Falscher Stater?

Griechische Münzen des Altertums

Moderator: Numis-Student

JochenJ
Beiträge: 14
Registriert: Mi 04.07.18 20:11

Falscher Stater?

Beitrag von JochenJ » Do 18.06.20 20:20

Hallo,

handelt es sich hier um einen gefälschten Stater des Philippos II? Beide Stempel sind auffallend klein (und schlecht zentriert) und bei dem Streitwagen fällt auf, dass das Wagenrad 8 Speichen hat. Das könnte auf eine Fälschung hindeuten. Das Gewicht beträgt 7,94 g. Könnte es sich um eine zeitgenössische "Fälschung" handeln (3. Jh.?).

LG Jochen
Dateianhänge
Stater Philippos II b.JPG
Stater Philippos II a.JPG

Altamura2
Beiträge: 3201
Registriert: So 10.06.12 20:08
Danksagung erhalten: 106 Mal

Re: Falscher Stater?

Beitrag von Altamura2 » Do 18.06.20 20:57

Genau diese Münze wurde 2018 als Imitation der Gallier verkauft, allerdings ohne vernünftige Referenz und auch von einem Auktionshaus, das nun nicht zu den Größen der Branche zählt :? : https://www.acsearch.info/search.html?id=5459630

Ein Original ist diese Münze nicht. Die acht Speichen findet man auf den Originalen nicht. Der Wagenlenker ist sonst auch sehr stark nach vorn gebeugt, hier steht er aufrecht und es sieht so aus, als ob er auch seinen rechten Arm nach hinten abgewinkelt hätte.
Mit 7,94 g ist die Münze auch ein Stück zu leicht.
JochenJ hat geschrieben:
Do 18.06.20 20:20
... Könnte es sich um eine zeitgenössische "Fälschung" handeln (3. Jh.?). ...
Das ist schwer zu sagen. Zeitgenössische Imitationen dieser Statere gibt es jede Menge, hier ein paar Beispiele:
https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10316610j
https://www.acsearch.info/search.html?id=6496601
https://www.acsearch.info/search.html?id=5917739
https://www.acsearch.info/search.html?id=5631431
https://www.acsearch.info/search.html?id=532459

Da diese stilistisch sehr unterschiedlich sind, ist es anhand der Bilder alleine nur schwer zu sagen, ob die Münze nun eine antike Imitation oder eine heutige ist :? .

Gruß

Altamura

JochenJ
Beiträge: 14
Registriert: Mi 04.07.18 20:11

Re: Falscher Stater?

Beitrag von JochenJ » Do 18.06.20 21:42

Hallo Altamura,

danke für Deine Antwort. Was ich schon merkwürdig finde ist , dass die Anzahl der Speichen und deren Form gegenüber dem Original geändert wurde. Wer würde das bei einer Fälschung machen? Der Arm nach hinten könnte auch als Umhang interpretiert werden, der ja auch bei den Münzen des 4. Jh. nicht vorhanden ist. Und warum wurde der Durchmesser der Stempel verringert?

LG Jochen

Altamura2
Beiträge: 3201
Registriert: So 10.06.12 20:08
Danksagung erhalten: 106 Mal

Re: Falscher Stater?

Beitrag von Altamura2 » Do 18.06.20 22:15

JochenJ hat geschrieben:
Do 18.06.20 21:42
... dass die Anzahl der Speichen und deren Form gegenüber dem Original geändert wurde. Wer würde das bei einer Fälschung machen? ...
Von was reden wir jetzt 8O ? Einer antiken Imitation oder einer modernen Fälschung davon?

Bei den antiken Imitationen musste nicht das Bild stimmen, sondern das Gold :D . Diese Imitationen weichen teilweise ganz erheblich vom Original ab, das hat schon damals auch der berühmte Blinde mit Krückstock gesehen. Als extremes Beispiel hier mal eine Tetradrachme des Thasischen Typs:
Original: https://www.acsearch.info/search.html?id=6993953
Imitation: https://www.acsearch.info/search.html?id=6993921

Wenn man heutzutage eine antike Imitation fälscht, dann fliegt man aufgrund der stilistischen Vielfalt der "Originale" nicht so schnell auf wie beim Fälschen der antiken Vorbilder (der Imitationen), das Risiko ist also etwas geringer.

Gruß

Altamura

JochenJ
Beiträge: 14
Registriert: Mi 04.07.18 20:11

Re: Falscher Stater?

Beitrag von JochenJ » Do 18.06.20 22:56

Mit Fälschung meine ich eine moderne Kopie der antiken Münze oder einer antiken Nachahmung.

Bei den antiken Münzen, die nach den griechischen Vorbildern gemacht wurden, ging es wohl in erster Linie um das Gewicht und um das Münzmaterial.

Bei den Nachahmungen der griechischen Tetradrachmen im Donauraum und in Südfrankreich nahm das Münzgewicht über die Zeit kontinuierlich ab. Das ist auch im übrigen keltischen Raum zu beobachten: bei den Münzgewichten der Statere. Letztendlich setzte sich dieser Trend auch bei den römischen Denaren fort. Von daher könnte geschlossen werden, dass die nach den makedonischen Stateren von Philippos II angefertigten Nachahmungen an diesen Trend angepasst wurden, was für eine jüngere Ausgabe der vorliegenden Münze sprechen würde (2.-3. Jh. v Chr.?). Auch das geringere Münzgewicht könnte daher dafür ein Beleg sein, dass es sich um eine antike Münze handelt, muss es aber nicht.

LG Jochen

  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • Falscher Florin
    von Sir Keppa » Mo 26.11.18 00:06 » in Mittelalter
    3 Antworten
    578 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Albert von Pietengau
    Do 29.11.18 09:03
  • Constantin II. mit falscher Rückseite
    von ischbierra » Sa 05.10.19 14:21 » in Römer
    6 Antworten
    716 Zugriffe
    Letzter Beitrag von ischbierra
    So 06.10.19 19:50
  • Brandenburg 6 Gröscher mit falscher Wertzahl
    von Chirurg » Do 26.12.19 14:10 » in Altdeutschland
    3 Antworten
    357 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Chirurg
    So 05.01.20 20:39
  • Falscher Thrax oder doch ein antikes Stück ?
    von kijach » Sa 25.04.20 09:13 » in Römer
    5 Antworten
    328 Zugriffe
    Letzter Beitrag von justus
    Sa 25.04.20 17:47
  • Stater der Ubier
    von JochenJ » Mi 13.11.19 16:29 » in Kelten
    2 Antworten
    281 Zugriffe
    Letzter Beitrag von JochenJ
    Do 14.11.19 12:53

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast