Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Deutschland vor 1871
bird_lives
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Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von bird_lives » Fr 12.01.24 16:01

Hallo Forum,
ich bin neu hier und hoffe, bei euch Hilfe zu finden.
Ich habe für eine wissenschaftliche Arbeit mit allerhand Handschriften der 1830er Jahre zu tun.
Leider konnte ich bisher die Währungsangaben nicht zufriedenstellend entschlüsseln. Sicher kann mir jemand helfen.
Ihr findet einen Ausschnitt aus einem Brief, in dem von Umrechnungskursen gesprochen wird.
Der Brief ging 1834 aus Leipzig nach New York.
Herzliche Grüße
bird_lives
ausschnitt cours.jpg

Rollentöter
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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von Rollentöter » Sa 13.01.24 18:44

Dss Zeichen hinter 300 sreht für "Mark Currant", der Rechenwährung der Hansestädte Hamburg und Lübeck. Diese wurde aber nicht ausgeprägt!.
Dahinter steht die tatsächlich geprägte Münze: Hamb. Sl (Hamburger Schilling Courent). Wobei 16 Schilling einer Mark entsprach.

Entsprechend darunter nach 100 das Zeichen für "Thaler Gold Courrant", der Bremen eigentümlichen Rechenwährung. Auch diese wurde nicht geprägt. Ein Louidor aus Bremen entsprach 5 Goldtaler.

Die Abkürzung jeweils vor der Zahl bzgl. Leipzig würde ich als MVg lesen, evtl. steht das für "Münchner Vereins Gulden"? obwohl Sachsen eigentlich Thalerwährung hatte.
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Gruß

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Lucius Aelius
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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von Lucius Aelius » Do 18.01.24 08:46

Rollentöter hat geschrieben:
Sa 13.01.24 18:44
Dss Zeichen hinter 300 sreht für "Mark Currant", der Rechenwährung der Hansestädte Hamburg und Lübeck. Diese wurde aber nicht ausgeprägt!.
Dahinter steht die tatsächlich geprägte Münze: Hamb. Sl (Hamburger Schilling Courent). Wobei 16 Schilling einer Mark entsprach.
Ich denke, dass sollte nicht Sl, sondern B-hochgestelltes o lauten, also Hamburg Banco
Vgl. Tagesbericht sächsische Börse:
Unbenannt.jpg
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Lucius Aelius

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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von bird_lives » Do 18.01.24 17:14

Vielen Dank für die Antworten.
Wenn ich das also richtig verstehe könnte es bedeuten:
für 300 Mark Hamburger Banco Wk [Wechselkurs?] Rth 146 bis 147 in Leipzig
für 100 o. Louisdor auf Bremen Wk Rth 109 1/2 bis 110 in Leipzig

Klingt das nach eurer Erfahrung realistisch?
Wofür steht die Abkürzung hinter den 100? Evtl. "ordinair"? Das kam mir schon an anderer Stelle unter...
LG

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Lucius Aelius
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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 19.01.24 16:02

100 Gold-Luisdor = 110 was eigentlich ? Silbertaler bestimmt nicht. Goldtaler?

Und 300 Hamburger Bancotaler = 147 Taler? Da wäre das Hanseatengeld doppelt soviel wert wie sächsisches?

Ich werd da nicht schlau draus.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von Rollentöter » Fr 19.01.24 20:33

1 Louidor aus Bremen entsprch 4 Bremer Goldtaler Courant. Der Goldtaler Courant war die offizielle Wägrung von Bremen, wurde aber nicht ausgeprägt! bis auf wenige Gedenkmünzen in den 1860ern. Er war also reine Rechenwährung. Gesahlt wurde in Bremen bis 1871 aber in Louisdormünzen (geprägt vor 1810!), quasi als 4-Goldtalerstück oder mit Umrechnungskurs in Silber oder ausländischer Währung.
Deshalb such die Doppelangabe: erst Währung und dann Mûnzsorte!

Desgleichen bei Hamburg
Die hamburger Mark Courant (nicht die nurvon Kaufleiten verwendete höherwertige Matk Banco) war zwar officielle Währung geprägt wurden aber nur vollwertige Münzen in Hamburger Schilling. Die 16 Schillingmūnze entsprach genau einer Mark Courant.

Die Währungsangbe bei Leipzig ist für mich nicht ganz klar. In Sachsen wat der Taler (14 Taler-Fuß) gūltig. Dazu past aber weder das davorstehende Währungskürzel noch der Umrechnungskurs.
Gruß

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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von olricus » Fr 19.01.24 23:35

Ich möchte mal etwas korrigieren:
Zur Zeit des oben gezeigten Briefes (1834) und der Tabelle von 1796 prägte man
in Sachsen nach dem 1763 eingeführten Konventionsmünzfuß (10 Konventionsspezistaler
aus der feinen Mark), erst 1838 schloß sich Sachsen der Dresdner Münzkonvention
an und prägte dann erst nach dem 14-Taler-Fuß. Vielleicht ergibt sich daraus eine
andere Berechnung.
Gruß olricus
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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von Rollentöter » Sa 20.01.24 03:14

Die hamburger Mark Courant war Silberwährung (34 Mark Currant aus der feinen Kölner Mark). Das Silber der 300 Mark Corrant dürfte in etwa dem Silber der 146 bzw. 147 ? in Leipzig entsprechen. Eine "Leipziger Währungseinheit" entspräche somit etwas mehr als 14g Feinsilber!
Welche Silberwährung soll das sein?

Rechne ich entsprechend von dem Bremer Thaler Gold, so komme ich bei der "Leipziger Währungseinheit" auf gut 1,5g Feingold!
Gruß

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Re: Hilfe! Währungen & Ligaturen in Handschrift

Beitrag von Atalaya » Sa 20.01.24 06:58

Vielleicht kann dieses Buch behilflich sein:

Johann Christian Nelckenbrecher, Nelckenbrechers Taschenbuch der Münz- Maaß- und Gewichtskunde für Kaufleute, 7. Aufl., Berlin 1793 [bearbeitet durch M. R. B. Gerhardt].

Da gäbe es auch noch eine 14. Auflage von 1828 und eine 15. von 1832.
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Lucius Aelius (Sa 20.01.24 20:59)
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
Ferdinand Gregorovius, 1853

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