Münzfälschungen im 17. Jahrhundert

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Münzfälschungen im 17. Jahrhundert

Beitrag von Gast » Di 03.11.09 22:19

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ich bekomme hier Hilfe. Ich plane gerade einen neuen Roman und suche dafür einige Informationen bezüglich der Münzfälschung im 17. Jahrhundert.
Meine Figur soll für einen verarmten, französischen Grafen Münzen fälschen. Die Geschichte spielt im Jahr 1607/1608. Jetzt suche ich natürlich eine Münze, die er am besten fälschen könnte. Wisst ihr vielleicht Rat, eventuell mit einer Abbildung?
Und dann hätte ich noch eine zweite Frage bezüglich der Zahlungsweise. Meine Figur fälscht die Münzen in Köln. Wenn es nun französische Münzen sind, besitzen diese in Köln auch Kaufkraft? Meine Figur sollte mit diesen Münzen in einer Notsituation bezahlen können. Zählte da die Prägung, oder der Gehalt an Gold bzw. Silber? Inwiefern kann man das mit Euro/DM vergleichen?
Wie ich hier schon nachlesen konnte, gab es die Kipper- und Wipperzeit. Wobei Köln und Jülich eine Ausnahme diesbezüglich waren.
Wie sah es denn im Königreich Frankreich aus? Gab es dort Regionen, wo diese gefälschten Münzen verstärkt aufgetreten sind?
Ihr seht, ich habe viele Fragen und hoffe, dass ihr es mir nicht verübelt. :oops:
Ich habe hier schon einige Threads durchgeforstet, doch bin nicht so richtig schlau geworden. Wenn sich jemand die Zeit nimmt und meine Fragen beantworten würde, wäre ich wirklich sehr dankbar.

Liebe Grüße
und schon mal vielen Dank im voraus.

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KarlAntonMartini
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Beitrag von KarlAntonMartini » Di 03.11.09 23:21

Servus hier im Forum! Zunächst mal eine Anmerkung zur Kipper- und Wipperzeit: das sind strenggenommen keine falschen Münzen, sondern untergewichtige Münzen, die dem Standard nicht entsprachen. Teilweise von offiziel münzberechtigten Herren ausgebracht, teilweise auch von sog. Heckenmünzern. Wie das in Frankreich war, weiß ich nicht. - Grundsätzlich war damals der Edelmetallgehalt wesentlich, die Münzen liefen auch außerhalb der Territorien ihrer Münzherren um. Das gilt jedenfals für Großsilber- und für Goldmünzen. Bei Kleingeld war das -jedenfalls theoretisch- anders. - Es kommt mE darauf an, was er in der Notsituation bezahlen muß und an wen. Grüße, KarlAntonMartini
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Gast

Beitrag von Gast » Mi 04.11.09 09:52

Hallo KarlAntonMartini!

Vielen Dank für die schnelle Antwort, die mich schon mal etwas schlauer macht. Die Wippermünzen scheiden so wohl aus. Es müssten dann richtige gefälschte Münzen sein. Und am besten in Gold-oder Silber, damit sie in Frankreich auch Kaufkraft haben.
Der Münzfälscher zahlt in einer Notsituation mit den Münzen ein erpresstes Schutzgeld an den "Boss" der Kölner Unterwelt. Dieser jedoch bemerkt den Schwindel.
Ideal wäre es natürlich, wenn man mit kölnischen, oder anderen Münzen aus deutschem Gebiet in Frankreich zahlen konnte. Dort würden die Fälschungen gewiss nicht so schnell auffallen.

L.G.
Gabi

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Beitrag von KarlAntonMartini » Mi 04.11.09 12:54

Du könntest auch venezianische Zecchinen (Dukaten) nehmen, so sehen die aus: http://www.coinarchives.com/w/results.p ... esults=100
Die liefen praktisch in der ganzen Welt um. Oder, wenn es Silber sein soll, Taler: http://www.coinarchives.com/w/results.p ... esults=100
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Gast

Beitrag von Gast » Mi 04.11.09 13:40

Das ist toll. Und sogar mit Abbildung.
Schön, dass einem hier so nett geholfen wird.
Vielen, vielen Dank für deine Mühe. Dann kann ich ja jetzt loslegen.

L.G.
Gabi

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Beitrag von KarlAntonMartini » Mi 04.11.09 13:50

Dann gutes Schreiben! Wenn es erschienen ist, laß es uns wissen! Grüße, KarlAntonMartini
Tokens forever!

Gast

Beitrag von Gast » Mi 04.11.09 17:19

Mach ich. Wird aber wohl noch eine Weile dauern, weil ich erst am Anfang stehe.
Nochmals vielen Dank.

Gruß
Gabi

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Beitrag von Pflock » Mi 04.11.09 18:02

Hallo Gabi,

dann interessiert Dich vielleicht auch das: http://www.numismatikforum.de/ftopic26505.html (Steckbriefe auf Falschgeld).

Wenn es Dich interessiert, ich habe die Bilder auch größer und könnte sie Dir via eMail schicken. Teil mir in diesem Fall Deine eMail-Adresse per PN mit.
Gruß Pflock

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Beitrag von Gast » Do 05.11.09 14:44

Hallo Pflock,

das ist sehr interessant. Und verschafft mit einen weiteren Einblick in die Materie.
Vielen Dank.

L.G.
Gabi

Gast

Beitrag von Gast » Do 05.11.09 15:10

Ich habe gerade gemerkt, dass man als Gast keine PN schicken kann.
Im Augenblick reicht mir erst einmal das Abbild in der Größe. Wenn ich es größer brauche, melde ich mich hier an und käme dann noch einmal auf dich zurück.
Ansonsten würde ich mich weiterhin über Links, welche die Münzfälschung betreffen sehr freuen.

L.G.
Gabi

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Beitrag von Chippi » Do 05.11.09 16:03

Aus der zweiten Hälfte des 17.Jh., zeigt aber auch eine Fälschungsart:
http://www.numismatikforum.de/ftopic21743.html#167099
Normal ist es eine geringhaltige Silbermünze, diese hier ist ein versilbertes Kupferstück (zeitgenössisch).
Bei den Römern stellt sich ja die Frage, wie diese Fälschungen mit dünner Silberschicht hergestellt wurden (eine Theorie: dünne Silberfolie).
Doch wie wurde dieses Stück hergestellt? Mit der Feuerversilberung?

Gruß Chippi
[quote="Wurzel"]@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)[/quote]
[quote="Münz-Goofy"] Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.[/quote]

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Beitrag von Pflock » Do 05.11.09 20:43

Hier noch 2 Beiträge von mir zu zeitgenössischen Fälschungen zwar aus Mühlhausen/Thüringen und 100 Jahre später, aber ...
http://www.numismatikforum.de/ftopic26498.html
http://www.numismatikforum.de/ftopic30552.html
Gruß Pflock

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Gast

Beitrag von Gast » Do 05.11.09 20:51

Auch sehr interessant, Chippi.
Ich finde, die zeitgenössische Münzfälschung ist ein spannendes Thema. Da die Münzen ja oft peinlich genau gewogen wurden, war es wohl ziemlich schwierig etwas preiswerteres vom Material her zu fabrizieren. Gab es da irgendwelche Tricks der Fälscher, die Kosten zu senken?

L.G.
Gabi

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Beitrag von Pflock » Di 10.11.09 18:30

Hallo Gabi,
in der aktuellen MoneyTrend 11/2009 ist ein vielleicht für Dich interessanter Artikel: "Todesstrafe und Festungshaft" von Helmut Caspar.
Hierbei geht es um Münzfälschung und Münzfälscher und die Bestrafung Letzterer in früheren Zeiten.
Ich habe den Artikel nicht gelesen, daher kann ich nicht sagen, ob er genau in "Deine Zeit" fällt.
Die Zeitschrift gibt es in jedem Bahnhofs-Zeitschriftenhandel.
Gruß Pflock

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Beitrag von Gast » Di 10.11.09 18:44

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