Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

curtislclay
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Beitrag von curtislclay » Mi 28.10.09 15:04

Bahrf: wohl Max von Bahrfeldt, Münzen Constantins d. Gr. und seiner Zeit aus dem Münzfunde von Köln a. Rh. 1895, Halle 1923.

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 28.10.09 16:06

Vielen Dank! Und hat jemand schon mal von Well in Zusammenhang mit römischen Münzen gehört?

Im amerikanischen Forum hat Curtis Clay eruiert, daß es sich wahrscheinlich handelt um J. Berman&Sohn, Verzeichnis der Münz- und Medaillen-Sammlung des ... Herrn Leopold Welzl von Wellenheim, Wien 1844.

Dank an Curtis
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Beitrag von Peter43 » Fr 30.10.09 20:53

Die Artemis Pergaia

Diesen Artikel über Artemis Pergaia aus dem amerikanischen Forum möchte ich euch nicht vorenthalten.

Perge liegt 12km östlich des heutigen Antalya und gehörte zusammen mit Aspendos und Side zu den bedeutenderen Städten Pamphyliens. Es war berühmt nicht zuletzt wegen seiner Hauptgöttin, der Artemis Pergaia. Es wird angenommen, dass Perge von den Achäern die ca. 1000 v. Chr. gegründet wurde. Auch der Hl. Barnabas und Paulus besuchten zu beginn des Christentums Perge. Paulus hielt hier seine erste Predigt. Perge wurde zu einem wichtigen Zentrum des Christentums.

Perge ist ein Glücksfall für die Archäologen. Wenn eine Stadt aufgegeben und niemals wieder besiedelt wurde, diente es üblicherweise als Steinbruch für die benachbarte neue Stadt. Aber in Perge haben Erdbeben die Gebäude niedergelegt und Erdreich, das die Flüsse anspülten und das von den Hügeln kam, hat alles schnell bedeckt. So wurden nur wenig Beutestücke in Antalya verbaut und wir können heute wieder die breiten Prachtstraßen des antiken Perge entlangschlendern, die Reliefs des Theaters betrachten und uns an den gut erhaltenen Statuen erfreuen, die sich im Museum von Antalya befinden.

Leider konnte bis heute der Ort des wichtigsten Heiligtums, des Tempels der Artemis Pergaia, nicht gefunden werden und gibt den Archäologen Rätsel auf, denn das Heiligtum der Artemis - in der Antike eine berühmte Pilgerstätte und ein Asylon - war nach dem Zeugnis antiker Schreiber auf einem Hügel außerhalb der Stadt in exponierter und wundervoller Position gelegen. Die fremdartige Erscheinung der Artemis von Perge, auch bekannt von Marmorstelen und Votivreliefs im Museum in Antalya, ist dargestellt auf Münzen des 2.Jh. n.Chr. Auf einem dekorierten Steinblock sitzt nur der Kopf der Göttin mit Kalathos auf einer Mondsichel. Zweifellos war hier wie auch in Ephesos der griechische Artemiskult verbunden mit einer viel älteren Lokalgottheit. Diese vor-hellenische Göttin wurde in pamphylischem Dialekt Vanassa Preiia genannt. Vanassa ist pamphylisch 'die Herrin'.

In Rom wurde der Tempel 79 v.Chr. bekannt durch Ciceros flammende Rede gegen Verres, 'In C. Verrem'. Der berüchtigte Verres, Legat und Quaestor in Kilikien hatte den weltberühmten Tempel 80 v.Chr. geplündert und sich schamlos bereichert durch den Raub der Statuen, der Weihegeschenke und der Schätze der Tempel von Perge und Aspendos. M.T.Cicero beschreibt dies alles in seinen Untersuchungen von Verres' Schandtaten für seine Anklage. Hier wird die Statue beschrieben als verborgen in einem mit Gold bedeckten Schrein. Wir sehen, daß die Beschreibung dieser Statue nicht einheitlich ist.

Das Kultbild, das auf den Münzen von Perge dargestellt ist, stand im Tempel auf der Akropolis der Stadt. Der Körper der Statue war ein rechteckiger Block, der auf einer breiteren Basis stand. Auf seiner Spitze saß der menschliche Kopf der Göttin mit Kalathos und verhüllt mit einem Schleier. (z.B. SNG PFPS 221ff.). Der 'Körper' war reich verziert mit Reliefs, änderte sich aber später zu einer stelenartigen konischen Gestalt. Gewöhnlich war das Kultbild flankiert von 2 Sphingen auf einer Rundbasis, das Pediment des ionischen Naiskos oder Tempels ist meistens geschmückt mit einem Adler mit geöffneten Schwingen (Price-Trell 189, Fig. 34, Nr.101, Nr.28)

Erskine schreibt: Der Kult durfte nur von Priesterinnen ausgeübt werden, die seit drei Generationen aus einer Familie aus Perge stammten, und zwar von Vater- als auch Mutterseite.

Ihr Kult wurde bis ins 5.Jh. n.Chr. aufrechterhalten. So mächtig war die Stellung der Göttin, daß ihre Statue sogar vor der neu entstandenen christlichen Kirche stehenblieb. "Daß das Relief der Artemis Pergaia mit Strahlenbüschelkrone auf ihrem Kopf vor dem Tempel einer Religion, die die Anbetung der Götzenbilder streng verbietet, nicht angerührt worden ist, kann nur dadurch erklärt werden, daß sie mit der auf ihrem Kopf einen Heiligenschein tragenden Maria gleichgesetzt wurde."

Ich habe hinzugefügt
(1) Das Bild einer Münze aus Pogla, auf der man deutlich die 3 Bänder der Figurenreliefs sehen kann und darüber eine szenische Darstellung (SNG von Aulock 5147)
(2) Eine Rekonstruktion des Schreins, bei der an Stelle der Figurenreliefs Kassetten zu sehen sind, in die man Votivgaben legen konnte.
(3) Eine Säule mit der Darstellung der Artemis Pergaia ganz oben unter dem Kapitell.
(4) Das Bild einer Münze aus Perge, die Artemis Pergaia etwa so zeigt, wie sie auf der Säule zu sehen ist.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
pogla_caracalla_SNGaulock5147.jpg
Baetyl_Pergaean_Artemis.jpg
Perge Säule mit Artemisrelief.jpg
perge_titus_RPC1514.jpg
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Beitrag von Peter43 » Mo 02.11.09 22:37

Die Revolte des Poemenius

Im RIC Band VIII finden sich unter Trier S.164/5 mit der Überschrift 'Revolt of Poemenius' einige bemerkenswerte Münzen des Constantius II. RIC 328-337, alle selten. Eine habe ich kürzlich erwerben können und möchte sie hier mit der dazugehörigen Hintergrundinformation vorstellen.

Constantius II., 337-361
AE - Doppel-Centenionalis, 4.73g, 23mm
Trier, 1. Offizin, (Zeit der Revolte des Poemenius)
Av.: DN CONSTANTIVS P F AVG
Büste, drapiert und cürassiert, mit Perlendiadem, n.r.
Rv.: SALVS AVG NOSTRI
Großes Chi-Rho, flankiert von A und Omega
im Abschnitt TRP Stern
Ref.: RIC VIII, Trier 332; LRBC 67
Nicht häufig, fast SS, Schrötlingsausbruch bei 2h
Photo der Münze vom Händler

Das besondere an dieser Münze ist, daß es das Portrait des Constantius II. mit der berühmten Rs. mit dem großen Chi-Rho des Magnentius verbindet. Wie kann man das erklären? Warum sollte Constantius Münzen prägen mit der Rs. seines Feindes?

Poemenius wird nur an einer einzigen Stelle erwähnt, von Ammianus Marcellinus im 6. Kapitel von Buch 15:
"4. Nach Proculus wurde Poemenius verurteilt und hingerichtet; derjenige, der - wie wir oben erwähnt haben - nachdem die Treverer ihre Tore gegen Caesar Decentius geschlossen hatten, gewählt worden war, um diese Leute zu verteidigen. Nach ihm wurden Asclepiodotus, Luto und Maudio, alles hohe Beamte, hingerichtet, und viele andere noch; die unerbittliche Grausamkeit der Zeit suchte mit Begierde nach diesen und ähnlichen Strafen."
Leider sind die ersten 13. Bücher des Ammian verloren. Deshalb wissen wir nicht, was er weiter oben erwähnt hat! Dies spielte sich im Jahre 355 n.Chr. ab und Kent leitete daraus einen Aufstand des Poemenius gegen Magnentius ab.

Wie sah die historische Situation zu dieser Zeit aus?

Magnentius wurde um 303 n.Chr. geboren, evtl. in Amiens und war als Laete barbarischer Herkunft. Er soll der Sohn eines britannischen Vaters und einer fränkischen Mutter gewesen sein. Am 18. Jan. 350 ließ er sich in Autun zum Augustus ausrufen und wurde im Westen und in Africa anerkannt. Er hat rasch Trier in seine Macht gebracht, die damals wichtigste Stadt im Nordwesten. Dann ernannte er seinen Bruder (oder Vetter) Decentius zum Caesar (Sommer 350 oder Ende 350/Anfang 351), um Gallien durch eine starke Hand zu sichern. Versuche des Magnentius, Constantius II. in Verhandlungen, auch durch eine gegenseitige Doppelhochzeit, zur Anerkennung seiner Herrschaft zu bewegen, blieben erfolglos. Militärisch war Magnentius dem Constantius unterlegen. In der katastrophalen Schlacht von Mursa am 28. Sept. 351 wurde er von den Truppen des Constantius, die aus dem Osten heranrückten, geschlagen; dies war eine der vernichtendsten Schlachten des späteren Reiches, das seine Widerstandskraft gegen die anstürmenden Feinde entscheidend schwächte. Magnentius mußte sich zurückziehen und verlor ein Jahr später auch Italien. Es ist möglich, daß Constantius die Alamannen anstiftete, in Gallien einzufallen, um den Feind zu schwächen. Jedenfalls verwüsteten sie das Land und im August 352 wurde Decentius vom Alamannenfürsten Chnodomar geschlagen und floh nach Trier, wo ihm die Tore verschlossen wurden. Im Juli 353 zog auch Constantius nach Gallien und schlug Magnentius bei Lyon. Der beging daraufhin Selbstmord (10. Aug. 353), nachdem er vorher seine Familie getötet hatte. Wenige Tage später folgte ihm Decentius in Sens. Constantius war wieder Alleinherrscher im Römischen Reich.

(1) Kent:
Kent geht numismatisch vor und untersucht die Abfolge der Legenden im Verhältnis zu den historischen Ereignissen.
Nur eine zufällige Bemerkung des Historikers Ammianus Marcellinus enthält den Bericht über eine wichtige Episode der Regierungszeit des Magnentius, die Revolte von Trier. Bei seinem Bericht über die Vernichtung der Aufständischen des erfolglosen und kurzlebigen Usurpators Silvanus 355 n.Chr., bezieht er sich insbesondere auf die Hinrichtung des Poemenius. Dieser war von den Trierern zu ihrer Verteidigung gewählt worden, nachdem sie dem Decentius ihre Tore verschlossen hatten. Da Trier eine bedeutende Münzstätte war, sollte man erwarten, daß diese Vorgänge sich auch bei den Prägungen widerspiegeln. Und das ist auch der Fall. Kent behauptet nun, daß 2 von Constantius' Ausgaben mit diesem Ereignis zusammenhängen. Die Solidi mit VICTORIA AVG NOSTRI und die Billonmünzen mit SALVS AVG NOSTRI. Beide haben keine Parallele in den Ausgaben des Constantius selbst, weisen aber durch die Verwendung von AVG NOSTRI und das große Chi-Rho direkt auf Magnentius. Diese Auffassung wird inzwischen allgemein akzeptiert und kann als sicher angesehen werden, schreibt er im RIC.

Ich kann hier nicht in alle Details gehen, weil das diesen Beitrag zu lang machen würde. Historiker hatten angenommen, daß Magnentius Trier bereits früh während seiner Regierung verloren hätte, doch dies ist unwahrscheinlich und die Prägung zeigt, daß es so nicht sein kann. Kent unterscheidet bei Magnentius 4 verschiedene Prägeperioden, die jeweils durch historische Ereignis bedingt sind. Nach der entscheidenden Schlacht von Mursa zog sich Magnentius nach Italien zurück. Im September 352 besetzen Constantius und Gallus Italien und Magnentius war auf Gallien beschränkt. Hier prägten 4 Münzstätten den letzten Typ ihrer Herrschaft: SALVS DD NN AVG ET CAES, die es in Rom und Aquileia nicht gab. Da Trier an dieser Emission teilhatte, kann die Revolte des Poemenius nur in der Zeit kurz vor Constantius' Feldzug nach Gallien im Sommer 353 stattgefunden haben. Ohne Zweifel war sie durch ihn angestachelt worden, wie auch der Einfall der Alamannen über den Rhein.
Die außergewöhnlichen Ausgaben mit dem Portrait des Constantius und den Rs. des Magnentius können nicht vor 350 geprägt worden sein wegen der Anspielung auf nur einen Herrscher. Wir haben so den numismatischen Beweis dafür, daß die Revolte in Trier im allerletzten Monat der Herrschaft des Magnentius stattgefunden haben muß. Diese Münzen sind also während der Revolte in Trier für Constantius geprägt worden.

Bastien, dessen Arbeit mir nicht vorliegt, verweist auf das Gewicht der Billonmünze, das schlecht zwischen Magnentius letzte und Constantius' früheste gallische Prägung paßt. Kent führt dies irreguläre Gewicht auf die außergewöhnlichen Umstände zurück, meint dann aber in Zusammenhang mit Ammians Bemerkung, daß wir auch annehmen können, daß Decentius Trier genommen habe, und daß dann diese Stücke zwischen der 2. und 3. Phase von Magnentius' Prägungen lägen. Auch nach dem Tode des Magnentius habe sein Meistergraveur noch für Constantius weitergearbeitet.

(2) Gilles:
Gilles ist ebenfalls der Überzeugung, daß die von Kent beschriebenen Münzen SALVS DD NN AVG ET CAES und SALVS AVG NOSTRI, da sie aus keiner anderen Münzstätte bekannt sind, überzeugend auf den Abfall der Stadt Trier von Magnentius bzw. Decentius bezogen werden müssen. Da wir über den Ausgang der Belagerung Triers durch Decentius nichts wissen, sind wir angewiesen auf numismatische und archäologische Quellen. Da Poemenius nach Ammian den Aufstand gegen Magnentius und Decentius überlebt haben muß, nahm man an, daß Trier nicht mehr in die Hände des Decentius bzw. Magnentius gefallen war. Bestärkt wurde dies durch die Abfolge der Trierer Münz-Emissionen.

Allerdings bleibt tatsächlich unklar, in welcher Reihenfolge wir die Trierer Emissionen ansetzen müssen. Liegen die auf den Namen des Constantius geprägten Großbronzen vor oder nach den letzten beiden Trierer Emissionen auf Magnentius und Decentius, oder liegen sie vielleicht zwischen den letzten Emissionen der Usurpatoren, d.h. zwischen der 1. und 2. Reduktion. Davon aber hängt die Datierung des Trierer Abfalls ab und ob Trier nach dem Aufstand des Poemenius wieder an Magnentius bzw. Decentius zurückfiel.

Gilles untersucht nun die um das Jahr 353 endende Münzreihe der Trierer Bronze-Emissionen aus metrologischer Sicht. Er stellt Listen von Schatzfunden und Münzreihen der 50er Jahre des 4.Jh. auf. Dabei ergibt sich, daß besonders die Schatzfunde aus Villen des Trierer Landes mit den Prägungen des Poemenius enden. Die letzten Trierer Prägungen des Magnentius und Decentius fehlen völlig. Sie finden sich nur in den Funden bei denen auch jüngere Prägungen des Constantius vorliegen. Dies hätte zur Folge, daß die beiden letzten Trierer Emissionen des Magnentius und Decentius erst nach den sog. Poemeniusmünzen geschlagen wurden.

Zusammenhängend läßt sich festhalten, daß aus numismatischer Sicht mehr daraufhin deutet, daß der Aufstand in Trier gegen Decentius niedergeschlagen wurde. Münzschätze und Zerstörungsschichten lassen erkennen, daß bei der Erhebung der Usurpatoren auch das Umfeld der Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, wahrscheinlich von den Truppen des Decentius bei der Überwindung der Stadtmauer. Es läßt sich vorstellen, daß Poemenius selbst dem Gemetzel in der Stadt entkommen konnte. Ob er und die Trierer nun den Aufstand aus eigenem Antrieb unternahmen, oder auf Geheiß des Constantius, bleibt offen. Günstig war die Gelegenheit sicherlich, da Decentius durch die Niederlage gegen Chnodomar geschwächt war. Nach der vermuteten Rückeroberung Triers durch Decentius scheint die Münzprägung wieder für einige Wochen aufgenommen worden zu sein, diesmal mit noch weiter reduzierten Maiorinen, bis sie im August 353 endgültig eingestellt wurde, als Magnentius und Decentius von Constantius in die Enge getrieben, Selbstmord begingen.

(3) Holt:
Walter Holt bringt einen umfassenden Überblick über die historischen und politischen Verhältnisse im Rom des 4.Jh. Er schildert die Zeit von der Erhebung des Magnentius zum Augustus in Autun und den Tod des Constans, das Schicksal des Nepotianus in Rom, die vergeblichen Versuche des Magnentius, sich mit Constantius zu einigen, über die Schlacht von Mursa, bis zu seinem Selbstmord in Lyons. Übrigens war die einzige Überlebende seine Frau Justina, die 368 Valentinian I. heiratete.
Holt schreibt, da es keine anderen schriftlichen Quellen und insbesondere keine archäologischen Erkenntnisse gäbe, bliebe nur die Numismatik. Dabei folgt er bei der Interpretation der Vorgänge in Trier den Ausführungen Kents. Als Decentius nach seiner Niederlage gegen Chnodemar Zuflucht in Trier suchte, fand er jedoch die Stadttore verschlossen unter der Führerschaft des Poemenius, der sich gegen ihn erhoben hatte. Decentius mußte sich daraufhin nach Amiens und Paris zurückziehen. Unmittelbar darauf begann Trier Münzen zu prägen im Namen des Constantius und - was noch wichtiger war - stoppte die Ausgabe von Münzen für Magnentius und Decentius.

Leider ist die einzige antike Quelle für diese dramatischen Ereignisse eine einzelne Zeile bei Ammianus Marcellinus. Poemenius hielt Trier erfolgreich gegen Decentius bis zum Ende der Revolte, was bewiesen wird dadurch, daß er 2 Jahre später noch lebte. Er wurde erst 355 hingerichtet, da er wohl in den Aufstand des Silvanus verwickelt war. Amm.Marc. xv.6.4. Hätte Decentius Trier zurückerobert, hätte er sicherlich dien Aufstand niedergeschlagen und Poemenius hinrichten lassen. Dann aber hätte er sich nicht nach Amiens und Paris zurückziehen müssen.

Insbesondere kann die Ausgabe mit dem großen Chi-Rho erst nach der Erhebung des Decentius zum Caesar 351 geprägt worden sein. Daß sie nicht in Aquileia oder Rom vorkommt, spricht dafür, daß sie erst nach dem Rückzug des Magnentius aus Italien geprägt wurde.Bastien meint, daß sie erst im Frühjahr 353 geprägt wurde, gerade mal 8 Monate vor dem Ende seiner Herrschaft und der Münzprägung.

Die 'Poemenius-Münzen' sind deshalb außergewöhnlich, weil sie auf der Vs. das Portrait des Constantius und auf der Rs. Motive des Magnentius zeigen. Das AVG auf der Rs. von SALVS AVG NOSTRI verweist auf einen Einzelherrscher, kann aber nicht Magnentius bedeuten, weil Magnentius zuerst starb und es keinen Hinweis gibt, daß Decentius den Augustus-Titel annahm. So bleibt auch auf der Rs. nur Constantius übrig.

Hätte Constantius die 'Poemenius-Münzen' nach dem Fall des Magnentius prägen lassen, warum hätte er dann das Chi-Rho gewählt, das weder bei ihm noch bei Gallus vorkommt. Und da diese Ausgabe nur in Trier vorkommt, werden wir zwingend zur Revolte des Poemenius gezogen.

Auch Horte sprechen dafür. Es gibt Horte mit Magnentius Chi-Rho-Typen und nur wenig Constantiustypen. Es gibt andererseits keine Horte mit Constantius-Chi-Rho-Typen und nur einigen Magnentius-Typen. Das zeigt, daß die Constantius-Typen den Magnentius-Typen folgten. Ihre Datierung kann dann so vorgenommen werden: Beide Usurpatoren waren am 18. August 353 tot. Da diese Münzen sehr selten sind, kann ihre Prägezeit nur kurz gewesen sein, aber lang genug, um verschiedene Stempel zu benötigen. Vermutlich also länger als einige wenige Tage aber kürzer als einige Monate. Nehmen wir die Zeit, die Decentius brauchte, um nach Amiens und dann nach Sens zu gelangen, was wohl zwischen 2 und 6 Wochen gedauert haben wird, dann kommen wir auf eine Zeit der Revolte von Anfang Juli bis zum späten August.

Die Revolte des Poemenius war eine kurzlebige aber außerordentlich erfolgreiche Episode in der turbulenten Geschichte des zerfallenen Römischen Reiches im 4.Jh. Sie hat uns faszinierende Münzen gegeben und eine wundervolle Story. Nur wenige Stücke sprechen so direkt zu uns und sind Zeugen eines so exakten Ereignisses und seiner Zeit wie diese. Leider wissen wir nichts mehr über den Charakter dieses bemerkenswerten Mannes. Alles was von ihm geblieben ist, ist ein Satz in einem sehr alten und mehrheitlich verloren gegangenen Buch und seinem Vermächnis einer kleinen Zahl außergewöhnlicher Münzen

(4) Overbeck/Overbeck:
Nun gibt es seit 2001 eine Arbeit, die alle bisher dargestellten Erklärungen grundsätzlich in Zweifel zieht. Leider ist sie von Holt nicht berücksichtigt worden, wohl weil sie nur auf Deutsch erschienen ist. Overbeck/Overbeck gehen dabei aus von dem, was uns als einzigem aus der Antike überliefert wird, und das ist der Text bei Ammianus Marcellinus. ad defendam plebem electus heißt es dort. Alle sind sich dabei einig, daß Poemenius von den Trierern ausgewählt wurde, um das Volk zu verteidigen. Gemeint ist dabei eine Position, die mit umfassenden Befugnissen im militärischen und administrativen Bereich die wichtigste Rolle in Trier hätte spielen können. Aber ist diese Vorstellung korrekt?

Bereits der Zeitpunkt der Revolte ist umstritten. Piganiol (L'Empire Chretien, Paris 1947) möchte die Revolte früh ansetzen, Kent/Bastien/Gilles glauben, sie müsse spät liegen. Ein Beweis konnte bisher nicht erbracht werden. Gilles bespricht zwar detailliert seine Münzreihen, aber seine Darstellung bleibt auch richtig ohne seine Prämisse von den 'Poemenius-Münzen'. Eine Festlegung der Ereignisse auf wenige Wochen, bedeutet eine Überstrapazierung des Quellenwertes dieser Fundmünzen.

Nun zu Ammian. Was müssen wir unter defendere verstehen? In Arbeiten über Gallien, in denen Poemenius zitiert wird, wird dieser Begriff militärisch, juristisch oder in einem generellen Sinn verstanden, aber niemals näher begründet. Wir gehen dabei davon aus, daß Ammian, der zusammen mit Ursinicus nach der Niederschlagung des Silvanus-Aufstandes nach Trier gekommen war, Einsicht in alle Akten und Untersuchungsberichte hatte, und als ein sehr korrekter und zuverlässiger Zeuge gilt.

Es steht fest, daß die Tore verschlossen wurden bevor Poemenius ernannt wurde. Also hat nicht er die Schließung der Tore veranlaßt, was regelmäßig übersehen wird, aber sehr wichtig ist. Seine Ernennung kommt also erst nach dem Abfall der Trierer von Decentius.

eligere heißt bei Ammian nie Wahl durch viele, hier also die Trierer, sondern es ist der übliche Begriff der Ernennung zu einem Amt durch den Kaiser oder seinen Stellvertreter.

Unter plebs wird bei Ammian gewöhnlich eine Gruppe von Menschen verstanden, die unter irgendeinem Aspekt - religiös, militärisch oder wie hier ethnisch - zusammengehören. Politisch-sozial wird es von ihm nur für die plebs in Rom gebraucht. Es sollte hier am zutreffendsten mit civitas = Einwohner übersetzt werden.

Was man bei defendere am ehesten ausschließen kann, ist seine militärische Bedeutung. Wenn defendere mit dem Akkusativobjekt verbunden ist, sind es in der Regel Dinge, nicht Personen, die verteidigt werden. Deshalb macht es Mühe, dieses Zitat so aufzufassen, daß einem einzigen Menschen die Verteidigung der gesamten Einwohnerschaft übertragen wurde. Für die zweite, die juristische Deutung gibt es bei Ammian genügend Beispiele. Dabei darf aber nicht an das Amt des defensor plebis gedacht werden, weil dieses Amt erst später unter Valentinian I. eingerichtet wurde. Es handelt sich hier also lediglich um die gerichtliche Vertretung der Stadt. Mit Seeck sehen wir mit gutem Grund in Poemenius einen Mann, der keine andere Pflicht hatte, als die Bürger seiner Stadt, die den Caesar Decentius beleidigt hatten, gegen ein Strafgericht desselben als Redner zu verteidigen.

Dazu gibt es Parallelen bei Ammian in einem anderen Fall: Die Verteidigung der Stadt Aquileia, die zu Constantius hielten und ihre Tore gegen Julian geschlossen hatten. Hier kam es zu einem ähnlichen Prozeß, bei dem ein Verteidiger der Stadt bestimmt wurde. Die Formulierungen sind sehr ähnlich. Der Vorwurf war ebenfalls das crimen laesae maiestatis.

Akzeptiert man diese Überlegungen, dann
(1) muß Trier nach der Rebellion wieder in die Hand des Decentius/Magnentius gefallen sein.
(2) Poemenius kann nicht aktiv an der Rebellion beteiligt, geschweige ihr Anführer gewesen sein.
(3) Ob er überhaupt ein Einwohner von Trier war, läßt sich nicht entscheiden.

Diese Argumentsweise ist überwiegend sprachwissenschaftlich, etwas was Kent/Bastien/Gilles und die anderen vernachlässigt haben. Aber auch rein numismatisch sind Kents Schlüsse nicht zwingend. Zwar sind die beiden Münztypen nur in Trier geprägt, selten und außergewöhnlich. Doch erklären kann man das auch als 1. Emission nach der Einnahme der Stadt durch Constantius. Trier mit einer der bedeutendsten Münzstätten hat offensichtlich den Prägebetrieb möglichst schnell wieder aufgenommen, noch bevor die einheitliche Organisation mit gleichartigen Münzentwürfen wiederhergestellt war. Die ungewöhnliche Trierer Münzprägung feiert den Sieger Constantius und erklärt sich aus der Situation der Münzstätte direkt nach dem Ende der Kampfhandlungen. Das hohe Gewicht der Goldmünzen sowie der Billonmünzen läßt sogar an Donative für die siegreiche Truppen denken.

Hinzugefügt habe ich noch ein Bild der Porta Nigra, die heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört-

Quellen (zeitlich geordnet):
1) Ammianus Marcellinus, Res Gestae (online)
2) J.P.C.Kent,”The Revolt of Trier Against Magnentius”,Numismatic Chronicle 9
(1959), S. 105-108
3) J.P.C.Kent, RIC VIII, S.136/137, 1981
4) P. Bastien (QT 12/1983), "Decence, Poemenius. Problemes de chronologie,
pp.177-190 (QT = Quaderni Ticinesi) (konnte ich leider nicht einsehen!)
5) K.-J.Gilles, Die Aufstände des Poemenius (353) und des Silvanus (355) und ihre
Auswirkungen auf die Trierer Münzprägung, Trierer Zeitschrift 52, 1989, S.377-
386
6) Mechtild Overbeck/Bernhard Overbeck: Die Revolte des Poemenius zu Trier.
Dichtung und Wahrheit, in P. Barcelo-V.Rosenberger (Hrsg.), Humanitas.
Festschrift für Gunther Gottlieb, München 2001, S.235-246
7) Holt, Walter C. “The Revolt of Poemenius at Trier,” The Celator 18.5 (May 2004),
pp. 23-30,
8 ) CNG
9) Dietmar Kienast, Römische Kaisertabellen

Mit freundlichem Gruß
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constantiusii_trier_332.jpg
Trier_Porta_nigra.jpg
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Beitrag von Peter43 » Mo 09.11.09 21:37

Curtis Clay hat auf den Artikel von Overbeck/Overbeck folgendes geantwortet (Fehler in der Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):

Ich finde Seecks Erklärung für die Rolle des Poemenius, der Overbeck/Overbeck folgen, ganz überzeugend: er verteidigte die Einwohner von Trier in einem Prozeß, der unter Decentius stattfand, nachdem Trier die Tore gegen Decentius geschlossen hatte, aber dann durch den Caesar zurückerobert worden war. Ammianus hätte sich ganz anders ausgedrückt, wenn er gemeint hätte, daß Poemenius tatsächlich die Revolte von Trier gegen Decentius selbst angestiftet und geführt hätte.

Overbeck/Overbeck jedoch scheinen dann aber das wichtigste Ergebnis ihrer Untersuchung vergessen zu haben: Es gab einen Aufstand in Trier während der Regierungszeit des Magnentius nachdem Decentius Caesar geworden war, den die Kaiser niederschlugen vor dem Ende ihrer Regierungszeit.

Es scheint für mich immer noch wahrscheinlich, daß die Christogramm-Münzen des Constantius II. während dieser Revolte geprägt worden sind und nicht erst nach der endgültigen Niederlage von Magnentius und Decentius.

Erstens weil die Schatzfunde, die Gilles erwähnt, mit den Christogramm-Münzen des Constantius II. enden, aber ohne irgendwelche Christogramm-Münzen des Magnentius oder Decentius. Allerdings muß der Aufstand stattgefunden haben nach der Einführung des Christogramm-Münzen-Typs durch Magnentius. Es ist plausibel, daß die Aufständischen weiter den Standardtyp des Magnentius und Decentius auch nach ihrem Aufstand für Constantius II. weitergeprägt haben; aber nicht, daß Magnentius und Decentius für ihre eigenen Münzen einen Typ übernommen haben sollen, der von den Aufständischen erfunden worden war!

Zweitens, wegen des hohen Gewichts der Christogramm-Münzen des Constantius II., das sie wohl zwischen die beiden Hauptausgaben des Magnentius/Decentius zu plazieren scheint. Es scheint wahrscheinlich, daß die Aufständischen, als sie ihre Münze einrichteten, ungefähr dem gerade üblichen Gewichtsstandard gefolgt waren. Aber hätte Trier nach der Ausschaltung von Magnentius und Decentius Münzen für Constantius II. geprägt unter Benutzung des alten Rückseitentyps der Usurpatoren und dazu noch den üblichen augenblicklichen Gewichtsstandard erheblich angehoben, wie Overbeck/Overbeck es behaupten?

Gibt es eigentlich keine Sammler, die an diesem aufregenden Kapitel Trierer Geschichte interessiert sind? Ich gestehe, daß ich mich manchmal doch wundere!

Mit freundlichem Gruß
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 13.03.10 20:18

Das ist eine sehr interessante Diskussion, die zeigt, wie wichtig ein paar Leute sind, die die dicken Bücher lesen, die richtig tief in die Materie einsteigen. Die wissen, bei welchem Schriftsteller "defendere" was bedeutet, daß hier "eligere" weniger wählen als ernennen heißt, wer "plebs" ist etc. Beeindruckend.

Wesentlich kürzer werde ich mich jetzt fassen, Dünnbuchleser, der ich bin. Aber ich habe mal wieder eine schöne Münze mit einem interessanten historischen Bezug erworben, die ich für würdig halte, in diesem Thread zu erscheinen.

As, Hadrian, 122 n.Chr.
Vs. IMP CAESAR TRAIANU - S HADRIANUS AUG
Belorbeerte Büste nach re. mit leichter Drapierung der li. Schulter
Rs. PONT MAX TR POT COS III / S - C, im Abschnitt BRITANNIA
Britannia fast frontal, leicht nach li. gewandt, sitzend, Kopf auf die rechte Hand gestützt; den rechten Fuß stellt sie auf einen Stein, in der Linken hält sie ein langes Zepter oder einen Speer, daneben lehnt an ihrem Sitz (einem Felsen?) ein großer Schild
Durchmesser 25,5 mm, 8,80 g, Stempelachse 6 Uhr
RIC 577b (R²) <aber auf acsearch immerhin drei Exemplare, also nicht extrem selten>

Die Münze ist schwierig zu fotografieren wegen der unruhigen Oberfläche, aber nicht schlecht erhalten. Die Rückseite ist interessant, da sie Britannia in "halber Trauerhaltung" zeigt; mit dem Kopf auf die Hand gestützt, aber bewaffnet und auf einer Sitzgelegenheit, nicht auf dem Boden sitzend. Sie scheint Wache zu halten, was auch gut zum Anlaß der Münze paßt: 122 machte Hadrian eine Inspektionsreise nach Britannien und initiierte dort den Bau des Hadrianswalls, um die römische Provinz Britannien von den Barbarenstämmen im Norden abzugrenzen und vor deren Einfällen zu schützen.

Viele Grüße,

Homer
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hadr-brit-a.JPG
hadr-brit-b.JPG
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von chinamul » So 14.03.10 12:31

Auch der Nachfolger des Hadrian hat eine Britannia-Münze geprägt. Diese Stücke sind offenbar sehr gesucht.

ANTONINUS PIUS 138 – 161
Æ As Rom 154/155
Av.: ANTONINVS AVG PIVS P P TR P XVIII - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: BRITANNIA COS IIII S C (im Abschnitt) - Britannia nach links auf Fels sitzend; die Rechte zum Gesicht führend, die Linke auf den Fels gelegt; vor ihr am Boden stehend ein ovaler Schild und ein Adlerzepter bzw. eine Standarte
RIC 934; C. 117
9,53 g

Gruß

chinamul
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a.p. ric 934.jpg
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

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Peter43
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 14.03.10 14:57

Britannia ist dargestellt als Trauernde. Ich glaube nicht, daß sie hier für die Römer Wache am Hadrianswall hält.

Mit freundlichem Gruß
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Homer J. Simpson
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Homer J. Simpson » So 14.03.10 16:04

Relativ gesehen ist das As des Antoninus (der ja weiter nördlich den kurzlebigen Antoninuswall bauen ließ) die häufigste Britannia-Münze. Allerdings auch selten so schön erhalten wie Chinamuls Exemplar.
Seine früheren (IMPERATOR II = 143/144) Sesterzen sind deutlich seltener, ich habe leider nur ein schlecht erhaltenes Exemplar. Hier sieht man, daß die Britannia (kenntlich an ihrem Schild mit dem spitzen Stachelbuckel) nicht in Trauerhaltung dasitzt, sondern würdevoll-entspannt ein Tropaeum hält.

Homer
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953a2.JPG
953b2.JPG
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 14.03.10 19:58

Stimmt, hier sitzt sie sehr lässig, fast wie Securitas.

Mit freundlichem Gruß
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mo 08.11.10 21:48

Diesen Artikel habe ich jetzt aus dem Diskussionsthread in den historischen Thread übernommen, weil ich glaube, daß er hier besser aufgehoben ist.

Ein neuer Dreier aus Markianopolis

Zunächst einige Bemerkungen zur Münzprägung von Markianopolis:

Markianopolis folgte in der Münzprägung dem System der Nachbarstädte, was auch ganz vernünftig war. Sicher ist dies für die Zeit der Statthalterschaft des Flavius Ulpianus. Dies System gliederte sich in folgende Wertstufen (nach Pick, AMNG I/1):

1. Fünfer
Dies waren die größten Münzen, mit dem Namen des Statthalters und gekennzeichnet durch das Wertzeichen E in verschiedenen Formen, aber auch dadurch, daß auf der Vs. immer 2 Köpfe erscheinen. Dies ist immer der Kaiser selbst mit einem zweiten Kaiser oder einer Kaiserin oder mit einem Caesar.
Ist auf Münzen des Gordian III. zusätzlich Serapis abgebildet, kann man davon ausgehen, daß diese Münzen vor seiner Hochzeit mit Tranquillina geprägt worden sind. Danach erscheint er natürlich mit seiner Kaiserin. Dies gilt abgewandelt auch für Philipp II, der mit Serapis erscheint, da er kein anderes Gegenüber hatte.

2. Vierer
Die zweite große Gruppe mit dem Namen des Statthalters waren die Vierer. Diese waren nun nicht mit einem Delta gekennzeichnet, sondern man erkannte sie daran, daß auf ihnen nur ein Kopf erschien. Man muß sie als Vierer ansehen, weil es sich um das Hauptnominal dieser Region handelt, und es kaum vorstellbar ist, daß es in Markianopolis fehlen sollte. Sie haben ungefähr dieselbe Größe wie die Fünfer, unterscheiden sich aber durch das Gewicht. Die Münzen mit dem E wiegen ungefähr 12-14g, die Münzen mit nur einem Kopf ungefähr 9-10g, wobei es natürlich in beiden Gruppen Ausreißer nach oben und nach unten gibt.

3. Dreier
Von den übrigen - alle ohne den Namen des Statthalters - wiegen die größten etwa 7g. Die älteren mit dem Typus der 3 Grazien unter Commodus und Julia Domna haben zwar kein Wertzeichen, sind aber sicherlich als Dreier aufzufassen. Die späteren tragen teilweise das Wertzeichen Γ, haben aber alle das Bild der Artemis auf der Rs.

4. Zweier und Einer
Die kleineren Münzen haben zwar kein Wertzeichen, doch können gut durch ihre Größe und ihr Gewicht unterschieden werden in Zweier (4-6g) und Einer (2-4g).

Hier ist ein Gesamtüberblick über die Prägung von Markianopolis (Pick, AMNG I/1, S.189):

Commodus....................................3....2
--------------------------------------------------------------
Severus.................................4......... 2....1
Domna........................................3....2
Caracalla Aug..........................4..........2....1
Geta Caes.............................4................1
Severus u. Domna............Є
Caracalla u. Geta Aug........Є
------------------------------------------------------------------
Caracalla.................................4..........2
Caracalla u. Domna............Є
-----------------------------------------------------------------
Macrinus.................................4
Macrinus u. Diadumenian... E
Diadumenian.................................Γ....2....1
-------------------------------------------------------------------
Elagabal.................................4....X....2....1
Elagabal u. Maesa............E
Elagabal u. Soaemias........E
----------------------------------------------------------------------
Alexander...............................4...........2....1
Alexander u. Maesa...........E
Alexander u. Mamaea........E
Mamaea.......................................Γ
----------------------------------------------------------------------
Gordian..................................4.....3....2....1
Gordian u. Serapis............E
Gordian u. Tranquillina.......E
Tranquillina...................................Γ
---------------------------------------------------------------------
Philipp sen. u. Otacilia......E
Philipp jun. u. Serapis.......E
------------------------------------------------------------------------
Stadtgöttin..........................................2
--------------------------------------------------------------------

Wir sehen, daß es Dreier gibt für Domna, Diadumenian, Mamaea und Tranquillina. Umso größer ist meine Freude, euch nun einen neuen, unbekannten Dreier vorzustellen, und zwar für Elagabal:

Elagabal, 218-222
AE 25
Av.: .AVT .K.M.AVRH . ANTWNEINOC
Kopf, belorbeert, n.r.
Rv.: MARKIANO - POLEITWN
Artemis in kurzem Jagdgewand und mit Stiefeln n.r. eilend, Chlamys um die Hüfte
gewunden und hinter ihr herflatternd, hält in der vorgestreckten Linken den Bogen und
zieht mit der Rechten einen Pfeil aus dem Köcher über der re Schulter.
im li Feld Γ
Ref.: a) nicht in AMNG
b) nicht in Varbanov (engl.)
c) nicht in Hristova/Jekov
Es scheint sich also um einen neuen, unbekannten Typ zu handeln. Mit der Artemis auf der Rs. paßt er genau in das bekannte Schema der Nominale.

(wird fortgesetzt)
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markianopolis_elagabal_Artemis_Gamma_unbekannt.jpg
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mo 08.11.10 21:49

(Fortsetzung)

Einige Bemerkungen zu den Nominalen in Thrakien

Diese Darstellung gilt nur für die kaiserlichen Münzen, also nicht für die Zeit davor.

Der Hauptort der Seestädte am Schwarzen Meer war die Metropolis Tomis. Deren Münzprägung bestimmte die der anderen Seestädte, aber auch die von Moesia inferior.

1) Tomis
Bedeutendste Stadt der pontischen Liga. Wertzeichen gab es ab Marcus Aurelius als Alleinherrscher, dem nach und nach die anderen Städte folgten: Dionysopolis, Istris, Tyra, Kallatis, Markianopolis, Olbia, Anchialos und Odessos. Ob es eine richtige Münzliga gab, oder sich dies nur in praxi einbürgerte, ist nicht bekannt. Hier die Wertzeichen von Tomis:
Einer A
Zweier B
Dreier Γ
Vierer Δ
Fünfer E
Eine Besonderheit sind Eineinhalber A< und Viereinhalber Δ<., besonders unter Gordian und Philipp. Dieses anhängende Kennzeichen ist aus dem römischen Semiszeichen entwickelt.

2) Odessos
Hier gab es Vierer, Dreier, Zweier, Einer und bis Marcus Aurelius als Caesar auch Halbe. Wertzeichen wurden erst unter Gordian übernommen, aber nur das E für Fünfer. Aber hier wurde streng nach Typen unterschieden:
Vierer = Theos Megas
Dreier = (nur für Kaiserinnen!) Demeter und Kore
Zweier = Apollon und Herakles
Einer = der Reiter
Halbe = liegender Gott
Ähnliche Typensysteme gab es irgendwie auch für die anderen Städte, aber nicht so stringent durchgeführt wie in Odessos

3) Dionysopolis
Einer (ohne)
Zweier B
Dreier Γ
Vierer Δ
Fünfer E
Hier gab es auch ein Typensystem: Δ Theos Megas, Γ Demeter, B Herakles

4) Istros
Einer (ohne)
Zweier (unter Commodus B, sonst ohne)
Dreier (unter Tranquillina Γ, sonst ohne)
Vierer Δ
Fünfer E

5) Kallatis
Einer (ohne)
Dreier Γ (nur Kaiserinnen, immer Demeter)
Vierer Δ
Fünfer E

6) Markianopolis
Bereits ausführlich besprochen. Dieses System galt für alle Statthalter, hatte sich aber unter Ulpianus stabilisiert.

7) Nikopolis
Benutzte zunächst das Münzsystem wie die Nachbarstädte Hadrianopolis, Philippopolis und die anderen thrakischen Städten. Diese Münzen waren etwas schwerer als die der Seestädte (pontische Liga), aber wohl auch als Sestertius (Vierer), Dupondius (Zweier) und As (Einer) aufzufassen. Nachdem Nikopolis zu Moesia inferior kam, schloß es sich dem Währungssystem der Seestädte an, hat aber deren Wertzeichen nicht übernommen. Mit zwei Köpfen sind es hier immer Vierer. Dreier gibt es in Nikopolis nicht.

Mit freundlichem Gruß
Jochen
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Re:

Beitrag von emieg1 » Do 06.01.11 17:50

Peter43 hat geschrieben:Da schon längere Zeit keine historisch interessante Münze vorgestellt wurde, möchte ich wieder aktiv werden und eine Münze von Marcus Aurelius (161-180) vorstellen:
AR - Denar, 3.53g, 18.1mm, Rom Sommer - Dez. 166
Av.: M ANTONINVS AVG ARM PARTH MAX
belorbeerter Kopf n.r.
Rv.: TRP XX IMP IIII COS III
Victoria steht frontal, Kopf n.r., hält Palmzweig in der
re. Hand und hängt mit der li. ein Schild mit der Inschrift VIC PAR an
eine Palme
RIC III, 163; C.878
VZ, selten in dieser Erhaltung

Der Krieg gegen die Parther 161-166:
Der Einmarsch in Nordbritannien und die Schwiergkeiten entlang der Donau konnten durch den Einsatz von Legaten zufriedenstellend gemanagt werden. Die Gefahr im Osten aber war von anderem Kaliber. Die Spannungen zwischen Rom und dem Reich der Parther hatten sich in den letzten Jahren der Herrschaft des Antoninus intensiviert wegen der Kontrolle über Armenien, dieses wichtigen Pufferstaates, der so oft zu Feindseligkeiten zwischen den beiden großen Mächten Anlaß gab, da jede wünschte, dort einen ihr willfährigen König einzusetzen. Nach dem Tod des Antoninus und der Unsicherheit in der kaiserlichen Nachfolge (zum erstenmal in der römische Geschichte gab es zwei Herscher, eine Diarchie) reagierte der parthische Herrscher Vologaeses IV sofort und setzte seinen eigenen Kandidaten auf den armenischen Thron und fügte römischen Heeren, die ihm entgegentreten sollten, schwere Verluste zu. Daraufhin entschied sich Marcus Aurelius, seinen Kollegen Lucius Verus zu senden, dessen Prestige allerdings die Ernsthaftigkeit der kaiserlichen Entscheidung nicht stützen konnte. Verus hatte nämlich keine militärischen Erfahrungen und litt leider an einem Mangel an Führungseigenschaften und Befehlsgewalt. Er war bekannt dafür, daß seine Hauptinteressen Vergnügungen und Luxus waren. Aber Marcus umgab ihn mit mehreren der besten Generale, die das Reich zu Verfügung hatte, darunter als wichtigsten Avidius Cassius (ca 130-175). Ihnen gelangen von 162 an entscheidende und weitreichende Erfolge und Eroberungen. Die meisten der bedeutendsten parthischen Städte und Festungen, wie Seleucia oder Ctesiphon, wurden im Sturm genommen und zerstört. Der römische Vormarsch nach Osten war so erfolgreich und zügig, daß er Erinnerungen an den Vormarsch von Alexander dem Großen - 5 Jahrhunderte vorher - hervorrief. 166 endlich kapitulierten die Parther, und die Römer konnten einen König ihrer Wahl auf den armenische Thron setzen. Dieser Sieg erschien den Römern der entscheidenste seit der Eroberung Daciens durch Traian. (nach http://www.roman-emperors.org )

Zur Feier dieses Sieges wurden die Münzen mit der Inschrift VIC PAR geprägt.

Nummis durensis hat mich am 1.1.11 darauf aufmwerksam gemacht, daß es sich nicht im Vologaeses III, sondern um Vologaeses IV handele. Wikipedia dazu: "In älteren (und noch in einigen neueren) Darstellungen wird für diese Zeit oft als König Vologaeses III. angegeben, was aber falsch ist und der teils problematischen Chronologie der Arsakiden geschuldet ist." Diesen Fehler hat also auch Herbert W. Benario von der Emory University gemacht, von dem der oben übersetze Artikel über Marcus Aurelius stammte.

Mit freundlichen Grüßen


[ externes Bild ]

Ich möchte Jochens interessanten Beitrag um den Partherkrieg in den Jahren 161 – 166 n. Chr. und seiner Münzen um einen Denaren des Lucius Verus erweitern und gleichzeitig von einem traurigen Ereignis berichten, das unmittelbar mit dem Sieg über die Parther im Zusammenhang steht.

Lucius Verus (161 - 169 n.Chr.)
Denar
166 n.Chr.
Av.: L VERVS AVG ARM - PARTH MAX - belorbeerter Kopf n.r.
Rev.: TRP VI . IMP IIII COS II, Victoria mit Palmzweig v.v., Kopf n.r., hält Schild auf Palmstumpf, auf dem Schild VIC / PAR
17 mm, 3,04 Gr.
RIC 566, Cohen 279

Diese Münze zeigt die gleiche Rückseitendarstellung wie der vorgestellte Denar des Marcus Aurelius und symbolisiert den wichtigen Sieg über die Parther im Jahre 166 n.Chr. Schliesslich feierten am 12. Oktober 166 die beiden Kaiser in Rom ihren grossen Triumphzug und man könnte annehmen, dass die Münzen gerade für diesem Anlass geprägt wurden. Der feine Stil lässt fast an eine „Festemission“ denken, wobei nur die fähigsten Stempelschneider zum Einsatz kamen.


Die antoninische Pest

Leider wurde der grosse Sieg der Römer durch ein düsteres Kapitel der Geschichte überschattet, das im Herbst 165 n. Chr. in Seleukia seinen Anfang nahm. Kurz nach der Einnahme der wichtigsten Stellungen der Parther, Seleukia und Ktesiphon durch die Truppen des Lucius Verus brach im römischen Heer eine Pandemie aus, die als Antoninische Pest traurige Geschichte schreiben sollte. Diese heimtückische Krankheit, die fast immer tödlich verlief, war vermutlich keine Pest im medizinischen Sinne, sondern ein besonders virulenter Stamm der Pocken. Prominenteste Opfer waren wahrscheinlich die beiden Kaiser selbst.

Bei der antoninischen Pest handelt es sich um eine der am besten dokumentierten Pandemien der Antike; nach Schätzungen kamen im gesamten Verlauf ungefähr sieben bis zehn Millionen Menschen durch diese Krankheit ums Leben.

In Rom selbst brach die Seuche kurz nach dem Triumphzug der siegreichen Legionen im Jahre 166 n. Chr. aus. Der Historiker Cassius Dio berichtet von 2000 Toten täglich in der Hauptstadt. Innerhalb kurzer Zeit erreichte sie selbst die entlegensten Gebiete des römischen Imperiums wie die iberische Halbinsel und Britannien. Die Folge war ein Massensterben, das mit kurzen Unterbrechungen fast 24 Jahre anhalten sollte. Nach Ammianus hat diese Krankheit von der Grenze Persiens bis an den Rhein und Gallien alles mit Leichen erfüllt.

Ganz besonders aber sollten die militärischen Legionen an der Donau während der Markomannenkriege von der Antoninischen Pest betroffen gewesen sein. Die zahlreichen krankheitsbedingten Todesfälle führten zeitweise zu einer dramatischen Verschlechterung der militärischen Lage auf römischer Seite; in einigen Einheiten fiel ein Drittel der Mannschaft der Seuche zum Opfer.

Sicherlich war der Sieg des Lucius Verus über die Parther einerseits zwar ein grosser militärischer Erfolg, der in erster Linie seinen fähigen Generälen Statius Priscus und Avidius Cassius zu verdanken war, betrachtet man andererseits jedoch seine damals nicht voraussehbaren Auswirkungen, war er in seinen Folgen für das römische Volk und Imperium einer der vernichtendsten Niederlagen. Wenn auch die zunehmende Destabilisierung und der allmähliche Verlust der Reichseinheit nach dem Partherkrieg durch viele Faktoren wie Missernten, Steuererhöhungen und die ständige Kriegssituation begünstigt wurden, so war die Antoninische Pest sicherlich aber einer der ausschlaggebenden Faktoren für die wirtschaftliche und soziale Situation im gesamten Imperium, die schliesslich zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts führte.

Anm.: „Dass die Pest besonders unter den Soldaten wütete, scheint eine Münze aus dem Jahr 166 n. Chr. mit dem Bildnis der Minerva Medica zu belegen.“ (Quelle: wikipedia)
Leider habe ich bisher eine solche Münze nicht ausfindig machen können. Darüber hinaus sind die Quellen zur Minerva Medica sehr dürftig; eine Abbildung habe ich bisher ebenfalls nicht gefunden. Eventuell ist sie ähnlich oder sogar gleichzusetzen mit der im Tempel der Minerva Medica in Rom gefundenen Statue der Athena Giustiniani (Bild s.u.); die Schlange als Attribut lässt mich ein wenig an die Äskulapnatter am Stab des Asklepios denken. Für jede nähere Information dazu bin ich dankbar.

Vervollständigen möchte ich noch mein posting mit einer Büste des "zweiten Mannes am Platze". Tatsächlich ist es Lucius Verus, wie man ihn von den Münzen nicht kennt. Zugegeben war ich auch etwas verwundert, als ich diese fast bartlose Büste im römischen Stadtmuseum entdeckt habe. Vielleicht auch idealisiert blickt er hier vollkommen "verus-untypisch" auf den Betrachter. Ich meine, man muss die überlieferten Beschreibungen des Lucius Verus mit grosser Vorsicht geniessen. Sicherlich war er als vergnügensuchende Frohnatur bei den antiken Geschichtsschreibern nicht ganz so beliebt wie der konservative philosophische Marcus Aurelius. Trotzdem... er war strategisch klug genug, die wichtigen Entscheidungen in die Hände solcher zu legen, die sich mit so etwas auskennen.
Dateianhänge
verusverus.jpg
verus_av.jpg
verus_rev.jpg
Athena.jpg
Zuletzt geändert von emieg1 am Fr 07.01.11 00:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 06.01.11 20:05

Dank für den Hinweis auf die Bedeutung der 'antoninischen Pest'. Leider werden oft nur die militärischen Ereignisse geschildert, ohne auf solch bedeutende Hintergründe und Folgen zu verweisen.

Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 06.01.11 20:41

Hallo nummi durensis!

Dies habe ich über Minerva Medica bei Roscher gefunden:

"Noch der republikanischen Zeit gehört der Kult der Minerva Medica (Cic. de div. 2, 123: sine medico medicinam dabit Minerva) und ihr Heiligtum auf dem Esquilin an, dessen Lage neuerdings durch einen Fund zahlreicher Votivstatuetten und einer archaischen Inschrift Menerva dono dedit festgestellt worden ist. Die Vorstellung kann rein auf römisch-italischem Boden erwachsen sein, indem die Schutzpatronin der Ärzte selbst zur Heilgöttin wurde; doch ist der Gedanke an eine Einwirkung der griechischen Athena Hygieia, Paionia usw. (s. Bruchmann, De Apolline et graeca Minerva deis medicis. Breslau 1885, 75ff.) nicht auszuschließen. Denn seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert erfuhr, wie die sonstigen römischen Gottesdienste, auch der Minervenkult eine durchgreifende Hellenisierung."

"Auch nach der Verlegung des Stiftungstages ist der 19. März ist der Hauptfesttag der Minerva geblieben; denn die Stiftungsfeier des aventinischen Tempels hatte allmählig das Fest der Quinquatrus, das zum Marskulte gehörte, gewissermaßen für Minerva annektiert un dzu einem Feste für die Göttin gemacht, so daß in den späteren Bauernkalendern sogar der ganze Monat März als der Minerva heilig betrachtet wurde. Die Bedeutung des Tages liegt darin, daß er von den Handwerkervereinen, welche Minerva als ihre Schutzheilige verehrten, als ihr Festtag gefeiert wurde. Ovid (fast. 3, 821ff.) zählt als an der Festfeier der Quinquatrus beteiligten die Walker, Färber, Schuster, Zimmerleute, Ärzte, Schulmeister, Ciseleure, Maler, Bildhauer und Trompeter auf, ohne jedoch damit Vollständiigkeit zu beanspruchen."

Roscher führt weiter aus, daß das, was über die Quinquatrusfeier in der republikanischen Zeit bekannt ist, deutlich zeigt, in welcher Auffassung Minerva in Rom Aufnahme gefunden hat. Es liegt kein Grund dafür vor, daß diese Anschauung sich unter dem Einfluß griechischer Vorstellungen gebildet habe. Die Zuspitzung auf die weiblichen Kunstfertigkeiten des Spinnens und Webens ist der römischen Auffassung fremd. Die römische Minerva ist die Handwerksgöttin, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Athena Ergane gleichgesetzt wurde.

Mit freundlichem Gruß
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