Indische Fürstenstaaten

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KarlAntonMartini
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Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » Mo 04.04.22 08:39

Im Nordwesten von Rajasthan, an der Grenze zu Sind (heute Pakistan) lag der Staat Jodhpur, wie er nach seiner Hauptstadt zu britischer Zeit genannt wurde. Es war der größte Staat in Rajputana und hatte um 1880 gut 1,7 Millionen Einwohner, zumeist Hindus. Die regierenden Fürsten entstammten einem alten Rajputen-Clan, schon 1212 war der Staat entstanden, er geriet dann unter die islamischen Einwanderer und wurde den Großmoghulen tributpflichtig. Aurangzeb verlangte vom Fürsten, er solle zum Islam konvertieren und besetzte und zerstörte Jodhpur gründlich. Erst 1707 gelang dem Maharaja die Rückeroberung seiner Hauptstadt, aber das 18. Jahrhundert blieb überschattet von Kriegen mit Afghanen, Marathen und auch zwischen den Rajputen-Staaten. Eine erste Annäherung an die Briten gab es 1803 und nach einer grausamen Episode unter einem muslimischen Kriegsherrn kehrte 1817 Friede ein. 1818 wurde Jodhpur britisches Protektorat und zahlte 108.000 Rupien Tribut im Jahr, zusätzlich waren im Kriegsfall 1500 Reiter zu stellen. - Der ursprüngliche Landesname Marwar bedeutet Land des Todes (vermutlich bildete Tolkien auf Grundlage dieser sprachlichen Wurzel den Namen Mordor), was die Situation des größten Teil des Landes aus Wüsten und Salzseen gut beschreibt. Nur im Südosten war Klima und Boden besser, was für eine bescheidene Landwirtschaft reichte, die Salzproduktion war britisches Monopol. Erst unter Jaswant Singh (1873-1895) begann ein Aufschwung, der zu einem allmählichen Anstieg des Wohlstands führte, unterbrochen von den Hungersnöten um 1900, die hier auch mit heftigen Cholera-Epidemien einhergingen. Im 18. Jahrhunderte begann Jodhpur mit der Prägung eigener Münzen, der Bijai-Shahi Rupie und dem Iktisanda, wertmäßig eine 2/3-Rupie. 1900 wurde die britische Rupie gesetzliches Zahlungsmittel, die eingesammelten alten Jodhpur-Rupien, es waren gut 10 Millionen Stück, wurden in die Münzstätte Calcutta gebracht und umgeprägt. - Hier eine Rupie von Jaswant Singh ohne Jahr, geprägt im Namen von Königin Victoria in der Münzstätte Pali. Sie hat 11,4 g, bei Valentine (1928) Nr. 11, KM 206. Auf der Vorderseite oben ein Münzmeisterzeichen, vermutlich eine schlecht geschnittene 40, dessen Bedeutung unbekannt ist; die Rückseite zeigt die Herrschaftssymbole Jhar und Schwert und hat oben eine Inschrift in Nagari. Grüße, KarlAntonMartini
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KarlAntonMartini
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Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » Do 07.04.22 16:38

Im Norden der indischen Küstenlinie zum Arabischen Meer liegt die Halbinsel Kathiawar, fast so groß wie Bayern und begrenzt vom Golf von Kutch im Norden und dem Golf von Cambay im Süden. Einer der dort belegenen Fürstenstaaten war Junagadh oder Junagarh. Heute gehört das Gebiet zum Unionsstaat Gujarat. Der mit etwa 400.000 Einwohnern, überwiegend Hindus, besiedelte Staat wurde von der muslimischen Babi-Dynastie regiert, die als Paschtunen Vasallen der Mughal-Kaiser gewesen waren und sich um 1735 selbständig machten. Kurz darauf gerieten sie unter die Herrschaft der Marathen und 1807 wurde Junagadh zum Protektorat der EIC. Der Herrscher führte den islamischen Titel Nawab. Das Land lebte vom Export von Zuckerrohr und Baumwolltuchen. Dazu kam Handel über etliche kleine Seehäfen. Das Land war trotz seiner Stellung als suzeränes Protektorat den Gaekwars von Baroda und der EIC tributpflichtig, umgekehrt erhielt es Tribute von einer Reihe von umliegenden Kleinstaaten, die aber der Höhe nach vor dem Hintergrund eines Staatshaushaltes von 2,6 Millionen Rupien nicht ins Gewicht fielen. - Auf der Halbinsel Kathiawar war nicht die Rupie die Hauptmünze, es gab eine eigene Währungseinheit, den Kori. Dieser Münztyp wurde erstmals um 1585 von Kutch geprägt. Als kupfernes Kleingeld dienten der Trambiyo (bedeutet Kupfer), dessen Doppelstück, der Dokdo und die "dicke Münze", der Dhinglo zu 1 1/2 Dokda. Codrington berichtet zur Entstehung des Namens Kori, daß der seinerzeitige Rao von Kutch eine Tochter dem Großmoghul als Frau andienen wollte und zur Brautwerbung eine frischgeprägte kleine Silbermünze nach Delhi sandte mit der Anspielung, hier komme die Tochter der Rupie, die ja schon vorher von den Moghul-Kaisern eingeführt worden war. Aus dem Sanskrit-Wort kumvari für Tochter sei dann der verballhornte Ausdruck Kori geworden. (v. Codrington, O.: On Coins of Kutch and Kathiawar, in: The Journal of the Bombay Branch of the Royal Asiatic Society, Vol. XVII, Bombay, London 1887-1889, p. 52 ss.) Und weil Codrington eine Autorität als Numismatiker ist, glaube ich das mal. 24 Dokda waren 1 Kori wert und etwa 3 1/2 Kori kamen auf eine Rupie. Das in der Münze der Hauptstadt Junagadh geprägte Geld war nur im Land gültig (theoretisch wenigstens), daneben zirkulierte die britische Rupie. Hier also ein Kori von Mahabat Khan II. (1851-1882), Junagadh AH 1293, VS 1933 (=1875). Das Stück wiegt 4,6 g, Durchmesser 14,5 mm. Auf der Vorderseite im Perlkreis eine Inschrift in Persischer und unten in Gujarati-Schrift, die Rückseite zeigt das AH und das VS Jahr und ganz unten einen kleinen Dolch, von Codrington l.c. als "Rajput-Dagger" bezeichnet. Bei Valentine (1928) nach Nr. 17, KM Y 2. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von Numis-Student » Mi 25.05.22 21:31

KarlAntonMartini hat geschrieben:
So 06.03.22 13:11
Etwa 600 km weiter nördlich von Indore liegt Jaipur, Hauptstadt des schon im Jahr 1093 entstandenen Fürstentums, das seit 1728 auch den Namen Jaipur trägt.
Deine schönen Beiträge haben dafür gesorgt, dass am Wochenende eine indische Münze in meine Sammlung kam. Ich habe erstmal falsch im KM unter Jodhpur gesucht, aber es ist eine 1/4 Rupie aus Jaipur, Jahr 21 (1900).

Schöne Grüße
MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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