Wert von Nachprägungen / Fälschungen

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krinz
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Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von krinz » Fr 12.01.24 21:06

Guten Abend,

ich bin gerade auf ebay auf dieses Angebot gestoßen:

https://www.ebay.de/itm/375081921148?ha ... SwtoplYwwc

Hier wurde eine Nachprägung/Fälschung eines 5 Mark-Stücks Friedrich von Anhalt 1896 für 110€ verkauft, obwohl sogar in der Artikelbeschreibung daraufhin gewiesen wurde, dass es sich um kein Original handelt. Dies hat mich ziemlich stutzig gemacht.

Ist davon auszugehen, dass die Bieter hier den Hinweis übersehen haben, oder werden tatsächlich auch gekennzeichnete Fälschungen in dieser Preisklasse gehandelt?

Viele Grüße
krinz

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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von Numis-Student » Fr 12.01.24 21:32

Hallo krinz,

man sollte sprachlich genauer differenzieren:

Nachprägungen sind die Stücke, die entweder offiziell (und ohne Kennzeichnung) geprägt werden, wie zB in Österreich die Maria-Theresien-Taler 1780, Die Dukaten und 4-Dukaten-Stücke des Jahrgangs 1915 oder privat und dann aber als Kopie/Nachprägung gekennzeichnet werden (mit COPY, einpunzierter Jahreszahl etc).

Fälschungen sind alle Produkte von Privat, die Münzen nachahmen und mit echten Stücken verwechselt werden können.

Dieses Stück von ebay ist eine Fälschung.

Jetzt kann der Käufer verschiedene Kaufgründe haben:

Er ist kein Münzsammler, sondern Heimatsammler und will nur für eine Vitrine ein Belegstück haben
Er ist Münzsammler, will/kann aber nicht über 700€ für eine echte Münze zahlen
Er hält die Münze trotz Hinweis für echt
Er hat den Hinweis übersehen
Er kauft sie als Fälschung und bietet sie in ein paar Wochen ohne Hinweis als echt an.

Schöne Grüße,
MR
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Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von krinz » Fr 12.01.24 22:17

Hallo Numis-Student,

vielen Dank für die Klarstellung.

An die von dir genannten Gründe habe ich gar nicht alle gedacht. Dass es Sammler gibt, die es nicht schlimm, finden, dass sie keine Original-Münze haben, solange sie dadurch weniger zahlen müssen wusste ich, aber dass man dann so viel für ein Stück Metall ohne Material- oder historischen Wert zahlt, hat mich dann schon überrascht.
Die Theorie, dass der Käufer die Münze mit betrügerischer Absicht teurer verkaufen will, ist wohl am wahrscheinlichsten.

Viele Grüße
krinz

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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von Lackland » Fr 12.01.24 22:41

Völlig verrückt was man heutzutage alles fälschen kann!
Die Randschrift sieht ja absolut echt aus, und das Gewicht weicht so minimal ab, dass es wirklich noch ‚in der Toleranz‘ ist. Nur das Portrait gefällt mir persönlich nicht!

Die Möglichkeit, dass der Käufer das Stück für echt hält, ist also auch nicht von der Hand zu weisen…

Mir selbst ging es tatsächlich kürzlich ganz ähnlich. Ich kaufte bei Ebay eine - als Fälschung deklarierte - englische Krönungsmedaille von 1902. Sie sah soooo echt aus und kostete nur 12 €. Ich ging also das ‚Risiko‘ ein.
Ergebnis: Das Stück war falsch!

Viele Grüße

Lackland
Zuletzt geändert von Lackland am Sa 13.01.24 17:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von krinz » Fr 12.01.24 23:08

Ja, es ist tatsächlich gerade als Neuling auch ziemlich beunruhigend, dass es von fast jeder etwas teuereren Münze hochwertige Fälschungen gibt. Da wird man teilweise echt paranoid.

Wie hast Du dann letztendlich herausgefunden, dass das Stück eine Fälschung ist?

Viele Grüße
krinz

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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von Lackland » Sa 13.01.24 18:10

Es ist tatsächlich auch kein Wunder, dass man bei den vielen guten Fälschungen, die sich auf dem Markt befinden paranoid oder zumindest extrem misstrauisch wird!

Und es scheint sich tatsächlich JEDE Fälschung auch finanziell für die Fälscher zu lohnen!

Die englische Medaille jedenfalls ist sehr häufig und hat noch nie viel mehr als 20 € gekostet. Ja und so dachte ich, ich kaufe eine echte Medaille (obwohl Fälschung angegeben war) und mache ein kleines bescheidenes Schnäppchen.

Woran ich schlussendlich erkannte, dass die Medaille falsch ist? Nun, ich kenne die echte Medaille und ihren Klang.
Wenn Du ein echtes Exemplar aus zwei Zentimeter Höhe auf eine Tischplatte fallen lässt, dann bekommst Du einen hellen Klang. Bei meinem Exemplar war/ist es aber leider ein sehr kurzer, tiefer Klang. Also leider eine Fälschung (vermutlich aus Nickel). Zudem ist das Stück ganz ganz leicht magnetisch. Und Silber ist ganz sicher nicht magnetisch…

Hier noch Fotos meiner Fälschung. Meiner Ansicht nach ist das Stück optisch perfekt!

Viele Grüße

Lackland
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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von krinz » Sa 13.01.24 20:45

Dann ist es zumindest beruhigend zu wissen, dass es Möglichkeiten gibt, diese Fälschung zumindest, wenn man sie vorliegen hat und nicht nur auf den Bildern sieht, als solche zu erkennen. Wahrscheinlich stimmen auch Maße und Gewicht nicht ganz überein, aber nur anhand der Bilder hätte ich auch keinen Verdacht geschöpft, wobei ich gestehen muss, als Anfänger diese Medaille noch nie gesehen zu haben.

Viele Grüße
krinz

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Re: Wert von Nachprägungen / Fälschungen

Beitrag von Mynter » So 14.01.24 12:15

krinz hat geschrieben:
Fr 12.01.24 21:06
Guten Abend,

ich bin gerade auf ebay auf dieses Angebot gestoßen:

https://www.ebay.de/itm/375081921148?ha ... SwtoplYwwc

Hier wurde eine Nachprägung/Fälschung eines 5 Mark-Stücks Friedrich von Anhalt 1896 für 110€ verkauft, obwohl sogar in der Artikelbeschreibung daraufhin gewiesen wurde, dass es sich um kein Original handelt. Dies hat mich ziemlich stutzig gemacht.

Ist davon auszugehen, dass die Bieter hier den Hinweis übersehen haben, oder werden tatsächlich auch gekennzeichnete Fälschungen in dieser Preisklasse gehandelt?

Viele Grüße
krinz
Das Ranschriftsegment, dass in der Anzeige zu sehen ist, wirkt wirklich erschreckend gut gemacht. Vielleicht finden sich ja in den übrigen Bestandteilen die Fehler, die sie entlarven könnten ?
Grüsse, Mynter

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