IMP-Zählung auskommen müssen. Meine nächste Münze müßte aber vom neuen Stil sein, weil sie durch IMP XI datiert ist. Ich fand sie bemerkenswert, weil sie Mars in einer Toga zeigt, die ritu Gabino geschlungen ist. Wir hatten einmal darüber gesprochen.

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