Fotografieren sehr dunkler bis tiefschwarzer Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Antworten
Benutzeravatar
drakenumi1
Beiträge: 2944
Registriert: So 26.11.06 15:37
Wohnort: Land Brandenburg
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 51 Mal

Fotografieren sehr dunkler bis tiefschwarzer Münzen

Beitrag von drakenumi1 » So 20.04.08 10:53

Weil man vielfach hier im Forum beim Anhängen von Bilddateien insbesondere von Bronzen mit sehr dunklen Oberflächen, die auch schon mal völlig tiefschwarz sein können, beobachten kann, daß solche Münzen als dunkle Klöße, ohne erkennbare Zeichnung von Details, abgebildet werden, habe ich mir mal einige Gedanken gemacht, welche Fehler oft gemacht werden und wie dem abzuhelfen ist. Ergebnisse:
- Scanner sind ungeeignet, weil zu lichtschwach.
- Geeignet sind Digitalkameras mit Makrofunktion (Minimal-Objektentfernung nicht über 5 cm)
- Häufigster Fehler ist die zu helle Farbe des Untergrundes, auf dem die Münze fotografiert wird. Die automatische Belichtungseinstellung der Kamera ist bemüht, auch die mit abgebildeten Details des hellen Umfeldes der Münze (Hintergrund) und dessen Zeichnung bzw. Details abzubilden. Das führt automatisch zu einer Verschlechterung der Detailauflösung innerhalb des Münzbildes. Oder anders ausgedrückt: Die Kamera schließt einen Kompromiß bei der Detaildarstellung zwischen dunklen und hellen Partien, ein Kompromiß, der zum Nachteil der Erkennbarkeit von Details auf der Münze führt. Je größer der Unterschied der Helligkeitswerte zwischen Unterlage (Hintergrund) und Münze ist, desto schlechter das Ergebnis der Wiedergabe von Münzdetails. Weiß ist die denkbar schlechteste Farbe für eine Unterlage! Deren Farbe sollte dunkelgrau bis schwarz sein. Wenn der Helligkeitswert von Unterlage und Münze weitestgehend übereinstimmt, stellt sich die Kamera automatisch auf die für die Erkennbarkeit der Münzdetails optimale Belichtung ein und die "dunklen Klöße" gehören der Vergangenheit an.
Nebenbei gesagt, funktioniert dann der Weißausgleich auch wieder besser und extreme Farbstiche werden ebenfalls vermieden.
Als Beispiel hänge ich hier einen rabenschwarzen Postumus an, mit einer mittelpreisigen Digi-Kamera und Makrofunktion von 5 cm unter der Schreibtischlampe (40 Watt) freihändig aufgenommen, danach zwangsweise wegen der 85 KB - Grenze von 2,4 MB auf 60 KB verkleinert und zugeschnitten. Farblich noch bessere Wiedergabe erhält man unter Tageslicht (nicht von der Sonne beschienen!).

Wegen der richtigen Einordnung dieses threads habe ich erst gezögert, aber dann mich doch für die "Römer" entschieden, da solch dunkle Münzen wohl am häufigsten bei den Antiken anzutreffen sind.
Wäre schön, von Euren Erfahrungen auf dieser Strecke zu hören, falls ich nicht mit meinen "Weisheiten" weitgehend offene Türen einrenne und ein großes Gähnen auslöse, wünscht sich
bestens grüßend

drakenumi1
Dateianhänge
Schwarze Münzen fotografiert 002.jpg
Schwarze Münzen fotografiert 001.jpg
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

Benutzeravatar
klosterschueler
Beiträge: 1714
Registriert: So 25.03.07 20:37
Wohnort: Steiermark
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von klosterschueler » So 20.04.08 11:55

Hallo Drakenumi!

Also Deinen Ausführungen bzgl grauem Hintergrund bei dunklen Münzen ist nichts hinzuzufügen.
Frage noch an Dich: Was hast du da als Hintergrund verwendet? Das gesprenkelte Grau geht beim Speicherformat sehr auf die Größe, d.h je 'unruhiger' der Hintergrund, desto kleiner die Datei.
Nehme an, dass du mit einem Tonpapier einen gleichmäßigeren Hintergrund erreichen müsstest.
Hast du das Foto sonst noch nachbearbeitet (Helligkeit, Kontrast, Gamma)?.
Auf wieviel ISO (=Empfindlichkeit) war die Kamera eingestellt?
Ich hab nämlich bei Aufnahmen aus der freien Hand immer Unschärfen durch Verwackeln und Tiefen(un=schärfe.

Aber jeder, der saubere Fotos macht, wird im Forum Freunde finden ;-)

Klosterschüler
„Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“

Benutzeravatar
harald
Beiträge: 1368
Registriert: Sa 08.03.08 19:09
Wohnort: pannonia superior
Hat sich bedankt: 298 Mal
Danksagung erhalten: 236 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von harald » So 20.04.08 11:57

drakenumi,
darauf bin ich nach vielen Versuchen mit mittlerem bis schlechtem Ergebnis ebenfalls gekommen.
Diese Technik kann ich ohne Bedenken bei jeder Form von dunkel patinierten Objekten, wie auch Ausgrabungen mit dunkelgrüner bis schwarzer Patina weiterempfehlen.
Bei einer hochwertigen Digi- SLR-Camera mit perfekter Punktmessung ist das allerdings nicht nötig.
Hätte ich Deine Info vor einem halben Jahr gehabt, als ich mir meine erste digi zulegte, hätte ich mir viel Zeit erspart.
Trotzdem vielen Dank für Deine Info, von der ich überzeugt bin, dass viele Forumsmitglieder davon profitieren werden.


Grüße
Harald

Benutzeravatar
Xanthos
Beiträge: 1624
Registriert: Do 12.02.04 21:30
Hat sich bedankt: 333 Mal
Danksagung erhalten: 445 Mal

Beitrag von Xanthos » So 20.04.08 11:58

Hallo drakenumi1

Guter Denkanstoss. Jeder der antike Münzen fotografiert, wird sich früher oder später damit auseinandersetzen müssen.

Nun auch von mir noch zwei ergänzende Tipps:

1. Zu harte, künstliche Beleuchtung wird von glatten, dunklen Münzoberflächen stark reflektiert, sodass man den Münzen auf den Fotos nicht mehr ansieht, dass sie eine dunkle Patina haben. Mit 2-3 Lagen Backpapier wird das Licht "weicher".

2. Will man den Hintergrund digital wegschneiden, muss der unmittelbare Hintergrund der Münze weiss sein (siehe Bild).

Gruss
Dateianhänge
RIC3-01-0668.jpg
foto.jpg

Benutzeravatar
klosterschueler
Beiträge: 1714
Registriert: So 25.03.07 20:37
Wohnort: Steiermark
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von klosterschueler » So 20.04.08 12:34

Liebe Münzfotografen!

Ich möchte euch bei der Gelegenheit meinen Aufbau zum Fotografieren von Münzen vorstellen. Ich weiß schon, dass ich mit Kanonen auf Spatzen schieße, aber das Ergebnis ist doch sehr gut. Die Details:
Kamera mit Makroobjektiv auf Stativ
Softbox (die das weiche Licht macht)
Münze auf Glasplatte, die Abstand zum Hintergrund hat.
Manuelle Belichtung (dadurch hab ich kein Problem mit dem Hintergrund, weil die Kamera sich nicht jedesmal die Belichtungwerte neu errechnet, Fokus 11 oder kleiner.

Liebe Grüße Klosterschüler

PS: Um die Legosteine musste ich heute schon kämpfen, die wollten mir die Kinder heute schon wegnehmen, den Glas-Tortenboden hat mir meine Frau heute noch überlassen :D
Dateianhänge
IMG_4778.JPG
IMG_4782.JPG
„Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“

Benutzeravatar
drakenumi1
Beiträge: 2944
Registriert: So 26.11.06 15:37
Wohnort: Land Brandenburg
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 51 Mal

Beitrag von drakenumi1 » So 20.04.08 13:26

@Klosterschüler; Xanthos:
Bezüglich der von Dir angefragten Punkte habe ich keinerlei Bearbeitungen mehr durchgeführt. Ergänzend sei vermerkt, daß meine Tischlampe eine mattierte Birne von 40 Watt hat und der Objektabstand zu ihr bei der Aufnahme ca. 20 cm. Der Abstand Objekt - Objektiv von ca. 5-8 cm gewährleistet gerade noch, die Handgelenke auf der Tischkante aufzustützen und das (altersgerechte) Zittern zu vermeiden.
Die Empfindlichkeit habe ich auf "Automatik" gestellt, da liegen die Grenzen bei 100 und 1250. Ich nehme mal an, daß in meinem Fall der Spielraum ausgenutzt wurde (heißt also 1250).


@Harald:
Betr. "exakte Punktmessung" der Helligkeit habe ich mal gelesen, daß trotz eines im Display gezogenen Rahmens, der den Meßbezirk kennzeichnen soll, deshalb die außerhalb liegenden Bereiche keinesfalls völlig unberücksichtigt bleiben und deshalb auch nicht lichtmäßig für das Gesamtobjekt ohne Bedeutung sind. Aber das wird wohl von Kameratype zu K.-Type unterschiedlich sein, und da sie ja "denkende" Geräte sein wollen und sollen, für uns schlecht nachzuvollziehen.

Die geäußerten Einwände gegen meinen grobfaserigen dunkel/schieferfarbenen marmorierten Karton betr. größerem Speicherbedarf sind sicherlich richtig. Ich hatte im Moment nichts anderes zur Hand.
Grüße von

drakenumi1
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

Benutzeravatar
drakenumi1
Beiträge: 2944
Registriert: So 26.11.06 15:37
Wohnort: Land Brandenburg
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 51 Mal

Beitrag von drakenumi1 » So 20.04.08 13:52

Euch wird aufgefallen sein, daß die Münzen von oben nach unten ungleichmäßig beleuchtet sind. Das liegt an der bei mir viel zu dicht angeordneten Lichtquelle. Da gilt natürlich: Weiter weg damit und möglichst diffus. Am besten Tageslicht von einer Seite (50 cm vom Fenster entfernt, im Raum, nur keine direkte Sonnenbestrahlung.
Hier noch ein Versuch, allerdings am Schreibtisch bei Kunstlicht. Die Münze ist bis auf die geringen Abriebstellen dunkelgrau bis schwarz. Herr Probus stellte sich zur Verfügung bei

drakenumi1
Dateianhänge
Schwarze Münzen fotografiert 004.jpg
Schwarze Münzen fotografiert 003.jpg
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • Brandschutt Münzen Paul von Hindenburg Kaiserreich Münzen
    von San.D » » in Deutsches Reich
    41 Antworten
    22898 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Homer J. Simpson
  • Alte Münzen
    von Bruno90 » » in Sonstige
    8 Antworten
    3833 Zugriffe
    Letzter Beitrag von züglete
  • Klebende Münzen
    von Furius » » in Römer
    11 Antworten
    2884 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Furius
  • Münzen aus Arados
    von Chippi » » in Griechen
    5 Antworten
    2317 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Chippi

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Numis-Student