Phantasie?

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ischbierra
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Phantasie?

Beitrag von ischbierra » So 13.12.09 13:22

Guten Tag alle zusammen,
ich bin neu im Forum und grüße deshalb erst mal alle ganz herzlich.
Habt Ihr folgendes Stück schon gesehen?
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... K:MEWAX:IT

Es sieht wie eine Phantasieprägung aus, wenngleich der "Vierfüßler" auf Scettas von Eadberth v. Northumbrien vorkommt. Allerdings passen dann wohl nicht die Runen dazu. Die gibts aber auch auf Münzen des frühen Mittelalters. Der Anbieter ist aber immerhin ein Händler, sollte der sich so irren?
Gibt es Experten von Old England und Skandinavien unter Euch, die etwas sagen könnten?
Herzliche Grüße
ischbierra

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KarlAntonMartini
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Beitrag von KarlAntonMartini » So 13.12.09 14:57

Grüß dich, so ist die sächsische Abteilung wieder etwas stärker! - Ich bin zwar intensiver England-Sammler, aber das MA ist mangels Material nicht mein Spezialgebiet. Mir fallen auf der Münze (Löwenseite) diese gleichmäßigen Kratzer auf, wie ich sie von englischen Münzen des 17. und 18. Jahrhunderts kenne (herstellungsbedingt). Wenn J.Pater hier keine Bestimmung angibt, ist das Stück wirklich rätselhaft. - Leider wissen wir das Gewicht nicht. Die Runen lese ich als: Ae th l s t a g r (?) u f ch u m . die drei in der Mitte: A th l und dann noch auf der anderen Seite T über I. - Hat sich da i 18. Jahrhundert jemand einen Spaß erlaubt? In der Literatur gibts ja sowas: Ossians Gesänge. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von ischbierra » So 13.12.09 19:57

Hallo KarlAnton Martini,
vielen Dank für die Auskunft. Weggegangen ist das Stück übrigens für 130,- €.
Herzliche Grüße
ischbierra

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Beitrag von KarlAntonMartini » So 13.12.09 20:07

Vielleicht weiß ja einer unserer MA-Fachleute noch was.
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Beitrag von Numis-Student » Mo 14.12.09 13:35

Hallo,
Pater ist meines Wissens Spezialist für moderne Münzen. Dass er dann mittelalterliche oder antike Sachen als unbestimmt anbietet, verwundert mich nicht. Ich glaube, ich habe bei ihm auch schon unbestimmte Römer ersteigert.

Zur Münze selbst kann ich nichts sagen.

Schöne Grüße,
MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Beitrag von Salier » Mi 16.12.09 16:49

Das Stück passt stilistisch einfach nicht zusammen. Diese Darstellung des Greifen kommt zwar auf Münzen des 8-9. Jahrhunderts in Northumbria vor, aber die Körperform weicht doch erheblich ab. Auch die gleichmäßige Form des Schrötlings, der Rand und wie KAM schon richtig bemerkte die feinen Linien sind ungewöhnlich. Bis auf den Namen ergibt der Rest der Runenschrift keinen Sinn und die Runen selbst sind einfach zu gleichmäßig. Auch in der Datenbank des Fitzwilliams Museum ließ sich kein vergleichbares Exemplar finden. Alle Punkte zusammen genommen sprechen dafür das es sich hierbei höchstwarscheinlich um eine Phantasieprägung handelt.

schöne Grüße
Salier
Zuletzt geändert von Salier am Mi 16.12.09 19:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von KarlAntonMartini » Mi 16.12.09 17:25

Nochmal zu den Kratzern: Hier auf dem 3d-Stück gut zu sehen: http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... 001278.jpg
Das Phänomen heißt Haymarking und entstand angeblich bei der Abkühlung der geglühten Schrötlinge. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von Salier » Mi 16.12.09 17:52

KAM, dazu passt auch der Perlrand, schön zu sehen bei der obersten Münze.

Gruß
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Beitrag von Salier » Mi 16.12.09 19:45

Übriegens KAM, die von Dir als T über I gelesenen Runen sollen das hintere Ende der Klinge, die Parierstange, das Heft und den Knauf eines Wikingerschwertes darstellen. Ähnlich den Darstellungen auf den St. Peter Münzen aus York des 10. Jahrhunderts.

Gruß
Salier
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