Interessante Ausstellung zum Thema "Raubgräberei"

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justus
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Interessante Ausstellung zum Thema "Raubgräberei"

Beitrag von justus » Fr 27.02.09 10:33

Der Fund des Monats Februar im LVR-LandesMuseum Bonn beschäftigt sich mit dem Problem der Raubgräberei.

http://www.archaeologie-online.de/magaz ... endenkmal/

mfg Justus
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helcaraxe
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Beitrag von helcaraxe » Fr 27.02.09 12:01

Ohne die endlose Diskussion über Raubgräberei wieder aufrollen zu wollen:

Die Entscheidung, per "Losverfahren (Münzwurf)" das Eigentumsverhältnis an den Funden zu klären, ist für mich der Gipfel des Absurden.

Darüber kann selbst ich nicht mehr lachen.
Viele Grüße
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nephrurus
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Beitrag von nephrurus » Fr 27.02.09 13:24

helcaraxe hat geschrieben:Ohne die endlose Diskussion über Raubgräberei wieder aufrollen zu wollen:

Die Entscheidung, per "Losverfahren (Münzwurf)" das Eigentumsverhältnis an den Funden zu klären, ist für mich der Gipfel des Absurden.

Darüber kann selbst ich nicht mehr lachen.
vor allem zeigt die Posse, dass es definitiv keinen Rechtsanspruch darauf gibt- sonst könnte man sich derartige Spielchen sparen.

fartuloon
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Beitrag von fartuloon » Fr 27.02.09 15:00

....ob man für den münzwurf wohl die goldmünze benutzt hat? :roll:

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pixxer
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Beitrag von pixxer » Fr 27.02.09 17:10

Ein weiteres "Qualitätszeugnis" ist die Ahnungslosigkeit bei dem keltischen Goldstater. Klar ist es gerade bei den Kelten oft schwer bis unmöglich, Rückschlüsse auf den prägenden Stamm zu schließen, aber auf die britischen Corieltauvi hätte man schon kommen können.

Wie der Brite allerdings dorthingekommen ist (wo immer er auch gefunden wurde), bleibt durch die zerissenen Fundumstände natürlich leider im Dunkeln...

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cepasaccus
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Beitrag von cepasaccus » Fr 27.02.09 18:07

Also frueher, da hat man fuer Gottesurteile aufregenderes als Losentscheide.
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Lojoer
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Beitrag von Lojoer » Sa 28.02.09 11:23

Unabhängig von dem skurrilen Eigentumsentscheidung des Gerichts, ist in dem Artikel das Hauptproblem von illegalen Grabungen deutlich herausgestellt. Dies ist nämlich der unwiederbringliche Wissenschaftliche Verlust der Fundzusammenhänge, die bei derartigen Aktivitäten verloren gehen. Nicht nur für die Archäologie, sondern auch für die Numismatik, die nicht isoliert für sich steht, entstehen hier enorme Erkenntnisverluste.
So lassen sich u.a. über die Fundzusammenhänge Rückschlüsse auf Münzumläufe in verschiedenen Zeitabschnitten gewinnen. Viele der auch hier im Forum gestellten Fragen über das wie, warum und weshalb zu antiken Münzen, könnten z.T. schon geklärt sein, wenn diese illegal erworbenen und veräußerten Münzen wissenschaftlich (und damit meine ich archäologisch und numismatisch) in ihrem Fundzusammenhang ausgewertet worden wären.
Der momentan z.T. gefahrenen Konfrontationskurs zwischen archäologie und Numismatik sehe ich als äußert schädlich an, sitzen wir doch alle in dem Boot der Geschichtsinteressierten.
Dies nur einige meiner Gedanken zu dem Thema und das als bekennender Sondengänger und Feldbegeher, der intensiv mit Numismatikern und Archäologen zusammenarbeitet.
Gruß Jörg

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Sa 28.02.09 11:54

Mit Deiner Argumentation zu der schädlichen Auswirkung der Raubgräberei rennst Du bei allen ernsthaft numismatisch Interessierten offene Türen ein. Du wiederholst nur die Argumentation, die in diesen Kreisen ohnehin Konsens ist.
Nun sind wir in aller Regel keine Sondengänger, können demnach in diesem Punkt keinen direkten Beitrag zur Bewahrung von Fundkontexten leisten. Was wir indessen tun können, ist die Vermeidung von Käufen bei offensichtlich dubiosen Anbietern, die nicht einmal einen Hehl daraus machen, daß ihre Münzen aus Funden stammen. Die "garantiert unduchsuchten Lots ungereinigter Fundmünzen" und "Kiloware" sind allesamt hochverdächtig, und man sollte peinlich vermeiden, auf solche Angebote einzugehen.
Selbsverständlich kann man nicht einmal dann sicher sein, ein Stück zweifelhafter Herkunft zu erwerben, aber die Wahrscheinlichkeit sinkt. Die Alternative, das Sammeln nunmehr einzustellen, weil man den Kauf illegaler Ware doch nicht mit Sicherheit ausschließen kann, kann kaum im Interesse einer Kulturnation liegen, die Deutschland ja immer noch zu sein behauptet.
Gefordert ist hier eine wirksame Gesetzgebung, die die Raubgräberei so unattraktiv wie nur irgend möglich macht. Diese würde aber die vertrauensvolle und kompromißbereite Zusammenheit zwischen dem Gesetzgeber, den Händlern, den Sammlern und vor allem der Wissenschaft und den Museen voraussetzen.
Davon aber sind wir leider immer noch meilenweit entfernt!

Gruß

chinamul
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Beitrag von kc » Sa 28.02.09 12:18

dieser konflikt könnte am besten durch legalisierung der sondengängerei aus dem weg geräumt werden.bedingung:der finder bekommt in jedem fall eine angemessene belohnung für seinen fund (bzw. muss er die fundstücke nach ausführlicher untersuchung durch experten wieder zurückbekommen können),muss aber,wenn er etwas entdeckt,sich sofort mit Archäologen in verbindung setzen,um den fund nicht aus dem geschichtlichen zusammenhang zu reißen.das problem wäre hier nur,wie man es mit der belohnung handhabt.soll der finder nur für die ersten fundstücke belohnt werden,oder auch für die nachfolgenden entdeckungen durch die archäologen?da müsste dann eine gerechte entscheidung gefällt werden.
somit würden in zukunft viel mehr schätze ausgegraben werden,was der geschichte zugute kommt.

grüße

kc
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justus
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Beitrag von justus » Sa 28.02.09 12:44

Ich hielte das auch für die beste Lösung, kc. Vor allem sollte es bald mal eine bundeseinheitliche Regelung geben. Aber das steht ja dieser antiquierte, noch aus der Besatzungszeit stammende "Kulturföderalismus" der Länder im Wege.

mfg Justus
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Beitrag von beachcomber » Sa 28.02.09 13:14

noch aus der Besatzungszeit stammende "Kulturföderalismus" der Länder i
der ist schon noch ein bisschen sehr viel älter! :wink:
und was die einheitliche regelung angeht- da wird von seiten der fundi's schon lange dran gearbeitet: schatzregal überall!
und genau das wird wohl die zukunft sein. :(
grüsse
frank

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Beitrag von emieg1 » Sa 28.02.09 13:31

Die Entscheidung per Losverfahren ist nicht nur eine beschämende Justizposse, sondern ein "schwarzer Freitag" für die deutsche Rechtsprechung.

Es wird allerhöchste Zeit für eine bundeseinheitliche Regelung, um weitere Schäden durch Raubgräberei zu vermeiden. Die aktuell uneindeutige und undurchschaubare Gesetzeslage schadet der numismatischen und archäologischen Wissenschaft mehr als das sie Nutzen bringt.

Und solange unbescholtene und ahnungslose Bürger, die bei ebay mal irgendwann ein paar Spätrömer für ein paar Euro erstanden haben, in die juristischen Mühlen geraten, Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen müssen, um ihre konfeszierte Sammlung fürchten und somit kriminalisiert werden, wird wohl beinahe niemand so schnell bereit sein, eine "gefundene" Münze abzuliefern.

Die Lösung, dass der Finder die Münze nach Begutachtung zurückerhält, halte ich persönlich für die einzig sinnvolle Lösung. So wird es auch in anderen Ländern erfolgreich praktiziert. Eine "Entschädigung" in anderer Form gibt nur wieder Raum zu Unzufriedenheit, wobei dann am Ende doch wieder die Gerichte entscheiden müssen. Und letztendlich verschimmelt der Großteil der gefundenen Münzen nach Begutachtung doch in irgendwelchen Archiven...

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Beitrag von Lojoer » Sa 28.02.09 20:13

Obwohl ich ein strickter Vertreter der pro-Archäologie Linie bin, halte ich die Einführung eines bundesweiten Schatzregals für kontraproduktiv. Ersten zeigt es sich das in den Bundesländern mit Schatzregal deutlich weniger Funde gemeldet werden, was bedeutet, dass viele Sucher illegal unterwegs sind.
Zweitens ist nach der wissenschaftlichen Erfassung und Auswertung eines Fundes lediglich noch sein materieller Wert von Bedeutung, so dass die Konfiszierung über das Schatzregal nur dazu dient eine vernünftige Belohnung zu verhindern und die Staatskasse zu schonen. Dies kommt eigendlich einer Enteignung gleich.
Drittens ist durch die Rückgabepflicht an den Findern ein gewisser Zwang vorhanden, dass die Funde zeitnahe ausgewertet werden und nicht für Jahrzehnte unausgewertet im Archiv verschwinden. Denn nicht jede Fundstelle ist ein Varusschlachtfeld oder ähnlich spektakulär.
Ich bin daher auch für die erteilung von Suchgenehmigunen mit entsprechenden Auflagen, bei dem gleichzeitigen Einführen von knallharten Strafen für illegale Sucher.

Gruß Jörg

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Beitrag von platinrubel » Sa 28.02.09 20:17

Hi joerg, ich stimme dir voll und ganz zu bei dem was du sagst.
aber die diskussionen kennen wir ja schon aus dem sucherforum.

gruss platinrubel

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Beitrag von justus » Sa 28.02.09 20:41

beachcomber hat geschrieben:der ist schon noch ein bisschen sehr viel älter.
Hallo Frank,

ich glaube, du hast mich falsch verstanden. Sicherlich schreibt schon der alte Caesar in seinem "Gallischen Krieg" davon, dass sich die Germanen in erster Linie selbst bekriegen, haha! Und auch nach der Reichsgründung im Jahre 1872 existierten weiterhin selbstständige Königreiche etc. Die Kulturhoheit der Länder fand auch während der Weimarer Republik ihre Fortsetzung. Doch im Jahre 1949 hätte durchaus die Möglichkeit bestanden dergleichen zumindest für die westlichen Besatzungsgebiete einheitlich zu regeln. Die Allierten wollten jedoch keine zu starke Zentralregierung, aus Angst vor einem ev. wiedererstarkenden deutschen Nationalismus und setzten daher in vielen Bereichen föderalistische Regelungen durch (Finanzen, Wirtschaftsförderung, Bildung, Kultur etc.). Gerade im Bereich Bildung und Kultur führt dies heutzutage zu "Verzerrungen", die sich eine Wirtschaftsgroßmacht wie die Bundesrepublik eigentlich nicht mehr erlauben kann.

mfg Justus
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