Wieviel "sollen" Nero und Hadrian Denare wiegen?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

edward
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Wieviel "sollen" Nero und Hadrian Denare wiegen?

Beitrag von edward » Fr 29.02.08 13:00

Hallo,
ich wollte euch diese 2 Denare zeigen, einmal Nero mit Rueckseite Aquila und Standarte, das Andere ein Hadrian mir sitzender Roma.
Das Nero wiegt 2,697 gramm, das Hadrian 2,675 gramm.
Meines wissens liegen diese Werte unter den Durschnitt fuer Denare dieser Zeit von etwa 3.0 bis 3.2 gramm. Auch in coinarchives habe ich gesehen ist das Gewicht Nero und Hadrian Denare meistens um die 3.2-3.4.
Meine Frage deshalb: ist das "normal" ?
Soll man an der Echtheit zweifeln?
Danke im Voraus fuer eure Kommentare,
Edward
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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Fr 29.02.08 13:24

Antike Münzen aus AE und Ag wurden immer "al marco" justiert ausgebracht - also eine bestimmte Menge zusammen mußte soundsoviel wiegen; die individuellen Schwankungen waren dann ggf. erheblich, im Extremfall bis +/- 25% des "Durchschnitts-Normgewichtes".

Des weiteren gilt das Greshamsche Gesetz, wonach die schlechteren Münzen die besseren (im Sinne von mehr edelmetallhaltigen) nach und nach aus dem Umlauf drängen.

Das hat dazu geführt, daß Münzen z.B. des Nero (aber auch der Römischen Republik und der frühen Prinzipatszeit vor der Münzreform des Nero, der ja schonmal das Gewicht der Denare und Aurei etwas reduzierte) zwar "an sich" auch im 2., ja sogar 3. Jh. noch umliefen ... aber das war dann alles wirklich nur noch "der schäbige Rest", also die absolut untergewichtigen Stücke, die bis dahin noch nicht mal von der Münzstätte aussortiert worden waren, da man durch Umschmelzen und Strecken der Legierung mit Kupfer sowie anschließendes Neuprägen aus z.B. 10 "alten" (vollgewichtigen, guthaltigen) Denaren (z.B. des Tiberius) ja immerhin hätte bis zu 12...15 (oder gar noch mehr) "neue" prägen können.

Rein nach dem Foto sehen die beiden Münzen jedenfalls gut aus.

Und ich habe auch einen zweifelsfrei echten Nero, der sogar noch weniger wiegt als Deiner (2,44 g) - aber der ist auch sehr stark abgegriffen.
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

edward
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Beitrag von edward » Fr 29.02.08 15:32

Danke Chandra fuer deine sehr ausfuehrliche Antwort. Ich habe bisher immer geglaubt die EINZELNE Denare mussten mindestens so und soviel wiegen. War deshalb ein bisschen beunruhigt mit diesen Zwei hier als ich sie endlich wiegen koennte.
Uebrigens, dieser Hadrian mit ROMA AETERNAE Revers scheint nicht so haefig zu sein? Ich koennte nur ein Paar aehnliche Stuecke in coinarchives finden.

Mit freundlichen gruss,
Edward

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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Fr 29.02.08 16:29

Zu den Häufigkeiten lt. CoinArchives: Diese Suchmaschine ist insofern top, als sie wundervoll leicht zu bedienen ist und die Bilder meist gute Qualität haben.

Der Nachteil ist aber, daß dort "nur" große, international relevante Auktionshäuser vertreten sind, und zwar auch nur ab ca. Anno 2000...2002.

Und die versteigern natürlich eher Spitzenstücke als "Massenware", folglich findet man letztere kaum in CoinArchives, bzw. das Bild, was sich dem Sammler bzgl. der Häufigkeit solcher "gewöhnlicher" Typen darbietet, ist logischerweise verzerrt.

Dein Hadrian ist nämlich eher sehr häufig, und für Sammler kaum von Interesse, wird deshalb eher in Lots oder auf Münzbörsen angeboten als auf großen Auktionen als Einzelstück.

Bzgl. "Massenware" hat CoinArchives aber einen Riesenvorteil: Du suchst ein Bild von einem Prachtexemplar einer "Durchschnittsmünze"? Dann suche in CoinArchives - "da wirst du geholfen!" ;)
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

curtislclay
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Beitrag von curtislclay » Fr 29.02.08 16:41

Hadrian Denar, ROMAE AETERNAE, Cohen 1312: im Fund von Reka Devnia durch 22 Exemplare vertreten, also ziemlich häufig.

Zum Vergleich:

Der seltene Typ MARTI, 2 Exemplare im Fund.

Der häufige MONETA AVG: 200 Exemplare in vier Büstenvarianten.

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Xanthos
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Beitrag von Xanthos » Fr 29.02.08 16:56

@edward

Dafür ist dein Nero nicht ganz so häufig (laut RIC R2):
http://www.romanatic.com/showcoins.php?id=1014

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Fr 29.02.08 20:17

Den Nero mit den drei Feldzeichen und ohne Legende auf der Rs. gab es nur aus seinem letzten Regierungsjahr (mit PP am Ende der Vs.-Legende). Selten und fast immer sehr abgegriffen. Das ist wirklich ein sehr hübsches Stück!

Homer
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edward
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Beitrag von edward » Fr 29.02.08 20:57

Nochmal vielen herzlichen Dank fuer eure Kommentare! Besonders freue ich mich wegen des Nero. Der Kampman gibt leider kein besonderen Hinweis auf die Seltenheit dieser Muenze.
Viele Gruesse,
Edward

blaue_nase
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Beitrag von blaue_nase » Di 02.06.09 11:31

Mich würde interessieren,was ein über 20% verändertes Gewicht über eine Nero Münze aussagt, wie z.B. bei diesem Aurei,der derzeitig noch bei Ebay läuft...

http://cgi.ebay.de/Unbekannte-Antike-Go ... 1|294%3A50

da er bei kampmann mit 7,61gr. angegeben wird bzw. bei vergleichbaren Sachen, wie http://www.kuenker.de/images/download/l ... antike.pdf siehe S5

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areich
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Beitrag von areich » Di 02.06.09 11:45

Singular ist Aureus, Plural Aurei.
Der Areus bei Ebay ist eindeutig falsch, dazu braucht man noch nichtmal die Bilder zu sehen.

Andreas

blaue_nase
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Beitrag von blaue_nase » Di 02.06.09 11:50

hmm...uuupss...naja die deklinationen halt...aber warumist der so falsch...

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areich
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Beitrag von areich » Di 02.06.09 12:04

Weil niemand einen Nero-Aureus als 'unbekannte Goldmünze' auf Ebay verkauft.
Sicher ist es nicht unmöglich aber ein Jackpot im Lotto ist auch möglich, trotzdem SEHR unwahrscheinlich.
Ich bin sicher, daß Du hier:
http://www.forumancientcoins.com/fakes/index.php

viele identische Exemplare findest, wenn Du nach 'Nero aureus' suchst.

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Beitrag von blaue_nase » Di 02.06.09 12:15

Vielen Dank...unter dem link hatte ich mich bereits erkundigt aber im Stil und in der Verarbeitung reicht er wesentlich sicherer an vergleichbare Originale heran, als an die Fälschungen...zumindest mit meinen Anfängeraugen... daher wollte ich mich erkundigen,ob es möglich ist anhand des Gewichts ihn als Fälschung zu postulieren und wenn nicht, ob solche großen Schwankungen möglich waren

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Beitrag von Pscipio » Di 02.06.09 12:29

Bei Aurei aus dem 1. Jahrhundert gibt es nur leichte Gewichtsschwankungen. Jene von Nero wiegen normalerweise ca. 7.2 bis 7.6 Gramm; ein Stück, welches mit Fassung nur 5.67 Gramm wiegt, ist auf keinen Fall eine echte offizielle Prägung.

Die eBay-Münze liesse sich aber auch ohne Gewichtsangabe als Fälschung erkennen.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.

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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Di 02.06.09 13:07

Vor allem gibt es hier eh nur das Foto, und dem fehlt bekanntlich immer die 3. Dimension sowie die ECHTE Farbe - aber: Man schaue nur mal auf das Bild mit dem roten Untergrund und dann auf die Fassung ... also, wenn das Gold sein soll (siehe die Korrosionsstellen speziell unten rechts), freß' ich 'nen Besen, ungekocht! ;) Nichtmal 333er korrodiert so heftig fleckig. Das sieht lt. Foto aus wie Messing-Tinnef. Typisches "Autobahngold" höchstens: http://www.autobahngold.de/wasistautobahngold.htm
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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