Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

1871-1945/48
Chippi
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Re: Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

Beitrag von Chippi » Di 28.01.20 18:15

D, die Fließlinien deuten auf erhöhten Verschleiß des Stempels hin und beim Prägebuchstaben auf Verschmutzung.
Die Erhaltung ist natürlich unzirkuliert.

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

Beitrag von Mynter » Di 28.01.20 18:42

Danke Dir für Deine Antwort. ein verkehrt herum geprägtes G wäre natürlich lustig gewesen. Aber es bleibt eine hübsche Münze.
Grüsse, Mynter

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Re: Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

Beitrag von Mynter » Di 04.02.20 19:32

Deutschlands Waffe im Kampf gegen den Maria- Theresien- Taler

J 714
Deutsch- Ostafrika
2 Rupien 1893 (A)
32.854 Ex
Nachdem die Abschaffung der In Mombasa untergewichtig ausgebrachten Pesa und Rupien mit Umlauf- und Einfuhrverboten vom April, bzw September 1893 gelungen war, kursierten im Schutzgebiet neben den britisch- indischen Rupien und der im gleichen Feingehalt von der DOAG ausgegebenen Münzen noch der auch als Dollar oder Real bezeichnete Maria- Theresien- Taler. Um auch diese Münzen zu verdrängen, wurde am 18. September 1893 für den Taler ein Annahmeverbot an allen öffentlichen Kassen verhängt. Gleichzeitig kam es zur Ausgabe der Doppelrupie, die, so Deeken den Talerbesitzern den Umtausch in Rupien erleichtern sollte.
Interessant ist, dass die Doppelrupie allerdings erst am 13. März 1894 Annahmezwang bei den öffentichen Kassen erfuhr. Bedeutet das, dass man es zunächst dem Handel überliess, die Taler aus dem Verkehr zu ziehen ?
Der Taler, so Deeken in " Das Geldwesen der deutschen Kolonien wurde bei einigen Stämmen als einziges westliches Geldmittel bei Zahlungen akzeptiert. Auf diesen Umstand wird sich der Jaeger beziehen, wenn er schreibt : " In einigen Gegenden, in denen der MTT umlief, war das Zweirupienstück sehr beliebt ". Ich deute diese Textstellen auch so, dass das Zweirupienstück vermutlich nie flächendeckend in der ganzen Kolonie ausgegeben wurde, sondern nur in bestimmten Gegenden umlief. Sicher lässt sich so auch die recht bescheiden anmutende Auflagenhöhe des Nominals erklären. Sie spiegelt möglicherweise nur die veranschlagte wirtschaftliche Kraft einer einzelnen Gesellschaftsgruppe wieder, nicht die des gesammten Wirtschaftskreislaufes im Schutzgebiet.
Am 29. Oktober 1896 wurde ein totales Umlaufverbot für den MTT verhängt. Nun war es an den öffentlichen Kassen,ihn enzuziehen und gegen Rupien umzuwechseln.
Mit dem MTT- Verbot war nun eigentlich auch die Mission der Doppelrupie beendet. Was geschah mit den insgesamt 50.854 Münzen. Laut Gesetz waren sie noch bis zum 1. April 1923 kursgültig, erst an diesem Tag verlor das deutsch- ostafrikanische Münzgeld seinen Wert.
Über eine Einziehung der Doppelrupie in der deutschen Zeit ist nichts bekannt, aber generell liesst man so gut wie gar nichts über diese Münze, die dem britisch- indischen Währungssystem, an dessen Ausgaben sich die DOAG und später das Reich orientierten , so gänzlich fremd war. Vielleicht überwog praktisches Denken. Man hatte einem Teil der Eingeborenen den geschätzten Taler genommen, würde nun auch der Ersatz verschwinden, könnte dies eventuell Unruhen heraufbeschwören. Vielleicht aber war die Existzenz von bloss 50.000 Münzen, die immerhin so ausahen, wie Geld in DOA auszusehen hatte, auch einfach herzlich egal, so dass man der Angelegenheit keinen Gedanken opferte.
Das Vorkommen von J 714 heute ist durchaus mit dem einer beliebigen Silberkursmünze aus der Zeit zu vergleichen. Insgesammt eher selten, 9 von 10 Stücke sind schön , ein paar wenige besser als ss, ganz, ganz wenige ungelaufen. Aus dem Vorkommen lässt sich in Bezug auf eine Einziehung oder ein Abnutzen im Verkehr wenig ablesen.
Zylka berichtet , in Lettow- Vorbecks Nachlass habe sich eine ganze Rolle von prägefrischen Doppelrupien befunden. Aus diesem Fundus stammt mein Stück sicher nicht, aber ansonsten ist es ganz gut davongekommen.
J 714 1893 A Av – Kopi.JPG
J 714 1893 A Re – Kopi.JPG
J 714 1893 A Rand – Kopi.JPG
Grüsse, Mynter

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Re: Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

Beitrag von Mynter » Mi 05.02.20 19:42

J 717 5 Heller 1908 J
Auflage 600.000 Ex
Einige Jahre nach der Einführung der dezimalen Reichsrupie , erwiess sich die , vermutlich analog zur prädezimalen britisch- indischen Rupie beibehaltene Kluft zwischen dem grössten Kleinnominal und dem kleinsten Rupienteilstück, als zu unpraktisch. Im alten System hatte die Viertelrupie 16 Pesas entsprochen, im Dezimalsystem 25 Hellerstücken. Hierauf kam es ab 1908 zur Ausprägung des 10- Hellerstückes ( J 719 ) in Kupfernickel, sowie eines Bronzenominals von fünffachem Wert und fünffacher Grösse des einfachen Hellers. Die wenig schmeichehafte Begründung für die Wahl der technischen Parameter war laut " Das Geldwesen der deutschen Kolonien " ( Deeken, 1913),die vermeintliche Notwendigkeit, den Eingeborenen zu verdeutlichen, dass ein Fünfhellerstük fünfmal soviel wert war, wie ein Einhellerstück.
Ihrer Unhandlichkeit wegen wurde diese grösste deutsche Münze in einer Kupferlegierung bereits ab 1.1o.1912 eingezogen, aber erst am 16.8.1925 ausser Kurs gesetzt ( zitiert nach Jaeger ). Ersetzt wurde J 717 durch J 718 ( geprägt 1913 und 1914 ). Hierbei finde ich den Umstand interessant, dass die Ausgabe des Ersatznominals nach der Einziehung des beanstandeten Stückes erfolgte. Möglicherweise milderte hier das Vorhandenseins des 10- Heller- Nominals die Schwierigkeiten, die vor 1908 als störend emfunden wurden.
J 717 1908 J Av – Kopi.JPG
Dateianhänge
J 717 1908 J Re – Kopi.JPG
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Re: Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

Beitrag von Mynter » Sa 08.02.20 17:18

Warum prägte Hamburg zwischen 1905 und 1912 keine Zwanzigmarkstücke mit seinem Stadtwappen sondern mit dem Konterfei des Kaisers ?
Anfänglich hatte ich mir immer die Erklärung zurechtgelegt, der flottenvernarrte Kaiser habe die Stadt besonders auszeichnen wollen. Die Wahrheit ist jedoch grau und schmucklos...
Keine Marinebegeisterung , keine Ehrungen. Die banale Antwort lautet : " Die Hamburger Münze bemühte sich um die Genehmigung, Doppelkronen mit dem Bild des Kaisers prägen zu können, um so Privataufräge der Reichsbank zu erhalten und hiermit ihre Existenz zu sichern "

Begründung:
Nach dem Abflauen der Ausmünzung der Grundausstattung für die neue Währung, hörten die Aufträge auf Kosten des Reiches auf, die folgenden Aufträge waren im wesentlichen Privataufträge. Da es für Private einfacher war, ihr Gold an die Reichsbank zu verkaufen, als es direkt in einer Prägeanstalt einzuliefern, war die Reichbank praktisch der einzige private Aufraggeber. Die Reichbank nun bestellte ausschliesslich Doppelkronen bei der Berliner Münze, um so der einzigen für den Welthandel relevanten Sorte mit dem Bildnis des Kaisers ein Aussehen zu geben, dass international bekannt wirkte. Der Bekanntheitsgrad der diversen Duodezfürsten und auch der Wappen der Hansestädte im Ausland ging gegen Null. Nachdem die Hamburger Münze 1893 wegen Unrentabilität fast wieder geschlossen wurde, bemühte man sich um das Prägeprivileg für Preussen, doch das Reichsfinanzministerium konnte erst nach dem Tod von Finanzminister von Miquel 1901 dazu bewegt werden, sich für Hamburg einzusetzen. Miquel hatte Hamburgs Offerten nicht nur abgewiesen, sondern direkt damit gedroht,den Prägeschlüssel der Bevölkerungsstärke anzupassen, sollte die Hamburger Münze weiterhin versuchen, Berlin Konkurrenz zu machen. Dies hätte Hamburgs Anteil an der Ausmünzung von 8,17 % auf ca 1 % herabgedrückt und der Münze das Wasser abgegraben.
1905 war es dann soweit. In diesem Jahr, sowie in den Jahren 1906, 1909, 1910 und 1912 prägte Hamburg wie bekannt, Zwanzigmarkstücke mit dem Portrait des Kaisers.

Quelle : Günter Pusback : " Die Hamburger Münzstätte von 1874 bis heute ", erschienen in " Norddeutsches Jahrbuch für Münzkunde und verwandte Gebiete " ; Hamburg ,1979

Im ersten Augenblick war ich irgendwie enttäuscht, aber der harte Konkurenzkampf, der sich aus diesen Fakten offenbahrt, ist natürlich ebenfalls nicht uninteressant. Bereits bei der Lektüre von " Münze betreffend " des ehemaligen VdM- MItarbeiters Horst Rinke, erhielt ich ein Bild davon, welche nüchterne Welt die Welt der Geldherstellung ist. Eigentlich ironisch, dass die Objekte von Liebhaberei ohne jegliche Emotion angefertigt werden.

Hamburg gelang es mit seinen Anstrengungen, sich einen prominenten Platz in der Ausmünzung zu sichern. Pusback mutmasst, dass auch den übrigen Bundesstaaten dieser Weg offengestanden hätte, doch der Republik und ihrem kaufmännisch geführten Münzbetrieb fiel es leichter, auf das im Prinzip funktionslose Hoheitswappen zu verzichten, als es den Monarchen gefallen wäre, anstatt des eigenen das Konterfei des Kaisers auf den in ihren Prägeanstalten gefertigten Münzen zu wissen.

Nun sind also alle Fragen geklärt ? Fast. Pusback kann keine einleuchtene Antwort darauf geben wieso 1913 in Hamburg wieder Doppelkronen mit dem Hamburger Wappen geprägt wurden. Das Aussehen der ominösen 14 Doppelkronen von 1908 ist ihm per 1979 unbekannt, er mutmasst, das sie sämtlich eingeschmolzen wurden und führt an, dass die erhaltene Aktenbstände hierzu keine Auskunft gäben.Ob Vogel diesen Beitrag damals gelesen hat und ob er damals schon sein Exemplar ebendieses Jahrgangs besass ? Das zu wissen, wäre überaus spannend.
J 252 1905 J Av – Kopi.JPG
J 252 1905 J Re – Kopi.JPG
Grüsse, Mynter

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Re: Schaukasten: Deutsches Kaiserreich

Beitrag von Mynter » Mi 22.04.20 09:21

Das Dreikaiserjahr.
Insgesamt wurden 6.652.867 Doppelkronen mit der Jahreszahl 1888 geprägt, wovon über 5 Millionen auf J 248 ( Friedrich III ) entfallen. Ohne Thronwechsel wäre 1888 mutmasslich der auflagenstärkste Jahrgang von J 246 ( Wilhelm I ) gewesen.
P1100525 – Kopi.JPG
P1100526 – Kopi.JPG
Grüsse, Mynter

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