Bronzepest

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Submuntorium
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Bronzepest

Beitrag von Submuntorium » So 25.10.09 13:15

Ich bewahre meine Bronze-Münzen in mit Samt ausgelegten Holzkistchen auf.
Nun haben sich zwei Münzen bei mit Bronzepest infizierten Münzen angesteckt,worauf ich die Urheber der Pest sofort entfernt habe.Bei den angesteckten Münzen ließ sich die Pest relativ leicht entfernen.Sie weißen nun momentan keine Schäden mehr auf.Nun bin ich natürlich beunruhigt ob sich diese Krankheit weiter ausbreiten kann.Und gibt es eigentlich noch weitere Münzbefälle?
Vielen Dank schon mal für eure Tipps!
viele grüße,
Submuntorium

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Submuntorium
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Beitrag von Submuntorium » So 25.10.09 17:42

Hmm heute will irgendwie keiner antworten...
Hat vielleicht jemand doch irgendeine Erfahrung?
viele grüße,
Submuntorium

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Posa
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Beitrag von Posa » So 25.10.09 18:02

Normalerweise heißt infiziert:infiziert. Du kannst die gesäuberten Münzen aber auch mal beiseite legen und warten, was passiert. Kommt sie wieder, heißt es handeln. Wichtig ist: trocken lagern, ja nicht in irgendwelche Plastiktüten verschließen; das ist wie ein Gewächshaus. Ansonsten gibt es hier jede Menge Hinweise über die Suchfunktion zu erstöbern....
Persönlich würde ich auch den Samt aus den Fächchen austauschen.

Viel Glück: Posa

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » So 25.10.09 18:03

Hallo Submuntorium!

Was soll ich denn auf eine Frage wie 'Und gibt es noch weitere Münzbefälle?' anderes antworten als 'Das weiß ich auch nicht!' Aber das wird Dir wohl nicht viel helfen.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Posa
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Beitrag von Posa » So 25.10.09 18:05

Peter43, ist doch aber schön, dass wir drüber sprechen! :D
Posa

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Submuntorium
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Beitrag von Submuntorium » So 25.10.09 18:58

Mit Münzbefällen meine ich weitere Krankheiten die die Münzen befallen können
viele grüße,
Submuntorium

Tequila
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Beitrag von Tequila » So 25.10.09 19:05

Hallo,

so weit ich weiss, gibt es ausser der "Bronzepest" keine weiteren "Befälle", die eine (wohlgemerkt!) gesunde Münze dauerhaft zerstören können.
Oft wird die Bronzepest auch mit Grünspan verwechselt, der Unterschied ist aber i.d.R. sehr deutlich zu erkennen ("Bronzepest" = giftgrün, leuchtet im Licht wie eine Neonähnliche Substanz / Grünspan ist eher wie eine hauchdünne "Moosschicht). Bei Münzen, die mit Bronzepest befallen sind, hilft eigentlich nur sehr sorgfältiges Austrocknen. Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, aber ich habe bei meinen Münzen mit einem kurzen Bad (ca. 3 - 4 Stunden) in reinem Alkohol ("Isopropanol", gibt es in jeder Apotheke) gute Ergebnisse erzielt.
Der Alkohol "trocknet" die Münzen aus, und bis dato habe ich keine Probleme mehr.
Nach dem "Alkoholbad" sollte man die Münze allerdings - je nach "Glaubensbekenntnis" - mit Olivenöl, Ballistol o.ä. nachbehandeln.

Generell solltest Du die Münzen so aufbewahren, dass keine schädlichen Substanzen die Münze angreifen können, d.h.: Verwende am besten nur
Münzalben, -Koffer oder Tabletts von renommierten Herstellern.
Ansonsten besteht die Gefahr, dass "Weichmacher" (Plastik) oder andere "Ausdünstungen" diverser Materialien (Chemisch behandeltes Holz etc.)
deine Münzen über die Jahre hinweg schädigen.
Ansonsten gibt es im Forum noch viele nützliche Tipps in punkto "Bronzepest" (nutze einfach mal die Suchfunktion), die dir sicherlich weiter helfen.

Gruß Tequila

Theo
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Beitrag von Theo » So 25.10.09 20:30

Ich bin hier neu, und kenne mich mit Münzen quasi nicht aus.


Sagt Ihr bitte,

worum handelt es hier? Bronzenpest oder Grünspan?

Und wie lässt es sich entfernen..



http://www.moneta.at/auction_details.ph ... _id=158348




( in der Arbeit haben wir damals Kupfer bzw. Bronzestücke mit solchen Mekmalen in die Termokamera gelegt und bei Temeperur bis 200 Grad je nach Grosse für 5-20 Munuten dort gelassen. Das Problem war manchmal, dass auch die Korrosion (Ließ Patina) wortwortlich abflog, aber normalerweise "brannte" diese grüne Schicht einfach weg.. und wir konnten das Stuck weiter bearbeiten.)

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Beitrag von andi89 » So 25.10.09 20:46

Hallo!

Das ist keine Bronzepest!

Andi
"...nam idem velle atque idem nolle, ea demum perniciosa amicitia est." (frei nach C. Sallustius Crispus)

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areich
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Beitrag von areich » So 25.10.09 21:25

Das ist Patina. Leider hat sie sich nicht so richtig entwickelt aber diese Münzen haben eigentlich nie eine solche wunderschön grüne Patina.

imperator44
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Beitrag von imperator44 » So 25.10.09 22:07

Hallo submuntorium,
es ist meiner Ansicht nach ein weitverbreiteter Irrtum, daß eine mit der Bronzepest befallene Münze eine andere anstecken kann. Diese sogenannte Bronzepest entsteht ausschließlich durch schlechte Lagerung (zu feucht, in Plastik oder andere falschen Lagerungen), wobei eine Buntmetall Münze mit Patina auch bereits bei geringer Luftfeuchtigkeit zur Bronzepest angeregt werden kann.
Am besten und erfolgreichsten bekämpft man diese gefährliche fressende Patina mit einer 3 bis 5 %igen Benzotriazol-Lösung(in Alcohol isopropylic. 100%), nachdem man den pulvrigen Fraß entfernt hat. Ich mach das jetzt seit ca. 5 Jahren, und bei keinem meiner behandelten Gegenstände kam die Bronzepest wieder.
Solltest Du noch Fragen haben, kannst Du mir ja eine pN schicken.
Schöne Grüße vom imperator44

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tilos
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Beitrag von tilos » Mo 26.10.09 00:21

Den Ausführungen von imperator44 sind im Wesentlichen zutreffend. Das Thema der sogenannten "Bronzepest" ist ja schon häufig strapaziert worden. Aus einem der letzten threads ( http://www.numismatikforum.de/ftopic32935-15.html ) sei hier nochmal (m)ein Zitat gewählt:

"" Als Ursache werden in Fachkreisen (Metallrestaurierung) verschiedene wasserlösliche Salze (häufig "Chlorsalze") angegeben. Entweder liegen diese bereits im (am) Metall vor - z.B. bei Salzwasser- oder Salzbodenfunden, oder sie bilden sich durch Einwirkung diverser Exhalate (Säuren, Weichmacher, Monomere) verschiedener Kunststoffe. Oft genannt wird hier das Weich-PVC.

In der Restaurierung geht man deshalb im Groben wie folgt vor:
- gründliche Entsalzung !!!
- Behandlung mit BTA
- tiefgründige Trocknung
- Wachsimprägnierung (in erwärmter Vakuumkammer) um den Porenraum zu füllen und die Oberfläche zu versiegeln; damit wird die Münze im Weiteren vor Feuchtigkeits-, Sauerstoff- und Exhalateinfluss geschützt
- Aufbewahrung in "chemisch neutralen" Behältnissen

Soweit ich weiß, verfährt man in der Metallrestaurierung aus prophylaktischen Gründen generell so.

Gruß in die Runde
Tilos""

Hinzuzufügen wäre noch, dass "bronzepest(art)ige" Ausblühungen und Absprengungen auch durch eine Austrocknung der Metallstücke hervorgerufen werden, da die Salze im auskristallisierten Zustand ein größeres Volumen einnehmen als in Lösung befindlich. Das unterstreicht nochmal die unbedingte Notwendigkeit einer wirkungsvollen Entsalzung.

Gruß
Tilos

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Beitrag von drakenumi1 » Mo 26.10.09 10:16

Bei allen hier gegebenen klugen Ratschlägen sollten wir doch noch Folgendes bedenken bzw. berücksichtigen:

- Konzentrationspunkte der Pest sind offensichtlich Anhäufungen von sehr komplexen chemischen Verbindungen, wie sie in auch sehr kleinen Ecken und Kanten des Prägeprofils oder in Mat.-rissen sich festgesetzt haben. Organische Verbindungen spielen hier auch eine große Rolle, durch Körperschweiß oder -fett (das vielfache "Begreifen" und Bereiben ist hier der Verursacher!)
abgesetzt. Auch alte Fette und Öle (Olivenöl ist eine äußerst komplexe Verbindung und über längere Zeit nicht stabil - die Zersetzungsprodukte können den Schaden auslösen) sind hier kontraproduktiv!

- Zumindest die Salze in diesen Schmutzecken sind hygroskopisch! Und Feuchtigkeit mit dem Schmutz stellen ein Elektrolyt dar, die Basis für den Pestfraß. Jede künstliche Austrocknung der Münze, wie oben beschrieben, kann nur eine temporäre Maßnahme sein, die Feuchtigkeit wird notwendigerweise sehr bald wieder in den Schmutz zurückkehren.

- Vorsicht bei Waschungen in scharfen Lösungsmitteln (zB. Aceton). Eine "künstliche Patina" könnte das übelnehmen, wenn sie aus aufgesprühter Farbe bestehen sollte.

- In Lösungsmitteln gewaschene Münzen haben hinterher häufig ein weißlichgraues und unschönes Aussehen, besonders, wenn die Patina feinnarbig ist. Das verschwindet nach einer entsprechenden Versiegelung wieder, wie oben beschrieben. Aber bitte nur chemisch reine und beständige Produkte verwenden. Wachsversiegelungen sind meist ein- für allemal endgültig, wenn es darunter wieder losgehen sollte, ist meist nichts mehr zu machen!

Und zum Schluß noch die simpelste vorbeugende Regel für die guten Stücke:
Besser eine Pinzette verwenden, als die noch so gut gewaschenen Finger! Körperschweiß und -fett .... (s. oben)

Freundl. Grüße von

drakenumi1
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Mo 26.10.09 12:41

Interessant übrigens an dieser ganzen Bronzepestsache ist aus meiner Sicht folgendes:

Die Aussage, daß INSBESONDERE Stücke darunter leiden, die aus Salzbodenfunden stammen, scheint absolut zu stimmen.

Ich sammle schon seit fast 35 Jahren. Davon knapp 15 Jahre in der DDR. Ich habe immer noch größere Teile meiner damals gekauften Münzen (auch wenn manche davon heute kaum noch als "sammelwürdig" im marktmäßigen Sinne gelten dürften ... nostalgische Erinnerungsstücke an "frühere Zeiten" eben... ;) ).

Interessant jedoch: KEINE EINZIGE der Münzen, die ich vor ca. 1995 gekauft habe, hat bis heute auch nur ansatzweise die Bronzepest.

Von den in den nächsten 10 Jahren gekauften Münzen nur ganz wenige dieser Stücke (2 oder 3 vielleicht).

Von den ab 2005 gekauften.... ohje! Viele ...zig!! :( :evil:

Lagerumstände bei allen genannten Gruppen "natürlich" gleich. Genauer: Wer die Wohnverhältnisse in der DDR kennt, weiß, daß gerade damals die Münzen SEHR gelitten haben (im Winter waren in meinem Schlafzimmer - nur das Wohnzimmer war per Kachelofen überhaupt heizbar - z.T. Minusgrade, bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 90%; und dort lagen meine Münzen seinerzeit: beim Aufmachen des Schrankes dick mit Rauhreif aus der Umgebungsluft bepudert...).

Allerdings sind meine Neuerwerbungen weniger Römer, sondern mehr "Ostgeld" (Kleinasien, Baktrien, Persien, Indien ...) - und die findet man sehr oft in sehr salzigen (überdüngten) Böden. Q.e.d.
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Submuntorium
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Beitrag von Submuntorium » Mo 26.10.09 17:07

Vielen Dank für die absolut informativen Beiträge! Nun habe ich auch erfahren,dass ein zu häufiges befingern der Münzen schlimme Auswirkungen haben kann.Da war ich vielleicht bisher ein bisschen zu Nachsichtig,insbesondere mit Bekannten und Verwandten,die halt mal eine römische Münze in der Hand halten wollen.Ich denke jeder von euch kennt diese Situationen!
Soll ich die Münzen nun General-Abwischen oder was ist nun zu tun?
viele grüße,
Submuntorium

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